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Mißbildungen infolge schlechter technischer Ausrüstung

Weil die Möglichkeiten zur Fruherkennung von Erbkrankheiten mangelhaft sind, ist in Omsk ein Kind mit sechs Fingern und sechs Zehen zur Welt gekommen. Fur Ärzte und Medien ist dieses Defizit seit Jahren ein Tabu. Eine junge Medizinerin will nun mit ihrem eigenen Labor aushelfen.

Von Irina Golenkowa
25.09.2003 Drucken Senden Kommentieren

EM – Entwickelt hat sich das Neugeborene aus einer künstlich befruchteten Eizelle. Das Erbgut, das hier zusammengebracht wurde, hat vorher niemand untersucht. Denn es fehlt in der westsibirischen Zwei-Millionen-Metropole an modernen Geräten für die Untersuchung der DNS, dem Träger menschlicher Gene. Der Skandal wurde vertuscht, die Omsker Massenmedien informieren derweil lieber über die Ausbildung des Personals oder die Erweiterung der Forschung. Der Mangel an moderner Diagnosetechnik im Genbereich bleibt weiterhin Tabu.

Mit der Analyse der DNS-Doppelstränge lassen sich Erbkrankheiten, geistige und körperliche Störungen sowie Vaterschaften bestimmen. Auch können Krankheitsentwicklungen vorausgesagt und durch gezielte Änderung der Lebensgewohnheiten dann sogar vermieden werden. Doch in der größten Industriestadt Westsibiriens haben die Ärzte keine Geräte zur DNS-Diagnose. Die Omsker Labors sind auf Zellforschung ausgerichtet. Die Ärzte dort haben keinen Anschluß an das weltweite Netz und sind so von den Kommunikationsforen ihrer Kollegen ausgeschlossen. Ihre Fortbildungen bezahlen sie selbst von 1700 Rubel Monatslohn, was etwa 50 Euro entspricht.

Krankheitsbilder bleiben oft unbestimmt

Galina Stefanowitsch, Leiterin des Omsker Zentrums für genetische Forschung, weiß, daß ihre Patienten wegen solcher Analysen hunderte Kilometer nach Nowosibirsk oder Tomsk fahren müssen. „Für viele sind diese Zwei-Tages-Reisen finanziell und körperlich unmöglich“, erklärt sie. „So bleiben die Krankheitsbilder oft unbestimmt“.

Galina Stefanowitsch braucht immer wieder junge engagierte Leute, die sich um die Finanzierung ihres Zentrums kümmern. Besonders in Alexandra Pospolit sieht sie einen Hoffnungsschimmer: Die Medizinstudentin sei talentiert und könnte „künftige Omsker Genetikerin“ werden. Gleich nach dem Examen will die gebürtige Omskerin ein nichtstaatliches Familienzentrum einrichten. Auf Basis des vorhandenen Forschungszentrums sollen dort junge Familien ihre Probleme mit Hilfe verschiedener Spezialisten lösen. Neben Chromosomen-Analysten ebnen dort auch Juristen, Psychologen und sogar Astrologen den Weg zum gemeinsamen Familienglück. Doch diese Pläne reichen der engagierten Frau noch nicht. Sie will eine Station zur Rehabilitation von Kindern mit angeborenen Krankheiten eröffnen und außerdem die Einwohner von Omsk für solche Themen sensibilisieren.

„Einige Paare würden die Analyse ihres Erbgutes sogar selbst bezahlen“, erläutert sie. Mit Hilfe solcher Einnahmen sollen wiederum die kostenlosen Analysen sozial schwacher Familien finanzieren. Schon im Herbst wird die künftige Ärztin in das Nowosibirsker ‚Zentrum für gesellschaftliche Initiativen in der Sibirischen Region‘ fahren, um Finanzierungsmöglichkeiten für das Zentrum zu besprechen. Sie hofft, daß sich schon in wenigen Jahren die Situation des Genetikbereichs in Omsk „erheblich verbessern“ wird.

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