Mariya Yaremchuk will im Eurovision-Finale die Ukraine vereinenEUROVISION-FINALE

Mariya Yaremchuk im Interview: „Wir müssen zusammenhalten“

Die Augen der Weltöffentlichkeit richten sich beim Finale des Eurovision Song Contest am Samstag auf die Vertreterin der Ukraine, Mariya Yaremchuk. Während die Proteste und Kämpfe im Osten der Ukraine anhalten, ruft die 21-jährige Sängerin ihre Landsleute zum Einhalten auf. Wir haben die in der Westukraine geborene Künstlerin gefragt, wie es sich anfühlt, in diesen schwierigen Zeiten am Wettbewerb teilzunehmen.

Von Kristin Brueggemann

Mariya Yaremchuk ritt im Eurovision-Finale in Kopenhagen mit
Mariya Yaremchuk ritt im Eurovision-Finale in Kopenhagen mit "Tick-Tick" für die Ukraine an

Eurasisches Magazin: Während du bei Eurovision auftrittst, erlebt deine Heimat gerade eine große Krise. Wie geht es dir persönlich beim Song Contest damit? Wie fühlen sich die anderen Künstler, sprichst du mit ihnen über die Situation?

Maria Yaremchuk: Das sind wirklich sehr harte Zeiten für mein Land. Als Künstlerin versuche ich mein Bestes zu tun und jetzt bedeutet das, mein Land bei Eurovision zu vertreten. Ich hoffe, dass mein Song und meine Bühnenshow wenigstens für drei Minuten ein wenig Freude und Fröhlichkeit in meine Heimat bringt. Ich bin sehr besorgt und verfolge die ganze Zeit die Nachrichten. Ich denke, dass es den anderen Künstlern genauso geht. Ich möchte all den anderen Künstlern und auch allen Menschen danken, die mir ihre Unterstützung gezeigt haben und mir so viel Nettes gesagt haben.

EM: Wie hast du dich auf die Show vorbereitet?

Yaremchuk: Ich habe, wie alle anderen auch, jeden Tag hart gearbeitet. Ich hatte Gesangs- und Kostümproben und ich habe viel Zeit mit den Eurovision Fans und mit anderen Künstlern verbracht. Jedes Mal, wenn mein Herz „Tick-Tock“ macht, bereitet mich das auf den Auftritt am Samstag vor.

„Musik bringt die Menschen zusammen“

 EM: Denkst du, dass Musik einen verbindenden Impuls hat, der den Menschen hilft, sich besser zu verständigen?

Yaremchuk: Natürlich! Musik ist eine einzigartige Sprache, die unterschiedliche Menschen zusammenbringen kann. Jeder kann sich durch Musik verständigen.

„Mein Song soll die Herzen höher schlagen lassen“

EM: Was ist das Thema deines Songs? Hat er eine Verbindung zur aktuellen Situation?

Yaremchuk: Eigentlich ist es eine Geschichte über die wahre Liebe, über unsere ständige Suche nach einem wahren Gefühl. Wir verbringen so viel Zeit damit, auf der Suche zu sein. Wenn dann die richtige Person vorbeikommt, sind wir völlig überrascht. Ich hoffe, dass dieses Lied die Herzen der Menschen in Europa höher schlagen lässt. 

EM: Wie gehen die Künstler in der Ukraine allgemein mit der Krise um?

Yaremchuk: Wir sind alle sehr besorgt und tun alles, was wir können. Wir versuchen mit Musik oder mit Worten zu helfen. Wir spenden auch Blut, wenn es gebraucht wird. Jedes Gebet und jedes Lied geht an die Ukraine und an das ukrainische Volk.

„Ich bin jetzt mit ganzem Herzen bei den Ukrainern“

EM: Wie fühlt es sich für dich an, am Wettbewerb teilzunehmen während dein Land überall auf der Welt im Zentrum der Aufmerksamkeit steht? Beeinflussen dich die Ereignisse in der Ukraine?

Yaremchuk: Ich bin sehr besorgt und verfolge stündlich die Nachrichten. Aber ich denke, das wichtigste für mich ist jetzt, mein Land stolz und ein bisschen fröhlicher zu machen- zumindest für zwei oder drei Stunden. Ich bin jetzt mit ganzem Herzen bei den Ukrainern. Ich hoffe, dass so ein besonderes Musikereignis wie Eurovision jeden daran erinnert, dass wir stärker sind wenn wir zusammenhalten.

EM: Hast du jemals Ruslana, die ehemalige Eurovision-Gewinnerin, getroffen? Sie hat sich ja sehr stark engagiert bei den Protesten in Kiew.

Yaremchuk: Natürlich, ich habe sie das erste Mal 2002 auf dem Musikfestival „Slawjanskij Bazar“ getroffen. Seitdem treffen wir uns ab und zu auf Konzerten und anderen Veranstaltungen. Ich war sehr stolz, als Ruslana 2004 gewonnen hat. Sie war immer eine Inspiration für alle ukrainischen Teilnehmer.

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