Ihre Völkerschaften aus der Steppe erobern noch einmal EurasienDIE SKYTHEN

Ihre Völkerschaften aus der Steppe erobern noch einmal Eurasien

Ihre Völkerschaften aus der Steppe erobern noch einmal Eurasien

Staatsoberhäupter aus Ost und West erwiesen Ihnen die Ehre und kamen zur Eröffnung der großen Skythenausstellung in Berlin. München und Hamburg sind die nächsten Stationen. Insgesamt werden die Skythen und ihre Schätze ein Millionenpublikum in seinen Bann ziehen. Die frühen Reitervölker aus der eurasischen Steppe faszinieren als Krieger, Künstler und Erbauer von Grabhügeln. Ihre Hinterlassenschaften haben die Wissenschaftler überrascht. Gold, Pferdemumien und blonde Reiter, die einst Asien bevölkerten. Sie zeigen, dass die Siedlungsgeschichte Eurasiens noch voller Überraschungen steckt.

Von Hans Wagner

V om 8. Jahrtausend bis ins dritte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung beherrschten sie die Steppen Eurasiens, und sogar im gefrorenen Boden des südlich der Grassteppen gelegenen Altaigebirges finden sich ihre Gräber. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot hatte das Land zwischen Arschan und dem Pazyryk-Tal als das Land der goldhütenden Greife beschrieben. Es liegt in etwa an den Oberläufen des Irtysch, des Ob und des Jenissei. Wie zutreffend Herodots Bezeichnung ist, haben Archäologen inzwischen ans Tageslicht gebracht. Es ist eines der Kernlande der Skythen, wenn man das bei einem nomadisierenden Volk so sagen kann.  

In den Kurganen, den riesigen Steppengrabhügeln der Skythen, haben moderne Archäologen trotz jahrtausendelanger Grabräuberei noch unermessliche Schätze geborgen. Und sie haben unendlich viel Wissen ausgegraben über die Riten der Begräbnisse, über Bekleidung, Bewaffnung und über Bedeutung und Verehrung der Pferde, die oft reich geschmückt mit den skytischen Kriegern und Fürsten bestattet wurden.

Staatsoberhäupter erweisen ihnen Ihre Referenz

Am 6. Juli begann im Berliner Martin-Gropius-Bau eine monumentale Ausstellung über die Hochkultur der Skythen. Sie waren die ersten Reiternomaden und -krieger der Menschheitsgeschichte. Ihren Ursprung haben sie in der heutigen Republik Tuwa, wie das Land der goldhütenden Greifen inzwischen heißt. „Im Zeichen des Goldenen Greifen - die Königsgräber der Skythen“, so ist die Ausstellung betitelt. Sie wird im Oktober auch nach München und im Februar nach Hamburg kommen. Die Schirmherrschaft haben neben Bundespräsident Horst Köhler Russlands Präsident Wladimir Putin, sowie die Staatsoberhäupter der Ukraine, Kasachstans und der Mongolei übernommen.

In der Ausstellung wird weltweit erstmals in derartig umfassender Weise die Geschichte und Kultur dieser Reitervölker präsentiert, von ihren Ursprungsgebieten bis an die Tore Mitteleuropas.

Die Ausstellung folgt den Reiterheeren von Ost nach West

Das Siedlungsgebiet der skythenzeitlichen Kulturen erstreckte sich vom Altai bis nördlich des Schwarzen Meeres und an den Unterlauf der Donau. Quelle: Hermann Parzinger, Deutsches Archäologisches Institut.  
Das Siedlungsgebiet der skythenzeitlichen Kulturen erstreckte sich vom Altai bis nördlich des Schwarzen Meeres und an den Unterlauf der Donau. Quelle: Hermann Parzinger, Deutsches Archäologisches Institut.
 

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie dem Hufschlag der Reiterheere von Ost nach West folgt. Und ihren Gräbern, aus denen die reichen Beigaben geborgen wurden. Die Skythen hatten eine eigenständige Kultur entwickelt, lange bevor sie mit den Griechen in Berührung kamen. Vor allem ihre Tierstilkunst, mit der sie Ross und Reiter schmückten, und mit der sie Bilderstelen in der Landschaft versahen, ist in ihrer Art einmalig auf der Welt.

In der Ausstellung werden die Tiersymbole auf farbigen Lampions als Leitsystem verwendet, um in die mit Informationen prall gefüllten Räume zu geleiten. Ein ganzer Raum ist auch Herodot gewidmet, dem wir so viel an Wissen über das sagenumwobene Reitervolk aus der Steppe verdanken. Seine Schriften sind an allen Wänden zu lesen, während man sich im Raum bewegt.

Man hat nicht einfach nur Exponate ausgestellt, sondern faszinierende Ideen entwickelt, um dem Besucher in die Skythenzeit zu versetzen. Den Ausstellungsmachern ist es gelungen, die Reise lebendig werden zu lassen, die vor Jahrtausenden die Skythen mit ihren Kriegern, dem Tross, Viehherden, Frauen und Kindern angetreten hatten. In einem Raum wird zum Beispiel der Betrachter in das Eisgebirge des Altais entführt. Zeichnungen, Bilder, Exponate und die gekühlte Grabkammer eines Kurgans lassen ahnen, wie der Ritus ablief, mit dem die Skythen ihre Toten im Permafrostboden bestattet hatten.

Könige und Fürsten der Skythen wurden in diesen mächtigen Grabhügeln mit ihren Pferden und mit prunkvollen Schmuckstücken bestattet. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die bedeutendsten Kurgane der einzelnen Regionen von Ost nach West mit ihren prachtvollen Ausstattungen, sowie die sensationellen Neuentdeckungen der letzten Jahre in Tuwa und im angrenzenden Altaigebirge.

Die Ausstellung:
Alle Informationen finden Sie unter www.dainst.de

Der Podcast: – Eine Art Radiosendung, die jederzeit abrufbar ist: www.skythen-podcast.de.
Hermann Parzinger erzählt wie er den Skyten auf die Spur kam, was er gefunden hat und was seine Entdeckungen für die Wissenschaft und für die Nachwelt bedeuten.

Folge 1: Skythen, Saken, Sauromaten
http://audio-konzept.podspot.de/post/folge-01-0607-skythen-saken-sauromaten/

Folge 2: Die Anfänge der Archäologie in Russland
http://audio-konzept.podspot.de/post/folge-02-1307-die-anfange-der-archaologie-in-russland/

Folge 3: Das „Tal der Könige“. Die frühe Skythenzeit in Tuva
http://audio-konzept.podspot.de/post/folge-03-2007-das-tal-der-konige-die-fruhe-skythenzeit-in-tuva/

Folge 4: Das Fürstengrab von Arzan
http://audio-konzept.podspot.de/post/folge-04-2707-das-furstengrab-von-arzan/

Die Filme:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,1021580_idDispatch:5291603,00.html

Die Fotos:
Siehe zum Beispiel Tagesspiegel: http://www.tagesspiegel.de/medien/galerie/cme15456,0.html

Die Bücher:

„Im Zeichen des Goldenen Greifen – Königsgräber der Skythen“  
„Im Zeichen des Goldenen Greifen – Königsgräber der Skythen“  

„Im Zeichen des Goldenen Greifen – Königsgräber der Skythen“
mit einer Einführung von Hermann Parzinger: „Die Reiternomaden der eurasischen Steppe während der Skythenzeit“.

Die weiteren Kapitel:
„Im Herzen Asiens: die frühe Skythenzeit in Tuva“.
„An den Ufern des Jenissei: die Tagar-Kultur im Minusinsker Becken“.
„Im Eis der Hochgebirge: die Pazyrik-Kultur im Altaj“.
„Am Rande von Oasen: die Saken Kasachstans“.
„Zwischen Ural und unterer Wolga: die Sauromaten in Südrussland“.
„Vom Kuban bis zum Urmija-See: die Skythen im Umfeld des Kaukasus.“.
„Nördlich des Schwarzen Meeres: die Skythen in der Ukraine“.
„Die Skythen vor den Toren Mitteleuropas“.

Dieser prachtvoll aufgemachte Band mit eindrucksvollen Farbaufnahmen ist das Begleitbuch zur Ausstellung. Auf den Innenseiten des Umschlags sind Karten der Siedlungsgebiete und der Fundstätten ausgebreitet. Im Anhang findet sich ein ausführliches Glossar von A wie Achämeniden bis U wie Uratu. Und es gibt ein geografisches Register.

Rezension zu: „Im Zeichen des Goldenen Greifen – Königsgräber der Skythen“, Prestel Verlag 2007, 327 Seiten, gebunden, 29 mal 25 cm, 49,95 Euro, ISBN: 3-791-33855-2.

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„Geheimnisvolles Tuwa – Expeditionen in das Herz Asiens“ von Sew’jan I. Weinshtein.

„Geheimnisvolles Tuwa – Expeditionen in das Herz Asiens“ von Sew’jan I. Weinshtein  
„Geheimnisvolles Tuwa – Expeditionen in das Herz Asiens“ von Sew’jan I. Weinshtein  

Dieses Buch ist eine Mischung aus Reisebeschreibung und Ethnographie. Der Autor, der dem Land der Skythen sein Leben seit mehr als 50 Jahren widmet, erzählt von seinen Beobachtungen, Erlebnissen und Erkenntnissen. Der prominente russische Forscher Weinshtein lässt den Leser in seiner poetischen Sprache teilhaben an dem, was das Land der heutigen Tuwilen ausmacht, der 300.000 Bewohner des frühen Skythenlands. Tuwa ist ein Land in einem uralten Schnittpunkt der Kulturen: Skythen, Hunnen, Chinesen, Mongolen, Russen und andere haben ihre Spuren hinterlassen – Monumente, Inschriften, Felszeichnungen, Märchen, Bauwerke aus vergangenen Epochen und Fürstengräber in prachtvoll ausgestatteten Grabhügeln, den Kurganen.

Eine beigelegte DVD zeigt einen Dokumentarfilm, faszinierende Fotos und Beispiele tuwinischer Musikfolkore.

Rezension zu: „Geheimnisvolles Tuwa – Expeditionen in das Herz Asiens“, von Sew’jan I. Weinshtein, Alouette Verlag, Oststeinbek 2005, 263 Seiten, mit DVD Seiten,  39,90 Euro, ISBN: 3-924-32411-5.

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Siehe dazu auch Interview mit Hermann Parzinger in EM 01-07 „Die frühen Bewohner Asiens waren Europäer“.

Siehe dazu auch EM 12-06 „Der Krieger aus dem mongolischen Eisgrab“.

Lesen Sie dazu auch in unserer Reihe „Eurasien historisch“:
EM 03-05 DIE HUNNEN
EM 01-04 DIE SKYTHEN
EM 07-03 DIE PERSER
EM 03-03 DIE MONGOLEN
EM 11-03 DIE OSMANEN

Eurasien Geschichte Kultur

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