„Lebensadern des Imperiums – Straßen im römischen Weltreich“ von Margot KleeGELESEN

„Lebensadern des Imperiums – Straßen im römischen Weltreich“ von Margot Klee

Vom Atlantik bis zum Kaukasus, vom regnerischen Britannien bis in die flirrende Wüstenhitze Afrikas: römische Straßen führten in jede Provinz des Reichs. Über dieses riesige Wegenetz kontrollierten die Kaiser ihr Imperium. Über imposante, heute noch erhaltene Brücken, durch Tunnel, vorbei an quirligen Kneipen und protzigen Grabmälern. Roms Soldaten marschierten im Eiltempo bis in die entlegensten Winkel des Reichs. Dafür wurde ein Fernstraßennetz in gigantischen Ausmaßen geschaffen.

Von Eberhart Wagenknecht

U nd sie fluchten in allen Sprachen. Römische Legionäre stolperten auf den granitenen Pflasterhöckern, mit denen die „Lebensadern des Imperiums“ befestigt waren. Wagenräder brachen. Pferde trabten sich wund. Es wurde viel gemeckert und geklagt über die Straßen im römischen Reich. Aber immerhin: sie waren ein fester Untergrund, gaben den Infanterieeinheiten und Kohorten Halt. Anders als in Germanien, wo die schweren Truppen im Kampf mit Hermann dem Cherusker in der Unwegsamkeit versanken, einbrachen und untergingen. Über den im Jahre 9 n. d. Ztr. in Germanien besiegten römischen Feldherrn Varus heißt es in einem alten Spottlied zum Ereignis der Schlacht im Teutoburger Wald - oder wo immer sie stattgefunden hat: „Er geriet in einen Sumpf, täterätätä – verlor zwei Stiefel und einen Strumpf täterätätä – und blieb elend stecken.“ - Schließlich verlor er auch sein Leben in den germanischen Wäldern

Alle Wege führen nach Rom

„85.000 Kilometer gepflasterte Straßen oder zwei Weltumrundungen“, so charakterisiert der Theiss Verlag das gigantische Verkehrssystem der Römer. „Händler verbreiteten die exquisite Keramik Südfrankreichs und die berühmte Fischsauce Nordafrikas auf den gleichen Routen im ganzen Imperium. Maultiere, Wagen, Reiter und Fußgänger tummelten sich nebeneinander auf den Wegen, die oft gepflastert und mit einem aufwendigen Fundament ausgestattet waren. Auch der Südwesten Deutschlands, die Schweiz und der größte Teil Österreichs waren von Wegen durchzogen, die zum Teil heute noch unter dem modernen Asphalt verborgen genutzt werden.“

Unter uns wird die via Appia lebendig, die in Italien von Rom nach Tarent führt, die via Claudia Augusta, auf der man nach Germanien reiste. Auf der via Nova Traiana kam man von Syrien bis zum Schwarzen Meer usw. Wenn man heute antike Wegweiser oder Erinnerungstafeln mit Hinweisen auf römische Heerstraßen sieht, zeugen diese auch von den Herrschern, den Erbauern, den Kaisern und Feldherren. In Margot Klees sorgsam erarbeitetem Buch kann man alle diese kulturgeschichtlichen Wege und Straßennetze in der römischen Welt im Überblick erkennen und bestaunen. Die Lebensadern umfassen Wüstenpisten und Prachtstraßen, innerstädtische Verbindungswege mit krachendem Pflaster und Prachtstraßen. Der Leser wird auch an die Raststationen und Tavernen geführt, und erfährt viel über das Leben in Staub und Lärm zu Fuß.

Ein Spinnennetz der Macht und der Pracht

Roms Straßen spannten sich über das Imperium wie ein riesiges Spinnennetz. In dem Kapitel „Nach Rom: 53 Meilen“ werden die Steine beschrieben, die auch heute noch im gesamten ehemaligen Reichsgebiet zu finden sind. Die Entfernungsangaben in Stein geritzt sagen viel über das römische Bewusstsein aus, die Weltmacht zu sein. „Straßen der Macht und Straßen der Pracht“ stellt Margot Klee vor und macht dem Leser glaubhaft: „Straßen schreiben Geschichte“. – Wo hätte das jemals mehr gegolten als im alten Rom, das durch seine „Lebensadern“ das vielhundertjährige Reich nährte und erblühen ließ.

Dr. Margot Klee war nach dem Studium der Klassischen Archäologie vorwiegend im Museumsbereich tätig, u.a. auf der Saalburg/Limes. Sie ist Oberkustodin am Landesmuseum Wiesbaden. Ihr Buch umfasst Karten und atemberaubende Fotos, ein Glossar sowie ein Personen und Sachregister. – Rom, von der Straße aus betrachtet – nicht von Palästen her. Das ist eine wirklich Bereicherung der Romliteratur.

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Rezension zu: „Lebensadern des Imperiums, Straßen im römischen Weltreich“ von Margot Klee, Theiss 2010, Gebunden mit Schutzumschlag, Format 29,4 x 22,6 cm, 160 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 13: 978-3-8062-2307-1.

Asien Geschichte Rezension

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