Gute Aussichten für das kommende JahrRUSSLAND-GESCHÄFTE

Gute Aussichten für das kommende Jahr

Deutsche Unternehmen erwarten für das nächste Jahr weiter ein positives Geschäftsklima in Russland. Der Chef des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, sagt voraus, dass es unter Putin-Nachfolger Medwedjew wahrscheinlich nur „in Nuancen“ anders laufen wird.

Von Ulrich Heyden

Die Geschäfts-Erwartungen der in Russland tätigen deutschen Unternehmer für das neue Jahr sind ausgesprochen positiv. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, welche der Ost-Ausschuss (OA) der Deutschen Wirtschaft durchführte. Der Vorsitzende des OA, Klaus Mangold, stellte die Ergebnisse der Umfrage kurz vor Weihnachten im Moskauer Hotel Baltschug Kempinski vor.

Mehr als drei Viertel der befragten Firmen schätzen die Geschäftslage des eigenen Unternehmens als gut bis sehr gut ein. „Sieben von zehn Unternehmen sind der Meinung, dass sich das Geschäftsklima in den letzten Jahren in Russland verbessert hat, rund 80 Prozent aller Befragten gehen davon aus, dass sich dieses positive Klima auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird“, so der Vorsitzende des OA.

Spitzenreiter E.on und Volkswagen

Deutsche Unternehmen wollen im nächsten Jahr eine Milliarde Euro in Russland investieren. Nach Schätzungen des OA liegen die deutschen Investitionen in Russland zurzeit bei elf Milliarden Euro. Es gäbe – so Mangold – neue Investitionsprojekte im Lebensmittelbereich, im Einzelhandel, in der Baustoffindustrie und der Petrochemie. Angesichts des stark wachsenden russischen Automarktes gäbe es zurzeit „keinen großen deutschen Automobil-Zulieferer, der nicht mit erheblichen Investitions-Projekten in Russland schwanger ist“, so der Verbandschef.

Zu einer deutlichen Steigerung der deutschen Direktinvestitionen kam es in diesem Jahr durch zwei Groß-Investitionen. VW baut in Kaluga, südlich von Moskau, für 500 Millionen Euro ein neues Auto-Werk. Der Stromversorger E.on übernahm mit 4,1 Milliarden Euro die Mehrheit beim russischen Stromkonzern OGK-4.

Russland bleibt der am schnellsten wachsende Exportmarkt für deutsche Produkte. Die deutschen Ausfuhren stiegen  von Januar bis Oktober 2007 auf 20,29 Milliarden Euro und wuchsen damit im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent.  Bei den deutschen Exportgütern rangieren auf Platz eins Maschinen, gefolgt von Kraftfahrzeugen und KFZ-Teilen, Elektronik und Elektrotechnik sowie chemischen Erzeugnissen. Was die deutschen Importe aus Russland betrifft, sind es zu drei Vierteln Energieträger.

Bilaterales Organ zur Krisen-Regulierung angeregt

Die Attraktivität des russischen Marktes liegt nach Meinung der befragten Unternehmer insbesondere in der gestiegenen Kaufkraft, der starken Konsumnachfrage, den gut ausgebildeten russischen Arbeitskräften, der Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen und dem geringen Konkurrenzdruck auf dem russischen Markt. Laut Umfrage erwarten die deutschen Unternehmer weitere Reformschritte beim Abbau von Bürokratie, der Bekämpfung der Korruption, Beseitigung von Unklarheiten beim Zoll,      der Harmonisierung von Standards und Normen sowie bei den Mittelstandsförderungen. Mangold fügte hinzu, dass auch Bevölkerungsentwicklung problematisch sei. Jährlich gehe die russische Bevölkerung um eine Million Menschen zurück. Dies mache den Unternehmern, die im Konsum-Bereich tätig sind, Sorge.
 
Zu den Unsicherheitsfaktoren gehört nach Meinung des Verbandchefs der sich hinziehende WTO-Beitritt Russlands. Russland verhandelt seit Jahren. Die USA haben dem Beitritt zugestimmt. Auf russischer Seite gibt es aber offenbar immer noch einflussreiche Gegner des Beitritts.

Knackpunkt in den Verhandlungen um ein neues Partnerschaftsabkommen zwischen Russland und der EU sind die russischen Exportzölle auf Holz. Das kurzzeitig verhängte russische Flugverbot für Lufthansa Cargo über russischem Territorium ging nach Meinung von Mangold nicht von der russischen Regierung aus. Um ähnliche Krisen in Zukunft zu verhindern, regte der Vorsitzende des OA die Einrichtung eines bilateralen Organs zur Krisen-Regulierung an.

„Verständnis für den Mittelstand“

Einen positiven Eindruck hat Mangold von dem wahrscheinlichen Putin-Nachfolger und Aufsichtsratsvorsitzenden von Gasprom, Dmitri Medwedjew, den er aus vielen Gesprächen kennt. Medwedjew sei eine Person mit eigenem Profil ist. Er werde Putins Kurs fortsetzen, in Nuancen werde es Änderungen geben. Der deutsche Verbandschef erwartet liberale Akzente und ein größeres Verständnis für Förderung mittlerer Unternehmen.

Die derzeitige Tendenz zur Bildung von Staat-Holdings sieht Mangold „kritisch“. In Bereichen wie der Atom-Industrie und der Luft- und Raumfahrt könne man die Bildung von Staats-Holdings allerdings nachvollziehen. Der Beschluss eine Staats-Holding im Bereich der Flugzeugindustrie aufzubauen, kam – so der Verbandschef  – nachdem russische Versuche, sich mit größeren Anteilen bei Airbus und Boing einzukaufen, gescheitert waren.

Devisen-Reserven in Modernisierung umleiten

Mangold erklärte, er sei erstaunt, dass die in Russland tätigen deutschen Unternehmen das von der russischen Regierung geplante Gesetz über Investitionen ausländischer Unternehmen in strategischen Bereichen gelassen sehen. Nur 19 Prozent der Befragten sehen negative Auswirkungen, 56 Prozent sehen keine Auswirkungen. 25 Prozent erwarten sogar positive Auswirkungen durch das Gesetz, weil dadurch klare Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Der Verbandschef wünscht sich, dass Russland, anstatt die Devisen-Reserven in einem Stabilitäts-Fond zu sammeln, in Zukunft mehr Geld für die Modernisierung der Wirtschaft ausgibt. Russland brauche dringend eine Erneuerung seines veralteten Strom- und Pipeline-Netzes. Die deutschen Unternehmer hätten kein Verständnis, wenn es da – trotz hoher Öl-Einnahmen – in den nächsten Jahren zu Ausfällen kommen sollte. Kritisch merkte Mangold auch an, dass es in zivilgesellschaftlichen Fragen in Russland Rückschritte gäbe. 

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