„In sibirischen Kleinstädten werden Kinder musisch mehr gefördert als im reichen Deutschland“EM-INTERVIEW

„In sibirischen Kleinstädten werden Kinder musisch mehr gefördert als im reichen Deutschland“

„In sibirischen Kleinstädten werden Kinder musisch mehr gefördert als im reichen Deutschland“

Rubljovka ist wohl die meist überbewachte Straße der Welt. Es ist die Verkehrsader, die das Zentrum von Moskau mit der russischen Provinz verbindet. Die Gegend um die Rubljovka zog in allen Zeiten wie ein Magnet die herrschenden Eliten an: Zaren, Diktatoren, Präsidenten. Auch das heutige Staatsoberhaupt Putin wohnt hier. Die Spuren der Despoten und ihrer Prachtentfaltung bilden einen bizarren Mikrokosmos, den es sonst nirgendwo im russischen Riesenreich gibt. Die in Sibirien geborene Dokumentarfilmerin Irene Langemann hat darüber einen Film gedreht, der zurzeit mit Erfolg in den deutschen Kinos läuft: „Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit“. Im Gespräch mit dem Eurasischen Magazin erläutert sie ihre Beweggründe für diese Arbeit und schildert ihre Erfahrungen, die sie als Russlanddeutsche seit 1990 in der Bundesrepublik gemacht hat.

Von Tatjana Balzer

  Zur Person: Irene Langemann
  Irene Langemann wurde 1959 in Issikul (Sibirien) als Kind deutscher Eltern geboren. Sie absolvierte ein Studium in Moskau an der Theaterhochschule.

Von 1980 bis 1990 als arbeitete sie als Schauspielerin, Theaterautorin und Regisseurin in der russischen Hauptstadt.

Ab 1983 war sie als Moderatorin und Regisseurin beim Russischen Fernsehen tätig.

Drei Jahre später leitete Irene Langemann die freie Studiobühne „Nasch Theater“.

1990 übersiedelte sie nach Deutschland, war bis 1997 als Redakteurin bei der  „Deutsche Welle TV Köln“ tätig und lieferte regelmäßig Magazinbeiträge für die „Drehscheibe Europa“. Seither ist sie als freie Filmautorin tätig.
Irene Langemann  
Irene Langemann  

E urasisches Magazin: Frau Langemann, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Film über die Moskauer-Nobelstraße Rubljovka zu drehen?

Irene Langemann: Ich habe 2004 einen Artikel in einer russischen Zeitung gelesen, aus dem ich über viele Veränderungen in dieser Straße erfuhr. Und da ich selber viele Jahre in Moskau gelebt hatte und diese Rubljovo-Uspenskoje Chaussee – so heißt diese Straße mit vollen Namen – gut kannte, kam ich auf die Idee, über die Straße und die Menschen, die da leben, in einem Film zu erzählen und dabei das neue gesellschaftliche Phänomen Russlands und seiner Hauptstadt zu zeigen. Ich begann mit Recherchen, und die Idee hat sich weiter entwickelt. Mir wurde klar, dass ich unterschiedliche Menschen, die Vertreter verschiedener sozialer Schichten zeigen und die ganze Struktur der Straße durch menschliche Schicksale erzählen musste. Letzen Endes entstand ein gesellschaftliches Porträt von Putins Russland.

EM: Waren die Protagonisten des Films denn ohne weiteres bereit, ihre Armut oder ihr Luxusleben zu zeigen?

Langemann: Dies war das schwierigste, solche Menschen zu finden. Ich wollte unbedingt ein junges Partymädchen im Film haben und dafür habe ich viele vergebliche Versuche unternommen. Einige Mädchen waren einverstanden, aber dann ist eine nach der anderen abgesprungen. Einmal hieß es, der Ehemann erlaubt dies nicht, einmal hieß es, die Eltern erlauben dies nicht, noch ein Mädchen ist ins Ausland umgezogen. Dann habe ich dieses Mädchen Marusja gefunden, das einen Ehemann suchte. Sie ist vielleicht nicht ganz die typische Vertreterin ihrer Generation. Sie steht mit einem Fuß noch in der Sowjetunion und mit anderem im Kapitalismus, aber dadurch hat sie etwas Sympathisches, und ich war froh, dass ich sie gefunden habe.

„Wenn man viel Kraft und Energie investiert, dann kommt auch etwas zurück“

EM: Und wie sind Sie an Rostropovitsch herangekommen?

Langemann: Den wollte ich auch unbedingt in meinem Film haben. Dafür habe ich seine Konzertagentur immer und immer wieder kontaktiert.  Allerdings bekam ich immer nur ablehnende Antworten. Meistens hieß es er, er sei unterwegs, er sei gar nicht da. Aber ein Zufall kam mir zu Hilfe: Als ich die Tochter von Schostakovitsch gefilmt habe, hat sie vorgeschlagen, einen Spaziergang durch den Bezirk Shukovka zu machen, der auch im Bereich der Rubljovka liegt. Und als wir am Haus von Rostropovitsch vorbeigingen, sagte sie: „Wir werden jetzt klingeln“. Und er war zu Hause. Es war also ein absoluter Zufall. Aber ich habe schon früher die Erfahrungen gemacht: Wenn man viel Kraft und Energie investiert, dann kommt auch etwas zurück.

Filmplakat zu Langemanns Film „Rubljovka“  
Filmplakat zu Langemanns Film „Rubljovka“  

EM: Bereits vor „Rubljovka“ haben Sie viele Filme gemacht, etwa „Russlands Wunderkinder“ oder „Martins Passion“. Aber erst mit „Rubljovka“ ist Ihr Name bekannt geworden. Liegt das am Thema?

Langemann: Ich bin selber sehr erstaunt. Meine anderen Filme sind nicht schlechter als „Rubljovka“. Das liegt bestimmt an der Thematik. Meine früheren Projekte wie „Russlands Wunderkinder“ oder „Martins Passion“ sprechen eben mehr das zahlenmäßig geringere, elitärere Publikum an, das sich für Kunst und Musik interessiert. Das gesellschaftlich-politische Thema Rubljovka stößt dagegen auf Interesse bei einer breiten Mehrheit. Hinzu kommt noch, dass ich wohl die erste aus dem Westen bin, der es gelungen ist, in dieser Straße zu filmen. Es ist ja an sich kaum möglich, eine Drehgenehmigung zu bekommen. Rubljovka gilt als Präsidentenstraße und steht quasi unter Kontrolle des Kremls. Und in Russland, wie gesagt, darf man jetzt nicht auf jedem Platz und nicht auf jeder öffentlichen Straße filmen, obwohl das ja keine Privatwege sind. Doch dadurch, dass ich aus Russland komme und das alles über  eine russische Firma abgewickelt und mit Russen gedreht habe, ist es wie durch ein Wunder gelungen, die Drehgenehmigung zu bekommen. Und trotzdem hatten wir viele Auseinandersetzungen mit Polizisten, Sicherheitskräften, Wachleuten und mussten einige Sequenzen in der Straße heimlich aus dem Auto filmen.

EM: Nicht nur ihr Name ist durch den Film bekannt geworden, sondern wegen des Vertriebs gab es auch ziemliches Aufsehen. Was ist da passiert?

Langemann: Das ist eine richtige Skandalgeschichte mit Vertrieb dieses Filmes in Russland. Sie wurde in vielen Medien geschildert. Aber wir wissen immer noch nicht, wer dahinter steht und versucht hat, für sich die Rechte zu erwerben, um den Film vom Markt wegzukaufen. Das ist natürlich eine hohe Brisanz, und die Zuschauer wollen wissen, was da möglicherweise dahinter steckt. Ich denke, dass auch dadurch viele Leute ins Kino gelockt werden.

„Ich kam nach Deutschland, weil ich in einer anderen Welt leben wollte“

EM: Frau Langemann, Sie leben seit etwa 17 Jahren in Deutschland, oft drehen Sie Ihre Filme in Russland. Kann man sagen, dass Sie zwischen zwei Welten leben?

Irene Langemann: Nein. Von Anfang an, als ich nach Deutschland kam, habe ich mir gesagt, ich will nicht zwischen zwei Stühlen sitzen und werde mich ganz auf mein Leben in Deutschland konzentrieren. 1990 habe ich die Sowjetunion aus verschiedenen Gründen verlassen, und ein Grund war der, dass ich mit dem damaligen politischen System und damit, wie Menschen behandelt wurden, nicht einverstanden war. Ich kam zu meiner ganz persönlichen Entscheidung, dass ich in einer anderen Welt leben will.

EM: Wie oft sind Sie heute in Russland?

Langemann: Es kommt drauf an, welche Projekte ich mache. Mein letzter russischer Film vor „Rubljovka“ hieß  „Russlands Wunderkinder“. Er war im Jahr 2000 fertig. Und erst etwa sechs Jahre später habe ich  mit meiner Arbeit am nächsten Projekt in Russland begonnen. Das heißt, wenn ich einen Film in Russland drehe, bin ich dort natürlich mehrmals im Jahr. Ansonsten lebe und arbeite ich vor allem in Deutschland und komme selten nach Russland. Aber einmal im Jahr etwa fahre ich auf jeden Fall dorthin.

„Im Radio und im Fernsehen Russlands gibt es kaum kritische Berichte“

EM: 1990 sind Sie aus der Sowjetunion ausgewandert, einem Land mit einem ganz anderen politischen und ökonomischen System. Wie ist Ihre Meinung über die seither stattgefundenen Entwicklungen in Russland?

Langemann: Ich kann nur über meine persönlichen Erfahrungen sprechen. Als ich beispielsweise 1998-1999 in Russland gearbeitet habe, hatte ich keine Schwierigkeit auf dem Roten Platz ohne Genehmigung zu drehen. Jetzt ist das viel komplizierter geworden. Ich empfinde es so, dass sich Russland in den letzten Jahren zurück zu Sowjetzeiten entwickelt. Dass alles, was in der Perestrojka und in den chaotischen demokratischen Jahren unter Jelzin teilweise erreicht worden ist – ich meine etwa Pressefreiheit oder Menschenrechte – langsam zurückgeschraubt wurde. Und was mir noch aufgefallen ist, als ich mich im Jahr 2006 sehr viel in Russland aufgehalten habe: Man versucht die Fassade der Stabilität zu wahren und immer gute Stimmung zu verbreiten. Es wird kaum etwas Kritisches berichtet. Im Radio und im Fernsehen werden wahnsinnig viele Sendungen mit Popstars und Musik ausgestrahlt, und ich kann mich kaum an kritische Sendungen erinnern.

EM: Auch in Deutschland hat es viele Veränderungen gegeben, seit Sie hierher gekommen sind. Wie haben Sie das Land empfunden, als Sie damals einwanderten?

Langemann: Zum ersten Mal war ich in Deutschland 1988. Im Vergleich zur Sowjetunion erschien mir Deutschland damals als paradiesisches Land. Von außen schien es, dass Menschen keine Probleme haben und das Leben einfach und ungetrübt ist. Wenn man dann hier lebt und nicht nur zum Urlaubmachen da ist, ändert sich die Einstellung. Ich kam als Spätaussiedlerin mit deutschen Wurzeln und musste mich wie viele andere durchkämpfen. Ich habe auch erlebt, dass Einwanderer bei Behörden oft nicht gut angesehen sind und entsprechend behandelt werden.

EM: Mit welchen Problemen mussten Sie fertig werden damals?

Langemann: Als Spätaussiedlerin musste ich beispielsweise einen deutschen Sprachkurs absolvieren, weil das Vorschrift ist. Aber Deutsch ist für mich Muttersprache, sogar die erste Muttersprache. Bei uns zu Hause wurde immer nur Deutsch gesprochen. Russisch habe ich erst mit drei Jahren gelernt, als ich in den Kindergarten kam. Ich bin also komplett zweisprachig groß geworden. Daher war es eine absurde Situation, dass der Sachbearbeiter im Arbeitsamt darauf bestand, dass ich unbedingt einen Sprachkurs mache. Das war für mich der erste Schock: Dass man der Bürokratie unbedingt folgen muss.

„Der Anfang in Deutschland war unglaublich schwierig“

EM: Haben Sie noch mehr Absurditäten erlebt?

Langemann: Wir sind auf dem Höhepunkt der russischen Einwanderungswelle angekommen. Dadurch mangelte es an Unterkünften, und wir wurden in einer Turnhalle untergebracht. Darin lebten noch etwa 50 Menschen, darunter 18 Kinder. Deswegen entstand zwar nicht unbedingt ein negatives Bild von Deutschland bei mir, aber eine Enttäuschung war das schon. Man gab einem zu verstehen, dass man jemand ist, der nicht dazugehört, dass man nicht erwarten kann, persönlich betreut zu werden. Der Anfang in Deutschland war also unglaublich schwierig. So schwierig, dass ich mich entschieden habe, meinen schauspielerischen Beruf, den ich in Russland gelernt habe, aufzugeben und etwas anderes zu machen, um meine Existenz aufzubauen. Ich habe mich bei der Deutschen Welle beworben und habe dort sofort eine Stelle bekommen.

EM: War es damals, 1990, wegen des großen Ansturms aus Russland  nicht besonders schwer, eine solche Stelle zu bekommen?

Langemann: Nein, wie gesagt es hat sofort geklappt. Ich habe in der russischen Hörfunkredaktion als freie Mitarbeiterin angefangen. Und gerade in dieser Zeit wurde in der deutschen Fernsehredaktion das „Osteuropa-Magazin“ gegründet, und man suchte händeringend jemanden, der zweisprachig – deutsch und russisch – war. Ich habe mich beworben und wurde für die deutsche Redaktion angestellt. Ab sofort war meine Umgangssprache Deutsch, meine Kollegen waren alle Deutsche. In diesem Sinne war ich sofort in die deutsche Gesellschaft integriert. Daher war Russland quasi abgeschnitten. Das war natürlich ein großes Glück, dass ich bereits vier Monate nach meiner Einreise in Deutschland berufstätig sein konnte.

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern schneidet Deutschland besser ab

EM: Legte sich dadurch Ihre erste Enttäuschung über Deutschland wieder?

Langemann: Durch meinen neuen Beruf war ich sehr viel in Europa unterwegs und konnte entsprechende Vergleiche zwischen Deutschland und anderen europäischen Ländern anstellen. Da muss ich sagen, dass ich schnell zur Überzeugung kam, dass Deutschland doch ein sehr stabiles Land ist, wo Menschenrechte hochgehalten werden, wo man sich als Mensch geborgen fühlen kann. In den darauf folgenden 17 Jahren hat sich natürlich auch Deutschland sehr verändert, seit der Wiedervereinigung, durch die Globalisierung und auch durch die Terrorgefahr, die ja überall droht. Zudem wird die Gesellschaft auch hier immer deutlicher in zwei Klassen geteilt, nicht nur in Russland. Aber trotzdem sind die gesellschaftlichen Veränderungen hier längst nicht so gravierend. Und ich glaube, dass sich Deutschland durch seine starke Demokratie und Stabilität nicht so massiv negativ verändern wird.

EM: Mussten Sie eigentlich den Deutschsprachkurs, zu dem Sie gezwungen waren, noch beenden, nachdem Sie doch so schnell Ihre Anstellung gefunden haben?

Langemann: Nein, ich habe mich damals doch durchgesetzt. Auf meine Initiative hin konnte ich eine Prüfung ablegen, bekam dann eine Bescheinigung und bin wieder  ins Arbeitsamt gekommen. Und dann sagte der Sachbearbeiter: „Ja, jetzt sehe ich, dass Sie die deutsche Sprache perfekt beherrschen“. Ansonsten hat er mir immer gesagt: „Sie sprechen perfekt Deutsch, aber ich bin nicht kompetent genug, um das zu beurteilen“.

Die Fortsetzung von „Russlands Wunderkinder“ wird ein Film über russische Hochkultur

EM: An welchem neuen Filmprojekt arbeiten Sie derzeit?

Langemann: Ich bereite jetzt die Fortsetzung für den Film „Russlands Wunderkinder“ vor. Im ersten Film ging es um vier talentierte Kinder oder Jugendliche, die sich mit Musik beschäftigen. Seitdem sind sieben Jahre vergangen, die Kinder sind nicht mehr Kinder, sondern junge Leute, und ich will ihre Geschichten weiter erzählen und zeigen, was aus ihnen geworden ist. Das wird ein Film – ähnlich wie dessen erster Teil – über ein ganz anderes Russland. Nicht über das Land krasser sozialer Unterschiede, sondern über das Land und seine Hochkultur, wo man trotz aller Schwierigkeiten und Widersprüche junge begabte Kinder fördert. Das ist für mich wirklich ein grandioses Beispiel von Talentförderung, was es in Deutschland und in Europa so überhaupt nicht gibt. Aber das war auch früher in Russland und in der gesamten Zeit der Sowjetunion schon so. Diese Tradition ist geblieben. Man versucht nach wie vor, begabte Kinder landesweit zu finden und ihnen alle Möglichkeiten zu bieten, damit sie ihre Talente entfalten und entwickeln können. Sie bekommen beispielsweise ihre Ausbildung in Moskau, und diese sehr qualifizierte Ausbildung immer noch kostenlos.

EM: In Deutschland vermissen Sie eine solche Talentförderung, ist das richtig?

Langemann: Ja, das stimmt. Ich erinnere mich zum Beispiel noch daran, wie es 1992-93 nach der Wiedervereinigung hier anfing mit den Sparmaßnahmen. Es war für mich damals ein großer Schock zu sehen, dass in Köln, wo ich wohne, vor allem Musikschulen und Bibliotheken geschlossen wurden. Es war für mich unvorstellbar, dass man das, was für Kinder und Jugendliche so wichtig ist, an erster Stelle schließt. Ich bin in einer sibirischen Kleinstadt groß geworden, wo man nicht viel in Lebensmittelläden kaufen konnte, die Auswahl war klein, aber dort gab es eine gute Musikschule für Kinder. Jetzt hat man in Deutschland festgestellt, besonders nach den ersten PISA-Ergebnissen 2001, dass man in die Kinder mehr investieren und sie mehr fördern sollte. Trotzdem wird immer noch viel zu wenig für Kinder getan.

„Wenn ich von meinen vielen Reisen zurück komme und den Kölner Dom sehe, dann überkommt mich wirklich das Gefühl, dass ich hier Zuhause bin.“

EM: Ein Drittel Ihres Lebens haben Sie in Sibirien verbracht. Etwa ein weiteres Drittel in Moskau und das bisherige dritte Drittel in Köln. Wo fühlen Sie sich zu Hause? Wo ist Ihre Heimat?

Langemann: Sibirien habe ich nie als meine Heimat empfunden. Ich fühlte mich dort nie zu Hause, weil meine Familie und ich damals als deutschstämmige unterdrückt wurden und als Menschen zweiter Klasse diskriminiert waren. In Moskau habe ich mich eigentlich sehr wohl gefühlt, dort hatte ich ein ganz tolles Studium, und Moskau war schon damals eine Weltstadt. Aber so ein richtiges Heimatgefühl hatte ich dort auch nicht. Wahrscheinlich weil ich mich immer als Deutsche identifizierte. Zu Hause wurde nur Deutsch gesprochen, meine Eltern haben uns deutsch erzogen. Und hier in Köln fühle ich mich jetzt heimisch. Wenn ich von meinen vielen Reisen zurück komme und den Kölner Dom sehe, dann überkommt mich wirklich das Gefühl, dass ich hier Zuhause bin. Wahrscheinlich weil es mir hier auch am besten geht.

EM: Frau Langemann, haben Sie herzlichen Dank für dieses Gespräch.

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