Eurasien-Ticker

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Religiöser Fanatismus ist nicht die Hauptursache von politischer Gewalt · Wissenschaftsbrücke nach China – Förderung von Kennenlernbesuchen · Neu: Polen-Analysen im Netz · Gipfeltreffen der Weihnachtsmänner in Moskau · Das karthagische Erbe der Germanen - Runenschrift geht direkt auf Phönizier zurück · Amerikaner unterstützen indische Atomtechnologie · Spanien fürchtet rumänische Einwanderer · Der irakische Präsident Talabani will Hilfe vom Nachbarland Iran

Von EM Redaktion

Religiöser Fanatismus ist nicht die Hauptursache von politischer Gewalt

EM - Die Anzahl der Terroranschläge und Opfer ist in den vergangenen Jahren weltweit um mehr als das Dreifache gestiegen. Doch entgegen verbreiteter Auffassung machen die religiös motivierten Anschläge und Attentäter nur eine Minderheit aus. Der geographische Schwerpunkt von gewalttätigen Konflikten und politischer Militanz liegt zudem nicht im Nahen und Mittleren Osten, sondern in Asien, wo dreimal soviel politische Konflikte registriert werden. Dies sind einige der zentralen Ergebnisse einer weltweiten Studie der Bertelsmann Stiftung über politische Gewalt und Extremismus, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde.

Danach entfallen 80 Prozent aller terroristischen Anschläge auf eine Kerngruppe von Staaten, die von Russland mit Tschetschenien, Kolumbien, dem Irak sowie den Länderdreiecken Indien-Kaschmir-Pakistan und Thailand-Philippinen-Indonesien gebildet werden. Der religiös motivierte transnationale Terrorismus sei zwar ansteigend, aber nicht das Hauptmotiv von politischer Gewalt. So seien lediglich 26 Prozent aller terroristischen Gruppen weltweit dem religiösen - und dabei vor allem dem islamistischen - Extremismus zuzuordnen. Dies entspräche in etwa dem Anteil linksextremistischer militanter Organisationen. Den größten Anteil an politischer Gewalt hätten mit 36 Prozent nach wie vor nationalistische und separatistische Bewegungen.

„Auch wenn unsere Bedrohungswahrnehmung aufgrund der Anschläge in New York, London und Madrid eine andere ist, so wird politische Gewalt im Regelfall dort ausgeübt, wo sie aufgrund von sozialer Ungerechtigkeit und der Ausgrenzung von benachteiligten Gruppen auch entsteht“, so der Autor der Studie, Professor Aurel Croissant von der Universität Heidelberg. Die wesentlichen Ursachen für politische Gewalt seien Armut, ethnische Spaltung, Staatsschwäche, Mängel des politischen Systems und externe Intervention.
Info: sabine.donner@bertelsmann.de

Wissenschaftsbrücke nach China – Förderung von Kennenlernbesuchen         

EM - Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Wissenschaft ist China im Aufstieg begriffen. Mit dem Programm „Wissenschaftsbrücke China“ unterstützt die Robert Bosch Stiftung Wissenschaftler in Deutschland dabei, Austausch und Kooperationen mit Forschern in China zu stärken und neu anzustoßen. Damit aus vagen Kontakten feste Kooperationen werden können, übernimmt die Stiftung die Kosten für Kennenlernbesuche, Hospitationen und Arbeitstreffen. Das Programm richtet sich an Mitarbeiter wissenschaftlicher Einrichtungen der Natur- und Ingenieurwissenschaften, sowie der Medizin in Deutschland. Für das Programm nimmt die Stiftung laufend Bewerbungen entgegen.
Info: http://www.bosch-stiftung.de/wissenschaftsbruecke_china/

Neu: Polen-Analysen im Netz

EM - Die inneren Tendenzen und die außenpolitischen Weichenstellungen Polens finden steigendes Interesse bei den politisch interessierten Beobachtern und Partnern dieses Landes. Zugleich nimmt angesichts der aktuellen Entwicklungen in Polen das Informationsbedürfnis zu. Nun geben das Deutsche Polen-Institut Darmstadt http://www.deutsches-polen-institut.de/
und die Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen http://www.forschungsstelle-osteuropa.de mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde http://www.dgo-online.org/  Hintergrundanalysen heraus. Diese Polen-Analysen sollen kurz und prägnant Wissen über Politik, Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien des Landes verfügbar machen. Autoren sind deutsche, polnische und internationale Experten. Die Polen-Analysen orientieren sich dabei am erfolgreichen Konzept der Russlandanalysen http://www.russlandanalysen.de und der Ukraine- Analysen http://www.ukraine-analysen.de.
Die Polen-Analysen werden jeweils am 1. und 3. Dienstag im Monat auf Anforderung unentgeltlich per E-Mail als pdf-Datei versandt. Ein kostenloses Abonnement ist zu erhalten durch E-Post mit dem Stichwort Polen- Analysen in der Betreffzeile an polen-analysen@dpi-da.de.  Ein Archiv aller Ausgaben sowie weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.polen-analysen.de.

Gipfeltreffen der Weihnachtsmänner in Moskau

EM - In Russland heißt der Weihnachtsmann „Väterchen Frost“. Wenn er zu seinem Geburtstag lädt, kommen sie von nah und fern: Neben den Rauschebärten aus Finnland, Schweden, der Slowakei, der Ukraine, Weißrussland und Lettland reiste erstmals auch ein alpenländischer Vertreter nach Welikij Ustjug, der Heimat von „Djeduschka Moros“ im eisigen Norden Russlands. Zur Zusammenstellung der Reisegesellschaft hatte man sich im Weißen Saal des Moskauer Rathauses eingefunden. Hier trafen sich der finnische Santa Claus, der slowakische Mikulasch, der schwedische Tomtä, der Heilige Nikolaus aus der Ukraine und der Nikolo aus der Steiermark.

Unter dem Vorsitz von „Väterchen Frost“ debattierten die hohen Gäste über das Thema, wovon Kinder wohl träumen? Sie waren sich schnell einig: „Von einer besseren Welt.“ Dem stimmten auch die Kinder zu, die man eigens zu dem Treffen eingeladen hatte. Sie wünschten sich Glück, gute Noten in der Schule und für alle ein Elternhaus.

Das karthagische Erbe der Germanen - Runenschrift geht direkt auf Phönizier zurück

EM - Die Runen sind das älteste Schriftsystem der Germanen. Ihre unmittelbare Herkunft ist noch immer ungeklärt. Nach früheren Vermutungen stammt das Schriftsystem von einem etruskischen, einem damit verwandten alpinen oder vom lateinischen Alphabet ab. Diese Alphabete gehen ihrerseits auf das Griechische zurück und über diesen Umweg letztlich auf das etwa 3.000 Jahre alte phönizische Schriftsystem des östlichen Mittelmeerraums.

Professor Theo Vennemann vom Institut für Deutsche Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat nun in der Fachzeitschrift Sprachwissenschaft versucht zu einer Klärung beizutragen. Nach seiner Ansicht kommt die Runenschrift ohne Anleihen bei anderen Schriftsystemen unmittelbar aus dem phönizischen Alphabet. Dies erkläre sich durch einige Besonderheiten der Runenschrift und belege auch direkte und äußerst intensive Kontakte der Germanen mit den Phöniziern, wofür es Vennemann zufolge auch weitere sprachliche und kulturelle Anhaltspunkte gibt.

Nach Vennemanns Theorie stammt die Runenschrift von der westlichsten Variante des phönizischen Alphabets ab, wie sie im karthagischen Weltreich des dritten vorchristlichen Jahrhunderts gebräuchlich war. Zu der Zeit verfügte dieses Reich über die größte Kriegs- und Handelsflotte und erstreckte sich bis Westafrika, Spanien, sowie zu den großen Inseln des westlichen Mittelmeers. Die Germanen hätten das Schreiben direkt von den Phöniziern gelernt und nicht auf dem Umweg etwa über die Griechen, Etrusker oder Römer.

Vennemanns Theorie erklärt auch, warum die ältesten Runenfunde in den skandinavischen Regionen zwischen Nord- und Ostsee gefunden wurden statt nahe dem Römischen Reich. Es habe damals viele Kontakte über Seeverbindungen vor allem zu den karthagischen Phöniziern gegeben, die von den Römern Punier genannt wurden. 
Info: patrizia.noel@germanistik.uni-muenchen.de

Amerikaner unterstützen indische Atomtechnologie

EM - Nach mehr als 30-jährigem Boykott hat der US-Senat den Weg für eine nukleare Zusammenarbeit der USA mit Indien geebnet. Er verabschiedete vor wenigen Tagen ein entsprechendes Abkommen, das die Kooperation mit der südasiatischen Atommacht bei der zivilen Nutzung der Kernenergie erlaubt. Und das obwohl Indien den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat. Das Abgeordnetenhaus im US-Kongress hatte einer Gesetzesvorlage zu dem international umstrittenen Abkommen bereits im Juli mit breiter Mehrheit zugestimmt. US-Präsident George W. Bush sprach in einer Erklärung von einem „historischen Abkommen“.

Mit dem Abkommen wollen die USA Indien de facto als legitime Atommacht anerkennen. Indien hat im Gegenzug zugesagt, einen Teil seiner Atomanlagen unter internationale Kontrolle zu stellen.

Spanien fürchtet rumänische Einwanderer

EM - Rumänen sind in Spanien die drittgrößte Gruppe von Ausländern. Im Land geht die Furcht um vor einer „Lawine“ von Zuwanderung, nach dem EU-Beitritt Rumäniens im Januar 2007. Dies berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ FAZ  Ende November.

Weil Spanier über die Aktivitäten eingewanderter Rumänen meist nur aus den Polizeiberichten erführen, habe die inzwischen drittgrößte Immigrantengruppe des Landes (nach den Marokkanern und Ecuadorianern) keinen guten Ruf. Rumänische Banden kontrollierten drei Viertel der Prostitution in Spanien.

Die Verbrecherorganisationen, deren Mitglieder häufig ehemalige Staatssicherheitsagenten, Polizisten oder Soldaten seien, sind laut FAZ-Bericht nur „schwer zu fassen und noch schwerer zu beeindrucken. Sie haben Geld, Waffen und wenig Skrupel. Die Rumänen, die in der spanischen Kriminalstatistik jetzt als die Ausländergruppe mit der höchsten Delinquentenquote firmieren, können es an Gewalttätigkeit sogar mit den südamerikanischen Rauschgifthändlerbanden aufnehmen.“

Obwohl auf tausend rumänische Gesetzesbrecher hunderttausend rechtschaffene und fleißige Bauarbeiter, Altenpflegerinnen und Erntehelfer kämen, hätten die Kriminellen das Wohlwollen der Einheimischen einfach zu sehr strapaziert. Niemand wisse im übrigen genau, wie viele Rumänen sich schon in Spanien aufhielten. Aber eines sei sicher: Es würden täglich mehr. Die FAZ: Sie brauchen „nach den bisherigen EU-Vereinbarungen nur einen gültigen Pass, aber kein Visum“. Deshalb würden sie „mit Bussen als Touristen“ einreisen. Italien und Spanien seien wegen Sprache, Kultur und Klima die bevorzugten Ziele. „Weil aber die spanische Wirtschaft im Gegensatz zur italienischen blüht und die spanischen Gesetze noch die liberalsten Europas sind - Illegale, die sich beim Einwohnermeldeamt registrieren lassen, haben damit automatisch Anspruch auf kostenlose Krankenversorgung und Schulunterricht für ihre Kinder -, ist die Iberische Halbinsel insbesondere nach der Amnestie des Vorjahres für eine Dreiviertelmillion Ausländer der Hauptmagnet geworden.“

Die Einwohnermeldeämter, die ihre Daten weder mit dem Innenministerium noch den Einwanderungsbehörden und der Polizei austauschen würden, hätten zuletzt 382.000 Rumänen und 94.000 Bulgaren gemeldet. „Die Dunkelziffer der noch nirgendwo Gemeldeten dürfte bei den Staatsbürgern dieser beiden Länder durchaus an eine halbe Million reichen“, schreibt das Blatt.

An manchen Orten sei die Bevölkerungsdichte der Rumänen schon so dicht, dass aus ihnen bei nächster Gelegenheit ein politischer Faktor zu werden verspricht. Der FAZ-Korrespondent berichtet: „Im Mai 2007 sind in Spanien Kommunalwahlen, und legal im Land lebende EU-Ausländer dürfen daran teilnehmen. Das könnte zum Beispiel in der Region Madrid ins Gewicht fallen, wo allein mehr als 120 000 Rumänen leben und in einigen Satellitengemeinden der Hauptstadt sogar eine Mehrheit ausmachen.“

Schon würden beide großen Parteien, die Sozialisten und die konservative Volkspartei, vorsichtig ihre Fühler ausstrecken. Doch ein rumänischer Baulöwe in der Region Kastilien und Leon sei ihnen gerade schon zuvorgekommen: Er habe die erste rumänische Partei in Spanien gegründet.

Der irakische Präsident Talabani will Hilfe vom Nachbarland Iran

EM - Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat keine Angst mehr vor der „Achse des Bösen“. Er hat den Iran zur Hilfe für sein Land aufgefordert. Angesichts der täglich wachsenden Bürgerkriegsgefahr wandte er sich an den iranischen Staatschef Mahmud Ahmadinejad in Teheran. Talabani: „Wir brauchen die umfassende Hilfe des Irans, um den Terrorismus zu bekämpfen, die Sicherheit wiederherzustellen und den Irak zu stabilisieren“. Inzwischen hat ihm Ahmadinejad  diese Unterstützung während eines zweitägigen Staatsbesuchs Ende November auch bereits zugesagt.  

„Wir werden unseren irakischen Brüdern jede Hilfe liefern, die wir leisten können“, erklärte er auf das Hilfeersuchen. Nach iranischen Regierungsangaben sollen bei Talabanis Besuch wichtige Abkommen vereinbart worden sein, die einer Stabilisierung des Iraks dienen könnten.

Der Besuch Talabanis war erst der zweite Besuch eines irakischen Präsidenten im Iran überhaupt. Der Irak und der Iran führten in den 80er Jahren einen achtjährigen Krieg. Seit dem Fall des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein nähern sich die Nachbarländer vorsichtig an.

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