Eurasien-Ticker

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„Lonely Planet“ auf Deutsch · Kampf der Kulturen - Mickey Mouse ärgert Peking · Deutsch, die Hauptsprache Europas, ist jetzt auch in Brüssel im Kommen · Die deutschen WM-Busse kommen vom Bosporus · China rollt den afrikanischen Kontinent auf - und die Welt merkt es nicht · Putin kommt im Oktober nach Deutschland

Von EM Redaktion

„Lonely Planet“ auf Deutsch

EM – Die „Lonely Planet“-Reiseführer gelten als Bibeln der Weltenbummler und gleichzeitig als die meistverkauften Handbücher ihrer Art. Es gibt sie zu fast allen Ländern und Regionen - von A wie Andalusien bis Z wie Zentralasien. In Deutschland waren die Reisebegleiter bislang nur auf Englisch zu haben. Jetzt erscheinen sie auch in deutscher Sprache.

Derzeit sind zwölf deutschsprachige Bände zu haben: Argentinien, Australien, Bulgarien, Indien, Irland, Italien, Kreta, London, Norwegen, Polen, Thailand sowie Toskana & Umbrien. Weitere Titel sollen folgen. Die Auflage beträgt 10.000 Stück pro Band, bei Preisen zwischen 17,50 Euro (Toskana & Umbrien) und 28,50 Euro (Indien).

Die Reiseführer sind Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche, lediglich kleine Abschnitte werden speziell für deutsche Leser überarbeitet. Der „Lonely Planet“-Verlag, der seinen Hauptsitz in Sydney hat, arbeitet mit dem MairDumont-Verlag aus Ostfildern/ Stuttgart zusammen. Der deutsche Reisespezialist (Dumont, Marco Polo, Baedeker) wird die „Lonely Planet“-Führer hierzulande verlegen.

Kampf der Kulturen - Mickey Mouse ärgert Peking

EM – Seit einem Dreivierteljahr gibt es ein Disneyland auf chinesischem Boden. Im September 2005 wurde der erste Freizeitpark dieser Art auf der Insel Lantau eröffnet, die zu Hongkong gehört. Aber so richtig heimisch geworden ist Mickey Mouse noch nicht im Reich der Mitte. Zwar waren zur Eröffnung traditionelle Löwentänze aufgeführt worden, aber inzwischen hat es bereits eine Reihe von Pannen gegeben.

Während des chinesischen Frühjahrsfestes, das den Chinesen ab Ende Januar eine Woche Ferien brachte, waren so viele Chinesen vom Festland in den Disneypark gekommen, dass die Anlagen restlos überfüllt waren. Viele Besucher wurden abgewiesen, sogar dann, wenn sie Eintrittskarten ergattert hatten. Die Menschen waren empört, es kam zu regelrechten Aufläufen der zornigen Besucher, die oft von weit her angereist waren. Viele fuhren enttäuscht wieder nach Hause. Während der nächsten Ferienwochen im Mai blieben die Besucher aus. Der Disney-Konzern feuerte eine Reihe von  Managern. Auch Hongkongs Regierungschef Donald Tsang zeigte sich enttäuscht. Immerhin hat die Stadt zwei Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur für den Disneypark investiert. Mit 57 Prozent ist Hongkong der sogar der Mehrheitseigner des Parks.

Die Comic-Figuren aus den USA sind im offiziellen China allerdings ungern gesehen. Sie sollen jetzt zur Hauptsendezeit sogar aus dem Fernsehen verbannt werden. Die Medienbehörde des Landes hat entschieden, dass 60 Prozent der im chinesischen TV gezeigten Cartoons künftig aus einheimischer Produktion stammen müssen.

Ungeachtet solcher Auflagen plant die größte chinesische Geschäftsmetropole Schanghai im Jahr 2010 ebenfalls einen Disneypark zu eröffnen. Dann kommt die Weltausstellung Expo nach Schanghai, und man möchte den ausländischen Besuchern neben Transrapid und Wolkenkratzern auch einen Freizeitpark als Attraktion bieten.

Chinesische Kommentatoren wettern gegen solche Vorhaben. Sie fragen: Wollen wir wirklich soviel amerikanische Kultur zulassen? Es sei eine Unkultur, sie ziele auf Kinder und Jugendliche. Wenn China mit amerikanischer Kultur überschwemmt werde, gerate sie in ernsthafte Gefahr. Man solle deshalb in Schanghai einen Vergnügungspark mit chinesischen Figuren und Erlebnislandschaften errichten.

Deutsch, die Hauptsprache Europas, ist jetzt auch in Brüssel im Kommen

EM – Das Brüsseler Goethe-Institut bekommt es seit einiger Zeit schon zu spüren: Viele Beamte der Europäischen Union lernen neuerdings die Sprache, die in Europa am meisten verbreitet ist: Deutsch. So haben sich beispielsweise der lettische Energiekommissar Andris Piebalgs und die polnische Regionalkommissarin Danuta Hübner bei Lehrkräften des Instituts für einen Deutschkurs eingeschrieben. Die Nachfrage nach Deutschkursen habe im letzten halben Jahr deutlich zugenommen.

Zwar ist Deutsch schon immer eine der drei Arbeitssprachen der EU - in der Praxis wird aber nach wie vor meistens Englisch oder Französisch gesprochen. Dass sich das nun ändern könnte, signalisiert das ansteigende Interesse an der deutschen Sprache. Vielleicht hat es mit einem Vorstoß von  Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zu tun. Er hatte bei Kommissionschef José Manuel Barroso eingefordert, dass die deutsche Sprache bei der Arbeit in der EU gleichberechtigt verwendet werden müsse. Künftig müssten alle wichtigen EU-Dokumente ins Deutsche übersetzt werden, nur dann werde der Bundestag die europäischen Dokumente behandeln. Dies dürfte nicht zu verwirklichen sein, denn die Übersetzer bei der Kommission sind völlig überfordert. Es gibt bislang einfach nicht genügend gute Kräfte, die Deutsch beherrschen.

Die deutschen WM-Busse kommen vom Bosporus

EM - Die Türkei auf dem Weg von der Textil- und Agrarnation zum Industriestandort. So sieht ein Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) den möglichen EU-Beitrittskandidaten. Der Kfz-Sektor des Landes sei dabei, die Bekleidungsbranche als Exportführer zu verdrängen. Die sei „ein Schritt weg vom Image des Schwellenlandes“.
Von zehn bunt beklebten Mannschaftsbussen der Fußball-WM zum Beispiel, hätten „neun  schon einen langen Weg hinter sich: von Mercedes-Benz Türk bei Istanbul auf der alten Handelsstraße ein Stück die Donau aufwärts bis nach Ulm“, wo der Deutsche Fußball-Bund sie schließlich entgegennähme. Die FTD: „Wenn Produktionsleiter Cetin Atsür im Werk Hosdere davon erzählt, vibriert seine Stimme: ‚Ein WM-Modell ist doch etwas Besonderes!’ Dabei stammt heute schon jeder dritte Mercedes-Bus auf deutschen Straßen aus türkischer Hand.“

Wie Daimler hätten zahlreiche Autobauer – darunter Toyota, Ford und Renault – am Marmarameer ein festes Standbein. Attraktiv sei die Nähe zu europäischen Absatzmärkten, die Kostenstruktur und leistungsstarke lokale Zulieferer. Eine Million Einheiten seien 2005 in der Türkei vom Band gelaufen. Bis 2010 sehe der Plan doppelt so viel vor. Das Land am Bosporus habe „in den vergangenen Jahren so viele Investitionen angezogen, dass die Türkei unter die ersten drei Automobilzentren Europas aufrücken konnte – mit dem Schwerpunkt leichte Nutzfahrzeuge.“ Die Türkei sei mit weniger als 70 Autos auf 1000 Einwohner noch chronisch untermotorisiert. Große Wachstumspotentiale sehe die türkische Kfz-Industrie deshalb auf dem heimischen Markt. Aber auch im benachbarten Iran – einem Riesenmarkt, der zwar eigene Marken fertige, aber immense Qualitätsprobleme habe.

China rollt den afrikanischen Kontinent auf - und die Welt merkt es nicht

EM - Chinesische Ingenieure, Techniker und Händler seien von der übrigen Welt weitgehend unbemerkt dabei, den afrikanischen Kontinent zu erobern, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Im Gegensatz zu Europa oder den Vereinigten Staaten sehe China in Afrika nicht zuallererst den Hunger- und Katastrophenkontinent, sondern einen mit allen wichtigen Rohstoffen gesegneten Erdteil, der den letzten konsumtechnisch nicht erschlossenen Flecken Erde darstelle..

Das wichtigste Anliegen Chinas sei zwar die Sicherung von Rohstoffen für seine expandierende Wirtschaft. Der chinesische Erdölkonzern China National Petroleum habe sich kürzlich für mehr als zwei Milliarden Dollar 45 Prozent eines als äußerst ergiebig geltenden nigerianischen Ölfeldes gesichert. Im Gegenzug wolle China vier Milliarden Dollar in die Reparatur der maroden nigerianischen Infrastruktur investieren. Der Bau von Straßen, Kraftwerken und einem Eisenbahnnetz gehöre dazu. Im Süden des Landes sei eine Freihandelszone geplant, an der chinesische Unternehmen reges Interesse zeigten. Von dort aus ließen sich sowohl West- als auch Zentralafrika leicht beliefern. Das Investitionsvolumen werde auf sieben Milliarden Dollar geschätzt.

Allein in den neunziger Jahren ist das Handelsvolumen zwischen China und dem afrikanischen Kontinent laut FAZ um 700 Prozent gestiegen. Den größten Anteil daran hätten chinesische Erdölimporte aus Sudan und Angola, das mittlerweile 25 Prozent seiner Produktion nach Fernost verkaufe. China sei nach den Vereinigten Staaten und Frankreich zum drittgrößten Handelspartner Afrikas aufgestiegen und habe dabei Großbritannien hinter sich gelassen.

China gehe es in Afrika nicht um die Sicherung von Rohstoffen allein, sondern auch um das Schaffen von Absatzmärkten. Die billigen chinesischen Produkte seien der Kaufkraft der Afrikaner angepasst. Sie würden den Schwarzen Kontinent überschwemmen, während. die lokale afrikanische Wirtschaft mit den Chinesen nicht konkurrieren könne. In den Einkaufszentren zwischen Harare und Kapstadt sei kaum noch ein Bekleidungsstück zu finden, das nicht „Made in China“ sei.

Putin kommt im Oktober nach Deutschland

EM - Der russische Präsident Wladimir Putin wird Mitte Oktober zum Gegenbesuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Deutschland erwartet. Ein Regierungssprecher bestätigte Planungen in dieser Richtung. Merkel und Putin hatten sich zuletzt Ende April im sibirischen Tomsk im Rahmen der deutsch-russischen Konsultationen getroffen.

Neben politischen Gesprächen in Berlin sei das 800-jährige Bestehen der Stadt Dresden ein Anlass für den Besuch.des russischen Präsidenten. Putin war zu DDR-Zeiten als KGB-Offizier in Dresden stationiert. Nun solle er dort am Treffen des Petersburger Dialogs zwischen Deutschland und Russland teilnehmen.

Vorgesehen sei auch die gemeinsame Eröffnung eines Koch-Metschnikow-Forums durch Putin und Merkel. Das Forum will die deutsch-russische Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Immunschwäche AIDS und anderen schweren Infektionskrankheiten verbessern. Außerdem sei ein Abstecher nach München geplant, wo der Präsident vor allem Wirtschaftstermine wahrnehmen werde, hieß es.

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