Eurasien-Ticker

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Moskau nimmt Erdölhandel auf Rubel-Basis auf · Luftverbesserung in Peking für die Olympischen Spiele 2008 · GeoForschungsZentrum Potsdam gibt Hinweise zum Verhalten bei Katastrophen · Die Katalanen haben für mehr Eigenständigkeit gestimmt · Ansehen der USA als Weltmacht sinkt weiter · Europa wird von den Menschen weltweit als schwach eingeschätzt

Von EM Redaktion

Moskau nimmt Erdölhandel auf Rubel-Basis auf

EM – Am 8. Juni ist in Moskau zum ersten Mal ein Termingeschäft für Erdöl der Marke Urals abgeschlossen worden, dessen Verrechnung in Rubel erfolgt. Präsident Wladimir Putin hatte vor einigen Monaten für den Handel von Erdöl gegen Rubel plädiert. Die Angebote auf dem Handelsplatz der russischen Börse RTS (Russian Trade System) haben aber bisher nur schwache Ähnlichkeit mit einer Erdölbörse. Sie glichen eher einem Feld für Spekulanten, berichtet die Agentur Ria Novosti.

Russisches Erdöl ist bisher um fünf bis sieben US-Dollar billiger als Erdöl der Marke Brent. Diese „Ungerechtigkeit“ ließ Wladimir Putin bereits scharfe Töne anschlagen. Er beauftragte die Regierung, sich Gedanken zu machen, wie diese Preisdifferenz auf ein Minimum verringert werden kann. Der erste Schritt zu dem neuen Handelssystem für Erdöl ist mit dem ersten Erdöl-Rubelgeschäft getan worden. Damit legt Russland seinen eigenen Erdölpreis fest.

Der Beginn des Erdölhandels in Moskau soll nach den Vorstellungen der Organisatoren das Geld russischer Investoren für den einheimischen Markt mobilisieren, denn die Marktsituation hänge bisher ausschließlich vom Willen des Auslandes ab. Unter diesen Bedingungen sei es sehr kompliziert, „Schwarzen Montagen“ und „Schwarzen Dienstagen“ einen Riegel vorzuschieben. Außerdem sei die eigene Erdölbörse ein Schritt auf dem Weg zur Konvertierbarkeit des Rubels, von der Wladimir Putin in seiner jüngsten Botschaft an die Föderalversammlung gesprochen hatte.

Die zweite gigantische Aufgabe, die Wladimir Putin bereits im vorigen Herbst der Regierung übertrug, nämlich die Reduzierung des Preisunterschieds zwischen dem einheimischen Erdöl Urals und dem westeuropäischen Brent, kann das Vorhaben, dem sich der Handelsplatz RTS gestellt hat, nicht in den Griff bekommen. Die russischen Erdölmagnaten, und das ist die Schwierigkeit, sind nicht besonders an der Existenz einer Petrobörse auf Rubel-Basis interessiert. Für sie ist es leichter, im Ausland zu verkaufen.

Luftverbesserung in Peking für die Olympischen Spiele 2008

EM - Jülicher Atmosphärenforscher sind Ende Juni nach China aufgebrochen, um dort in diesem Sommer gleich zwei große Messkampagnen zur Luftqualität durchzuführen. Gemeinsam mit chinesischen Kollegen und Wissenschaftlerteams aus aller Welt untersuchen sie, welches die wichtigsten Ursachen für die Luftverschmutzung in den Ballungsräumen um Beijing und im Pearl River Delta sind. Ein wichtiges Ziel der Aktion ist es,  bessere Luft für die olympischen Spiele 2008 in Peking zu bekommen

Die untere Schicht der Atmosphäre, die Troposphäre, ist durch den gigantischen Wirtschaftsboom und dem damit verbundenen Ausstoß an Schadstoffen stark belastet. Von 1996 bis 2002 stieg der Ausstoß an Stickstoffdioxid um 50 Prozent.

 Prof. Andreas Wahner, Direktor am Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre des Forschungszentrums Jülich sagte vor dem Start nach China: „Die Chinesen sind brennend daran interessiert zu erfahren, welche Schadstoffe im Einzelnen in der Atmosphäre vorhanden sind, und welche photochemischen Prozesse stattfinden.“

„Die Forscher der Peking Universität, welche die Untersuchungen leiten, greifen gern auf die Expertise der Jülicher Wissenschaftler zurück. Dabei spielt zum einen eine Rolle, dass das Forschungszentrum Jülich seit Jahren intensive Beziehungen zu chinesischen Universitäten pflegt“, sagt Wahner. So seien bei den Messkampagnen auch drei Doktoranden der Peking Universität und der Jiatong Universität in Shanghai dabei, die einen Großteil ihrer Doktorarbeiten in Jülich anfertigten und nun in ihrer Heimat das erworbene Know-how umsetzten. Zum anderen gäbe es kaum ein anderes Institut, das in der Lage ist, so umfassend verschiedenen Spurengase in der Atmosphäre zu messen. Vor allem bei der Bestimmung der freien Radikale sei das Forschungszentrum Jülich weltweit Vorreiter.

GeoForschungsZentrum Potsdam gibt Hinweise zum Verhalten  bei Katastrophen

EM - Zu Beginn der Haupt-Reisezeit gibt das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) für Urlauber, die in erdbeben- und tsunamigefährdete Gebiete reisen, Informationsmerkblätter heraus. Sie sollen allen, die sich zeitweilig oder länger in potenziell gefährdeten Gebieten im Ausland aufhalten, Ratschläge geben, wie man sich bei starken Beben und Tsunamis verhalten soll. Eine „Weltkarte der Erdbebengefährdung“ zeigt, wo auf der Erde sich die Haupt-Bebengebiete befinden.
Merkblätter zum Herunterladen: http://www.gfz-potsdam.de/

Die Katalanen haben für mehr Eigenständigkeit gestimmt

EM - Die Katalanen haben in ihrem Referendum für ein neues Autonomiestatut gestimmt, das der reichsten spanischen Region im Nordosten mehr Eigenständigkeit verleiht. 73,9 Prozent Ja-Stimmen wurden abgegeben. Allerdings hat sich nur etwa die Hälfte der Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligt.

Das neue Statut löst die ältere Fassung von 1979 ab. In der Präambel wird nun darauf hingewiesen, dass das katalanische Parlament die Region als Nation definiert habe. Zudem folgt ein Verweis auf die spanische Verfassung, in der vom „Autonomierecht der Nationalitäten“ in Spanien die Rede ist. Darüber hinaus wird mit dem Statut die gelb-rote katalanische Fahne ebenso zum „nationalen Symbol“ erhoben wie die Katalonien-Hymne. Die Katalanen dürfen außerdem fortan Einwanderern eine Arbeitserlaubnis ausstellen und Außenbeziehungen aufnehmen.
Siehe dazu auch EM 05-06: „Katalonien darf sich als Nation bezeichnen“

Ansehen der USA als Weltmacht sinkt weiter

EM - Das öffentliche Ansehen der USA in der Welt ist im vergangenen Jahr weiter gesunken. „Vor allem der Irakkrieg hat die Meinung über die USA in muslimischen Staaten, aber auch in Europa und Asien nach unten gezogen“, sagte Meinungsforscher Richard Wike vom renommierten „Pew Research Center“ in Washington. Eine jüngst veröffentlichte weltweite Umfrage des renommierten Instituts zeige, dass nur noch 37 Prozent der befragten Deutschen ein gutes Bild von den USA hatten, vier Prozentpunkte weniger als 2005.
Innerhalb der vergangenen sechs Jahre hat sich das Meinungsbild der Öffentlichkeit in der Bundesrepublik stark verändert, wie die Statistik der Meinungsforscher zeigt. Im Jahr 2000 hatten noch 78 Prozent der Befragten eine positive Meinung von den USA. „Die Öffentlichkeiten vieler europäischer Länder haben den USA die Alleingänge auf internationaler Bühne übel genommen“, sagte Wike.

Den stärksten Ansehensverlust mussten die USA in Spanien hinnehmen. Nur 23 Prozent der Befragten gaben an, eine positive Meinung von Amerika zu haben. Im Vorjahr waren es noch 41 Prozent. Einen deutlichen Image-Rückgang fanden die Forscher auch in Russland (von 52 auf 43 Prozent), Indien (von 71 auf 56 Prozent), Indonesien (von 38 auf 30 Prozent) und der Türkei (23 auf 12 Prozent).

In Großbritannien standen 56 Prozent der Befragen den USA positiv gegenüber, ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. In China stieg die Zustimmungsrate von 42 auf 47 Prozent.

Die Meinungsforscher befragten 17.000 Menschen in 15 Ländern. Die Umfragen sind laut Wike repräsentativ für die Stimmungslage in der jeweiligen Bevölkerung.

Europa wird von den Menschen weltweit als schwach eingeschätzt

EM – Eine weltweite Erhebung der Bertelsmann Stiftung, bei der insgesamt über 10.000 Menschen befragt wurden, sieht Europa noch nicht als Weltmacht. Der Europäischen Union wird nur von 32 Prozent der Befragten eine bedeutende Rolle als globaler Akteur zugebilligt.
Vergleichsweise hohe Werte erzielt die EU dabei noch in den USA, Russland und Japan. Keine Weltmachtchancen geben ihr dagegen Chinesen, Inder oder Brasilianer.

Als wirkliche Weltmächte werden heute international die USA mit 81 Prozent angesehen, gefolgt von China (45 Prozent), Japan (37 Prozent) und Großbritannien (32 Prozent). Für das Jahr 2020 erwarten allerdings nur noch 57 Prozent die USA als Weltmacht, aber 55 Prozent bereits China, gefolgt von Japan (32 Prozent), Russland (26 Prozent) und Indien (24 Prozent). Die Vereinten Nationen schätzen international nur 26 Prozent der Befragten als weltpolitische Macht ein, für das Jahr 2020 billigen ihr sogar nur noch 21 Prozent eine herausragende  Bedeutung zu.

Befragt nach den notwendigen Eigenschaften einer Weltmacht nennen die meisten Menschen politische Stabilität, wirtschaftliche Stärke sowie leistungsfähige Bildung und Forschung. Militärische Stärke ist für die Mehrheit als Machtfaktor immer weniger bedeutsam. Diese Eigenschaft weltweit wird nur noch von 20 Prozent der Befragten als wichtig eingeschätzt. In Deutschland fällt dieser Wert mit sieben Prozent am geringsten aus. Als wichtigste Herausforderung der Großmächte gelten der Internationale Terrorismus, Armut und Klimawandel.

Die Europäer selbst kompensieren ihren nationalen Bedeutungsverlust durch große Hoffnungen auf die EU. Die Stimmungslage wird dabei aber weiterhin gleichzeitig durch nationale Wahrnehmungsmuster geprägt. Das Bertelsmann Vorstandsmitglied  Professor Werner Weidenfeld kommentierte: „Die Umfrage spiegelt auch das europäische Dilemma. Ohne herausragende Führungsleistung wird sich Europa danach in den gewohnten Bahnen bewegen. Der Kontinent bleibt eine Weltmacht im Werden mit großen Potenzial zur Weltmachtbildung,. aber ohne Kraft zur politischen Bündelung seiner Ressourcen.“
Weitere Informationen hier.

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