Eurasien-Ticker

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Deutschland soll für eigene wissenschaftliche Spitzenkräfte attraktiver werden · China – Europa: Dynamische Weltregionen im wissenschaftlichen Austausch · Investor will chinesische Stadt in Brandenburg errichten · RHEINSKAJA GAZETA ist Deutschlands erste russischsprachige Tageszeitung · Russischer Investor steigt bei Strabag ein · Gold für Bucovina-Shantel · Die Wiederkehr der Laute: Pop-Musik vergangener Jahrhunderte neu entdeckt

Von EM Redaktion

Deutschland soll für eigene wissenschaftliche Spitzenkräfte attraktiver werden

EM – Am 20. April ging eine bemerkenswerte Tagung in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu Ende. Dort war ernstlich diskutiert worden, wie Deutschland für seine im Lande ausgebildeten aber vom Ausland abgeworbenen wissenschaftlichen Spitzenkräfte wieder attraktiver werden könnte. Dazu hatten sich mehr als 140 deutsche Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland mit Vertretern aus Politik, Hochschule, Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen getroffen.

Übereinstimmend standen dabei die Forderung nach verlässlichen Karrierewegen, einer adäquaten Bezahlung sowie besserer Vereinbarkeit von Forschertätigkeit und Familie im Vordergrund. GSO-Präsident Eicke Weber erklärte: „Es wird immer klarer, dass Deutschland mit seinen guten Löhnen und Sozialleistungen nur an der Spitze der Forschung und Innovation bestehen kann. Wir können es uns nicht leisten, dass eine große Zahl unserer kreativsten Nachwuchswissenschaftler es bevorzugen, im Ausland zu bleiben.“

China – Europa: Dynamische Weltregionen im wissenschaftlichen Austausch

EM - Europa ist in China ein viel beachteter Forschungsgegenstand, der ständig an Bedeutung gewinnt. Das Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) hat sich dabei zu einer wichtigen Anlaufstation für chinesische Gastwissenschaftler entwickelt. Mannheimer Sozialforscher publizieren mittlerweile auch auf Chinesisch. Im Zentrum der Kooperation steht die Frage: Kann das „Projekt Europa“ Modellcharakter für den asiatischen Raum haben?

„Die chinesische Politikwissenschaft hat sich lange Zeit stark auf amerikanische Autoren konzentriert“, erklärt Prof. Dr. Zhang Jun, Politikwissenschaftlerin der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS) in Peking. „Heute aber ist in China fundiertes Wissen über die EU gefragt. Europäische Forschungsergebnisse stellen für uns eine große Bereicherung dar.“ Seit Januar ist Frau Zhang daher am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) zu Gast. Im Auftrag des Pekinger Instituts für Europastudien untersucht sie die Außen- und Entwicklungshilfepolitik der EU. Im Mittelpunkt der Kooperation zwischen CASS und MZES steht die Frage, in welchen Bereichen und in welchem Maße die EU Modellcharakter auch für andere Weltregionen haben kann. „Europa hat beispielsweise große Erfahrung mit dem Aufbau von politischen Institutionen. Dieses Wissen kann für den asiatischen Raum und seine Entwicklung von großer Wichtigkeit sein“, ist Zhang überzeugt.

Der Austausch zwischen Peking und Mannheim hat schon eine lange Tradition. 1997 übernahm die Mannheimer Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Beate Kohler-Koch eine Leitungsfunktion im europäisch-chinesischen Universitätsprogramm. Kohler-Koch und ihr Kollege Dr. Fabrice Larat, Projektleiter am MZES, sind seitdem häufig in China zu Gast. Ihre Bücher über das politische System der EU und die Geschichte der europäischen Integration wurden ins Chinesische übersetzt und finden an zahlreichen Universitäten Chinas Verwendung.

Ergebnisse des Forschungsaustauschs seien bei jungen chinesischen Wissenschaftlern bereits deutlich spürbar, erklärt Fabrice Larat: „Wer in Mannheim geforscht hat bringt nicht nur neues Wissen mit nach Hause. Der Kontakt mit europäischen Kollegen, Forschungsmethoden und anderen Standpunkten führt häufig auch zu einer Erweiterung des geistigen Horizonts“, so der Mannheimer Politikwissenschaftler. Seine Kollegin Zhang Jun versichert, dass man Europa in China mittlerweile nicht mehr nur als kleinen Bruder Amerikas wahrnehme: „Die EU ist ein eigenständiger Akteur der Weltpolitik, der für China von wachsender Bedeutung ist.“ Beispielhaft dafür sei etwa das europäisch-asiatische Dialogforum ASEM (Asia-Europe-Meeting), das über multilaterale Zusammenarbeit in Wirtschaft, Politik, Bildung, Kultur, Umwelt- und Klimaschutz berät.

Investor will chinesische Stadt in Brandenburg errichten

EM - In der Nähe von Berlin soll eine chinesische Kleinstadt entstehen. Erschließung und Bau auf einem ehemaligen Militärgelände in Brandenburg würden schätzungsweise knapp 700 Millionen Euro kosten, teilte die Projektgesellschaft BCPM (Brandenburg China Project Management) der Tageszeitung DIE WELT mit. Für den Lärmschutz sei eine Mauer an der nahen Bundesstraße 96 geplant. „Das soll im Kleinen wie die Chinesische Mauer werden“, sagte BCPM-Ingenieur Michael Reiß.

„Durch das Vorhaben sollen bis zu 2.000 Arbeitsplätze entstehen“, erklärte Angela Podwitz von der Brandenburgischen Boden (BBG) dem Blatt. Die BBG hat demnach in einem Ausschreibungsverfahren der in Frankfurt an der Oder ansässigen Projektgesellschaft BCPM den Zuschlag für den Kauf des alten Flugplatzes in Oranienburg gegeben. Der Preis werde noch verhandelt.

Die BCPM will auf dem 80 Hektar großen Gelände einen Chinesischen Garten, ein Hotel, Wohnungen für 2.000 Menschen, Geschäfte und ein Zentrum für chinesische Medizin bauen. „Wir haben in China Kontakt zu einem ersten, ernsthaften Investor“, sagte Ingenieur Reiß. Er rechnet mit einem Baubeginn frühestens ab 2009. Zunächst muss im Mai noch die Stadtverordnetenversammlung die Planung genehmigen. Erst dann könnten Pagoden und Tempel, Parks und chinesische Innenhöfe errichtet werden.

In Oranienburg wird dessen ungeachtet schon jetzt sehr betriebsam gebaut. Denn 2009 kommt die Landesgartenschau in die Stadt. Es entstehen neue Straßen, Rad- und Fußwege. Und da Oranienburg ein Schloss besitzt, soll der Platz davor wieder seine klassische Form erhalten. Wenn dann im Süden der Kleinstadt noch ein exotisches Chinesenviertel hinzukäme, wäre das derzeit noch grau und verschlafen wirkende brandenburgische Landstädtchen wohl bald eine echte Attraktion.

RHEINSKAJA GAZETA ist Deutschlands erste russischsprachige Tageszeitung

EM – Seit wenigen Tagen erscheint in Nordrhein-Westfalen mit der „Rheinskaja Gazeta“ („Rheinische Zeitung“) die erste russische Tageszeitung in Deutschland und ganz Westeuropa. Sie wird von der WAZ-Mediengruppe in Essen gemeinsam mit der ReLine Intermedien Verlags GmbH, Berlin, herausgegeben und richtet sich an die etwa 750.000 russischsprachigen Einwohner NRWs.

„Rheinskaja Gazeta“ ist eine moderne Zeitung mit allgemein interessierenden Inhalten aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Service. Redaktionelle Schwerpunkte bilden die NRW-Berichterstattung sowie News und Reportagen aus den ehemaligen Heimatländern. Das Blatt hat eine Startauflage von 17.000 Exemplaren. Nordrhein-Westfalen ist dabei Testgebiet. Geplant ist eine deutschlandweite Ausdehnung. Im gesamten Bundesgebiet leben etwa drei Millionen russischsprachige Menschen.
 
Die neue Zeitung wird im Abonnement, über das Presse-Grosso und den Bahnhofsbuchhandel in Nordrhein-Westfalen vertrieben und kostet im Einzelverkauf 0,60 Euro. Das Jahres-Abo beläuft sich auf 99 Euro.

Chefredakteur des aus 28 Mitarbeitern (davon 19 Redakteuren) bestehenden Redaktionsteams ist Juri Mogilevski, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der Moskauer Zeitschrift „Perspektiven“. Mitherausgeber ist Boris Feldmann, Chefredakteur der in Deutschland erscheinenden Wochenzeitschrift „Russkaja Germanija“.

Russischer Investor steigt bei Strabag ein

EM - Österreichs größter Baukonzern Strabag, der mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro auch einer der größten in Europa ist, bekommt einen russischen Miteigner. Ende April gab das Unternehmen bekannt, dass der russische Oligarch Oleg Deripaska, der mit einem Vermögen von 16 Milliarden Euro als zweitreichster Mann Russlands gilt, neuer Partner der Strabag wird. Er will 30 Prozent der Anteile übernehmen.

Mit dem neuen Partner, so wird in Wirtschaftskreisen vorhergesagt, wird die Strabag in Russland nach zehnjähriger Pause wieder in den Straßenbau einsteigen. Oleg Deripaska: „Derzeit werden viele Aufträge vergeben. Alle wollen nach Russland, es ist der beste Markt der Welt“.

Gold für Bucovina-Shantel

EM – Der Leiter des Bucovina Clubs, Stefan Hantel alias Shantel (EM 03 – 06 „Erstmals geht ein Trend von Ost nach West“) hat sich Gold geangelt. Seine Komposition und Produktion des Titels „Donna Diaspora“ wurde in Mannheim vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V. mit einer Goldenen Schallplatte für mehr als 100.000 verkaufte Tonträger ausgezeichnet.

Vor einem Jahr hatte die britische Rundfunkanstalt BBC Shantels Musik mit dem „BBC Award for World Music 2006“ ausgezeichnet. Seine Schöpfungen kommen aus einem eurasischen Niemandsland: der virtuellen Bukowina. In seinem Frankfurter „Bucovina Club“ und auf Tourneen in aller Welt verzaubert Shantels Hybrid-Sound das Party-Publikum. Für die Gäste des Bucovina-Spektakels ist Techno von gestern.

Die Wiederkehr der Laute: Pop-Musik vergangener Jahrhunderte neu entdeckt

EM - In der Renaissance galt sie als Königin der Instrumente, deren träumerisch-romantisches Spiel nicht nur bei Hofe zu hören war. Nachdem sich bereits Popstar Sting daran versuchte, ist mit „The Language of the Gods“ jetzt eine CD erschienen, die mit feinsinnigen Arrangements aus deutscher Meisterhand aufwartet.

Das für viele Jahrhunderte wichtigste Musikinstrument Europas erwacht damit endgültig aus dem Dornröschenschlaf des Vergessens. Die Laute, deren Vorläufer aus dem Persien des 9. Jahrhunderts stammt und im Frankreich des Sonnenkönigs kultiviert wurde, gilt bis heute als das Instrument mit dem größten Musikrepertoire. In den aristokratischen Salons von Paris betrachtete man das sanfte, farbenreiche Spiel der Laute sogar als Vorgeschmack auf die Musik des Himmels.

Dem musikalischen Plaisier dieser Zeit hat der deutsche Lutz Kirchhof eine CD mit Kompositionen gewidmet, die bei SonyBMG erschienen ist. Kirchhof, der als Zwölfjähriger mit dem Lautenspiel begann und 1972 im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ den 1. Preis gewann, gilt als einer der bedeutendsten Lautenisten der Gegenwart. Seine Auftritte begeistern bereits unzählige Menschen in aller Welt, die für sich die Tiefe und Lebendigkeit der „Alten Musik“ wiederentdeckt haben.

Die fast 80 Minuten spielende CD enthält 36 Kompositionen, darunter Werke von Denis Gaultier, dessen rein instrumentelle Klangsprache sich durch eine besondere rhythmische Intensität und Vielfalt von allen früheren Musikformen abhebt. Der Ausdruck zartester Gefühle, melancholischer Traumzustände und fantasievoll stilisierte Tanzformen geben dieser Musik eine ungeahnte Magie, die bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat. Neben Kompositionen von Gaultier sind auch Werke des deutschen Wunderkindes Esaias Reusner sowie populäre Tänze anonymer Lautenspieler enthalten.

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