Eurasien-Ticker

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Estland lässt sein Parlament online wählen · China verliert seine besten Köpfe ans Ausland · Die Russen haben große Vorbehalte gegen den Westen · Ein indischer Konzern will in Deutschland Windanlagen bauen · Der erste Europäer lebte im Süden Russlands · Russland buhlt um Kooperation beim Airbus A350 XWB · Litauen blockiert EU-Partnerschaftsabkommen mit Russland · Totale Mondfinsternis über Eurasien am 4. März 2007 ·

Von EM Redaktion

Estland lässt sein Parlament online wählen

EM – Die baltische Republik Estland ermöglicht als erstes Land seinen Staatsbürgern in einer nationalen Parlamentswahl online abzustimmen. Die Wahl mit klassischer Stimmzettelabgabe findet am 4. März statt. Aber bereits vom 26. bis 28. Februar konnten die Esten über das Internet wählen. Durchgeführt wird die elektronische Abstimmung mittels einer Bürger-Identifikations-Karte und einem Kartenlesegerät, das an den eigenen Computer angeschlossen werden muss. Das System wird zusätzlich über eine zweifache Passwort-Eingabe abgesichert..

Die estnische Parlamentswahl per Computer-Stimmabgabe wird von einer OSZE-Delegation beobachtet. Schätzungen gehen davon, dass rund 20.000 bis 40.000 der knapp 940.000 wahlberechtigten Esten erstmal von ihrem Recht Gebrauch machen werden, online zur Wahlurne zu surfen.

China verliert seine besten Köpfe ans Ausland

Die Abwanderung bestens ausgebildeter junger Leute macht jetzt auch China zu schaffen. Der so genannte Brain Drain hat China erreicht. Dies hat die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaften CASS in Peking in einer neuen Studie festgestellt. Die Zeitung „China Daily“ berichtet, dass dieser Untersuchung zufolge  seit 2002 jährlich rund 100.000  hochqualifizierte Fachkräfte die Volksrepublik verlassen haben, um im Ausland zu studieren. Die wenigsten – nicht einmal ein Drittel - wollen wieder zurück.
 
Der Brain Drain sei in China damit stärker als irgendwo sonst auf der Welt, hieß es. Die USA, Europa und Australien seien dabei die drei beliebtesten Ziele der chinesischen Auswanderer. „Es ist ein großer Verlust für China, das Fachkräfte ganz dringend braucht“, zitierte die Zeitung Li Xiaoli, einen Autor der Studie. Er beklagte, dass viele gut Qualifizierte auswanderten, „nachdem das Land so viel in sie investiert hat“.

Diese Klagen kommen irgendwie bekannt vor. Denn Europa leidet seit Jahren unter einer gewissen Ausblutung seiner Eliten. Li sieht im Brain Drain allerdings auch einen Beleg für die zunehmende Integrierung Chinas in die Weltmärkte. Daher sei die Entwicklung bis zu einem gewissen Grad unvermeidbar. „Relativ höhere Einkommen in industrialisierten Ländern ziehen Migranten aus Entwicklungsländern an“, führte der Experte als Begründung an. „Da viele entwickelte Länder geringe Geburtenraten und das Problem einer alternden Bevölkerung aufweisen, füllen chinesische Einwanderer dort die Lücken.“

Die Russen haben große Vorbehalte gegen den Westen

EM - Einer Umfrage des Moskauer Levada-Centers unter 1600 Personen in Russland zufolge
betrachten annähernd 50 Prozent der Befragten Europa als Gefahr für Russland und dessen wirtschaftliche Unabhängigkeit. Auftraggeber der Umfrage war das Europa-Russland-Zentrum in Brüssel. Direktor Lev Gudkov vom Levada Center sprach von einer in Russland verbreiteten Angst vor Europa und dem Westen insgesamt, die weiter deutlich zunehme.

Allerdings sieht auch ein Drittel der Russen Europa als Nachbarn und Partner, zu dem eine langfristige Partnerschaft entwickelt und gestärkt werden muss. Die Hälfte der Befragten meint sogar, dass viele Aspekte der westlichen Demokratie und Kultur für Russland von Nutzen sind. Ein Viertel der Befragten glaubt immerhin an die Demokratie als gerechtes System.

Ein Drittel der Befragten bezweifelt jedoch, dass das System der westlichen Demokratie auf Russland übertragbar ist. Im Zuge der Reformen seit der Perestroika, sagte Gudkov, habe man eine zunehmende Unzufriedenheit mit der Demokratie beobachten können. Gerade ältere Russen, solche mit niedrigerer Bildung und Personen in der Provinz argwöhnten, die Demokratie werde zu Chaos, Anarchie und Unordnung führen. „Der Frust und die sozialen Spannungen, denen die Bevölkerung Russlands ausgesetzt ist, führen dazu, dass das Bestreben nach totalitärer Herrschaft wieder zunimmt“, konstatiert Gudkov. Er sieht eine breite Unterstützung für eine autoritäre Führung, die das Land weiter aus der Krise herausführt.

Rund drei Viertel der russischen Bevölkerung vertreten nach Gudkovs Darstellung die Auffassung, dass Russland einen eigenen Weg gehen müsse, statt das Beispiel anderer Länder nachzuahmen.

Siehe dazu unser Interview mit dem Russlandexperten Alexander Rahr: „Die Ausgrenzung Russlands ist Europas historischer Fehler“.

Ein indischer Konzern will in Deutschland Windanlagen bauen

EM – Der indische Suzlon-Konzern will das Hamburger Windkraft-Unternehmen Repower für eine Milliarde Euro übernehmen. Ein zweiter Bieter, der aber um 200.000 Euro unterhalb des Suzlon-Angebots liegt, ist der französische Atomkonzern Areva. Die Japaner haben inzwischen klargestellt, dass sie in jedem Fall an der Waterkant Fuß fassen wollen. Unabhängig davon, ob Suzlon Repower übernehmen könne, werde sein Unternehmen ein Entwicklungszentrum in Hamburg errichten, sagte der Vorstandschef des indischen Konzerns, Tulsi Tanti. „Das machen wir auf jeden Fall, wir haben das bereits mit dem Bürgermeister von Hamburg besprochen“. Das Unternehmen hat bereits Entwicklungszentren in Rostock, Berlin und Bochum. „Wir werden in Hamburg zwischen 200 und 300 Ingenieure einstellen“, kündigte Tanti an. „In diesem Jahr werden wir rund 50 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung am Standort Deutschland investieren“.

Die Inder sind nach eigenen Angaben in Sachen Windkraftanlagenbau die Nummer eins in Asien und liegen weltweit auf Platz fünf hinter Marktführer Vestas Wind Systems aus Dänemark, General Electric, der deutschen Enercon und der spanischen Gamesa Tecnológica.Suzlon.  

Der erste Europäer lebte im Süden Russlands

EM - Forscher haben an einem der kältesten und trockensten Orte in Europa die frühesten Spuren des Homo sapiens gefunden. Sie sind rund 45.000 Jahre alt. Sie stammen von den Ufern des Dons im Süden Russlands. Unter den Überresten in der Grabungsstätte Kostenki fanden die Forscher auch einen aus Mammutelfenbein geschnitzten Menschenkopf. Dabei könnte es sich um die bisher älteste figürliche Darstellung der Welt handeln.

Schon seit Jahrzehnten graben Wissenschaftler in Kostenki. Dabei wurden bereits menschliche Knochen und von Menschen gefertigte Gegenstände gefunden, die 30.000 bis 40.000 Jahre alt sind. Unter diesen Artefakten befanden sich auch Nähnadeln mit Nadelöhren aus Elfenbein. Die neu ausgegrabenen Funde aus Stein, Knochen und Elfenbein sind noch älter und vor 42.000 bis 45.000 Jahren angefertigt worden. Sie lagen unterhab einer Schicht vulkanischer Asche, die 40.000 Jahre alt ist.

Es wurden Ahlen, Schabmesser, Bohrer, Beile, Klingen, Pfeilspitzen aus Stein, Knochen und Elfenbein geborgen, aber auch eine durchbohrte Muschel, die vom 500  Kilometer entfernten Schwarzen Meer stammt.

Russland buhlt um Kooperation beim Airbus A350 XWB

EM - Russland bietet dem Luftfahrtkonzern Airbus seine Mitarbeit am neuen Langstreckenmodell A350 XWB an. Dies berichtet die „Financial Times Deutschland“ (FTD) Ende Februar. Sie zitiert Vitaly Schmelkov, den Vorstandschef der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz mit den Worten, die russische Luftfahrtindustrie habe moderne Technologien, „deren Einsatz wir Airbus auf einem partnerschaftlichen Modell vorschlagen“.
Der in Berlin ansässige Verein sei eine Lobbyzentrale Russlands zum Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte jüngst in Moskau ultimativ eine stärkere Kooperation mit dem Airbus-Mutterkonzern EADS gefordert. Andernfalls werde Russland seinen Fünf-Prozent-Anteil an EADS weiter aufstocken. Seit Längerem ist auch das russische Projekt MS-21 bekannt, mit China ein Konkurrenzmodell zum Airbus A320 oder der Boeing 737 zu entwickeln. Die EADS-Konzernführung hat bislang Wünsche Moskaus nach einer direkten Mitsprache zurückgewiesen, aber einen Ausbau der Kooperationen in Aussicht gestellt.

Die russische Luftfahrtindustrie könne der FTD zufolge Bauteile aus faserverstärkten Werkstoffen fertigen, wie sie beim Bau des A350 zum Einsatz kommen sollen. Dies habe  Shmelkov angeboten. Bisher sei darüber aber noch nicht entschieden. Ein Sprecher des Airbus-Mutterkonzerns EADS habe bestätigt, dass eine Arbeitsgruppe den Umfang einer Beteiligung Russlands auslote. Angeblich hat Airbus Russland einen Drei-Prozent-Arbeitsanteil vorgeschlagen.

Litauen blockiert EU-Partnerschaftsabkommen mit Russland

EM Die litauische Regierung hat einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge angekündigt, das polnische Veto gegen die Aufnahme von Verhandlungen über ein neues EU-Partnerschaftsabkommen mit Russland zu unterstützen. „Wir müssen politisch unsere Solidarität ausdrücken, weil Polen unser strategischer Partner ist“, sagte Ministerpräsident Gediminas Kirkilas vor ausländischen Journalisten in Vilnius. „Natürlich sind wir bereit, das polnische Veto zu unterstützen.“ Kirkilas forderte, Russland müsse zunächst die internationale Energiecharta ratifizieren, bevor Verhandlungen aufgenommen werden.

In dem baltischen Staat wird die Blockade der Verhandlungen zunehmend auch mit dem seit acht Monaten andauernden Stopp russischer Öllieferungen für die litauische Raffinerie Mazeikiu begründet, die einzige ölverarbeitende Anlage im gesamten Baltikum. „Wir denken darüber nach, das Mandat zu blockieren, wenn die EU nicht deutlich Stellung zu diesem Lieferstopp bezieht“, sagte Zygimantas Pavilionis, Staatssekretär im litauischen Außenministerium.

Der zunehmende Widerstand der neuen EU-Mitglieder gegen die Verhandlungen mit Russland gefährdet eines der zentralen Vorhaben der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel, so die FTD, habe ursprünglich gehofft, Gespräche über eine Ausweitung des in diesem Jahr auslaufenden Partnerschaftsabkommens so bald wie möglich zu beginnen. Beim für Mitte Mai geplanten EU-Russland-Gipfel im russischen Samara sollte der Vertrag unter Dach und Fach gebracht werden. Dieser Zeitplan wird immer unwahrscheinlicher.

Totale Mondfinsternis über Eurasien am 4. März 2007

EM - In der Nacht vom 3. auf den 4. März 2007 findet über Europa, Island, Grönland, Westasien und dem Osten Brasiliens eine totale Mondfinsternis statt. Für Mitteleuropa wird der Beginn für 21.16 Uhr und das Ende gegen 03.25 Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) erwartet. Das Reise-, Bildungs- und Kulturportal www.goruma.de bietet alles Wissenswerte über die seltene Himmelserscheinung, die immer wieder Menschen in der ganzen Welt begeistert.

Im mittleren Asien geht der Mond kurz nach Ende der totalen Phase unter, noch weiter östlich positionierte Beobachter müssen sich mit der ersten partiellen Phase zufrieden geben. Die Osthälfte Australiens, die gesamte pazifische Inselwelt einschließlich Hawaiis und Neuseelands, Alaska sowie die Pazifikküsten der USA und Kanadas bekommen von dem Ereignis überhaupt nichts mit.

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