Eurasien-Ticker

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Ältestes Musikinstrument: Flöte aus Gänsegeierknochen · Feierliches Gedenken an Grenzöffnung in Ungarn · Qantara.de: Dialogportal jetzt auch auf Indonesisch · Arundhati Roy eröffnet Literaturfestival in Berlin · Es gibt wieder mehr Dorsch in der Ostsee · Untermeerische Vulkane vor Kamtschatka erfolgreich vermessen · Grenzenloser Schutz für Wölfe in Europa

Von EM Redaktion

Ältestes Musikinstrument: Flöte aus Gänsegeierknochen

EM -  Wissenschaftler des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen haben schon wieder einen spektakulären Fund gemacht: eine Flöte aus der Eiszeit, die bereits mehr als 35.00 Jahre alt ist. Sie ist aus einem Gänsegeierknochen hergestellt und gibt heute noch ansprechende Flötentöne von sich.

Das klingende Zeugnis wurde wie die „Venus von Schelklingen“ in der Höhle „Hohle Fels“ gefunden. Der Grabungsleiter Nicholas Conard, der schon einige Musikinstrumente aus der Eiszeit in den Höhlen der Schwäbischen Alb geborgen hat, schließt daraus, dass Musik schon damals ein Teil des Lebens war und die Menschen in den Eiszeithöhlen bereits einem weit entwickelten Kulturvolk angehörten.

Siehe dazu EM 06-09: „Geomantikart aus der Eiszeithöhle“.

Feierliches Gedenken an Grenzöffnung in Ungarn

EM - Am 19. August 2009 finden in Sopron (Ungarn) die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der „Grenzzaun- Öffnung“ statt. Hierzu hat die Stadt Sopron mit dem Freundeskreis Europa Berlin e.V. mit Unterstützung der EU-Kommission das Projekt Sopron 2009 ins Leben gerufen. Dabei wird ein „Monument der Freiheit“ des Bildhauers Mikloas Melocco für das zusammengeführte Europa errichtet. Sopron soll zu einem Treffpunkt der Begegnung, aber auch Mahnung gegen das Vergessen werden. Weitere Informationen: www.freundeskreis-europa-berlin.de.

Siehe dazu EM 08-2004 „Mit der Drahtschere in die Freiheit“.

Qantara.de: Dialogportal jetzt auch auf Indonesisch

EM - Das Portal „Qantara.de“, das sich dem interkulturellen Dialog mit Menschen in islamisch geprägten Ländern widmet, ist jetzt auch in einer indonesischen Version online. Es ergänzt die bisherigen Angebote in deutscher, englischer, arabischer und türkischer Sprache und soll zusätzliche Zielgruppen in Südostasien erschließen.

Mit dieser Ausweitung und einer stärkeren Berücksichtigung von Themen aus Südostasien erweitert Qantara.de den Fokus auf eine Region, deren Bedeutung für den interkulturellen Dialog in der westlichen Wahrnehmung oftmals unterschätzt werde, so Redaktionsleiter Loay Mudhoon. Dies gelte insbesondere für Indonesien, dem bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt, das mit vielfältigen Herausforderungen im Konfliktfeld von Tradition und Moderne bis hin zu politisch-religiös motiviertem Extremismus konfrontiert sei.

Qantara.de hat die Aufgabe, als Online-Forum den Dialog zwischen westlicher und islamischer Welt zu fördern. Dabei sollen strittige Fragen kontrovers diskutiert und auch Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen herausgearbeitet werden. Das neue Angebot in indonesischer Sprache wendet sich vorrangig an Dialog-Interessierte in Südostasien, insbesondere an jene, die durch ihre gesellschaftliche Stellung einen Einfluss auf die öffentliche Meinung ihres Landes haben.

Qantara.de ist seit 2003 in den Sprachen Deutsch, Englisch und Arabisch online, 2007 kam Türkisch hinzu. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt gefördert und gemeinsam von der Deutschen Welle, dem Goethe-Institut, der Bundeszentrale für politische Bildung, sowie dem Institut für Auslandsbeziehungen getragen.

Siehe: www.qantara.de

Arundhati Roy eröffnet Literaturfestival in Berlin

EM - Arundhati Roy eröffnet am 9. September in Berlin das 9. internationale Literaturfestival (ilb). Das Programm steht im Zeichen der arabischen Literatur. Es werden 140 Autoren aus 50 Ländern erwartet. Herausragende, in Deutschland jedoch noch kaum bekannte Autoren werden neben anerkannten Größen der Weltliteratur in Lesungen und Gesprächen zu erleben sein.

Angesichts der Auseinandersetzung mit dem islamischen Terrorismus, dem Nahostkonflikt und der Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan will das Festival eine Brücke zwischen Orient und Okzident bauen. Über die Literatur öffnet das ilb den Kulturkreis des arabischen Raums für das interessierte Publikum.

Der Kartenverkauf für die ersten Veranstaltungen hat begonnen.
Info: www.berlinerfestspiele.de

Es gibt wieder mehr Dorsch in der Ostsee

EM – Aus einer Mitteilung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) geht hervor, dass sich die Dorschbestände in der Ostsee deutlich erholt haben. Nun kann offenbar sogar eine Erhöhung der Fangmengen für Bestände vor allem in den östlichen Gebieten ins Auge gefasst werden. Um etwa 15 Prozent mehr könne in den kommenden Jahren gefischt werden. Nachdem es zuletzt immer nur Kürzungen gegeben hatte, löste die Nachricht von der Bestandserholung bei den Ostseefischern Zufriedenheit und neue Hoffnung aus.

Siehe dazu auch: „Das Meer der Europäer“ in dieser Ausgabe.

Untermeerische Vulkane vor Kamtschatka erfolgreich vermessen

EM - Unter wissenschaftlicher Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat eine deutsch-russische Schiffsexpedition die untermeerischen Vulkanberge vor der russischen Halbinsel Kamtschatka erfolgreich vermessen. Das 25köpfige Team aus Wissenschaftlern und Technikern war drei Wochen lang mit dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“ im Nordwestpazifik unterwegs. „Mit reflexionsseismischem Gerät haben wir mehr als 2.700 Kilometer Profile im Gebiet der submarinen Vulkankette „Emperor Seamount Chain“ aufgezeichnet“, so BGR-Expeditionsleiter Dr. Christoph Gaedicke. Die erloschenen Vulkane würden bis zu 4.500 Meter über den Meeresboden aus der Tiefsee herausragen. „Wegen der Masse der Vulkane verbiegt sich die elastische Kruste“, so der BGR-Meeresgeologe über ein erstes wichtiges Ergebnis.

Die Forscher konnten mit ihren Geräten bis etwa zehn Kilometer tief unter den Meeresboden blicken. Bei ihren Arbeiten entdeckten sie auch eine mehr als 700 Kilometer lange Störungszone, die in Richtung Kamtschatka verläuft. „In diesem Gebiet reißt die Erdkruste auf und der Meeresboden macht einen Sprung um etwa 1000 Meter nach oben“, berichtet Gaedicke. Die Forscher vermuten, dass die Spannung in der Erdkruste entlang der Störung abgebaut wird. „Die Störungszone dürfte entscheidenden Einfluss auf die Erdbebentätigkeit in diesem Gebiet haben“, glaubt der BGR-Experte. Konkrete Ergebnisse erhoffen sich die Forscher jetzt von der Auswertung der Daten in Hannover.

Weitere Informationen:  http://kalmar.ifm-geomar.de/

Grenzenloser Schutz für Wölfe in Europa

EM - Mit den Wolfsbeständen in Westpolen geht es wieder aufwärts. Das ist die wichtigste Erkenntnis einer Studie von Sabina Nowak von der Associaton for Nature WOLF (WILK), IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) und der Naturschutzstiftung EuroNatur.  Laut dieser Studie leben in Westpolen mittlerweile etwa 13 Rudel. Genetische Untersuchungen bestätigten, dass die in der sächsischen Lausitz lebenden Wölfe mit den westpolnischen Wölfen verwandt sind. Die Lausitz-Wölfe und die Wölfe in Westpolen gehören zur selben Population. Diese ist allerdings noch lange nicht stabil.

„Trotz der positiven Entwicklung bleiben die deutschen Wölfe extrem gefährdet“, erklärt Robert Kless vom IFAW. „Besonders, da es in letzter Zeit einige illegale Abschüsse gab. Wölfe in Deutschland und Polen müssen weiter konsequent geschützt werden.“

„Die Quelle für die Zuwanderung nach Deutschland ist Polen. Deshalb müssen wir dringend Wildtierkorridore erhalten oder neu schaffen, die den Wölfen den Weg aus den ostpolnischen Habitaten in den Westen ebnen“, sagt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer. Die Studie belege, dass der Austausch über die Grenze bereits erfolgt. Sie weist nach, dass die Wanderungsbewegungen dabei in beide Richtungen gehen:  Direkt an der Grenze zur Lausitz leben im westpolnischen Bory Dolnoslaskie Wald heute drei Wolfsrudel mit etwa 23 Tieren. Eines dieser Rudel hat den größten Teil seines Territoriums in der Lausitz und ist dort als das Daubitzer Rudel bekannt. Außerdem konnten die Forscher einen aus der Lausitz stammenden Wolf im Bory Dolnoslaskie Wald nachweisen. Ein Wolf aus dem nord-ostpolnischen Napiwodzko-Ramuckie Wald fand in Deutschland eine neue Heimat, ebenso wurde das Vorkommen eines Lausitzer Wolfs im Napiwodzko-Ramuckie Wald bestätigt. Neuerdings lebt auch wieder ein Rudel im Cedynski Landschaftspark im nordwestlichen Polen, in der Nähe des Nationalparks Unteres Odertal.

Die ersten Wölfe aus Polen waren Ende der 1990er Jahre nach Deutschland eingewandert und wurden in der sächsischen Muskauer Heide sesshaft. EuroNatur und der IFAW unterstützen die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland durch Aufklärungsarbeit, Schutz wertvoller Lebensräume und wissenschaftliche Untersuchungen der Wölfe in Deutschland und Polen.
 
Weitere Informationen: www.euronatur.org

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