Lexika Deutscher Wörter arabischer und jiddischer HerkunftGELESEN

Lexika Deutscher Wörter arabischer und jiddischer Herkunft

„Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft“ von Nabil Osman (Hrsg.), C.H. Beck Verlag, München, 6. Auflage 2002, 140 Seiten, 8,90 Euro, ISBN 3-406-47584-1.
„Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft“ von Hans Peter Althaus, C.H. Beck Verlag München, 2003, 216 Seiten, 11,90 Euro, ISBN 3-406-49437-4.

Von Hans Wagner

C.H. Beck Verlag, München, 6. Auflage 2002, 140 Seiten, 8,90 Euro, ISBN 3-406-47584-1.

„Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft“ von Hans Peter Althaus

C.H. Beck Verlag München, 2003, 216 Seiten, 11,90 Euro, ISBN 3-406-49437-4.

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„Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft“ 

EM - „Ein Admiral, ein Koffer samt Mütze, Jacke, Joppe und Gamaschen, eine Tasse Bohnenkaffee mit Kandiszucker in einer Konditorei, eine Karaffe voll Limonade – selbstverständlich Begriffe der deutschen Sprache zunächst [...]. Sie und eine stattliche Zahl weiterer Wörter haben sprachlich Gemeinsames. Sie alle sind arabischen Ursprungs [...] Die scheinbar so mitteleuropäische Lärche, selbst das vermeintlich alpenländische Tarock [...] entspringen dem Arabischen.“

So leitet Nabil Osmann sein kleines Nachschlagewerk der Beckschen Reihe ein. Der ägyptische Germanist erzählt die Geschichte von rund 500 Wörtern und wie sie ihren Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Großen Anteil daran hatte das arabische Maurenreich in Spanien, dessen Kultur und Wissenschaft dem damaligen Europa weit überlegen waren. (Vgl. EM 01-03: „Eurasien historisch: DIE MAUREN“). Viele Neuheiten aus Technik, Wissenschaft und Medizin, die man damals in den europäischen Ländern noch nicht kannte, wurden von den Mauren übernommen. Das dazugehörige arabische Wort gelangte auf diese Weise ebenfalls in den deutschen Sprachraum.

Es ist kaum anzunehmen, daß es hierzulande weniger Betrunkene gegeben hätte, wenn nicht das arabische „al-kuhl“ seinen Weg zu uns gefunden hätte. Aber vom Alkohol-Rausch würde man dann eben nicht sprechen. Chemie-Konzerne wie Bayer, Hoechst oder BASF verdanken ihren Branchennamen dem Arabischen „al-kimiya“. Es kommt ursprünglich sogar aus dem in Ägypten gesprochenen Koptischen „kemi“, der Bezeichnung für das schwarze Erdreich Ägyptens. Später gewann dieses Wort die Bedeutung von der dunklen, geheimen Wissenschaft, der Alchemie.

Was im Arabischen eigentlich für Schusterleisten steht und „qalib“ heißt, geriet über das französische calibre zum deutschen Kaliber. Es hat aber Eingang in praktisch alle Sprachen gefunden und wurde mit den Hyänen des Krieges bis in die letzten Winkel der Erde verbreitet.

Wie würde man wohl heute eines der neuen Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt ohne Anleihe aus dem Arabischen nennen? Vielleicht würde die Kuppel (arabisch „qubba“) des Reichstags einfach Wölbung oder Gewölbe heißen. Als Besonderheit Lübecks kennt man, neben dem Holstentor, das Marzipan. Es ist, was den Namen anlangt, ebenfalls arabischen Ursprungs. Dabei hat die Bezeichnung allerdings einen ziemlichen Irrweg zurückgelegt, bis sie bei der Leckerei der Hansestadt anlangte. Das arabische „mautaban“ war mal die Bezeichnung für byzantinische Münzen, dann für ein venezianisches Schächtelchen und schließlich für dessen Inhalt.

Aus dem persischen ispanag machten die Mauren in Spanien den ispinag, der inzwischen als Spinat auf deutschen Tellern landet. Und wenn Bahnchef Mehdorn nach Meinung seiner Kritiker hin und wieder ein Tarifchaos anrichtet, dann ist die deutsche Sprache dafür gleich zwei mal fremdgegangen: das chaos haben schon die alten Griechen so genannt und tarifa kommt aus dem Arabischen und hieß ursprünglich Bekanntmachung.

Nur wenige jiddische Wörter sind im Deutschen wirklich gebräuchlich

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„Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft“ 

Hans Peter Althaus, Professor für germanistische Linguistik und Experte für den jüdischen Wortschatz im Deutschen, hat rund 1.200 Wörter aus dem Jiddischen zusammengestellt, die bei Juden in Deutschland einst gebräuchlich waren. Jiddisch ist eine spezielle Ausdrucksweise aus verschiedenen vor allem hebräischen, romanischen, deutschen und polnischen Zutaten. Althaus nennt es einen „Sozialdialekt“, der sich zu einer lebenden Sprache entwickelte.

Die meisten der in sein Lexikon aufgenommenen Ausdrücke allerdings, weit über 90 Prozent, dürften kaum jemandem bekannt sein. Es handelt sich zumeist um sehr fremde Idiome, wie Baleboste für Hausfrau, Mackelbajes für Gefängnis oder Seiwel für Dreck..

Wie das Jiddische entstanden ist, erklärt der Autor in seiner Einleitung. So hätten sich zum Beispiel jüdische Händler in Deutschland untereinander oft des Hebräischen bedient, um von ihren nichtjüdischen Geschäftspartnern nicht verstanden zu werden. Die daraus entstandenen Redewendungen hätten ein Element des Jiddischen gebildet. An deutschen Börsen sei es im frühen 19. Jahrhundert notwendig gewesen, sich die dort gebräuchlichen jüdischen Ausdrücke anzueignen, um zurechtzukommen. Besonders auf dem Land, bei Viehhändlern und Metzgern, sei sogar eine eigene jiddische „Geheimsprache“ bis in die 60er Jahre hinein üblich gewesen.

Die Sprache der Juden in Deutschland war im Prinzip schon ausgestorben, wie Althaus erläutert. Erst in letzter Zeit sei sie wieder im Kommen: „Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die aus dem Jiddischen stammenden Wörter von der nichtjüdischen Bevölkerung wegen des Mißbrauchs durch die nationalsozialistische Propaganda weitgehend tabuisiert. Sie gerieten deshalb innerhalb einer Generation fast völlig in Vergessenheit. Seit den sechziger Jahren wurde die Kenntnis des Judentums aus volkspädagogischen Gründen bewußt gefördert. Das stellte das Interesse an jüdischen Themen auf eine neue Grundlage und bahnte einem neuen Verständnis den Weg. Damit kehrten auch jiddische Wörter in die Öffentlichkeit zurück.“

Althaus hat u.a. die jüdische Familiensprache, jüdische Fachsprachen, jüdisches Deutsch, Stadtdialekte, Sondersprachen, Umgangs- und Literatursprache durchsucht. In einigen Fällen ist es durchaus überraschend zu erfahren, welche Wörter in der deutschen Sprache aus dem Jiddischen stammen. Bei anderen ist der Ursprung unverkennbar. Hier die bekanntesten:

Ausbaldowern, betucht, Chuzpe, Daffke, dufte, Ganove, Geseires, mauscheln, Gemauschel, Großkotz, Kaffer, Knast, koscher, Macke, malochen, Massel, meschugge, mies, miesmachen, Miesepeter, Mischpoche, mosern, Pleite, Pleitegeier, Reibach, Schickse, Schlamassel, Schlattenschammes, Schmiere (stehen), Schmonzes, Schmonzette, Schmu, Schmugeld, schmusen, Stuß, Tacheles, Tinnef, Zoff, Zores.

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