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Programmierer aus Indien und China drängen nach Europa · Frankreich verstärkt seine kinderfreundliche Familienpolitik · Prognose der Deutschen Bank: der nächste Krieg ist schon in Vorbereitung · Putin dringt auf gemeinsamen Wirtschaftsraum mit der EU · St. Petersburg begeht seinen 300. Geburtstag – Eröffnung des rekonstruierten Bersteinzimmers · China will seinen Arzneimittelmarkt für westliche Pharmakonzerne öffnen · Monolithen in Ostanatolien älter als Stonehenge

Von EM Redaktion
21.05.2003 Drucken Senden Kommentieren

EM – Sie kosten weniger und arbeiten mehr, das macht sie für die Wirtschaft in westlichen Industrieländern attraktiv. Bei Dienstleistungen im Informations- und Telekommunikationsbereich (IT) sind Spezialisten aus Indien und China konkurrenzlos billig. Während zum Beispiel amerikanische oder europäische Spitzenkräfte 1000 bis 1500 Euro pro Tag verlangen, ist in Indien der Preis für eine Arbeitsstunde in letzter Zeit von 45 Dollar auf 35 Dollar gesunken. Bei einem Acht-Stunden-Tag kostet die vergleichbare Fachkraft vom Ganges deshalb nur runde 280 Euro.

Einheimische IT-Dienstleister in den Hochlohnländern der EU bekommen nun verstärkt diese Konkurrenz aus Süd- und Südostasien zu spüren. Indische Firmen erbringen inzwischen weltweit rund zwei Drittel aller Leistungen auf dem sogenannten Offshore-Markt. Unter dieser Bezeichnung versteht man Anbieter außerhalb der Konzern-Heimatregionen wie Europa oder USA, in die Dienstleistungen ausgelagert werden. Die größten Kunden für Offshore-Dienstleistungen im globalen IT-Markt sind derzeit US-Firmen. Von ihnen kommen über 60 Prozent der Nachfrage. Dies hat das europaweit tätige Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) ermittelt. „In Europa ist das Offshore-Geschäft noch nicht sehr weit entwickelt“, stellt dazu Jean-Christian Jung von PAC-München fest. Seine Prognose für diese Geschäftsbranche: „Wir rechnen in der EU und speziell in Deutschland in den kommenden Jahren mit hohen zweistelligen Wachstumsraten.“ Das läge aber nicht nur an den niedrigeren Honoraren für asiatische Spezialisten, sondern auch daran, daß sie im Bedarfsfall „bis zu sieben Tage die Woche bei einer sehr guten Arbeitsqualität“ zur Verfügung stünden.

Frankreich verstärkt seine kinderfreundliche Familienpolitik

EM – Einen Zehn-Punkte-Plan zur Familienförderung hat die französische Regierung Anfang Mai vorgestellt. Er enthält Leistungszahlungen für junge Eltern, die selbst Kinder betreuen und für Kindermädchen, die dadurch auch für untere Einkommensklassen erschwinglich werden sollen. Keine Familie soll künftig mehr als zehn Prozent ihres Einkommens für die Kinderbetreuung aufbringen müssen.

Die Finanzhilfen des französischen Staates werden zur Unterstützung der Familien in mittleren und niedrigen Einkommensklassen eingesetzt. Besserverdienende gehen leer aus. Familien, deren monatliches Einkommen 4.100 Euro nicht übersteigt, erhalten vom 1. Januar 2004 an eine einmalige Geburtsprämie von 800 Euro je Kind. Bis zum dritten Lebensjahr zahlt Frankreich den Eltern außerdem 160 Euro monatlich. Das ehrgeizige Programm zur Geburtenförderung in Frankreich sieht außerdem Investitionen von 200 Millionen Euro in Betreuungseinrichtungen vor, mit denen 20.000 neue Krippenplätze geschaffen werden sollen.

Die Geburtenrate in Frankreich ist mit 13,1 lebendgeborenen Kindern je 1000 Einwohnern schon heute die zweithöchste in Europa. Auf Platz eins liegt Irland mit 14,6 Kindern je 1000 Einwohnern. Deutschland bildet mit 9,2 Kindern das Schlußlicht.

Prognose der Deutschen Bank: der nächste Krieg ist schon in Vorbereitung

EM – Die Analysten der Deutschen Bank erwarten, daß die USA in etwa vier Monaten zum nächsten Militärschlag ausholen. So steht es in ihrem jüngsten Bericht über „Global Trends“. Bis dahin habe sich die Militärmaschine wieder so weit regeneriert, daß ein neuer Angriff erfolgen könne.

Die schweren amerikanischen Bomber und drei der sechs Flugzeugträger seien in die USA zurückgekehrt. Die Flugzeugträger brauchten drei bis vier Monate zur Überholung. Außerdem sie die Zahl der Präzisionswaffen knapp geworden. 12.000 Stück der sogenannten JDAM-Bomben habe man auf den Irak abgefeuert. Nach Abzug der eisernen Reserven stünden dem US-Militär jetzt nur noch etwa 9.000 Stück zur Verfügung und dies sei zu wenig für einen neuen Militärschlag. Selbst für das militärisch schwache Syrien reichte diese Zahl nicht aus. Die US-Rüstungsindustrie habe aber eine Produktion von 2.800 neuen JDAM-Bomben pro Monat zugesagt. Dies hat „zur Folge, daß die Verfügbarkeit dieser Waffen dann kein einschränkender Faktor mehr sein wird“, wie der New Yorker Mitarbeiter von Global Trends, Peter Garber, formulierte.

Im Spätsommer könnte es nach Ansicht der deutschen Großbank wieder zu einem Angriff auf einen Schurkenstaat kommen. Nennenswerten Widerstand von Deutschland, Frankreich oder Rußland erwarten die Bänker diesmal nicht.

Putin dringt auf gemeinsamen Wirtschaftsraum mit der EU

EM – Der russische Präsident Wladimir Putin will sich verstärkt für die Bildung eines „gemeinsamen Wirtschaftsraums“ zwischen Rußland und der EU einsetzen. Auf dem bevorstehenden Gipfel in St. Petersburg Ende des Monats soll das Thema laut Kremlchef zu den „wichtigen Programmpunkten“ gehören.

Im renovierten Konstantin-Palast empfängt Putin alle Kollegen der G8-, EU- und GUS-Staaten sowie Indiens und Chinas. Der Kreml-Chef und Deutschlands Bundeskanzler Schröder eröffnen das rekonstruierte Bernsteinzimmer. Am Abend nehmen die hohen Gäste an einer Geburtstagsfeier für die Stadt an der Newa teil. Im Anschluß reisen die Staats- und Regierungschefs weiter zum G8-Gipfel, der vom 1. bis zum 3. Juni in Evian-les-Bains in den französischen Alpen stattfindet..

Schon vor anderthalb Jahren hatte Putin ähnliche Vorschläge zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum gemacht. Bis heute sind sich allerdings die Unterhändler Moskaus und der EU nicht einig, was unter einem gemeinsamen Wirtschaftsraum zu verstehen ist. Der Kreml spricht unter anderem von einer „Harmonisierung der Gesetzgebung“. Das käme einer Anpassung von russischen Rechtsnormen an EU-Recht gleich. Außerdem hofft Moskau offenbar durch einen Abbau von Zollbarrieren die Öffnung der europäischen Märkte für seine Produkte zu erreichen.

St. Petersburg begeht seinen 300. Geburtstag – Eröffnung des rekonstruierten Bersteinzimmers

EM – St. Petersburg, Rußlands Fenster nach Europa, feiert sein 300jähriges Stadtjubiläum. Der 27. Mai wird offiziell als der Gründungstag der Newa-Metropole begangen. Zar Peter der Große soll 300 Jahre zuvor den Grundstein für die Peter-Paul-Festung gelegt haben. Um sie herum hat sich im Laufe der Jahre Rußlands zweitgrößte Stadt entwickelt, mit heute fast fünf Millionen Einwohnern.

Die Feierlichkeiten beginnen bereits am 23. Mai und dauern bis zum 1. Juni. Höhepunkte sind u. a. die Ausstellung „St. Petersburg. Bild der Stadt und der Bewohner der Stadt“ im Staatlichen Russischen Museum, die Eröffnung der Dreifaltigkeits-Kapelle, eine Wasser- und eine Lasershow, zahlreiche Sportwettbewerbe wie etwa die „Spartakiade“, Musikveranstaltungen im weltberühmten Mariinskij Theater, aber auch Auftritte der russischen Rockgruppen DDT und Zemfira.

Ein ganz besonderes Ereignis ist die Eröffnung des rekonstruierten Bernsteinzimmers in den Schloßanlagen von Zarskoje Selo, der einstigen Sommerresidenz der russischen Zaren (ca. 25 km südlich von St. Petersburg). Der Preußische König Friedrich Wilhelm I. hatte es im Jahre 1716 dem russischen Zaren Peter dem Großen geschenkt. Während der Belagerung Leningrads (1941-1944) durch die deutsche Wehrmacht plünderten deutsche Truppen das Bernsteinzimmer und brachten die kostbaren Wandvertäfelungen ins Königsberger Schloß. Seither ist es verschollen.

Die Rekonstruktion des Bernsteinzimmers dauerte über 20 Jahre lang. Im Jahr 1999 stieg die deutsche Ruhrgas AG als Sponsor des Projekts ein und ermöglichte mit einer Finanzspritze von 3,5 Millionen Dollar den Abschluß der Arbeiten bis zum Mai dieses Jahres. Am 31. Mai werden der russische Präsident Putin und Bundeskanzler Schröder das Bernsteinzimmer offiziell eröffnen.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Seiten zum Stadtjubiläum:

http://www.300online.ru/de (Deutsch)
http://www.300spb.ru (Russisch/Englisch)
http://www.spb300.com (Russisch/Englisch)

Das Programm der offiziellen Feierlichkeiten:

http://www.300online.ru/de/articles/n700139_1.htm (Deutsch)
http://www.sanktpetersburg.ru/spbwas0010/default.php (Deutsch)

Informationen zum Bernsteinzimmer: hier (Deutsch)

China will seinen Arzneimittelmarkt für westliche Pharmakonzerne öffnen

EM – Durch den Ausbruch der Lungenseuche SARS eröffnen sich auf dem chinesischen Markt Chancen für ausländische Pharmakonzerne. Harvey Bale vom Weltpharmaverband erwartet, daß sich „das Interesse der chinesischen Regierung an der Umsetzung internationaler Regeln“ nun deutlich erhöhe. Eine solche Öffnung würde das Land auch im Gesundheitswesen weiter nach vorne bringen.

Bislang sei der chinesische Arzneimittelmarkt für ausländische Firmen kaum zu durchdringen. Allerdings öffneten sich nun die Krankenhäuser zunehmend für internationale Gesundheitsexperten. Dies ziehe auch den Bedarf entsprechend hochwertiger Medikamente nach sich. In China habe unter dem Eindruck von SARS offensichtlich ein Umdenken stattgefunden. Damit würde sich in absehbarer Zeit auch der Pharmamarkt öffnen. Daraus zöge auch China einen Nutzen. Denn chinesische Firmen bekämen durch die internationale Konkurrenz einen stärkeren Anreiz, selber Medikamente oder Diagnostika zu entwickeln und längerfristig auch zu exportieren.

Monolithen in Ostanatolien älter als Stonehenge

EM – Bei Ausgrabungen in Ostanatolien legen kurdische und deutsche Archäologen derzeit den ältesten Tempel der Welt frei. Sie haben bereits 36 große Pfeiler ausgegraben, die alle über drei Meter Höhe messen. Zwei von ihnen sind sogar fünf Meter hoch. Damit erreichen sie die Größe der Monolithe von Stonehenge (Südengland). Allerdings sind die Kalkstein-Kolosse im osttürkischen Bergland um 6.000 Jahre älter. Vor 11.000 Jahren, am Ende der Altsteinzeit, sollen Jäger und Sammler auf dem Göbelki Tepe („Nabelberg“) ein ganzes Kultzentrum angelegt haben, zu dem es bis heute keinen Vergleich gibt.

Dr. Klaus Schmidt, Prähistoriker des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin räumt ein, daß man „primitiven“ Steinzeitmenschen bislang eine derartige Monumentalarchitektur nicht zugestehen wollte. Die Ausgrabung dieses Tempels sei eine Sensation. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Erbauer in grauer Vorzeit bereits T-Träger geschaffen hätten. Sie wurden am Stück aus dem Kalkstein des Bergrückens gehauen und auf planierten Terrazzoböden aufgestellt. Viele seinen mit Tierreliefs geschmückt, mit Füchsen, Löwen, Stieren, Keilern und Schlangen.

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