Eurasien-Ticker

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Wie Indien den Himalaja auftürmte · Sinkende Geburtenraten machen den EU-Neulingen zu schaffen · Atomstreit Indiens mit den USA · Die Institutionen der EU sollen die deutsche Sprache stärker beachten · China möchte mehr Schwein haben

Von EM Redaktion

Wie Indien den Himalaja auftürmte

EM - Eine riesige heiße Magma-Ansammlung, eine Art Vulkan unter der Erde, hat Indien vor 50 Millionen Jahren so schnell auf Eurasien zugeschoben, dass sich der Himalaja auftürmen konnte. Das berichtet ein Team um Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam im britischen Fachjournal „Nature“, Bd. 449, S. 894, vom Oktober 2007. Der Aufprall sei so heftig gewesen, dass sich der Himalaja quasi als Knautschzone vor der indischen Platte herschob und so das mächtigste Gebirge der Welt entstehen ließ.´Mit einer Geschwindigkeit von 20 Zentimetern pro Jahr prallte der Subkontinent auf die Platte, die Europa und Asien trägt. Andere Kontinentalplatten erreichen nur ein Zehntel dieser Geschwindigkeit. Der Grund für die schnelle Verschiebung Indiens: Der Vulkan in der Tiefe hatte den indischen Subkontinent unterirdisch etwa zur Hälfte abgeschmolzen, meinen die Potsdamer Forscher. So habe er seinen „Kiel“ verloren. Gemeinsam mit Kollegen vom indischen „National Geophysical Research Institute“ fanden sie heraus, dass Indien dadurch „wesentlich dünner und leichter“ wurde. Die hat die starke Beschleunigung des Subkontinents bewirkt, der seither mit Eurasien „verschmort“ ist.

Die indische Platte ist nur etwa 100 Kilometer dick und damit nur halb so mächtig wie die übrigen Restplatten von Gondwana, dem Urkontinent, aus dem sie sich beim Zerbrechen gelöst hat. Diese Details hatten die Forscher herausgefunden, als sie nach Ursachen für das Zerbersten der Superkontinente suchten.

Bis vor rund 130 bis 140 Millionen Jahren gab es nur zwei davon: Laurentia auf der Nordhalbkugel und Gondwana in der südlichen Hemisphäre. Gondwana umfasste unter anderem das heutige Afrika, Südamerika, Vorderindien und die Antarktis. Vor etwa 180 Millionen Jahren spaltete Gondwana sich auf, und die Kontinentalblöcke begannen, sich zu verschieben. Indien trieb nach Norden und stieß gegen Asien. Im Süden spaltete sich die Antarktis ab. Die Bewegung der Erdplatten dauert bis heute an.

Sinkende Geburtenraten machen den EU-Neulingen zu schaffen

EM - Den gelegentlich schon als „Tigerstaaten Europas“ bezeichneten neuen Mitgliedern im Osten könnte wegen zu niedriger Geburtenraten bald eine Wirtschaftsflaute drohen. Davor warnt der Brüsseler „Lisbon Council“, eine Art europäischer Denkfabrik. Den Ländern Zentral- und Osteuropas (CEE) drohe angesichts ihrer geringen Geburtenraten, der massiven Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen und einer mangelhaften Weiterbildung der über 45-Jährigen der wirtschaftliche Niedergang.

Eine mögliche Lösung des Dilemmas sei die EU-Integration der Türkei, des einzigen Landes weit und breit, dessen Bevölkerung stark wächst und das gleichzeitig viele Elemente der europäischen Kultur und Geschichte teile. „Das ist eine realistische Möglichkeit, die niedrigen Geburtenraten in den neuen Mitgliedsstaaten auszugleichen“, heißt es. Für die Autoren der Studie ist zumindest eine wirtschaftlich enge Bindung an die Türkei so gut wie unausweichlich.

Die Studie dürfte die Befürworter eines Beitritts der Türkei zur EU stärken. Derzeit führt die EU mit dem Land Beitrittsverhandlungen. Die Mitgliedsstaaten sind jedoch uneins über einen möglichen Status in der EU. Frankreich ist gegen den Beitritt. Die CDU/CSU in Deutschland setzt sich für eine privilegierte Partnerschaft ein. Die stärksten Befürworter gibt es in Großbritannien und Skandinavien.

„Die oft gefürchtete Größe des Landes und die kulturellen Unterschiede sind in Wirklichkeit die beste Möglichkeit für wirtschaftliches Wachstum, Kreativität und eine junge Gesellschaft“, schreiben die Autoren der Studie. Davon könnten europäische Länder außerordentlich profitieren. Der Bevölkerungsreichtum des Landes könnte die niedrigen Geburtenraten in den neuen Mitgliedsländern ausgleichen – und damit auch den Mangel an Arbeitskräften. Während in der Türkei die Anzahl der Beschäftigten bis 2035 um rund 37 Prozent steigen werde, würde sie in Zentral- und Osteuropa um durchschnittlich mehr als 16 Prozent abnehmen.

Atomstreit Indiens mit den USA

EM - Indien stoppt seinen erst kürzlich geschlossenen Atompakt mit den USA. Der Deal, der im Juli ausgehandelt wurde, hat für unvorhergesehene Wendungen in der indischen Politik gesorgt. Noch Anfang August hatte sich Indiens Premierminister Manmohan Singh für den Vertrag starkgemacht und sogar sein politisches Schicksal an ihn verknüpft. Doch der Widerstand von 61 kommunistischen Abgeordneten, auf deren Stimmen die Regierung angewiesen ist, brachte die Koalition in Bedrängnis. Singh und die Kongresspartei blieben lange hartnäckig, wollten lieber die Macht als den Vertrag opfern. Vorzeitige Neuwahlen schienen so gut wie sicher. Nun sieht es so aus, als würde die Regierung lieber den als historisch angesehenen Atompakt opfern, statt sich Neuwahlen zu stellen.

Das energiehungrige Indien betreibt zurzeit 16 Atomkraftwerke, sieben weitere sind im Bau. Doch es verfügt nicht einmal über genug Uran für seine laufenden Meiler. Weil das Gandhi-Land Atomwaffen getestet hat, ohne den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen und sich so zur Nichtverbreitung von nuklearen Waffen zu verpflichten, ist es seit mehr als drei Jahrzehnten international größtenteils vom Handel mit Atomtechnologie und Nuklearbrennstoffen ausgeschlossen.

Diese atomare Quarantäne sollte der Pakt beenden. Das umstrittene Abkommen über atomare Zusammenarbeit mit den USA würde Indiens Versorgung mit nuklearen Brennstoffen für die nächsten 40 Jahre sichern, ohne dass das Land dafür im Gegenzug den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen muss.

Doch während die Befürworter den Vertrag als „diplomatischen Triumph Indiens“ feiern, sehen seine Gegner darin einen Ausverkauf nationaler Interessen. Den Kommunisten ist die strategische Annäherung Indiens an die USA schon seit Längerem ein Dorn im Auge. CPM-Generalsekretär Prakash Karat bezeichnete unlängst den Atomdeal als einen „Angriff auf unsere Souveränität und die Unabhängigkeit unserer Außenpolitik“. Er verlangt von der Regierung, den Vertrag für sechs Monate auf Eis zu legen. Dann wäre die Zukunft des Deals allerdings mehr als ungewiss.

Die Institutionen der EU sollen die deutsche Sprache stärker beachten

EM – Immer wieder gibt es Vorstöße, die deutsche Sprache in Brüssel ihrer Verbreitung entsprechend zur Geltung zu verhelfen. Jetzt hat der stellvertretende europapolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Michael Roth erklärt: „Die Bedeutung der deutschen Sprache muss in den Institutionen der Europäischen Union stärker zur Geltung kommen. Deutsch gehört seit 1958 zu den drei offiziellen Verfahrenssprachen der Kommission. Sie ist laut Eurobarometer die am zweithäufigsten gesprochene Sprache in der EU. Das Bekenntnis der Kommission zur Mehrsprachigkeit darf nicht länger ein Lippenbekenntnis sein. Wenn sie nicht unglaubwürdig werden will, muss die Kommission mit diesem Grundsatz endlich in der Praxis Ernst machen.“   Wer die Beteiligung der nationalen Parlamente und der Zivilgesellschaft immer wieder einfordere, stehe in der Pflicht, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. In diesem Sinne unterstütze seine Partei auch „die Bemühungen der SPD-Abgeordneten im Europäischen Parlament, die im Rahmen des EU-Haushaltsverfahrens bessere Übersetzungsleistungen beantragt haben.“   Ausdrücklich unterstützte die SPD-Bundestagsfraktion den Einsatz von Professorin Jutta Limbach für eine Anerkennung und angemessene Berücksichtigung nicht nur von Deutsch, sondern aller 23 Amtssprachen der EU. Professor Jutta Limbach wurde von EU-Kommissar Leonard Orban in einen Expertenrat für Mehrsprachigkeit und interkulturellen Dialog berufen.

China möchte mehr Schwein haben

EM - In China ist das Fleisch knapp. Die Regierung in Peking pumpt nun Millionen in einen Schweinefond. Damit sollen Prämien für Schweinezüchter bezahlt werden. Denn der Mangel an Schweinefleisch könnte für sozialen Sprengstoff sorgen, so die Tageszeitung DIE WELT.

Angesichts des Fleischmangels und immer weiter steigender Preise im Land habe China jetzt Prämien für Schweinezüchter ausgelobt. Insgesamt habe das Finanzministerium für den Schweine-Fonds 1,5 Milliarden Yuan (144 Millionen Euro) bereitgestellt, berichtete die staatliche Zeitung „China Daily“.

Damit sollten Züchter belohnt werden, die ihre Produktion erhöhten. Schon jetzt würden in China jedes Jahr zwischen 600.000 und 800.000 Tiere aufgezogen und geschlachtet. „Tierkrankheiten und steigende Futtermittelpreise hatten zuletzt in der Volksrepublik zu einer anhaltenden Knappheit an Schweinefleisch geführt und die Inflation verhältnismäßig hoch gehalten“, so das Blatt.

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