„Old men in new cars“GESEHEN

„Old men in new cars“

„Old men in new cars“

Neues aus Dänemark. Eine chaotische Gangsterbande versetzt das Land in Angst und Schrecken – der Pate liegt im Sterbebett und diktiert seine letzten Wünsche.

Von Hartmut Wagner

Rezension zu „Old men in new cars”  
„Old men in new cars”  

Gefangenenbefreiung, Banküberfall, Flugzeugentführung. Die Truppe, die der Berufsverbrecher Harald um sich geschart hat, müht sich redlich, um Munken, ihrem siechenden Boss, am Leben zu halten. Dazu braucht der Alte aber dringend eine Ersatzleber aus Ekuador. Und das Geld dafür muß erst standesgemäß verdient werden – im Kugelhagel spektakulärer Feuergefechte.

Harald, gerade aus dem Gefängnis entlassen, sucht sich seinen alten Stab an Komplizen zusammen, der ihm an Beschränktheit noch weit überlegen ist. Da wären Martin und Peter, der legale Arm der Verbrecherbande. Sie schmeißen die Küche eines kleinen Restaurants, die gleichzeitig als Räuberhauptquartier dient. Eigentlich backen beide am liebsten Hefezöpfe, doch Harald hat sie für seine Beutezüge fest eingeplant. Zu ihnen gesellt sich Munkens Sohn, ein manischer Frauenmörder, dessen Geistesgröße sich beiläufig in einer eruptiv ausgestoßenen Frage manifestiert: „Hat dich schon mal jemand an der Nase geleckt?“ Er ist hin- und hergerissen, ob er die blonde Mille, die er während des Banküberfalls kennenlernt, beseitigen oder heiraten soll. Mit zunehmender Dauer des Films tendiert er zu letzterem. Komplettiert wird das Fünfer-Team von Vuk, dem närrischen Elektriker, der tagein, tagaus damit zubringt, das flackernde Küchenlicht zu bändigen. Von Harald wird er regelmäßig vermöbelt – bald rammt er ihm das Gesicht in den Geschirrspüler, bald wirft er mit der Mikrowelle nach ihm...

Heikler Humor

Der Humor in der Regiearbeit von Lasse Spang Olsen („In China essen sie Hunde“, 1999) ist stellenweise so düster, daß er höchstens im Film zu verkraften ist. Dann, wenn Bilder und Worte schnell vorbeirauschen. In schriftlicher Form wäre die Szene, in der Munkens Sohn von seinem bisherigen Liebesleben berichtet, eines ganz gewiß nicht – komisch. „Old men in new cars“ lebt von seiner Situationskomik, und nicht jede Witzelei sollte im Nachgang noch mal Revue passiert werden lassen. Jedenfalls nicht auf nüchternen Magen.

Manche Szene erinnert stark an die Kannibalen-Komödie „Dänische Delikatessen“ von Anders Thomas Jensen. In beiden nachtschwarzen Komödien geht alles Übel von einer kleinen Hinterhofküche aus, und je länger der Film andauert, desto höher stapeln sich die Leichen im Kühlraum. Zufall kann das keiner sein. Und tatsächlich – wenn der Abspann über die Leinwand läuft, wird einiges klar. Jensen hat auch an „Old men in new cars“ entscheidend mitgewirkt, wenn auch nur als Drehbuchautor und nicht als Regisseur. Seine Handschrift, insbesondere seine Vorliebe für heiklen Humor ist nicht zu verkennen.

Bleibt noch der Titel. In welchem Verhältnis er zum Filmgeschehen steht, ist eine Frage, die einiges Kopfzerbrechen bereitet. Vorstellbar wäre ja vieles gewesen. „Ich heirate einen Frauenmörder“ oder auch „Harald und die Knusperbäcker“. So aber bleibt der Zuschauer etwas ratlos zurück.

*

„Old men in new cars”

Originaltitel: „Gamle mænd i nye biler“
Dänemark 2002
Regie: Lasse Spang Olsen
Drehbuch: Anders Thomas Jensen
Darsteller: Kim Bodnia, Thomas Villum Jensen, Nikolaj Lie Kaas, Torkel Petersson, Iben Hjejle
Der Film im Netz: Deutsch, Dänisch

Europa Film

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