Polen: Mit dem Pferdeschlitten durch die Kaschubei - Eurasisches Magazin
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Mit dem Pferdeschlitten durch die Kaschubei

Immer mehr Deutsche entdecken die Kaschubische Schweiz als Wintersportparadies. Nirgendwo lässt es sich romantischer mit dem Pferdeschlitten durch verschneite Wälder fahren. Noch dazu sind die Preise dort moderat: Eine Schlittenfahrt kostet etwa sechs Euro pro Person – inklusive Imbiss und Glühwein.

Von Katarzyna Tuszynska
03.03.2010 Drucken Senden Kommentieren
  Informationen über die Kaschubische Schweiz
  Anreise von Deutschland:
Mit dem Flugzeug von Berlin, Hamburg oder München über Warschau nach Danzig (Lech Walesa Flughafen).
Täglich mit dem Zug von Berlin Hauptbahnhof nach Danzig Hauptbahnhof (Gdansk Glowny). Dann weiter mit dem ZTM Bus (Linie 174) vom Danziger Hauptbahnhof – ca. 15 Kilometer direkt nach Sulmin.
Mit dem Auto von Berlin über Stettin und Slupsk (Stolp) Richtung Danzig. In Danzig weiter Richtung Otomin, dort weiter Richtung Sulmin.

Weitere Informationen und Reservierung:
Pferdeschlittentouren werden von einem Privat-Veranstalter in Sulmin angeboten:
E-mail: stajniauwiktora@wp.pl (Anfragen in Deutsch oder Englisch)
Eine Schlittenfahrt mit Würstchen und Glühwein kostet etwa sechs Euro pro Person.
Tel. +48 58 685 72 81 - Handy.: +48 695 294 526.
Dr. Andrea Schmitz  
Pferdegespann vor der Abfahrt aus dem Ort Sulmin.
(Foto: Katarzyna Tuszynska)
 

E in dichter Wald, vom Schnee gebeugte Bäume und leuchtend weiße Wege: So sieht der kleine Ort Sulmin im Winter oft aus. Auch dann, wenn im nur 15 Kilometer entfernten Danzig wenig Schnee auf den Straßen liegt, herrscht im Hügelland der Kaschubei tiefster Winter. Der Schnee liegt dort oft meterhoch. Das besondere Mikroklima in den kaschubischen Wäldern macht die Kaschubei zu einem Mekka für winterliche Ausflüge mit dem Pferdeschlitten.

Von dem kleinen Hof der Familie Rychert am Waldrand brechen regelmäßig Pferdegespanne auf. Der Kutscher Witek Rychert, ein bulliger Mann mit glühendem Gesicht treibt die beiden kräftigen Pferde an. Sie ziehen einen großen Schlitten, dahinter hängen wiederum bis zu zehn kleinere, und als besondere Attraktion ein prall aufgepumpter schwarzer Traktorreifen.

Mit Fackeln durch die Nacht

Witek Rychert organisiert diese Schlittenfahrten mit Pferden an jedem Wochenende. „Manche Leute suchen auch im Winter nach neuen Attraktionen“, weiß Witek, deshalb bietet er solche Ausflüge auch nach Einbruch der Dämmerung an. Vorne am großen Schlitten hat der Kutscher zwei Fackeln befestigt, die in der kalten Luft flackern. „Wir fahren durch den Wald und die Fackeln beleuchten den Weg“, freuen sich Beata Misan und Ania Usydus, beide aus dem nahegelegenen Danzig. „Das ist stimmungsvoll und lustig zugleich.“ Sie bewerfen sich gegenseitig mit Schneebällen. „Sich gegenseitig putzen“ – so nennen das die Kaschuben.

Die Kaschuben sind eine in Polen offiziell anerkannte Minderheit. Ihre Sprache hat slawische Wurzeln, in diese sind aber im Laufe von Jahrhunderten viele deutsche Wörter eingesickert. Es gibt eigene kaschubische Gymnasien und eigene Traditionen, die seit einigen Jahren wieder liebevoll gepflegt werden. Der Schriftsteller Günther Grass stammt in mütterlicher Linie von Kaschuben ab. Dass auch ihm das Schlittenfahren im Blut lag, weiß man zum Beispiel aus Schilderungen in seinem Buch „Hundejahre“.

Verschlafene Landschaft und alte Bräuche

Die Kaschubei grenzt im Osten an die Hafenstadt Danzig, mit ihren Schwesterstädten Sopot und Gdynia. Die kaschubische Schweiz, ein sanftes Hügelland, gehört dazu, aber auch ein Stück Ostseeküste mit der Halbinsel Hel und der atemberaubenden Dünenwelt des Nationalparks Łeba.

Die verschlafene Landschaft und die kaschubischen Sitten und Bräuche locken auch immer mehr Deutsche an. Zum Beispiel den 26-jährigen Hamburger Peter Dylewski. „Ich saß auf dem großen Traktoren-Schlauch, den zwei Pferde gezogen haben. Alle, die im Schlitten gefahren sind, hatten Probleme, aber ich bin kein einziges Mal runtergefallen“, freut sich Dylewski.

Immer ein Kästchen Schnupftabak dabei

Nach anderthalb Stunden Fahrt durch den winterlichen Wald wärmt man sich an einem Lagerfeuer, während Edyta Rychert, die Frau von Kutscher Witek, heißen Tee und Glühwein serviert. Für besonders Verfrorene gibt es auch Schnaps in kleinen Flaschen. Peter spießt eine saftige polnische Wurst auf einen Stock und brät sie in den Flammen. „Der selbst gemachte Glühwein schmeckt wirklich sehr gut“, sagt er dabei.

Am Lagerfeuer werden dann auch polnische und kaschubische Lieder gesungen. Peter kennt zwar den Text nicht, doch er summt die Melodie mit. Zur kaschubischen Tradition gehört auch das Tabakschnupfen. „Jeder, der hierher kommt, soll wenigstens einmal Tabak schnupfen“, sagen die Gastgeber. Als traditionsbewusster Kaschube hat Kutscher Witek immer ein Kästchen Schnupftabak dabei. „Wer keinen Tabak schnupft, zählt nicht“, heißt es bei den Kaschuben.

*

Die Autorin ist Korrepondentin von n-ost. Das Netzwerk besteht aus über 50 Journalisten in ganz Osteuropa und berichtet regelmäßig für deutschsprachige Medien aus erster Hand zu allen Themenbereichen. Ziel von n-ost ist es, die Wahrnehmung der Länder Mittel- und Osteuropas in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu verbessern. Weitere Informationen unter www.n-ost.de.

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