Im Einklang mit der Erde wandelnEURASISCHE SPIRITUALITÄT

Im Einklang mit der Erde wandeln

Schon in der isländischen Edda, der Skaldendichtung unserer Ahnen über Götter und Helden steht es geschrieben: Aus des Ur-Riesen Ymirs Fleisch ward die Erde geschaffen, aus seinem Blute das brausende Meer, aus seinem Schädel das Himmelsdach.

Von Volkert Volkmann

  Zur Person: Volkert Volkmann
  Volkert Volkmann ist 1. Vorsitzender des „Dachverbandes für Naturreligion KultURgeister
e. V“. und Initiator der ersten großen heidnischen Baumpflanzungen „Kreis der Bäume“ und der „Heidnischen Erfahrungsfelder“ auf den „Heidentagen“.

Volkmann wurde 1957 geboren und erlernte die Geheimnisse der Europäischen Naturreligion im Coven of Croatoan des Clan Gunn der schottischen Highlands, wo er 1986 den Meistergrad erlangte. Bereits 1975 begründete er den Verein für Urgestaltung und den gemeinnützigen Yggdrasil Kreis e.V.

Volkert Volkmann betreibt seit 1984 eine Naturheilpraxis, in der  traditionelle Medizin praktiziert wird und lehrt das alte Wissen auf Seminaren und Vorträgen.

Neben zahlreichen Veranstaltungen auf internationalen Kongressen, vielen Radio- und Fernsehinterviews (Pfarrer Fliege, R. Williamsen) erfolgten im In- und Ausland Print- und Musikpublikationen, sowie Projekte mit den Universitäten Gießen und Peruggia (Italien).

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der menschlichen Lebewesen zeigt, dass sich die Menschen früherer Zeiten der Einheit der Welt sehr bewusst waren. Alle ursprünglichen Rituale feiern die Verwandlungen im Jahreskreis oder sind so genannte Übergangsrituale.

Die Erde war für unsere germanischen Vorfahren ein paradiesischer Garten (Midgard), und der Mensch war eingebettet in ein göttliches Ganzes. Alles Lebendige war „heilig und beseelt“, war Teil des göttlichen Kräftespieles. Ein wahrhaft paradiesisches Zeitalter. Der Frühzeit-Mensch lebte noch ganz in den natürlichen Rhythmen des Sonnen- und Mondrhythmus. Die Sonne bestimmte auf der Nordhalbkugel die Saat und Erntezeit, der Mond die Jagdzeiten. Der Mensch als Teil der Natur lebte kein getrenntes Sein, sondern ein sich Selbst-Bewusst-Sein.

Der Ur-Riese der Edda wurde umgebracht und zerstückelt

Aufgrund seiner überlebensnotwendigen Feinsinnigkeit nahm der ursprüngliche Mensch sämtliche Naturkräfte als beseelten Ausdruck des Lebendigen und Göttlichen wahr. Diese ursprüngliche Lebensweise, die wir heute noch bei den alten Kulturen in vielen Völkern in fragmentarischen Resten finden, wurde inzwischen nachhaltig gestört. Durch die einseitige Denkweise des mechanischen Weltbildes sind die alten Mythen für heutige Menschen oft unverständlich. Die Einheit der Welt als Wesenhaftes wurde zerstört - der Ur-Riese der Edda regelrecht umgebracht und in einzelne Teile zerstückelt.

Der Mensch schwang sich auf, um über die Natur zu herrschen. Durch Ackerbau und Handwerk wurde aus der ursprünglichen Einheit mit der Natur ein immer stärkeres „Ausnutzen und Beherrschen“, welches sich bis hin zur Industrialisierung entwickelte und heute massiv unsere natürlichen Ressourcen gefährdet. Der Mensch begnügt sich ganz entschieden nicht mit dem, was er zum Leben braucht, sondern hortet in seiner Gier alles was er kann.

Auf die alten Plätze der Kraft wurden Kirchen gebaut

Die Christianisierung leitete eine weitere entscheidende Wandlung ein. Das Wissen der Naturreligionen wurde gewaltsam bekämpft, auf die alten Plätze der Kraft wurden Kirchen gebaut, und heilige Stätten, Quellen, Felsen regelrecht verteufelt. An Stelle der ehemals Holden (der guten) Naturkräfte traten jetzt christliche Heilige. Und die Naturgeister, deren Weisheit langsam verloren ging, wurden zu Dämonen und Teufeln erklärt. Mit der Synode von Liftinae im Jahre 743 und der Hexenbulle verbot die Kirche das Ausüben heidnischer Praktiken, sogar bei Todesstrafe. Das Hexereiverbot wurde z. B. in England erst 1951 wieder aufgehoben

Das Wissen der alten Religion beinhaltete ein umfangreiches System von kommunikativer Interaktion mit allem Lebendigen. So bildete sich auch schon früh ein Heilwissen aus, welches um den feinstofflichen Kräftefluss  und dessen feinstoffliche Energien wusste. Die in Griechenland so genannte Geomantie (Geo = Erde, Mantik =Weissagung) hatte ihre Entsprechungen in den geheimen Dashgubell Rädern und Runen, bzw. Oghams der keltischen Druiden und germanischen Goden.

Während das alte Baumwissen in Europa in den Untergrund der so genannten Heckenschulen gehen musste wurde es in anderen Teilen der Erde wie z. B. in Afrika und Asien stets beachtet, wie etwa im chinesischen Feng Shui. Die heutige westliche, rationale Denkweise ist von dieser ursprünglichen Beachtung der Erde soweit entfernt, das sie nur noch mühsam erkennt, was viele Völker lange praktisch erfahren haben und bis heute genau beachten.

Energetische Schwingung liegt allem Sein zugrunde

Es wird gelehrt, dass alles sich auf Energie oder Schwingung reduzieren lässt. Jede Form von Leben, Lebewesen, selbst Gedanken und Gefühle sind Energie, in einem mehr oder weniger festem Zustand. Laut Einsteinscher Relativitätstheorie E=MxC2 sind Masse und Energie ineinander überzuführen, untrennbar verwoben und äquivalent. Einfach gesagt: Wir müssen umdenken. Unsere Materie ist Schwingung in Form von Feldern. Die energetische Schwingung ist die zugrunde liegende Realität unseres Seins.

Auch unsere Sinnesorgane nehmen genau genommen nur Schwingungen wahr, die unser Gehirn wieder in Bilder verarbeitet. Wenn wir diese Welt als unterschiedliche Felder und Atome begreifen, wird die jeweilige Sicht der Welt eine Frage der Wahrnehmung. Materielle Verkörperung ist ein immer stärkeres Eintreten in das irdisch körperliche Sein. Aber auch das bewusste Herauslösen des geistig seelischen Schwingungsprinzips (Person= per sonare = im Klang sein) wurde in den Mysterienschulen gelehrt.

Kraftlinien der Erde sind seit der Steinzeit bekannt

So wie der Mensch ist auch die Erde ein lebendiger Organismus (Ymir/Gaia etc), der mit  dem ganzen Universum in Verbindung steht. Im irdischen Reiche der Elementare pulsiert der Erdgeist ähnlich den Energieströmen des menschlichen Körpers in bestimmten Bahnen durch die Erdoberfläche. Diese Kraftlinien oder Schlangenlinien waren seit der Steinzeit bekannt und wurden an bestimmten Plätzen mit Hilfe von Steinsetzungen und Baumpflanzungen speziell gelenkt, wie z. B. in Stonehenge, Avebury, Carnac, Newgrange und den Externsteinen im Teutoburger Wald.
 
Die mehrdimensionale Wirkung dieser feinstofflichen Energien durchzieht das gesamte nordeuropäische naturreligiöse Vorstellungsbild. So erzählt man vom Netz der Wyrd, welches alles miteinander verbindet. Den vier Raumdimensionen wurden die Qualitäten der Elemente zugeordnet. Diese formgebenden Kräfte, welche die Grundlagen aller sichtbaren Materie bilden, sind charakteristische Ausformungen schöpferischer Weltenvorgänge. Die damit verbundenen Kraftfelder können sich verdichten oder ausbreiten und damit im menschlichen Körper und der Landschaft der Erde spezielle Eigenschaften übermitteln.

Zusammenspiel kosmischer und irdischer Kraftfelder

So wirken die gestaltenden Prozesse über die Formgebung der Landschaft auf den menschlichen Körper ein und beeinflussen unser ganzes Wesen im grob- und feinstofflichen Bereich. Die Auswirkungen sind dabei je nach dem ausgewählten Platz fördernd oder schädlich für die Eigenschwingung des pflanzlichen, tierischen oder menschlichen Lebens. So erklären sich besondere Heilwirkungen genauso wie paranormale Phänomene durch das Zusammenspiel kosmischer und irdischer Kraftfelder, die gemeinsam mit den Gestaltungskräften der Elementarwesen einwirken.

Menschen, die es vermögen diesen feinstofflichen Kräftefluss zu erschauen und zu lenken, nannte man früher „Erdherren“. Zu ihren Aufgaben gehörte das Ausrichten auf den Feinkraftfluss, das Auffinden geeigneter oder ungeeigneter Orte, das Auf- und Abladen  magnetischer Ströme und der Ausgleich schädlicher Energien, das Bewahren des rechten Maßes und die Heilkunde mit Erdkräften.

Erdfrauen – Erdherren - Geomanten

Die Erdfrauen und Erdherren, die wir heute „Geomanten“ nennen, waren auch diejenigen, die das Land rituell besaßen und dort auf dem Lehrstuhl (Heiligen Stuhl) weissagten und lehrten. Zum Beispiel die Hagazussa, die im Hag sitzende, oder Tunrida, die Zaunreiterin, die zwischen den Welten schamanisch reist.

„Da gingen die Weisen zu den Stühlen, gaben Sonne und Mond ihre Namen und regelten den Lauf der Gezeiten.“ So steht es in der Edda geschrieben .Interessant ist, dass die Erde auch in unserer Kultur früher ein kollektiver gemeinschaftlicher Besitz war. Während der Zeit der Christianisierung und Kolonialisierung wurden Naturreligion und deren Rituale bei Todesstrafe verboten und weltweit grausam verfolgt. Das Land wurde in Besitz genommen.
Menschen wurden ebenfalls Besitz der Herrschenden (Leibeigenschaft). Besitz und Güter der oft grausam gefolterten Ketzer und Heiden gingen in Fürstentümern und Kirchengütern unter.

In dieser dunklen Zeit wurden die Iberische Halbinsel und große Teile Englands entwaldet, um Schiffsflotten zu bauen und Schafzucht zu betreiben. Die Zeit der großen Industrialisierung warf ihre Schatten voraus. Was darauf folgte, vernichtete in wenigen Jahrhunderten bis zum heutigen Tage natürliche Ressourcen wie z. B. die Regenwälder. Es wurden massiv Bodenschätze ausgebeutet, die Meere vergiftet und unser Klima nachhaltig verändert.

Der heutige Mensch tritt die Erde mit Füßen

Wie wir alle an den Auswirkungen dieser Entwicklung in den letzten Jahre unschwer erkennen können: Der Mensch tritt die Erde mit Füßen. Dass diese Prozesse, welche wir längst nicht mehr kontrollieren können, unser Überleben kollektiv bedrohen, hat sich offenbar noch nicht genügend herumgesprochen und wird gerne verdrängt. Atomkraftwerke strahlen zum Beispiel 200.000 Jahre lang Radioaktivität ab.

Der erste Schritt zur Heilung der Erde ist auch ein Schritt zur Heilung unseres Selbst. Wir müssen die künstliche Trennung aufheben und uns wieder verbinden mit der Natur und den kosmischen Gesetzmäßigkeiten, die lange waren bevor es Menschen gab. Der Planet braucht uns nicht und besteht auch ohne uns weiter. Umgekehrt ist es nicht möglich.

Unsere Aufgabe ist es, das Wissen zu finden, das uns mit allem verbindet, die Regeln und Zyklen der Natur wieder zu beachten, anstatt uns immer weiter von ihnen zu entfernen. Die biodynamische Landbauweise und die Naturheilkunde zeigen uns verheißungsvolle Wege zur Heilung der Welt. Das Wissen unserer Alten ist nicht vergessen worden - fangen wir an uns wieder zu besinnen – jeder für sich und alle gemeinsam. Die geomantischen Lehren zu verstehen kann ein erster Schritt dazu sein.

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Weitere Quellen zur Eurasischen Spiritualität:
EM 10-2008 „Eurasische Spiritualität – vom Heidenpfad zum Heidenschwanz“. EM 04-2009 „Geomantikart von der Wasserscheide“. EM-05-2009 „Strahlen der Seele für ein starkes Leben“. EM 07-2009 „Geomantik-Art aus der Eizeithöhle“,  EM 07-2009 „Schamanismus auf der Schwäbischen Alb“. In Medizin-Welt: „Suche die Nacht auf“ und „Medizin-Welt SPEZIAL,  Heilende Blicke“

Bei www.starkesleben.de und über http://www.geomantikart.de.

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