Eurasien-Ticker

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China reformiert seine Verwaltung nach deutschem Vorbild · Konfuzius-Institut eröffnet an der Freien Universität Berlin · Freihandelszone für Südosteuropa nimmt Gestalt an · Schweden stößt Dollar ab und stockt seine Euro-Reserven auf · Europäische Autobahnbetreiber werden Weltmarktführer · Juncker will mehr Einfluss für Europäische Zentralbank beim IWF

Von EM Redaktion

China reformiert seine Verwaltung nach deutschem Vorbild

EM - China möchte seine lokalen Verwaltungen reformieren und nimmt sich deutsche Kommunen zum Vorbild. Das ist Anlass für ein Kooperationsprojekt zur bürgernahen Verwaltung zwischen der Uni Duisburg-Essen und dem Chinesischen Zentrum für Politik- und Wirtschaftsvergleich in Peking. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus dem Reich der Mitte und mit Fördermitteln der Haniel-Stiftung erarbeiten der Ostasienwissenschaftler Professor Dr. Thomas Heberer und Verwaltungswissenschaftler Professor Dr. Dieter Grunow bis Ende des Jahres ein Konzeptpapier für die chinesische Regierung.

China legt vor allem Wert darauf, sich künftig eine „bürgernahe Verwaltung“ zu geben. Dazu sollen folgende Bereiche gehören: Mitarbeit der Bürger auf lokaler Ebene, Übertragung öffentlicher Dienstleistungen an private Organisationen, Transparenz von Entscheidungsabläufen in lokalen Verwaltungen und die Rolle von Sozialwissenschaftlern bei der Reform des Verwaltungsapparats.

In Peking zum Beispiel steht die Umwandlung der Stadtviertelbehörden zu Dienstleistungsorganen auf dem Programm. Dadurch sollen Probleme in der medizinischen Versorgung, Altenbetreuung und der Fortbildung Arbeitsloser gelöst werden.

Für das gemeinsame Beratungskonzept stützen sich die Wissenschaftler beider Länder vor allem auf die bewährte Praxis bürgernaher Verwaltung in Deutschland: städtische Bürgerbüros und Bürgerbegehren, Mitwirkung der Bevölkerung an kommunalen Planungskonzepten. Dazu gehört auch die Privatisierung kommunaler Dienstleistungen, sowie Politikberatung durch Wissenschaftseinrichtungen.

Konfuzius-Institut  eröffnet an der Freien Universität Berlin

EM - Das erste Konfuzius-Institut in Deutschland wurde am 27. April an der Berliner FU feierlich eröffnet. Namensgeber der Einrichtung ist der chinesische Philosoph Konfuzius (551-479 v. Chr.). Das Institut wurde von der „Nationalen Staatlichen Leitungsgruppe für Chinesisch als Fremdsprache“ der Regierung der Volksrepublik China initiiert. Die Gründung des Konfuzius-Institiuts in Berlin erfolgte in Kooperation der Freien Universität Berlin mit der Peking-Universität.

Das Konfuzius-Institut wird eng mit der Fachrichtung Sinologie am Ostasiatischen Seminar der Freien Universität zusammenarbeiten. Zu den Aufgaben des Instituts zählen die Förderung der Kenntnis chinesischer Kultur, insbesondere die Vermittlung chinesischer Sprachkenntnisse, die Pflege der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit auf akademischer Ebene, sowie die Förderung chinabezogener Projekte im Wissenschafts- und Kulturbereich.

Neben aufeinander aufbauenden Konversations- und Sprachkursen des modernen Hochchinesisch soll das vielseitige Programmangebot des Konfuzius-Instituts an der Freien Universität Berlin auch einen Kurs zur Vorbereitung auf die international anerkannte Sprachprüfung „Hanyu Shuiping Kaoshi“ (HSK) umfassen. Veranstaltungen für die Lehrerfortbildung, interkulturelle Trainingsseminare, Seminare und Workshops zu speziellen Themen wie der Traditionellen Chinesischen Medizin und der chinesischen Kalligraphie und Malerei ergänzen das Angebot.
Weitere Informationen: http://www.konfuziusinstitut-berlin.de

Freihandelszone für Südosteuropa nimmt Gestalt an

EM – Das bestehende Mitteleuropäische Freihandelsübereinkommen (CEFTA) wird erweitert. Bislang gehören ihm Bulgarien, Rumänien, Kroatien und Mazedonien an. Künftig sollen auch Albanien, Serbien/Montenegro, Bosnien/Herzegowina, Kosovo und Moldavien einbezogen werden. Die EU-Kommission hat bereits entsprechende Verhandlungen mit den Regierungen der südosteuropäischen Staaten aufgenommen. Diese Gespräche sollen bereits Ende 2006 abgeschlossen sein. Mit diesem neuen Abkommen würden die bisherigen 31 bilateralen Vereinbarungen in einem einheitlichen Vertragstext zusammengefasst.

Weitere Informationen http://europa.eu.int./comm/trade/issues/bilateral/regions/balkans/index_en.htm

Schweden stößt Dollar ab und stockt seine Euro-Reserven auf

EM – Schweden hat im April den Euro-Anteil seiner Währungsreserven deutlich erhöht und hält jetzt die Hälfte seiner Devisen in der europäischen Gemeinschaftswährung. Die Euro-Reserven Schwedens wurden im Laufe des Monats von 37 auf 50 Prozent erhöht, teilte die schwedische Notenbank (Riksbank) in Stockholm mit. Gleichzeitig wurde der Bestand an US-Dollar von 37 auf 20 Prozent abgesenkt. Die Riksbank begründete diesen Schritt damit, die wechselkursbedingten Schwankungen bei ihren Devisenreserven verringern zu wollen.

Der Eurokurs profitierte von dieser Nachricht. Bis Ende April stieg er gegenüber der US-Währung von rund 1,20 Dollar auf fast 1,25 Dollar.

In den vergangenen Jahren hatten vor allem asiatische Notenbanken, aber auch Länder wie Russland wegen der hohen US-Defizite in Staatshaushalt und Handelsbilanz ihre Euro-Bestände zu Lasten des Dollars aufgestockt.

Europäische Autobahnbetreiber werden Weltmarktführer

EM – Der größte Autobahnbetreiber der Welt heißt Abertis und hat seinen Sitz in Barcelona. Er ist aus dem Zusammenschluss des italienischen Unternehmens Autostrade und der spanischen Firma Abertis entstanden, die sich Ende April vereint haben. Der Firmenwert des Unternehmens liegt bei 45 Milliarden Euro, der Börsenwert bei rund 25 Milliarden Euro.

Durch die Fusion ist das weltgrößte Infrastrukturunternehmen entstanden. Die neue Gruppe soll bei Großprojekten in der Wachstumsbranche Verkehrsinfrastruktur weltweit zum Zug kommen. Besondere Priorität haben Italien, Frankreich und Spanien. Aber auch in Osteuropa will der neue Konzern wachsen.  Das Management hegt außerdem Expansionspläne auch in den USA. Dort betreibt Autostrade eine Autobahn zum Flughafen Washington. „Das Zusammengehen mit Abertis bedeutet, dass wir fähig sind, die geplanten Privatisierungen auf dem US-Markt voll zu nutzen“, sagte Gian Maria Gros Pietro, Präsident von Autostrade.

Derzeit betreiben Autostrade und Abertis rund 6.700 Kilometer Mautstrecken in Europa und Amerika, sowie mehr als ein Dutzend Flughäfen, unter anderem in London und Stockholm. Zusammengerechnet setzen sie mit 20.000 Mitarbeitern sechs Milliarden. Euro um.

Juncker will mehr Einfluss für Europäische Zentralbank beim IWF

EM - Der Vorsitzende der Eurogruppe und Ministerpräsident von Luxemburg, Jean-Claude Juncker, unterstützt die Forderung der Europäischen Zentralbank (EZB), beim Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr Einfluss zu bekommen. In einem Interview mit der „Financial Times Deutschland“ (FTD) stellte er sich hinter die Forderung, die EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi jüngst erhoben hatte. Smaghi verlangte, Europas Notenbank müsse einen eigenen Sitz bekommen und Vollmitglied im Währungs- und Finanzausschuss werden, dem Leitungsgremium des Fonds.

„Die EZB wird weltweit als ein zentraler und globaler Player der internationalen Währungspolitik angesehen, und man sollte diesen Tatbestand auch formalisieren“, erklärte Juncker gegenüber der FTD. Weil es dafür zurzeit aber keine Mehrheit in der Währungsunion gebe, nannte er dies ein langfristiges Ziel. Die EZB hat bislang nur Beobachterstatus in dem Gremium.

Eine IWF-Reform war auch zentraler Diskussionspunkt bei der Frühjahrstagung des Fonds Ende April in Washington. Die Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss des EM noch nicht vor.

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