Eurasien-Ticker

Eurasien-Ticker

Kasachstan sucht Investoren für einen Eurasischen Kanal · Einigkeit über ein Europäisches Technologieinstitut – nur das Geld fehlt · Die Gletschermumie Ötzi erhält ihr eigenes Forschungsinstitut · China greift nach dem deutschen Wald · Doktorhut aus Sibirien für Professor der Ruhr-Uni Bochum · In China werden schon mehr Autos gebaut als in Deutschland · Gesucht: „Das schönste ABC der Welt“

Von EM Redaktion

Kasachstan sucht Investoren für einen Eurasischen Kanal

EM - Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew propagiert den Bau eines 650 Kilometer langen Kanals zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer. Für das Projekt müssen sechs Milliarden US-Dollar investiert werden. Durch den Kanalbau soll der Handel zwischen Zentralasien und dem europäischen Markt erleichtert werden.

Der Eurasische Kanal wäre 1.000 Kilometer kürzer als der russische Wolga-Don-Kanal und würde einen wichtigen Korridor für den Warenexport und den Tourismus zwischen Zentralasien, der GUS und Europa bilden. Damit könnte er eine entscheidende Rolle für die Vereinigung der kaukasischen Nationen spielen, wie Nasarbajew kürzlich gegenüber einer Gruppe ausländischer Investoren erläuterte.

Zentralasien sei beim Export von Öl, Gas und anderen Gütern stark von russisch kontrollierten Routen abhängig und benötige eine breitere Auswahl an Handelsmöglichkeiten. Nasarbajew sucht nach ausländischen Investoren für die anspruchsvolle Aufgabe, eine Verbindung zwischen den beiden Meeren zu schaffen. Diese sind durch eine Bergregion getrennt, die sich über Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Südrussland und den Nordosten der Türkei erstreckt. Der Bau des Kanals wird nach vorläufigen Schätzungen drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen.

Die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EurAsEC) und Russland haben bereits ihre Unterstützung für „einen zweiten Wolga-Don-Kanal“ zugesagt, um den Warenverkehr aus China, Südostasien und den EurAsEC-Staaten zu den Häfen des Kaspischen Meers und des Asowschen Meers zu vereinfachen.

Der Kanal wäre mit 80 Metern Breite und 6,5 Metern Tiefe groß genug für Schiffe mit einer Lastkapazität von 3.500 – 5.000 Tonnen, sowie für die 10.000-Tonnen-Schiffe der „neuen Generation“. Die geschätzte Lieferzeit für Waren vom Kaspischen Meer bis zur Donaumündung soll neun bis zwölf Tage betragen.

Die Kapazität der Warentransporte über den neuen Kanal wird auf 40 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Sie überträfe damit den Wolga-Don-Kanal (13 Millionen Tonnen) um das Dreifache.

Einigkeit über ein Europäisches Technologieinstitut – nur das Geld fehlt

EM - Die Forschungsminister der 27 EU-Staaten haben sich in Luxemburg darauf geeinigt, ein Europäisches Technologieinstitut (EIT) für Spitzenforschung zu schaffen. Zwischen 2008 und 2013 müssten dafür über 300 Millionen Euro aus dem EU-Haushalt aufgebracht werden. Doch dafür stehen noch keine Mittel zur Verfügung. Sie sind in der laufenden, bis 2013 gültigen Finanzplanung bislang nicht vorgesehen.

Das Geld soll jetzt durch Umschichtung von Mitteln aus dem existierenden EU-Haushalt aufgebracht werden. Umstritten ist aber, welche anderen Haushaltstitel man dafür kürzen könnte. Mit dem EIT soll ein Gegengewicht zum Massachusetts Institute of Technology (MIT) geschaffen werden, das als weltweit führend gilt im Bereich technologischer Forschung und Lehre.

Das Europäische Technologie-Institut soll vor allem die Forschung von Universitäten und Unternehmen miteinander verbinden. Mit der Beteiligung von über 300 Millionen Euro aus dem EU-Haushalt soll privaten Investoren eine Sicherheit für das Engagement der öffentlichen Hand gegeben werden.

Die Pläne für das EIT, das in zwei Phasen gegründet werden soll und dessen erste Phase 2013 endet, sind deutlich bescheidener als ursprünglich von der EU-Kommission vorgeschlagen. Anders als vorgesehen soll das EIT keine neue Elite-Universität werden, sondern auf vorhandenen Strukturen aufbauen. Geplant ist die Vernetzung von Unternehmen, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen zu so genannten Wissens- und Innovationsgemeinschaften. Endgültig wird über die Gründung des Technologie-Instituts erst in der zweiten Jahreshälfte entschieden werden. Erst danach soll auch über den Sitz des EIT diskutiert werden.  

Die Gletschermumie Ötzi erhält ihr eigenes Forschungsinstitut

EM - Ötzi, die älteste bekannte Gletschermumie der Welt, erhält ein eigenes Forschungsinstitut. Angesiedelt an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) wird das künftige „Institut für Mumien und den Iceman“ wissenschaftliche Daten über den Mann aus dem Eis sammeln, die Erforschung der Gletschermumie koordinieren und Konservierungstechniken für Mumien weiterentwickeln.

Die Institutsgründer und sein neuer Leiter, Priv. Doz. Dr. Albert Zink, stellen am 12.Juli im Rahmen einer Pressekonferenz im Südtiroler Archäologiemuseum die künftigen Forschungsschwerpunkte des Instituts vor. Vor der Pressekonferenz besteht die Möglichkeit an einer Führung zu Ötzi, dem Mann aus dem Eis, teilzunehmen.

Anmeldungen per E-Post an press@eurac.edu.

China greift nach dem deutschen Wald

EM - Wer hat dich du schöner Wald, ausverkauft an die Chinesen? So könnte dereinst ein Eichendorff-Nachfahre dichten und Felix Mendelsohn-Bartholdy, der die bekannte Ode an den deutschen Wald vertont hat, müsste sie ganz in Moll setzen.

Es scheint wahr zu sein: die Chinesen greifen offenbar nach dem deutschen Wald. Der Bund Deutscher Forstleute hat bereits warnend seine Stimme erhoben, nachdem ein Hamburger Makler Forstflächen für chinesische Investoren sucht – „bundesweit und zu Spitzenpreisen“.

„Holz wird weltweit immer knapper, und die Chinesen sichern sich still und leise diesen begehrten Rohstoff“, sagt der Vorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute, Bernhard Dierdorf. Er warnt vor einem Zug der „Heuschrecken“ durch die deutschen Wälder.

Einige hundert Hektar, vielleicht auch tausend, sollen bereits reichen Chinesen aus dem Reich der Mitte gehören. Deutschland, das mit 3,4 Milliarden Kubikmetern die größten nutzbaren Holzvorräte Europas besitze, sei ein interessanter Markt für China. Denn China selbst verfüge nur über geringe Holzmengen und habe großen Bedarf an Bau- und Möbelhölzern.

Umweltschützer und Waldbesitzer halten die Sorgen zumindest derzeit noch für übertrieben. In Südamerika seien große Waldflächen viel billiger zu haben als hierzulande, sagt Christoph Rullmann von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Auch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände befürchtet keinen Ausverkauf. „Größere Waldflächen sind derzeit nicht auf dem Markt“, versichert Geschäftsführerin Ute Seeling. Daran seien schon Skandinavier und Österreicher gescheitert, die versucht hätten, deutschen Wald in ihren Besitz zu bringen.

Doktorhut aus Sibirien für Professor der Ruhr-Uni Bochum

EM - Seit über zwölf Jahren setzt sich Prof. Dr. Hans-Rüdiger Fluck für einen regen akademischen Austausch zwischen der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Ulan Ude (Burjatien/Sibirien) ein. Jetzt wurde er für seine herausragenden Verdienste um die deutsch-burjatische Verständigung und für den Aufbau des gemeinsamen Netz-Journals geehrt. Vor kurzem erhielt er die Ehrendoktorwürde der Staatsuniversität Burjatiens. Der Bochumer Germanistikprofessor pflegt seit 1994 enge Kontakte zum Lehrstuhl für Deutsch von Prof. Dr. Anatoli S. Karpov. Seit vier Jahren ist das Germanistische Institut der RUB mit dem Lehrstuhl in einer Institutspartnerschaft verbunden.

Zusammen mit dem Lehrstuhl für Deutsch hat Prof. Fluck das von der Volkswagenstiftung fünf Jahre lang geförderte Lehr- und Ausbildungsprojekt „Germnet“ initiiert. Ziel von Germnet ist, burjatische Deutschlehrer in Germanistischer Linguistik via Internet fortzubilden und so die große Distanz zwischen beiden Ländern zu überbrücken. Tief im Osten, hinter dem Baikalsee gelegen und viele tausend Kilometer von Bochum entfernt, hat der Erwerb der deutschen Sprache einen hohen Stellenwert - insbesondere für Deutschlehrer, Dozenten und Studenten.

Aus dem Projekt „Germnet“ ging auch das gemeinsame Netz-Journal „Punkt.de“ hervor: Es richtet sich an alle, die Deutsch lehren oder lernen. Es bietet Beiträge und Informationen zur deutschen Sprache, Literatur und Landeskunde und vermittelt Einblicke in unterschiedliche Kulturen. Das Netz-Journal feiert im nächsten Jahr sein zehn-jähriges Bestehen.

In China werden schon mehr Autos gebaut als in Deutschland

EM – Wie die Fachzeitschrift „Automotive News Europe“ berichtet, wurden eigenen Erhebungen zufolge 2006 in Deutschland 5,8 Millionen Autos hergestellt. Dies bedeute einen Anstieg der Produktion um 1,1 Prozent im Vergleich zu 2005. In China habe es dagegen einen Anstieg von 26,3 Prozent auf 7,2 Millionen Stück gegeben.

Chinas Autokonzerne würden außerdem immer selbstbewusster. Arbeiteten sie vor zehn Jahren vor allem noch für etablierte Produzenten wie Volkswagen, General Motors oder Renault, drängen sie jetzt mit eigenen Marken in die Autohäuser. Das ähnelt dem Aufstieg, den zuvor schon Japaner und Südkoreaner geschafft haben.
Im Frühjahr feierten die Chinesen ein prestigereiches Debüt. Unter der Regie von Nanjing Automobile Corporation (NAC) rollte im britischen Birmingham eine Neuauflage des Sportwagens MG Rover vom Band. (EM 07-06 Eurasien-Ticker). Die Chinesen hatten sich die Markenrechte des insolventen englischen Autobauers gesichert. Nun sorgen sie dafür, dass die Marke weiterlebt. In China sollen 200 000 Rover im Jahr verkauft werden.

In Europa müssen die Chinesen aber noch um Akzeptanz kämpfen. Bislang schaffen sie es zum Beispiel in Deutschland nicht, geforderte Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Vor anderthalb Jahren fiel das erste chinesische Auto, der Geländewagen Landwind, im ADAC-Crashtest durch - und zwar so deutlich wie selten zuvor ein Fahrzeug.

Ähnlich erging es jetzt dem Brilliance. Die vom BMW-Partner für Europa entwickelte Limousine BS6 erreichte im ADAC-Crashtest nur einen von fünf möglichen Sternen. Vergleichbare Wagen der Mittelklasse schaffen normalerweise vier bis fünf Sterne. In Belgien scheiterte das Fahrzeug komplett. Der Importeur nahm es nach vernichtenden Crashtest-Ergebnissen vom Markt. Brilliance gelobt Besserung und beharrt dennoch auf seinen Zielen. Das Unternehmen will 15 000 Autos in Europa absetzen.

Gesucht: „Das schönste ABC der Welt“

EM - Ob popo (chinesisch: Schwiegermutter), khushabu (hindi: Duft) oder witchcraft (englisch: Hexerei): Gesucht wird seit Januar 2007 „das schönste ABC der Welt“. Einsendungen sind noch bis 31. August 2007 möglich. Die Aktion wird von „Kulturaustausch – Zeitschrift für internationale Perspektiven“ und dem Journal „Jahr der Geisteswissenschaften“ veranstaltet. Bis jetzt gab es 470 Einsendungen aus 25 Ländern, darunter u. a. sogar aus Brasilien, der Elfenbeinküste und dem Libanon.

Alle Teilnehmer sollen ihr Lieblingswort aus ihrer Muttersprache vorschlagen und ihre Wahl in einem kurzen Text begründen. Eine Jury, bestehend aus dem Journalisten Jörg Thadeusz, der Autorin Inka Parei und der Moderatorin Marion Brasch, wird die besten Beiträge prämieren.

Entscheidend sind u. a. die Originalität der Begründung und des Wortes, die literarische Qualität der Erklärung oder der Klang des Wortes. Als Hauptgewinn winkt eine Reise. Die besten Texte werden als „schönstes ABC der Welt“ veröffentlicht. Die Deutsche Welle sendet zudem die besten Beiträge aus allen Einsendungen.

Das Lieblingswort aus der eigenen Muttersprache soll mit einem kurzen Text (max. 300 Wörter) begründet werden. Nomen, Verben oder Adjektive sind erlaubt, jedoch keine Eigennamen. Weitere Informationen auf www.ifa.de.

Eurasien-Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

  1. Wie Putin die Welt sieht
  2. Hintergründe zum Putsch in der Türkei
  3. Die Kurden - Geschichte, Kultur und Hintergründe
  4. Schwarzkümmel - Heilmittel des Propheten Mohammed
  5. „Hitler und Tito waren Schulfreunde“

Eurasien-Ticker