„Kulturschätze sind das Ol Jordaniens“ANTIKE AUSGRABUNGEN

„Kulturschätze sind das Ol Jordaniens“

Die großartigen Zeugnisse des Altertums im Jordantal und in der Negev-Wuste werden jedes Jahr von Millionen Touristen besucht – sie tragen uber zwölf Prozent zum jordanischen Staatshaushalt bei.

Von Barbara Gutmann

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  Der Hadriansbogen in Gerasa

EM - Auf den uralten Pflasterstraßen und in den antiken Säulenalleen herrscht pulsierendes Leben, wie es selbst zur Blütezeit der Städte kaum erreicht worden sein dürfte. Millionen Besucher wandeln hier in den antiken Ausgrabungsstätten Jordaniens Jahr für Jahr auf den Spuren der Vergangenheit.

Die Region am Jordan zwischen See Genezareth, Totem Meer, arabischer Wüste und dem Sinaigebirge ist seit Jahrtausenden Durchgangsland für viele Völker und Kulturen. Nabatäer, Römer und Griechen, Kreuzritter und Eroberer haben der Nachwelt prächtige Gebäude und Monumente hinterlassen

Fast alle Zeugnisse waren über Jahrhunderte im Wüstensand verborgen und begraben. So auch Gerasa, heute Jerash, eine Stadt der tausend Säulen. Seit die Ausgrabungen begonnen haben und die Schätze der Antike wieder ans Licht kommen, wurde es zur einträglichen Touristenattraktion.

Die biblischen Gestalten Moses und Jesus sollen hier gelebt haben

Auch im benachbarten einstmals römischen Gadara, wo sich heute der Ort Umm Qais befindet, wird gegraben. Besucher aus aller Welt kommen in hellen Scharen. Dieses Land, in dem die biblischen Gestalten Moses und Jesus gelebt haben sollen, ist für Christen und Juden gleichermaßen „Heiliges Land“.

„Das Öl Jordaniens ist sein Kulturerbe“, sagte Prof. Fawwaz Khraysheh, Generaldirektor der Jordanischen Antikenverwaltung Amman, in einem Vortrag, den er im Sommer letzten Jahres in Berlin gehalten hat.. Khraysheh, der in den 80er Jahren in Deutschland studierte, war auf Einladung der Staatlichen Museen in die deutsche Hauptstadt gekommen. Unter dem Titel „9000 Jahre – 9000 Orte“ berichtete er vom Reichtum der jordanischen Erde an antiken Schätzen. Allein im „Boomjahr 2000“ sei zum Beispiel über eine Million Besucher nach Petra (der Name bedeutet „Fels“), der Totenstadt der Nabatäer (sie hatten hier ca. 150 v. Chr. ein Königreich gegründet) im Süden Jordaniens gekommen. 40 neue Hotels habe man dort in den letzten Jahren errichtet. In einem Interview, das in der Märzausgabe 2003 der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ erschienen ist, räumte er allerdings ein, daß „nach dem 11. September 2001 die Zahlen überall um 50 Prozent gesunken“ seien. Für die nächsten Jahre gehe man aber wieder von einer starken Zunahme der Touristenzahlen auf rund drei Millionen aus.

Deutsche Regierungen haben die Ausbildung von jordanischen Archäologen gefördert und finanziell unterstützt. Der stellvertretende Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, (Stiftung Preußischer Kulturbesitz), Prof. Günther Schauerte, führt die Oberaufsicht über ein deutsches Grabungsprojekt in Gadara.

Touristen aus aller Welt bestaunen die antiken Schätze von Gadara und Gesara

Die prachtvollen Relikte dieser Stätten nahe der israelischen und der syrischen Grenze ziehen Touristen aus aller Welt an. So profitieren die verarmten Nachfahren der einst hier siedelnden Völkerschaften noch immer von deren Kunstsinn und monumentalen Stadtarchitekturen. Von ihren Hotels aus haben die Gäste außerdem einen Blick auf die Golanhöhen und ins Jordantal, was den Reiz noch zusätzlich erhöhen dürfte.

Gadaras glanzvolle Geschichte währte von 301 v. Chr. bis 749 n. Chr. Gegründet wurde die Stadt von der griechischen Dynastie der Ptolemäer. Beendet wurde ihre antike Existenz durch ein verheerendes Erdbeben. Erst 1806 entdeckte der deutsche Forscher Ulrich Jasper Seetzen das vergessene und verschüttete Kleinod wieder.

Seit 1987 arbeiten Fachleute des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) Berlin zusammen mit jordanischen Archäologen an der Wiederherstellung des alten Stadtbildes.

Im benachbarten Gerasa ist die Restauration der antiken Anlagen schon weit fortgeschritten. Die Touristen dürfen das riesige Gelände der antiken Stadt ganz allein durchstreifen. Man kann aber auch einen sachkundigen Führer anheuern. Über die uralte schnurgerade Pflasterstraße gelangt der Besucher am Ende zum Artemis-Tempel, der ihn mit seiner erhabenen Schönheit gefangennehmen wird.

Prof. Fawwaz Khraysheh: „Wir wünschen uns, daß möglichst viele Menschen von unserem reichen kulturellen Erbe erfahren und die prachtvollen antiken Stätten besuchen. Bei uns findet man alles, von der Steinzeit über die Bronzezeit bis zur hellenistisch-römischen Periode.“

Altertum Arabien

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