In Asien gelangen immer mehr Frauen in politischen SpitzenämternASIEN

Frauen an der Macht

In Asien gelangen immer mehr Frauen in politischen Spitzenämtern

Politik in Asien bestimmen oft einflussreiche Familien. Seit Jahrzehnten bekleiden auch Frauen hohe politische Ämter: in Regierung, Opposition und Partei - von Pakistan bis zu den Philippinen. Wo liegen Gründe weiblicher Macht, was haben Frauen in Spitzenämtern bewirkt?

Von Wilfried Arz

In Südasien (Sri Lanka, Indien, Pakistan, Bangladesch) und Südostasien (Philippinen, Indonesien, Thailand) sind mehr Frauen in politische Spitzenämter gerückt als in jeder anderen Region der Erde. Weibliche Macht in Führungspositionen steht im starken Kontrast zur weit verbreiteten Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft. Bei Bildung, Gesundheit, Einkommen, Besitz und Berufschancen schneiden Frauen deutlich schlechter ab als Männer. Patriarchalische Sozial- und Machtstrukturen blockieren nicht nur in Asien auf der Makroebene Frauenbeteiligung an politischen Entscheidungsprozessen. 

Erwartungen auf einen politischen Neuaufbruch erfüllten führende Politikerinnen Asiens nicht, ebenso wenig Hoffnungen auf Impulse zur Frauenemanzipation in ihren Ländern. Als Sozialisationsprodukt einer reichen Oberschicht mit westlicher Ausbildung reihen sich Asiens Politikerinnen in das Profil herrschender (männlicher) Eliten. Politischer Praxis werden damit Grenzen gesetzt. In Krisenzeiten erfüllten Frauen jedoch wiederholt zentrale Rollen in der Politik: als integrations- und mobilisierungsfähige Akteure in kritischen Übergangsphasen von autoritärer zu demokratischer Herrschaft.

Asiens starke Frauen

Asiens vorkoloniale Geschichte bestimmten nicht allein männliche Herrscher. Auch Frauen regierten in Top-Positionen, wurden allerdings von der konservativen (männlichen!) Geschichtsschreibung lange hartnäckig verdrängt. In Indien sind zu nennen: Sultanin Razia von Delhi (1236-1240), Moghulkaiserin Nur Jehan im 17. Jahrhundert und im antikolonialen Widerstand (1857/58) die mutige Fürstin Laxmi Bai von Jhansi. China bietet gleich zwei Kaiserinnen: Wu (690-705) und Cixi (1861-1908). In Korea regierte ebenfalls eine Kaiserin - bis zu ihrer Ermordung (1895). Niemand kann heute behaupten, Herrscherinnen habe es nur in Europa gegeben. Weibliche Macht erschöpft sich nicht in Spaniens Isabella, Elizabeth I. und Viktoria in England oder Russlands Katharina.

Im Zenit politischer Macht

In Süd- und Südostasien gelangten seit 1960 zehn Frauen erstmals in höchste politische Ämter: Sirimavo Bandaranaike/Sri Lanka (1960), Indira Gandhi/Indien (1966), Corazon Aquino/Philippinen (1986), Benazir Bhutto/Pakistan (1988), Khaleda Zia/Bangladesch (1991), Chandrika Kumaratunga/Sri Lanka (1994), Sheik Hasina/Bangladesch (1996), Megawati Sukarnoputri/Indonesien (2001), Gloria Arroyo-Magapagal/Philippinen (2001) und Yingluck Shinawatra/Thailand (2011). Zählt man Golda Meir/Israel (1969), Tansur Çiller/Türkei (1993) und Park Geun-hye/Südkorea (2012) hinzu, steigt die Zahl in ganz Asien auf dreizehn. Frauen haben in Spitzenpositionen seit 1960 fast neunzig Jahre lang Politik in Süd- und Südostasien entscheidend mitbestimmt. Im traditionell-patriarchalischen Asien keineswegs eine Selbstverständlichkeit.
Manche Überraschung bietet ein Blick auf den kulturellen und religiösen Kontext der von Frauen regierten Länder: im buddhistischen Sri Lanka und Thailand regierten Frauen insgesamt 32 Jahre, im muslimischen Pakistan, Bangladesch und Indonesien 27 Jahre. Im hinduistischen Indien und den christlichen Philippinen hingegen nur jeweils 15 Jahre. Kein Spitzenamt in der Politik bekleideten Frauen im metakonfuzianischen Ostasien. Erst 2012 rückte mit Park Geun-hye in Südkorea eine Frau an die Regierungsspitze. 

Politik als Familienprojekt

Gibt es ein „Geheimnis“ weiblicher Macht? Die Antwort lautet nein. Politische Karrieren von Frauen sind rational erklärbar. Asiens prominente Politikerinnen verdanken ihren Aufstieg der Beziehung zu einem Mann: zu Ehemann, Vater oder Bruder. Als Witwen, Töchter und Schwestern nutzten sie politischen Einfluss, Charisma und Schicksalsschläge ihrer Familien. Nur selten spielte der Vater eine aktive Mentorrolle (Jawaharlal Nehru/Tochter Indira, Zulfikar Ali Bhutto/Tochter Benazir). Meistens wurden Asiens Politikerinnen unvorbereitet an die Macht katapultiert. Elitärer Familienhintergrund galt als legitimer Anspruch auf politische Herrschaft und wurde vom einfachen Wahlvolk weitgehend akzeptiert. Unkritischer Personenkult der Bevölkerung erhob Asiens Politikerinnen rasch zu weiblichen Halbgöttern.

Inszenierung als Märtyrerinnen

Familiendynastien genießen in Asien weitverbreitet Faszination und Anziehungskraft. Wo statusorientierte Gesellschaften nur selektiv nach demokratischen Spielregeln funktionieren  und Politik von charismatischen Einzelpersonen bestimmt wird, spielen Gefühle im politischen Alltag keine unwesentliche Rolle. Vor diesem Hintergrund inszenierten sich Asiens Politikerinnen geschickt in Märtyrerinnenrollen: als Witwe (Sirimavo Bandaranaike/ Sri Lanka 1960, Corazon Aquino/Philippinen 1986, Khaleda Zia/Bangladesch 1991) oder als Waisentochter (Benazir Bhutto/Pakistan, Suu Kyi/Myanmar). Besonders mit dem Auftritt als „weinende Witwe“ gelang die Umsetzung weiblicher Leidensfähigkeit in politisches Charisma und damit wahlstrategisches Kapital.

Weibliche Macht und Demokratie

Machtpolitisch symbolisieren Politikerinnen in Asien weibliche Opposition gegen autoritäre (männliche) Herrschaft: Philippinen 1986, Pakistan 1988, Myanmar seit 1990. Populistisch wurde die Polarisierung zwischen Demokratie und Diktatur griffig verpackt und vermarktet: im Slogan „The Beauty and the Beast“ (Die Schöne und das Biest) - bezogen auf den Konflikt zwischen Benazir Bhutto und den Generälen Zia ul-Haq und Pervez Musharraf in Pakistan, in Myanmar auf den Gegensatz zwischen Suu Kyi und General Than Shwe.

An Beispielen für ein gestörtes Verhältnis weiblicher Macht zur Demokratie herrscht dennoch kein Mangel: Indira Gandhi regierte Indien per Notstandsverfassung (1975-1977), Benazir Bhutto ernannte sich zur Chefin der Pakistanischen Volkspartei auf Lebenszeit (!), Gloria Arroyo-Magapagal ließ auf den Philippinen die Wahlen (2004, 2007) manipulieren und Suu Kyi laufen in Myanmar infolge autoritären Führungsstils Parteimitglieder davon. Weibliche Macht offenbart in Asien manch undemokratische Schattenseiten.

Entmythologisierung weiblicher Macht

Sind Frauen in Asiens Machtpolitik ein weiblicher Lichtblick im patriarchalischen Umfeld? Sozialwissenschaftlerinnen und Frauenverbände in der Dritten Welt bewerten nicht nur frauenspezifische Leistungsbilanzen ihrer Politikerinnen desillusioniert kritisch. Frauen warten dort nicht auf Zugeständnisse von oben, sondern vertrauen der Eigeninitiative auf der Graswurzelebene. Basisprojekte von und für Frauen haben in Asien weit mehr bewegt als Politikerinnen in Regierungsverantwortung. Diese setzten etablierte (männliche) Politik fort - entwicklungspolitische Alternativen oder Beiträge zur Lösung sozialer Strukturprobleme sind nicht erkennbar. Leitbilder in Politik und Wirtschaft wurden von Politikerinnen nicht in Frage gestellt. Auffällig hingegen eine durchgehend US-freundliche Außenpolitik aller weiblichen Regierungschefs in Asien (Ausnahme: Sri Lanka und Indien).

Asiens Frauen in politischen Führungspositionen sind Teil der herrschenden Eliten ihrer Länder und damit eingebunden in Strukturen von Korruption und Vetternwirtschaft, in den Aufbau von Beziehungsnetzen und der Besetzung einflussreicher Posten durch Verwandte.  Verstrickungen in Korruptionsaffären von Ehemännern (Pakistan, Indonesien, Philippinen) oder Söhnen (Indien, Bangladesch) offenbaren wenig Unterschiede zum Habitus männlicher Berufskollegen. Auch im persönlichen Bildungsprofil setzen Asiens Politikerinnen keine neuen Akzente. Besuche an Eliteuniversitäten in Oxford und Cambridge (England) oder Harvard/USA reichten nicht immer für einen akademischen Abschluss. Dafür rückte manche Hausfrau aus der Küche in die hohe Politik.

Sri Lankas „weinende Witwe“ Sirimavo

Asiens erste Regierungschefin regierte 1960 auf der Insel Sri Lanka nahe der Südspitze Indiens im Indischen Ozean: Sirimavo Bandaranaike (1916-2000). Seit der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft (1948) rivalisierten dort Familienclans um die politische Macht. Der Bandaranaike-Clan setzte sich durch: dreiundzwanzig Jahre an der Regierung und zwanzig Jahre auf der Oppositionsbank. Nach der Ermordung ihres Ehemannes und Regierungschefs Salomon Bandaranaike (1959) gewann Sirimavo als „weinende Witwe“ mit populistischen Versprechen (kostenlose Reisrationen) den Wahlkampf. 

Innenpolitisch steuerte Sirimavo Sri Lanka in ein Desaster: ihr buddhistischer Nationalismus verschärfte den Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen. Dieser mündete 1983 in einen blutigen Bürgerkrieg. Korruption und Vetternwirtschaft blühten. Sri Lankas desolate Wirtschaftslage beendete 1965 Sirimavos Mandat. 1970-77 und 1994-2000 kehrte sie ins Regierungsamt zurück. Sirimavos politisches Erbe übernahm ihre Tochter Chandrika Kumaratunga als erste weibliche Präsidentin Sri Lankas 1994-2005.

Kein Land Asiens ist jemals länger von einer Familiendynastie regiert worden als Sri Lanka: Sirimavo und Chandrika regierten dort zusammen dreißig Jahre. Eine einmalige Konstellation bot sich im Jahr 2000: Chandrika regierte als Staatspräsidentin, Mutter Sirimavo als Regierungschefin und Sirimavos Sohn Anura als Oppositionsführer und Parlamentssprecher!  

Indiens Nehru-Gandhi Dynastie

Im Land der Mitgiftmorde und Tötung weiblicher Föten regierte Asiens wohl bekannteste Regierungschefin: Indira Gandhi (1917-1984). Als Tochter von Jawaharlal Nehru setzte sie das politische Erbe ihres Vaters fort: 1966-77 und 1980-84 regierte Indira mit harter Hand die Indische Union. Indiras Regierungszeit bot eine ganze Reihe turbulenter Ereignisse: außenpolitisch im Krieg gegen Pakistan die Zerschlagung des Nachbarlandes (1971), innenpolitisch eine repressive Politik mit Notstandsverfassung und Zwangssterilisierungen (1975-77) und die Entwicklung einer Atombombe (1974), um Indiens Anspruch auf regionale Vormacht zu unterstreichen.

Indira Gandhi galt als skrupellos und machtbesessen. Schwiegertochter Maneka, selbstbewusst und politisch ambitioniert, wurde kurzerhand kaltgestellt. Nach Ermordung Indiras (1984) übernahm Sohn Rajiv vorübergehend ihr politisches Erbe. Auch Rajiv wurde ermordet (1991). Mit Sonia Gandhi, Witwe Rajivs und gebürtige Italienerin, rückte 1998 wieder eine Frau auf einen führenden politischen Posten: als Präsidentin der indischen Kongress-Partei.

Sonia Gandhi (67) gilt als einflussreichste Politikerin Indiens - auch ohne Regierungsamt und  sorgte für die erstmalige Ernennung einer Staatspräsidentin: Pathiba Patel 2007-2012. Weibliche Macht war und ist in Indien auch auf bundesstaatlicher Ebene stark vertreten: Frauen als Regierungschefinnen - aktuell seit 2011 Jayalalitha Jalaram in Tamil Nadu und Mamata Banerjee in West-Bangalen. Innenpolitisch führt bei Regierungsbildungen in Delhi an diesen beiden Politikerinnen kein Weg vorbei.

Pakistans Bhutto-Familie

Einflussreiche Familien mischen auch in Pakistans Politik kräftig mit. Der Name Bhutto in  Pakistan entspricht dem politischen Gewicht der Nehru-Gandhi-Familie in Indien. Mit Benazir Bhutto gelang 1988 erstmals einer Frau der Sprung an die Regierungsspitze eines muslimischen Staates (Regierungszeit: 1988-90, 1993-96). Benazir war Tochter von Zulfikar Ali Bhutto, Pakistans langjährigem Regierungschef (1973-77), der von General Zia ul-Haq 1977 abgesetzt und 1979 hingerichtet wurde. Benazir wurde 2007 ermordet.

Innerfamiliäre Konflikte kosteten Benazirs Brüdern Shahnawaz (1980) und Murtaza (1996) das Leben. Murtaza galt als scharfer Kritiker von Benazirs zwielichtigem und unpopulären Ehemann Asif Ali Zardari, der als Tatverdächtiger im Mordfall Murtaza lange Zeit in Haft verbrachte. Schamlose Korruption bestimmte auch Benazir Bhuttos Amtszeit. Dennoch wurde sie im Westen zur Vorkämpferin für Demokratie hochstilisiert. Pakistans Frauenverbände durchschauten rasch die leeren Phrasen populistischer Politik und versagten Benazir die Unterstützung. Benazirs Ehemann Zardari bekleidete zeitweise ein Ministeramt und soll für Staatsaufträge hohe Bestechungsgelder kassiert haben. Millionensummen wurden nach Dubai und England transferiert. Seit 2008 ist Zardari Staatspräsident von Pakistan.

Bangladesch: Machtkampf der Witwen

Südasiens Armenhaus Bangladesch wird seit 1991 von zwei politisch verfeindeten Frauen  regiert: Khaleda Zia (1991-96, 2001-2006) und Sheik Hasina (1996-2001, wieder seit 2009). Politischen Familienhintergrund bieten beide Frauen: Hasina (66) ist Tochter des 1975 ermordeten Staatsgründers Mujibur Rahman, Khaleda (68) Witwe des ebenfalls ermordeten Staatspräsidenten Ziaur Rahman (1977-1981). Beide Frauen erheben Anspruch auf das politische Erbe von Vater/Ehemann. Trotz Zugehörigkeit zu unterschiedlichen politischen Lagern wurden die Amtszeiten beider Frauen durch Korruptionsvorwürfe bestimmt. Beide Witwen saßen sogar zeitgleich im Gefängnis.

Indonesien: Politische Karriere einer Hausfrau

Nach Entmachtung von General Suharto (1998) rutschte Indonesien in eine Phase scheindemokratischer Reformen. Zu den Übergangsfiguren, die nach außen Veränderung signalisieren sollten, gehörte auch Megawati Sukarnoputri, Tochter von Indonesiens Staatsgründer General Sukarno (reg. 1949-1966). Megawatis Qualifikationen für das höchste Staatsamt: ein abgebrochenes Studium der Landwirtschaft und Psychologie, zwanzig Jahre Hausfrau, keinerlei politische Erfahrung. Megawati wurde dennoch gewählt.  

In Megawatis Regierungszeit (2001-2004) fielen Terroranschläge auf Bali und in Jakarta. Politische Verhandlungen mit Separatisten in Aceh/Sumatra ließ Megawati abbrechen und ordnete den Einsatz des Militär an. Megawatis Leistungsbilanz? Dürftig. Eine führungsschwache Politikerin ohne rethorische Begabung und Charisma. Reformen wurden nicht in Gang gesetzt. Dafür sorgten Korruptionsvorwürfe gegen Megawatis Ehemann Taufiq Kiemas für Schlagzeilen. Vielleicht verspricht das Wahljahr 2014 Indonesien eine Renaissance weiblicher Macht: Ani Yudoyono (61), Ehefrau von Staatspräsident Susilo Yudoyono, will sich um das Präsidentenamt bewerben.

Philippinen: Familienclans streiten um Macht

Einflussreiche Familien-Clans dominieren seit Jahrzehnten das politische Geschäft auch auf  den Philippinen im West-Pazifik. Drei Frauen bestimmten dort die Machtpolitik: Imelda Marcos, Corazon Aquino und Gloria Arroyo. Unvergessen bleibt die autoritäre Herrschaft des Diktators Ferdinand Marcos (1965-1986). Imelda Marcos, ehemalige Schönheitskönigin und Ferdinands Ehefrau, bekleidete zwar nie ein hohes Staatsamt, führte als Gouverneurin der  Hauptstadt Manila (1976-1986) dennoch ein hartes Zepter.       

Auf Ferdinands Herrschaft folgte 1986 Corazon Aquino („Tante Corazon“), Witwe des Oppositionspolitikers Benigno Aquino, der nach seiner Rückkehr aus dem Exil in den USA auf dem Flughafen Manila 1983 ermordet wurde. Mit dem „Witwen-Bonus“ (Bandaranaike/Sri Lanka, Khaleda Zia und Sheik Hasina/Bangladesch!) vermochte auch Corazon emotionale Bande mit der Wählerschaft zu knüpfen, die ihren Wahlsieg erheblich erleichtert haben dürften. Corazon regierte 1986-1992 als Präsidentin und bot Herkunft aus einer der reichsten Familien des Landes.

2001-2010 regierte Gloria Arroyo in Manilas Präsidentenpalast. Gloria ist Tochter des ehemaligen philippinischen Staatspräsidenten Diosdado Magapagal (1961-65). Mit einem Studium der Wirtschaft in den USA (gemeinsam mit Bill Clinton, US-Präsident 1993-2001) zählt Arroyo zu Asiens wenigen Politikerinnen mit abgeschlossener akademischer Bildung. Selbst verstrickt in Wahlmanipulationen (2004, 2007) richteten sich Korruptionsvorwürfe auch gegen Ehemann José Miguel, der bei Großprojekten Kommissionen kassiert haben soll.

Thailand: Big Business regiert

Seit 2011 wird auch Thailand von einer Frau regiert: Yingluck Shinawatra (46). Sie ist Schwester von Thaksin Shinawatra, einem Medien-Milliardär (“Thailands Berlusconi”),
der als Regierungschef 2006 durch einen Militärputsch entmachtet wurde. Thaksin werden Amtsmissbrauch und Korruption zur Last gelegt. Trotz Verurteilung zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe und einem Haftbefehl lebt Thaksin Shinawatra unbehelligt  im Exil in Dubai und zieht vom Arabischen Golf die politischen Fäden in Thailands Politik. Keine Entscheidung von innenpolitischer Tragweite in Thailands Kabinett ohne dessen Zustimmung aus dem Exil. Yingluck gilt deshalb als Marionette ihres Bruders.

Yingluck Shinawatra wurde von ihrem Bruder die Aufgabe übertragen, dessen Rehabilitierung politisch gegen den Widerstand der Opposition durchzusetzen - als Voraussetzung für eine straffreie Rückkehr nach Thailand und die Rückgabe des konfiszierten Teilvermögens der Shinawatra-Familie. Machtpolitik und wirtschaftliche Familieninteressen in weiblicher Personalunion: Thailand macht’s möglich. 

Zukunft weiblicher Macht in Asien

Wer sind Priyanka und Fatima? Zwei Frauen aus „gutem Hause“ im politischen Schatten von Bruder und Cousin. Indien und Pakistan stehen vor einem Generationswechsel ihrer politischen Führung. Wieder werden Weichen gestellt, um junge Männer aus einflussreichen Familiendynastien in politische Spitzenämter zu rücken: Rahul Gandhi (Enkelsohn Indira Gandhis) und Bilawal Bhutto (Sohn Benazir Bhuttos). 

Priyanka Gandhi (41) wird von Beobachtern als klüger und politisch kompetenter eingeschätzt als ihr Bruder Rahul (43). Dennoch leitet Rahul seit 2013 als Vizepräsident die indische Kongress-Partei und wird 2014 vermutlich als Spitzenkandidat in den Wahlkampf ziehen. Auch in Pakistan wartet ein „Kronprinz“ auf seine Chance: Bilawal Bhutto (25) soll dort das politische Erbe seiner 2007 ermordeten Mutter Benazir fortführen. Doch erhebt Bilawals Cousine Fatima Bhutto (31), Tochter des 1996 ermordeten Murtaza Bhutto (Bruder Benazir Bhuttos), ebenfalls Anspruch auf das politische Erbe des Bhutto-Clans.   

In Sri Lanka zeichnen sich Bestrebungen ab, Namal Rajapaksa (26), Sohn von Staatspräsident Mahinda Rajapaksa, zum Nachfolger seines Vaters aufzubauen. In Myanmar will sich 2015 Suu Kyi (68) um das Präsidentenamt bewerben. In Indonesien wird vermutlich Ani Yudoyono (61), Ehefrau von Staatspräsident Susilo Yudoyono, 2014 zur Wahl antreten. Auf den Philippinen kursieren Gerüchte, Bongbong Marcos (56) - Sohn von Imelda und Ferdinand Marcos - wolle sich 2016 um das Präsidentenamt bewerben.

Machtpolitik in Süd- und Südostasien könnte sich somit wieder in Richtung einer männlichen Domäne etablierter Familiendynastien entwickeln. Keine überzeugenden Perspektiven. Dennoch werden elitäre Sippschaften wohl noch einige Jahre Politik bestimmen. Asien wird auf eine neue Generation starker Frauen warten müssen.

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Wilfried Arz ist Politikwissenschaftler in Bangkok/Thailand.

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