Go - das eurasische SpielSTRATEGIE

Go - das eurasische Spiel

Go - das eurasische Spiel

In Asien soll es in vielen Unternehmen für Topmanager Pflicht sein, das Jahrtausende alte strategische Spiel Go zu beherrschen, dem kein Computer bislang gewachsen ist.

Von Hans Wagner

Kontrahenten beim Go-Spiel  
Kontrahenten beim Go-Spiel  

Es ist älter als das in Indien erfundene Schach und hat seinen Ursprung ebenfalls in Eurasien: im alten China. Dort soll es schon vor 4.000 bis 5.000 Jahren gespielt worden sein und gilt als ältestes Brettspiel der Menschheit. Der Name des legendären Spiels ist so einfach wie seine Spielregeln. Es heißt Wéiqí, gesprochen etwa „Wei-tsi“, zu deutsch „Umzingelungsspiel“. In Korea nennt man es Baduk, die Japaner sagen Go. Und da das Spiel via Japan in den Westen gelangt ist, wurde Go außerhalb Chinas sein gebräuchlicher Name.

Go ist ein Spiel für zwei Personen. Es wird auf einem Brett mit 19 mal 19 Linien gespielt.
Die Spieler setzen abwechselnd einen ihrer Steine (schwarz bzw. weiß) auf einen Schnittpunkt der Linien. Ziel ist es, soviel freie, unbesetzte Schnittpunkte wie möglich mit seinen Steinen zu umzingeln. Rein theoretisch könnte man 361 Steine plazieren. Im Schnitt werden 200-300 Steine in einem Spiel gesetzt. Es endet entweder durch Aufgabe oder dadurch, daß beide Spieler keine sinnvollen Züge mehr erkennen.

Das Go nahm seinen Weg vor etwa 1.300 Jahren von China über Korea nach Japan. Bis vor etwa 300 Jahren war das Go-Spiel zunächst ausschließlich eine Beschäftigung der höfischen Kreise. Später verbreitete es sich weit darüber hinaus. Im 17. Jahrhundert ließ die japanische Regierung sogar Go-Schulen einrichten. Mit der japanischen Kulturtradition ist Go ebenso verbunden wie Sumo-Ringen, die Tee-Zeremonie, Kendo oder die Kunst des Bogenschießens. Für asiatische Top-Manager ist die Beherrschung des Go-Spielens Pflicht.

Über Japan kam das eurasische Brettspiel Go nach Europa

In Europa taucht Go 1881 zum ersten Mal durch die Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde auf. Besonders beliebt war Go in Deutschland während der Jahre 1938 bis 1941. Damals, zur Zeit der deutsch-japanischen „Waffenbrüderschaft“ wurden sogar Fernpartien zwischen den beiden eurasischen Ländern ausgetragen, Berlin gegen Tokio, Hamburg gegen Nagasaki.

In einer Mitteilung auf der Netzseite des deutschen Go-Verbandes heißt es: „Go fasziniert durch Einfachheit und Komplexität gleichermaßen. Es verfügt nur über wenige, leicht zu erlernende Regeln, bietet aber auf dieser Basis eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Möglichkeiten. Während die Regeln jedem Interessierten in fünf Minuten erklärt werden können, reicht ein ganzes Menschenleben nicht aus, um die Tiefen des Spiels vollends zu ergründen.“ Selbst die professionellen Go-Spieler in Fernost würden niemals in ihrem Leben zweimal die gleiche Partie spielen. Jede sei anders. Die Zahl aller möglichen Züge läge nicht nur ungleich höher als beim Schach, sondern übersteige sogar die von Einstein errechnete Anzahl der Atome im Universum.

Erster nichtasiatischer Go-Profi war Österreicher

Um1900 herum, formierte sich der erste europäische Go-Klub in der Hafenstadt Pula im heutigen Kroatien, das damals zur Donaumonarchie gehörte. In den frühen 70er Jahren schaffte es dann erstmals ein Nichtasiate in Japan zum Go-Profi: Der 1944 in Villach geborene Manfred Wimmer.

2007 wird ihm zu Ehren eine Go-Europameisterschaft in Österreich stattfinden. Das Großereignis soll zwei Wochen dauern und Hunderte Teilnehmer aus ganz Europa anziehen. Allerdings wird nur eine kleine Spitzengruppe tatsächlich um den Europameister-Titel kämpfen.

Regeltechnisch ist Go einfacher, aber seine Strategienvielfalt stellt Schach in den Schatten

Während die Regeln bei Go etwa so einfach sind wie bei Dame oder Mühle, ist die strategische Komplexität noch weitaus höher als bei Schach. In einer Mitteilung des österreichischen Go-Verbandes heißt es: „Eine Möglichkeit dies zu messen ist es, den Gradunterschied zwischen Spielern mit einer 75/25 Gewinnchance zu definieren, und vom Anfänger bis zum Großmeister das Potential der Entwicklungsmöglichkeit abzuzählen. Das sind bei Blackjack zwei, bei Hearts (Herzas) fünf, bei Backgammon und Dame acht, bei Poker und Scrabble zehn, bei Schach vierzehn und bei Go vierzig solcher Grade.“

Als ein anderer Maßstab strategischer Komplexität gilt dem österreichischen Go-Verband zufolge die Programmierbarkeit. Während sich der Schachcomputer „Deep Blue“ mit dem Schachweltmeister messen könne und jeden Hobby-Schachspieler demütige, seien die stärksten Go-Programme trotz großen Aufwands gerade mal so stark wie ein ambitionierter Anfänger nach einem halben bis ganzen Jahr Spielpraxis.

Schwerer vorstellbar sind die folgenden Zahlen, die ebenfalls vom österreichischen Verband verbreitet werden: „Physiker schätzen die Anzahl aller Atome im Universum auf zehn hoch 85. Die Anzahl möglicher Spielvarianten rechnet man bei Schach auf zehn hoch 150, bei Go auf zehn hoch 600.“ Somit bleibe Go wohl noch lange ein ungelöstes Rätsel für den Menschen. Auch im neuen Jahrtausend könne das Spiel aus der Jungsteinzeit oder der Bronzezeit von keinem menschlichen Gehirn wirklich beherrscht werden.

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Am Wochenende 19./20. März findet im Casino Velden am Wörthersee (Österreich) ein großes Go-Turnier mit Spielern aus Österreich und einigen Nachbarländern statt. Im Jahr 2007 ist das österreichische Villach bei Velden Austragungsort der Europameisterschaft im Go-Spielen.

Weiterführende Informationen:

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Weiqi
Österreichischer Go-Verband: www.goverband.at
Deutscher Go-Verband: www .dgob.de
Japanischer Go-Verband: www.nihonkiin.or.jp/index-e.htm

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