Liebesgrüße aus KiewUKRAINE

Liebesgrüße aus Kiew

Liebesgrüße aus Kiew

Sie gehören zu James Bond so wie sein Kürzel 007 - die Rede ist von den Bond-Girls, die dem Agenten ihrer Majestät regelmäßig den Kopf verdrehen. Im 22. Agentenabenteuer wird diese Aufgabe von der ukrainischen Schauspielerin Olga Kurilenko übernommen, die in Deutschland zuletzt in dem Action-Film „Hitman“ und dem Episodenfilm „Paris je t’aime“ zu sehen war. Kurilenko tritt mit ihrer Rolle in die Fußstapfen von Berühmtheiten wie Ursula Andress, Britt Ekland, Kim Basinger oder Halle Berry. Der neue James Bond wird im November 2008 in die Kinos kommen – und Olga Kurilenko einem Millionenpublikum weltweit bekannt machen. Noch ist das Ex-Model kaum jemandem ein Begriff - selbst in ihrer Heimat kennt sie fast niemand.

Von Clemens Hoffmann

Das neue Bond-Girl Olga Kurilenko  
Das neue Bond-Girl Olga Kurilenko  

S ie ist 1,76 Meter groß, hat grüne Augen und passt in Kleidergröße 34. Ihr Name ist Kurilenko. Olga Kurilenko. „Olga - wer?“ fragt DVD-Händler Sergej und schaut ein bisschen ratlos. Dick vermummt steht der 22-Jährige in seinem Verkaufscontainer. Ein Radiator spendet ein bisschen Wärme. Das Thermometer zeigt 10 Grad minus. Dass die Ukrainerin Olga Kurilenko das neue Bond-Girl wird, hat sich auf dem größten Kiewer Bücher- und CD-Markt an der Metrostation Petrivka noch nicht groß herumgesprochen. In „Hitman“ hat sie mitgespielt?  Moment  mal…“ Sergej bückt sich, kramt eine Weile und zieht schließlich das Cover des Agentenfilms aus einem DVD-Stapel hervor. Interessiert betrachtet er das Foto der langbeinigen Femme fatale im äußerst knappen roten Kleid. „Sieht ein bisschen aus wie Sophie Marceau“, stellt Sergej mit Kennerblick fest.

Dass Olga Kurilenko nicht nur umwerfend aussieht, sondern auch Agenten jagen kann, hat sie als Gegenspielerin von Timothy Olyphant im Action-Thriller „Hitman“ bewiesen. Nun erhielt das 28-jährige Ex-Model den ultimativen Ritterschlag: Sie darf an der Seite von „007“ David Craig das 22. James-Bond-Abenteuer schmücken. „Olga Kurilenko wird die Rolle der gefährlich verführerischen Camille spielen, die Bond herausfordert und ihm dabei hilft, die emotionalen Folgen von Vespers Verrat zu bewältigen“, teilten die Produzenten in London mit. Vesper (Eva Green) hatte Craig in seinem ersten Abenteuer als James Bond regelrecht das Herz gebrochen.

Die Kurilenko stach sie alle aus

Als Bond-Girl  tritt Kurilenko in die Fußstapfen so berühmter Vorgängerinnen wie Ursula Andress in „Dr. No“, Halle Berry, Kim Basinger oder eben Eva Green in „Casino Royale“,  der weltweit über 600 Millionen Dollar einspielte. Kassen-Rekord für einen Bond! Kein Wunder, dass die Macher an diesen Erfolg anknüpfen wollen. Sie haben neben Hauptdarsteller Daniel Craig auch Regisseur Marc Foster erneut verpflichtet. Wieder dabei sind auch Judi Dench in ihrer Rolle als M, Jeffrey Wright als CIA-Agent Felix Leiter und Giancarlo Giannini als Mathis. Die Rolle von Bonds männlichem Gegenspieler übernimmt der Franzose Mathieu Amalric. Als weiterer weiblicher Neuling wird Gemma Arterton die Rolle der MI6-Agentin Fields übernehmen. Sie war seit längerem als Bond-Girl gehandelt worden. Nun schnappt ihr Olga Kurilenko diese Rolle weg.

Das neue Bondgirl wurde 1979 im südost-ukrainischen Berdjansk, einem Kur- und Badeort  am Asowschen Meer geboren. Mit 15 Jahren wurde sie in der Moskauer U-Bahn von einem Model-Scout entdeckt, zog nach Paris und kam bei der bekannten Model-Agentur Madison unter Vertrag. Olga machte Reklame für Kosmetik, Juwelen, Unterwäsche. Ihr Bild zierte die Titelseiten von Zeitschriften wie US Glamour, die französische Ausgabe von Elle, Madame Figaro und Marie Claire. Ihre Film-Karriere begann sie 2005 ebenfalls in Frankreich. Gleich für ihre erste große Rolle in „L'Annulaire“(Der Ringfinger)  wurde sie 2006 beim Brooklyn International Film Festival ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr war sie in Deutschland als blutrünstige Vampirin im Episodenfilm „Paris je t’aime“ mitElijah Wood zu sehen.

Die Bond-Rolle könnte ihr internationaler Durchbruch sein

In der Ukraine ist sie bisher nur wenigen bekannt, die meisten Zeitungen brachten nur kurze Meldungen, selbst Medienprofis wie Fernseh-Journalist Ostap Krityk wurden von ihrer Nominierung völlig überrascht: „Ihren Namen habe ich aus den Nachrichten erfahren, habe vorher nie von ihr gehört“. Und auch auf dem Kiewer Petrivka-Markt, wo sich der Andrang nach den orthodoxen Weihnachtstagen in Grenzen hält, erkennt niemand die Frau auf dem DVD-Cover.
Olga Kurilenko wird es verschmerzen können: Die Rolle der Bond-Gegenspielerin könnte ihr den internationalen Durchbruch im Filmgeschäft bringen. Ganz sicher aber dürfte der 22.Bond, der ab November in die Kinos kommt, ihren Bekanntheitsgrad auch in ihrer Heimat Ukraine deutlich erhöhen. DVD-Händler Sergej wünscht es Olga Kurilenko „von Herzen“, sagt er. Nicht nur wegen des zu erwartenden guten Geschäfts. „Ich freue mich mit allen, die Erfolg in ihrem Leben haben“, sagt der junge Ukrainer.

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Der Autor ist Korrespondent von n-ost. Das Netzwerk besteht aus über 50 Journalisten in ganz Osteuropa und berichtet regelmäßig für deutschsprachige Medien aus erster Hand zu allen Themenbereichen. Ziel von n-ost ist es, die Wahrnehmung der Länder Mittel- und Osteuropas in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu verbessern. Weitere Informationen unter www.n-ost.de.

Film GUS Ukraine

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