„Goldapfelsins Tochter – Märchen aus Persien“ von Arthur Christensen (Hg) mit einem Vorwort von SAID.GELESEN

„Goldapfelsins Tochter – Märchen aus Persien“ von Arthur Christensen (Hg) mit einem Vorwort von SAID.

Persien kann auf eine Jahrtausendelange Märchentradition zurückblicken. Der Band versammelt die schönsten und anrührendsten Geschichten und Fabeln. Ein poetischer Streifzug durch eine uralte Hochkultur. Der bekannte Dichter SAID stellt in seinem Vorwort die Märchentradition seiner Heimat vor.

Von Johann von Arnsberg

G oldapfelsins Tochter ist das Märchen von einem Prinzen der auszog Apfelsinen zu pflücken, in deren jeder ein wunderschönes Mädchen steckte. Der Apfelsinenbaum war von monsterartigen Diwen bewacht und so musste der Königssohn viele Abenteuer bestehen, ehe er das Mädchen auf sein Schloss führen konnte. Eine böse schwarze Sklavin hätte ihm beinahe noch um seinen Lohn gebracht. Aber schließlich band man dieses betrügerische Subjekt am Schwanze eines bösartigen Maultiers fest, welches sie in die Wüste hinausschleppte. Im Schloss stiegen die Hochzeitsfeierlichkeiten.

Der Märchenerzähler von Radio Teheran

„Salam Kinder. Jeden Freitag, während wir schulfrei hatten, kam nach den 12-Uhr-Nachrichten diese Stimme und grüßte uns. Der Mann vom Radiao Teheran erzählte Märchen. Bis nach Samarkand und Buchara sei er gefahren, um im gesamten persischen Sprachraum Märchen zu sammeln. Die Kinder nannten ihn nur mit Vornamen; den Familiennamen weiß ich bis heute nicht.“

So schildert der 1947 in Teheran geborene und seit 1965 in München lebende Dichter SAID die Bedeutung und Verbreitung der Märchen in seiner Heimat.

Die Märchen tragen Titel wie „Der Vogel Blumentriller“, „Die gekochten Eier“, „Das Testament des Hundes“ oder „Wer zuerst spricht“. Heute hat „selbst in den iranischen Teehäusern, selbst in den entlegenen Dörfern, oder gerade dort, das Fernsehen längst den Derwisch besiegt“, schreibt SAID.  „An seine Stelle sind nun die amerikanischen Serien getreten oder gar iranische. Und ich weiß nicht, welche schlimmer sind.“

Der feste Glaube an das Irrationale

Nicht nur in „Goldapfelsins Tochter“, wo die schwarze Sklavin der Braut des Prinzen erst den Kopf abschnitt, so dass aus ihrem Blute wieder ein wunderschöner Strauch wuchs und das „Wunder“ von neuem begann – auch in anderen der persischen Märchen ist das Irrationale und bisweilen Brutale sehr lebendig.

Im Märchen „Der Vogel Blumentriller“ entdeckt SAID geradezu den Wesenszug des Iraners im Irrationalen: „Das Schiff setzte sich sofort in Bewegung und brachte uns in die Mitte des Sees. Während dieser zehn Tage ist das Schiff im Kreise herumgefahren, ohne vorwärts zu kommen. Es war, als ob es in einen Strudel hineingeraten wäre. Jeden Tag zur Mittagszeit kommt eine Hand aus dem Wasser hervor und zieht einen von uns in die Tiefe hinab, ohne Rücksicht darauf, ob er tot oder lebendig ist.“

„In der Tat“, so SAID, „was wäre Ein rechtschaffener Iraner ohne seinen festen Glauben an des Irrationale. Und das nicht erst seit der islamischen Revolution.“

*

Rezension zu: „Goldapfelsins Tochter – Märchen aus Persien“, ausgewählt von Arthur Christensen mit einem Vorwort von SAID, Diederichs Verlag München 2009, 316 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 978-3424350029.

Iran Rezension

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