Moskau ist die teuerste Stadt der WeltRUSSLAND

Moskau ist die teuerste Stadt der Welt

Moskau ist die teuerste Stadt der Welt

Die Studie eines US-Unternehmensberaters bestätigte jetzt, was die Moskauer schon lange wissen und was jeder Besucher der russischen Hauptstadt am eignen Geldbeutel sofort spürt: Moskau ist wahnsinnig teuer, ist derzeit sogar die teuerste Stadt der Welt. Nach dem in New York veröffentlichtem Bericht von Mercer Human Resource Consulting löste die russische Hauptstadt Tokio als teuerste Stadt ab. Japans Hauptstadt liegt jetzt nach Seoul auf Platz drei. Die teuersten europäischen Städte nach Moskau und London (Platz fünf) sind Genf (Platz sieben) und Kopenhagen (Platz acht). Deutsche Städte sind nicht unter den ersten 50 auf der Liste.

Von Ulrich Heyden

V iele deutsche Firmen haben in den letzten Jahren die Zahl ihrer nach Russland entsandten Mitarbeiter gesenkt. Die Stellen wurden durch einheimische Kräfte ersetzt. Zwar gibt es inzwischen eine ausreichende Zahl gut qualifizierter russischer Arbeitskräfte. Der Hauptgrund ist aber ein anderer: Die Preise für Wohnungen, Dienstleistungen und Lebensmittel besserer Qualität haben unermessliche Höhen erreicht.

Für die US-Studie wurden die Preise für 200 verschiedene Posten wie Miete, Verkehrsmittel, Kleidung, Lebensmittel und Unterhaltung verglichen. Ausgewählt wurden allerdings Güter von gehobener Qualität. Die von Mercer Human Resource auf diese Weise ermittelte Städte-Liste soll weltweit tätigen Firmen helfen, die Sonderzulagen für Firmenmitarbeiter bei Einsätzen im Ausland besser zu kalkulieren.

Bildergalerie: Moskau ist die teuerste Stadt der Welt (Fotos: Ulrich Heyden)

Preise für Einfamilienhäuser haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt

Die Gründe für die Preisexplosion in Moskau liegen auf der Hand. Alle Finanzströme des Riesenreichs fließen in der Stadt an der Moskwa zusammen. Das Geschäft mit Öl und Gas hat Milliarden Dollar in die russische Hauptstadt gespült. Und mancher Beamte an einem Knotenpunkt lässt sich seine Dienste durch Schmiergelder extra vergüten. Vor allem die Nachfrage nach teurem Wohnraum ist rasant gestiegen. Die Preise für große Einfamilienhäuser  stiegen der Studie zufolge im vergangenen Jahr sogar um 50 Prozent. Auslöser soll die hohe Nachfrage ausländischer Interessenten gewesen sein.

Wenn eine ausländische Firma in Russland tätig ist, kommt sie – auch wenn sie ihre Hauptaktivitäten in Südrussland hat – um eine Repräsentanz in Moskau nicht herum. Insgesamt sind heute 2.700 deutsche Firmen in Moskau tätig. Sie sind an Gemeinschaftsunternehmen beteiligt, betreiben Filialen oder Repräsentanz-Büros.

Für eine repräsentative Wohnung im Stadtzentrum sind mittlerweile pro Quadratmeter 3.000 Dollar zu zahlen. Nach einer Prognose der „Nowaja Iswestija“ wird sich diese Marke aber bei gleichbleibender Tendenz bald auf 5.000 Dollar erhöhen liegen. In den Elitevierteln im Zentrum liegen die Preise schon jetzt über dieser Marke.

Im „Nautilus“ richtet der toskanische Chefkoch Giovanni Susini an

Wer durch Moskau fährt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Nur noch jedes zehnte Auto ist inländischer Produktion. Fast jedes sechste Auto ist ein Luxuswagen. Besonders beliebt sind Jeeps von Toyota, Chevrolet und Mercedes. Am Steuer der hochbeinigen Kraftstrotzer behält man im Verkehrsgewühl den Überblick. Über drei Millionen Autos sind in der Stadt registriert. Schlaue Leute benutzen tagsüber lieber die Metro.

In der Innenstadt entstehen neben neuen Büros, Banken und Elitewohnungen immer neue Luxusmeilen. Die Zeiten als die besserverdienenden Moskauer ihre „Schmotki“ (Klamotten) im Ausland kauften, sind lange vorbei.

Eine dieser Luxusmeilen liegt am Teatralni Prospekt, nicht weit vom Kreml. Im fünften Stock des „Nautilus“, einem postmodernen Bau aus Glas und Stahl, direkt gegenüber der Zentrale des Inlandgeheimdienstes FSB (früher KGB) lassen sich katzengeschmeidige, langbeinige Blondinen an der Nail-Bar ihre Tatzen feilen und den Rücken massieren. Nach der Schönheitskur lässt man es sich ein Stockwerk tiefer in der „Vinotek Dissident“ gut gehen. Die Gäste können zwischen 200 Weinen wählen, vom einfachen Bordeaux bis zum Chateau Margaux, das Glas für 250 Euro. Damen ohne Kavalier kommen mit Freundin. Es gibt Taube in Rotwein mit Spinat, zubereitet vom toskanischen Chefkoch Giovanni Susini.

Lehre aus den Finanzkrisen der 90er Jahre: das Geld schnell ausgeben

Nach dem Essen kann man auf der Luxusmeile bei tosendem Verkehrslärm Schlendern. Moskauer Mode-Läden sind alle auf aktuellem Stand. Um ein pastellfarbenes Flatterkleid im Stil 20er-Jahre zu kaufen, muss man nicht mehr nach Paris fliegen. In der schlicht-grauen Halle des Bentley-Dealers gleitet der Blick über viertürige Continental in weiß, schwarz und rot. Das Preisschild weist bis auf zwei Stellen hinter dem Komma exakt aus: 244.100,00 Euro.

Die Kinder der Ölmagnaten, Schlagersänger und kräftige junge Burschen, die ihr Geld im Umkreis des russischen Zoll verdienen, kaufen bei Roberto Cavalli. Dort gibt es viel Buntes und Gold, so wie es die Russen mögen. Ein grünes Lederjäckchen für den Herrn bekommt man für 168.000 Rubel (4.800 Euro), ein Lackledertäschchen in Türkis mit Goldkette für die Dame gibt es zum Schnäppchenpreis von 500 Euro.

Wenn die Russen aus den Finanzkrisen der 90er Jahre ein Lehre gezogen haben, dann ist es die: Geld, das man hat, schnell auszugeben. Aber einer gewissen Einkommensgrenze fragt man nicht mehr nach dem Preis. Viele Russen sind stolz, dass sie heute beim Konsum international mithalten können und oft sogar über das im Westen übliche Niveau hinausschießen. 

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Der Autor ist Korrespondent von n-ost. Das Netzwerk besteht aus über 50 Journalisten in ganz Osteuropa und berichtet regelmäßig für deutschsprachige Medien aus erster Hand zu allen Themenbereichen. Ziel von n-ost ist es, die Wahrnehmung der Länder Mittel- und Osteuropas in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu verbessern. Weitere Informationen unter www.n-ost.de.

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