Porzellanstraße eröffnetTSCHECHIEN

Porzellanstraße eröffnet

Porzellanstraße eröffnet

In Tschechien kann man ab sofort auf den Spuren des „Weißen Goldes“ wandeln. Nach bayerischem Vorbild will auch Böhmen mit einer „Porzellanstraße“ Touristen anlocken. Sie verbindet acht Museen, Manufakturen und Klöster im Karlsbader Raum und präsentiert dabei in opulentem Rahmen Raritäten von Marken mit Weltruf. Zusammen mit dem bayerischen Teilstück bildet sie die erste internationale Porzellanstraße.

Von Beate Franck

Der schön gedeckte Tisch, hier ein Motiv mit Porzellanpuppe aus der Porzellanausstellung auf Schloss Mostov, soll wieder eine Renaissance erleben.  
Der schön gedeckte Tisch, hier ein Motiv mit Porzellanpuppe aus der Porzellanausstellung auf Schloss Mostov, soll wieder eine Renaissance erleben.
(Foto: Beate Franck)
 

D er Liebe zum Porzellan verfielen die Fürsten von Medici ebenso wie der russische Zar und Kaiser Napoleon. Von Böhmen aus gelangte die hohe Kunst der Porzellanherstellung im 18. Jahrhundert nach Bayern. 300 Jahre später werden nun wieder Grenzen überschritten: Auf einer tschechisch-bayerischen Porzellanstraße sollen künftig Touristen die Faszination dieses europäischen Kulturguts erleben können.

In Bayern wirbt man bereits seit sieben Jahren erfolgreich mit der Reise zu den zerbrechlichen Schätzen aus dem „Weißen Gold“. Die tschechische Porzellanstraße ist gerade erst aus der Taufe gehoben worden. Manufakturen, Museen, Klöster und eine Fachschule präsentieren als Allianz an vorerst acht Stationen im Karlsbader Raum Raritäten von Marken mit Weltruf.

Raffinierte Dekors, zierliche Formen

Das idyllisch gelegene Schloss Mostov bei Cheb (Eger) ist der Ausgangspunkt. Der Landsitz beherbergt das Museum der ältesten böhmischen Manufaktur Haas&Czjzek. Über Sokolov (Falkenau), Horni Slavkov (Schlaggenwald), Loket, Karlsbad und Ostrov führt die Route bis Klasterec nad Ohri. Die Besucher können dort die Vielfalt kunstvoller Porzellanmalerei, technisch raffinierter Dekor-Drucke und zierlicher Formen bewundern. So schmückt sich das Museum Karlsbad mit einer Sammlung von Trinkbechern aus dem 18. Jahrhundert, Zeugnis der westböhmischen Bäderkultur. Mit ihren Parkanlagen, der Architektur und Kulturveranstaltungen biete die tschechische Porzellanstraße viele zusätzliche Attraktionen, so Marek Poledniček, der Leiter des Kulturhauses von Ostrov.

Viele einst berühmte Manufakturen wie  Pfeiffer&Löwenstein in Ostrov sind längst untergegangen und leben lediglich in ihren Exponaten weiter. Von ehemals 77 Porzellan-Firmen im Karlsbader Raum sind nur noch sieben übrig. In der Themenstraße sehen die Initiatoren deshalb eine Chance, dem Porzellan wieder zu einer Renaissance zu verhelfen. Denn auch in Tschechien leidet die Branche unter einer veränderten Esskultur und dem Trend zur Billigware.

Tradition des festlich gedeckten Tisches

„Wir müssen investieren, um den Bekanntheitsgrad unserer Marke zu erhöhen“, sagt Zdenek Uliř. Uliř, einer der drei Inhaber von Haas&Czjzek, ist die treibende Kraft hinter dem Projekt Porzellanstraße. Sein Unternehmen, das 1792 in Schlaggenwald von dem Deutschen Johann Georg Paulus gegründet wurde, erlebte genau 200 Jahre später eine Wiedergeburt. Im Sozialismus nur anonymer Teil eines staatlichen Konglomerats, begann die Geschichte der Manufaktur nach ihrer Privatisierung 1992 unter ihrem ursprünglichen Namen wieder neu.
 
Die Macher der tschechischen Porzellanstraße wollen der fast vergessenen Tradition des schön gedeckten Tisches wieder Geltung verschaffen und blicken dabei über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus. Ihr ausdrückliches Ziel ist die intensive Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern.

So soll eine wirklich internationale Porzellanstraße entstehen. „Wir brauchen neue Wege der Vermarktung“, bekräftigt Eva Valjentova von der Karlsbader Regionalbehörde. „Mit diesem Angebot können wir die Bedeutung der Porzellanherstellung in Böhmen wie in Bayern herausstellen.“

Offensive Vermarktung des „Weißen Goldes“

Aufwendige Dekore gehören zu den Markenzeichen böhmischer Porzellanunternehmen.  
Aufwendige Dekore gehören zu den Markenzeichen böhmischer Porzellanunternehmen.
(Foto: Beate Franck)
 

Die Verbindungsachse steht bereits. Von Schloss Mostov ist es schließlich nur ein Katzensprung bis nach Selb, wo mit dem Museumskomplex „Porzellanikon“ das Zentrum der Bayerischen Porzellanstraße liegt. Sie führt auf deutscher Seite 550 Kilometer von Schlüsselfeld bei Bamberg durch Franken und die Oberpfalz bis nach Bayreuth. Mit der offensiven Vermarktung des „Weißen Goldes“ hat man in Bayern gute Erfahrungen gemacht. Über 225.000 Zugriffe hat die Website der Bayerischen Porzellanstraße bereits verzeichnet, Klicks aus Tschechien stehen an zehnter Stelle.

Besonders stolz ist Heinrich Veit vom Verein „Bayerische Porzellanstraße“ darauf, dass die Straße auf Platz fünf der „Traumstraßen Deutschlands“ gewählt wurde. Die bayerische Porzellankönigin könnte, meint Veit, künftig auch in Tschechien werben. Höhepunkt dieses Jahres ist die europäische Ausstellung „Königstraum und Massenware“ in Selb. Von April bis November wird sie die 300-jährige Erfolgsgeschichte des Porzellans erzählen. Mit ersten gemeinsamen Aktionen wird dort auch die tschechisch-bayerische Porzellanstraße auf sich aufmerksam machen.

Inormationen: www.cestaporcelanu.cz und www.porzellanstrasse.de.

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Die Autorin ist Korrespondentin von n-ost. Das Netzwerk besteht aus über 50 Journalisten in ganz Osteuropa und berichtet regelmäßig für deutschsprachige Medien aus erster Hand zu allen Themenbereichen. Ziel von n-ost ist es, die Wahrnehmung der Länder Mittel- und Osteuropas in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu verbessern. Weitere Informationen unter www.n-ost.de.

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