Opel made in Russia noch mit FragezeichenTECHNOLOGIETRANSFER

Opel made in Russia noch mit Fragezeichen

Noch glauben die meisten Russen nicht so recht, dass aus dem Opel-Kauf wirklich etwas wird. In Nischni Nowgorod, wo Russlands älteste Autofabrik GAZ ihren Sitz hat, demonstriert man jedoch Optimismus. Dort sollen Opel-Modelle vom Band laufen.

Von Ulrich Heyden

D ie Verhandlungen seien „ganz und gar nicht“ einfach gewesen, erklärte der Chef der russischen Sperbank, German Gref. Er hatte zusammen mit Magna-Chef Siegried Wolf und dem Mehrheitsaktionär des russischen Auto-Fabrik GAZ, Oleg Deripaska, am Firmensitz von General Motors in Detroit verhandelt. Allein die Vereinbarung über die Verkaufsabsicht der General Motor-Werke in Europa und Russland habe schon über 1.000 Seiten, erklärte der russische Bank-Chef. Von einer endgültigen Entscheidung von General Motors zugunsten des Opel-Käufer-Konsortiums Magna/Sperbank könne man noch nicht sprechen, so Gref.

Heiß auf Opel-Technologie

Die Moskauer Zeitungen reagierten ziemlich zurückhaltend auf die Nachricht über die Verkaufsabsicht der Opel-Werke. War das Hin und Her in den letzten Monaten zu groß gewesen, oder glauben die Russen nicht, dass es wirklich klappt?  Doch  so schnell  will man sich das Opel-Schnäppchen nicht aus dem Kopf schlagen.  „Wozu braucht Russland dieses ganze Durcheinander?“  fragt rhetorisch das Massenblatt Komsomolskaja Prawda und schiebt die Antwort auch gleich hinterher. „Indem wir Opel kaufen, bekommen wir moderne Auto-Technologie.“

Die Hoffnung auf moderne Autos, ist für Russland ein Grund, für den sich langes Warten lohnt. Seit einigen Jahren schon produzieren ausländische Hersteller wie Ford, Volkswagen und Toyota in Russland. Doch selbst diesen im Land produzierten ausländischen Modellen trauen die Russen nicht so vorbehaltlos, wie dem  „echten Import“. Man fürchtet den bekannten russischen Schlendrian an den Montagebändern. Nachschrauben ist für jeden Lada-Käufer ein Muss. So war die Nachfrage nach Autos aus Japan und Westeuropa bis zur Finanzkrise auf ungeahnte Höhen geklettert. Doch dann brach der russische Automarkt, der weltweit als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte gilt, um 60 Prozent ein.

Veraltete Auto-Giganten

Die beiden großen russischen Autowerke, Gorkowski Awtomobilni Sawod (GAZ) in Nischni Nowgorod und Avtovaz in Togliatti haben es trotz üppiger staatlicher Hilfen bisher nicht geschafft, sich gegen die ausländische Konkurrenz zu behaupten. Seit der Finanzkrise sitzen die beiden Werke auf riesigen Halden unverkaufter Autos. Im Lada-Werk mit seinen 100.000 Mitarbeitern standen dieses Jahr wochenlang die Bänder still auch bei GAZ gibt es Kurzarbeit. Von 40.000 GAZ-Mitarbeitern wurden seit der Finanzkrsie über 10.000 entlassen. Das Autowerk GAZ, welches dem Oligarchen Oleg Deripaska gehört, hat über eine Milliarde Euro Schulden. Doch nun soll es Nutznießer des Opel-Kaufs werden. Das Unternehmen ist selbst an dem Kauf nicht finanziell beteiligt, ist aber von Magna und Sperbank als  „industrieller Partner“ eingeplant.

Autowerke am Staats-Tropf

Die Autofabrik GAZ, die außer einer Lizenzproduktion des Chrysler-Mittelklassewagens Volga Siber heute Kleinbusse und Lastwagen produziert, wurde Anfang der 1930er Jahre mit Hilfe der Ford Motor Company aufgebaut. Bekannt wurde das Unternehmen mit dem stolzen Hirsch im Logo vor allem durch die seit den 1960er Jahren gebaute Funktionärs-Limousine Wolga. Im letzten Jahr wurde Produktion des leicht modernisierten Wolga eingestellt.

Unternehmensbesitzer Oleg Deripaska hoffte der GAZ-Fabrik mit der Lizenzproduktion des Chrysler-Mittelklassewagenneues Leben einhauchen. In zweijähriger Arbeit wurden die Montagebänder in Michigan abgebaut und im Autowerk von Nischni Nowgorod wieder aufgestellt. Doch der Volga Siber, ein imposanter Vierzylinder mit einer Länge von fast fünf Metern, wurde vom Publikum nicht angenommen. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden statt anfänglich geplanter 22.500 Volga Siber nur 445 Exemplare gebaut und auch das nur, weil es einen größeren Staatsauftrag gab.            

Nun kommt die nächste Hoffnung: Opel. Schon im Juni erklärten Vertreter des Werkes, man könne die modernen Fertigungs-Anlagen, die man für den Volga Siber aufgebaut hat, innerhalb von neun Monaten umrüsten und jährlich bis zu 180.000 Opel vom Band laufen lassen. Doch so richtig scheint Niemand an diese Erklärungen zu glauben, denn noch ist unklar, ob Russland wirklich in den Besitz der begehrten Opel-Technologie kommt.

General-Motors will weiter kontrollieren

General Motors will als Opel-Minderheitsaktionär die Technologie des europäischen Unternehmens streng kontrollieren. Bis zu fünf Prozent der Opel-Verkaufserlöse will GM als Lizenz-Gebühr einstreichen, berichtete der Kommersant. Außerdem soll der neue Mehrheitsaktionär seine Produktionspläne mit dem Minderheits-Aktionär General Motors abstimmen. Wie der Analyst Aleksandr Agibalow von AG Capital erklärte, widersprechen diese Einschränkungen den Plänen von Magna und Sperbank, die russische Autoindustrie mit Hilfe der Opel-Technologie zu modernisieren.

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