Eurasien-Ticker

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Neue Netzportale zu Rußland und Weißrußland · St. Petersburg: Kirche für deutsche Gefallene geweiht · Der Dalai Lama darf nicht nach Kalmückien · Freilassung palästinensischer Häftlige durch Vermittlung aus Deutschland · Die EU verlangst einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat · Deutsche Telekom übernimmt den polnischen Mobilfunk-Marktführer PTC

Von EM Redaktion

EM – Mit einem neuen Netzportal sollen die Deutsch-Russischen Beziehungen im Bereich der Wissenschaft intensiviert werden. Auf der Seite www.wissportal.info können in deutscher, russischer und englischer Sprache die wichtigsten Informationen zu wissenschaftlichen Kooperationen eingesehen werden. Das „Deutsch-Russische Wissenschafts-Portal“ soll Wissenschaftlern bei der Recherche behilflich sein. Es finden sich dort eine Übersicht über staatliche Institutionen und wissenschaftliche Einrichtungen, Hinweise zu Forschungsprogrammen und Veranstaltungen, sowie grundlegende Informationen zu beiden Ländern. Für die Finanzierung des Portals kommt das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung und das russische Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Technik auf. Gestaltet und betreut wird das neue Informationsangebot von der Staatlichen Lomonossow-Universität in Moskau gemeinsam mit dem Ost-West-Wissenschaftszentrum der Universität Kassel.

„Vom Musterschüler der Sowjetunion zum Paria Europas - die Republik Belarus auf der schiefen Bahn?“ – So lautet die Frage, zu deren Lösung die Netzseite www.belarus-focus.de beitragen möchte. Den Kerninhalt der Seite soll einmal eine elektronische Datenbank bilden, mit einer Suchfunktion für Literatur und Netzverweise zu Politik und Wirtschaft in Weißrußland. Bislang finden sich auf der Seite eine umfangreiche Bibliographie und eine Liste mit Verweisen auf Informationsquellen im Netz. Der Diplom-Politologe Norbert Schmidt sucht noch nach einer „organisatorischen, institutionellen Anbindung und Förderung“ des Weißrußland-Portals.

St. Petersburg: Kirche für deutsche Gefallene geweiht

EM – Am 20. September wurde in dem kleinen Dorf Sologubowka, siebzig Kilometer entfernt von St. Petersburg, eine russisch-orthodoxe Kirche mit einem Gedenkraum für die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs geweiht. Die Kirche Mariä-Himmelfahrt ist Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut worden und wurde im Krieg bis zu ihrer Zerstörung von deutschen Truppen als Lazarett genutzt. Die Wiedererrichtung des Gotteshauses konnte durch private Spenden realisiert werden. In der Krypta der Kirche liegen Bücher aus mit den Namen von 850.000 deutschen Soldaten, die während des ‚Unternehmens Barbarossa‘ in Rußland ihr Leben ließen, in Kriegsgefangenschaft gestorben sind oder vermißt werden. Die Zahl aller auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion umgekommenen Wehrmachts -Soldaten wird auf 2,2 Millionen geschätzt.

„Aus dem Gedenken an die Toten der Kriege und der Gewaltherrschaft schöpfen die nachwachsenden Generationen Orientierung und Verpflichtung auf eine bessere Zukunft“, sagte der deutsche Botschafter in Rußland, Hans-Friedrich von Ploetz, bei der Einweihungszeremonie Mitte September. Die Kirche Mariä-Himmelfahrt grenzt an den größten deutschen Soldatenfriedhof der Welt. Derzeit liegen dort die sterblichen Überreste von 32.000 Soldaten, in Zukunft werden es 80.000 sein.

Die Initiative für die Renovierung der Kirche und das Anlegen des Friedhofes ging vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus. Der bereits 1919 gegründete gemeinnützige Verein mit Sitz in Kassel betreut in der Russischen Föderation (ohne ehemaliges Ostpreußen) über 100 Friedhöfe für gefallene Soldaten, Kriegsgefangene und Internierte.

Der Dalai Lama darf nicht nach Kalmückien

EM – Aus „Rücksicht auf China“ hat Rußland dem Dalai Lama die Einreise nach Kalmückien verweigert. Das meldet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Zur Begründung habe das Außenministerium in Moskau angeführt, Rußland sei vertraglich verpflichtet, die territoriale Integrität Chinas zu verteidigen. Der Einsatz des religiösen Führers der tibetischen Buddhisten für die Unabhängigkeit Tibets werde jedoch in der Volksrepublik China als separatistisch eingestuft.

Die mit Mongolen, Oiraten und Tungusen verwandten Kalmücken bekennen sich zum lamaistischen Buddhismus (Vajrajana), und sprechen eine westmongolische Sprache. Den Dalai Lama erkennen sie als spirituelles Oberhaupt an. „Durch den Besuch wäre ihr nationales wie kulturelles Selbstbewußtsein weiter gefestigt worden. Möglicherweise gehört auch dies zum Hintergrund der Einreiseverweigerung“, mutmaßt die FAZ.

Die Kalmücken hatten im 16. und 17. Jahrhundert in Mittelasien gesiedelt, waren dann nach Westen in das Gebiet zwischen Wolga und Ural vorgedrungen. (Lenin soll väterlicherseits kalmückischer Abstammung sein). Im russischen Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolutuion hatten sich viele Kalmücken den Weißgardisten angeschlossen. Nach deren Niederlage wurde das kalmückische Volk innerhalb der autonomen Sowjetrepublik Kalmückien in die UdSSR eingegliedert. Wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen ließ Stalin sie nach Osten deportieren. Seit 1957 leben sie wieder in ihrer früheren Heimat.

Freilassung palästinensischer Häftlinge durch Vermittlung aus Deutschland

EM – Mehrere hundert palästinensiche Häftlinge sollen aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas sprach bei Redaktionsschluß des Eurasischen Magazins von erheblichen Fortschritten in den Gesprächen zwischen Israelis und Palästinensern. Im Gegenzug sollen Israelis freikommen, die sich in palästinensischer Hand befinden. Die Vereinbarung zum Gefangenenaustausch soll mit deutscher Hilfe perfekt gemacht werden. Zu diesem Zweck war Ilan Biran, der Unterhändler der Regierung Scharon, nach Deutschland geflogen. Die Regierung in Berlin versucht seit längerem zwischen Israel und der palästinensischern Hisbollah zu vermitteln.

Bei dem geplanten Gefangenenaustausch sollen bis zu 400 palästinensische Häftlinge, aber auch solche aus Syrien, Jordanien und dem Libanon freikommen. Im Gegenzug will die Hisbollah den israelischen Geschäftsmann Elchanan Tannenbaum freilassen. Außerdem sollen die Leichen dreier israelischer Soldaten übergeführt werden, die in der Gewalt von Hisbollah-Milizen ums Leben kamen.

Die EU verlangt einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat

EM – Das Europaparlament in Straßburg will in der kommenden Woche ein Papier vorlegen, in dem ein ständiger Sitz für die EU im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gefordert wird. Das berichtet die Tageszeitung DIE WELT, die den Entwurf dazu vorliegen hat.

Nach Ansicht des CDU-Europaparlamentariers Armin Laschet, der auch Berichterstatter des Parlaments für die UNO ist, sei das Projekt „ständiger EU-Sitz“ durchaus realistisch. Das Blatt zitiert ihn mit der Einschätzung, es könnte „innerhalb der nächsten fünf Jahre“ verwirklicht werden. Voraussetzung dafür sei allerdings, daß die EU eine Rechtspersönlichkeit werde. Das sei erst dann der Fall, wenn die Europäische Verfassung in Kraft träte, also frühestens Ende 2006.

Deutsche Telekom übernimmt den polnischen Mobilfunk-Marktführer PTC

EM – Die Übernahme des polnischen Mobilfunkbetriebers durch die Deutsche Telekom ist perfekt. Für 1,1 Milliarden Euro übernimmt das deutsche Unternehmen den polnischen Telefonkonzern komplett. Die neue Telekom-Tochter ist mit rund 5,6 Millionen Kunden Marktführer vor den beiden Konkurrenten Polkomtel und Centertel. An ihnen sind die Telekom-Rivalen Vodafone und France Telecom beteiligt.

Der Bonner Konzern Telekom kontrolliert damit jetzt das führende Unternehmen in einem der am schnellsten wachsenden Mobilfunkmärkte Europas. Polen erreicht bisher mit gut 15 Millionen Handykunden erst 40 Prozent Marktsättigung – gegenüber 80 Prozent in Deutschland.

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