Eurasien-Ticker

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Die Technische Universität München geht nach Peking · US-Einzelhändler Wal-Mart expandiert nach China · Chinesen sollen sich auf Reisen besser benehmen: Leitlinien für Touristen erlassen · Absage an den Dollar im Warenhandel · Orientalist der Universität Jena datiert Monumentalinschrift aus Sirwah im Jemen · Ab 2008 soll das „Europäische Technologieinstitut“ arbeiten

Von EM Redaktion

Die Technische Universität München geht nach Peking

EM - Die Technische Universität München (TUM) wird künftig in der Hauptstadt von China vertreten sein. Das Verbindungsbüro in Peking wurde kürzlich von TUM-Vizepräsidentin Dr. Hannemor Keidel eröffnet. Die bereits bestehenden Kontakte zu Universitäten in der Volksrepublik sollen damit verstärkt und der Austausch von Studenten und Wissenschaftlern vereinfacht werden.

Die TUM pflegt bislang bereits mit 14 chinesischen Universitäten partnerschaftliche Kontakte, darunter die berühmtesten technischen Universitäten des Landes wie die Jiatong- und die Tongji-Universität in Shanghai, sowie die Zheijang-Universität in Hangzhou, außerdem die Tsinghua-Universität in Peking.

Das Büro des Verbindungsbüros in Peking befindet sich in Räumen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) im German Centre Beijing, in dem auch andere deutsche Wissenschaftsorganisationen und die deutsch-chinesische Handelskammer untergebracht sind. Neben der Kontaktpflege zu chinesischen Wissenschaftlern und ihren Organisationen wird das Team des Büros sich der Rekrutierung der besten chinesischen Studenten widmen. Dazu gehört auch die Information über Studienprogramme, Promotionsmöglichkeiten und die Vorbereitung auf einen Aufenthalt an der TU München. Das Büro wird ebenfalls Anlaufstelle für die chinesischen Absolventen der TUM sein und den Kontakt zu chinesischen Gastwissenschaftlern pflegen.

US-Einzelhändler Wal-Mart expandiert nach China

EM – In Deutschland hat es nicht geklappt. Die 85 SB-Warenhäuser, die der US-Supermarktriese betrieben hatte, musste er jüngst wegen nicht enden wollender Unrentabilität verkaufen. Sie werden jetzt von dem deutschen Handelskonzern Metro übernommen. Nun will Wal-Mart nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ sein China-Geschäft ausbauen. Für eine Milliarde Dollar wolle der weltgrößte Einzelhändler die 100 Geschäfte der chinesischen Supermarktkette Trust-Mart übernehmen. Wal-Mart ist in China bereits seit 1996 vertreten. Mittlerweile betreibt die Kette im Reich der Mitte, wie der Wal-Mart-Netzseite zu entnehmen ist,  66 Filialen.

Mit dem Kauf von Trust-Mart könnte der Handelsriese seinen Umsatz in China mehr als verdoppeln und zum größten ausländischen Einzelhändler in dem asiatischen Land aufsteigen. Allerdings müssen erst noch die chinesischen Regulierungsbehörden zustimmen. Als Kaufpreis für Trust-Mart wurde in Branchenkreisen die stolze Summe von einer Milliarde US-Dollar genannt

Auf dem Wachstumsmarkt China versucht Wal-Mart offenbar das stockende Wachstum auf dem amerikanischen Heimatmarkt auszugleichen.  Allerdings ist auch Asien keine Garantie für Erfolge im Lebensmittelmarkt. Im Frühjahr dieses Jahres kündigte Wal-Mart an, seine Aktivitäten im benachbarten Südkorea zu beenden.

Chinesen sollen sich auf Reisen besser benehmen: Leitlinien für Touristen erlassen

EM - Dass viele chinesische Touristen ständig und überall ausspucken, wie hierzulande nur noch Fußballspieler, dass sie Warteschlangen einfach ignorieren und sich sehr laut unterhalten, ist eine ihrer weniger schönen Eigenarten. Auch dass sie oft Chaos im Hotelzimmer zurücklassen, gehört zum „ungehobelten Benehmen“ des chinesischen Menschen, das ihm der Staat zwar seit langem durch entsprechende Aufklärungskampagnen abzugewöhnen versucht, allerdings noch nicht mit durchschlagendem Erfolg.

Jetzt hat die parteiamtliche Pekinger Volkszeitung wieder einen Verusuch unternommen und „Leitlinien für chinesische Bürger auf Auslandsreisen“ veröffentlicht. Darin wird angemahnt, auf Reisen bei Tisch leise zu sein. Außerdem gibt die „Arbeitsgruppe für zivilisiertes Verhalten“ bei der Parteiführung Hinweise für angemessene Kleidung. So könnte sich der reisende Chinese Kummer vor Kirchentüren in südlichen Ländern ersparen, der ihm dann drohe, wenn er allzu leicht bekleidet sei.

Wenn Chinesen eine Verabredung haben, sollten sie pünktlich erscheinen, heißt es weiter in den Richtlinien. Man solle sich nicht vordrängeln und nicht herumschreien. Frauen müsse man den Vortritt lassen und alte Menschen respektieren.

Was Chinesen auf Reisen noch so alles mitbringen und wie man ihnen andererseits auch als Gastgeber entgegenkommen sollte, lesen Sie in „Mentalität auf Reisen – Eurasien im Hotel“ EM 01-05 .

Absage an den Dollar im Warenhandel

EM - Rußland und China erwägen, den Warenverkehr zwischen beiden Ländern künftig nicht mehr in amerikanischen Dollar, sondern in Rubel oder Yuan zu verrechnen. Das berichtete die FAZ Mitte Oktober. Das Blatt beruft sich auf den russischen Finanzminister Aleksej Kudrin. Der Umfang des Handels zwischen China und Russland werde von 20 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr voraussichtlich auf 30 Milliarden Dollar im Jahr 2010 anwachsen, sagte Kudrin. Das Abgehen vom Dollar als Verrechnungsbasis werde helfen, den Rubel als eine der internationalen Reservewährungen zu etablieren. Präsident Putin hatte dieses Ziel vor einigen Monaten vorgegeben, als er zur Beschleunigung bei der Einführung der vollen Konvertibilität des Rubels aufgerufen hatte.

Orientalist der Universität Jena datiert Monumentalinschrift aus Sirwah im Jemen

EM - Es sind 49 Meter Text aus dem Reich der Königin von Saba. Sie lagen in den Ruinen der antiken Stadt Sirwah unweit von Marib im heutigen Jemen. Dort haben Wissenschaftler des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) einen über sieben Meter langen und mehr als sechs Tonnen schweren Kalksteinblock aus dem staubigen Boden geborgen. Doch nicht nur die Größe und das Gewicht des Steins brachten die Archäologen unter Leitung von Dr. Iris Gerlach zum Staunen. Vor allem die monumentale Inschrift, die sie auf der zunächst verdeckten Seite fanden, faszinierte die Forscher.

Sieben jeweils sieben Meter lange Zeilen aus über acht Zentimeter großen Buchstaben in sabäischer Sprache bedecken den Stein. „Damit handelt es sich bei diesem Fund um die bislang größte Inschrift, die bei einer wissenschaftlichen Ausgrabung im Jemen jemals gefunden wurde“, gab Prof. Dr. Norbert Nebes von der Friedrich-Schiller-Universität Jena bekannt. Nebes ist Inhaber des Lehrstuhls für Semitische Philologie und Islamwissenschaft an der Jenaer Universität, dem einzigen im deutschsprachigen Raum mit einem Forschungsschwerpunkt auf den Sprachen und Kulturen des vorislamischen Arabien.

„Wir haben die älteste datierbare Inschrift aus Südarabien und von der Arabischen Halbinsel gefunden“, so Nebes, der die Abfassungszeit der Monumentalinschrift um das Jahr 715 v. Chr. ansetzt. Dem Orientalisten der Jenaer Universität ist es inzwischen auch gelungen, den Text der Inschrift zu übersetzen.

Die Inschrift enthält den Tatenbericht eines in Südarabien bis vor kurzem unbekannten sabäischen Herrschers mit Namen Yitha'amar Watar. In der Inschrift schildert Yitha'amar seine Kriegszüge im südarabischen Raum, die sich gegen die Nachbarn der Sabäer im Süden, Südosten und Nordwesten richten. „Durch diese Territorien verlief die Weihrauchstraße“, erklärt Prof. Nebes, für den die Absicht hinter den Kriegszügen des sabäischen Herrschers klar ist: Durch die Kontrolle dieser Gebiete wollte Yitha'amar den Verlauf der Weihrauchstraße über die Hauptstadt Marib sichern und damit deren Wohlstand garantieren. Die Weihrauchstraße verband damals Südarabien mit dem Mittelmeer und dem Zweistromland. Der Handel mit Weihrauch und anderen in der Antike hochbegehrten Aromata bescherte den Sabäern sagenhaften Reichtum.

Zur Arbeit der Universität Jena im südarabischen Raum lesen Sie auch: „Altsüdarabische Kursivschrift übersetzt“ in EM 02-03.

Ab 2008 soll das „Europäische Technologieinstitut“ arbeiten

EM – Das Europäische Technologieinstitut ETI nimmt Gestalt an. Allerdings wird sich das EIT (European Institute of Technology) stark vom US-amerikanischen MIT (Massachusetts Institute of Technology) unterscheiden, das als Vorbild dient. Das europäische Projekt, das spätestens im Frühjahr 2008 an den Start gehen soll, wird aus einem 19-köpfigen Vorstand und 60 Mitarbeitern bestehen. Die eigentliche Arbeit sollen dezentrale „Wissens- und Innovationsgemeinschaften“ übernehmen, die aus bestehenden Bildungseinrichtungen, Forschungsinstituten und interessierten Unternehmen gebildet werden.

Das ETI ist nur noch eine stark abgespeckte Version der Ur-Idee, mit der  die Spitzenforscher Europas unter einen Hut gebracht und die EU bis zum Ende des Jahrzehnts zur innovativsten Region der Welt werden sollte (Lissabon Strategie). Dieses Ziel ist nicht mehr zu erreichen. „Die EU rangiert derzeit bei 1,9 Prozent des BIP, während die USA 2,6 und Japan 3,2 Prozent des Bruttosozialprodukts für Forschung ausgeben“, macht EU-Forschungskommissar Janez Potocnik die schwache Position Europas deutlich. Die USA wendeten dreimal so viel Forschungsmittel pro Kopf der Bevölkerung auf als die EU mit ihren 60 Euro pro Einwohner.  Noch stärker steigere China seine Forschungsaufwendungen. Sie nähmen derzeit jährlich um rund 20 Prozent zu.
Vom ETI-Budget von 2,4 Milliarden Euro für die Jahre 2008 bis 2013 ist bisher nur die Anschubfinanzierung gesichert. Die Europäische Union finanziert 300 Millionen Euro. Es soll großes Interesse bei der Industrie bestehen, sich an dem Unternehmen ETI zu beteiligen . So soll Microsoft seine Mitarbeit angeboten haben, ebenso Siemens, Volkswagen, Unilever, Nokia, BP und Shell. Allerdings liegen der Kommission keine festen Zusagen dafür vor. Es handelt sich allenfalls um Absichtserklärungen.

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