Post für AsienLOGISTIK

Post für Asien

Nirgends wachsen die Geschäfte der Logistik-Unternehmen derzeit schneller als in Asien. Mit Milliarden-Investitionen steigen vor allem Deutsche und Amerikaner in den lukrativen Markt ein. Die Deutsche Post wird im Jahr 2004 erstmals mehr Geschäfte im Ausland abwickeln als auf dem heimischen Markt. Schwerpunkt ist China.

Von Johann von Arnsberg

EM – Je stärker die Wirtschaft der asiatischenLänder wächst, desto wichtiger werden auch gut funktionierende Zustellsystemeauf dem Postweg. Brief- und Paketsendungen, Luftfracht und Expreßdienstesind gefragt wie nie. Sie bilden einen wichtigen Faktor für das reibungsloseZusammenspiel der Wirtschaftsproduktion an den verschiedenen Standorten.

In Asien war das Postwesen bis vor einigen Jahren noch wenig leistungsfähig.Der europäische Teil Eurasiens hatte hier einen Vorsprung, seit im Jahre1490 der spätere Kaiser Maximilian I. den Italiener Franz von Taxis mitder Einrichtung fester Postverbindungen beauftrage. Es war dies die Geburtsstundeder neuzeitlichen Post. In den über 500 Jahren, die seit diesem Erlaß Maximiliansvergangen sind, wurde in den europäischen Ländern die Beförderungstechnikständig weiterentwickelt und perfektioniert.

Die großen Postunternehmen des Westens liefern sich einen harten Konkurrenzkampf

Jetzt haben die großen Postunternehmen des Westens das riesige Entwicklungspotentialdes asiatischen Raumes entdeckt. Die Deutsche Post wird im Jahr 2004, eigenenAngaben zufolge, erstmals mehr Geschäfte im Ausland abwickeln als aufdem heimischen Markt. In China ist sie mit ihrer in den USA erworbenen LogistiktochterDHL - benannt nach den US-Firmengründern Delsy, Hillblom und Lynn - bereitsMarktführer im Expreßgeschäft. Mit Direktverbindungen in 140Länder betreibt die Post das weltweit größte Netz fürden grenzüberschreitenden Briefverkehr.

Die Perspektiven in China sind auf mittlere Sicht weit aussichtsreicher alsin Deutschland. Hier ist das Geschäft mit dem Briefversand, der Haupteinnahmequelleder Post im Inland, seit Jahren rückläufig. Das wirtschaftlich starkwachsende China und der asiatische Raum insgesamt bieten dagegen die Chancezur Expansion.

Mitte Mai hatte Post-Chef Klaus Zumwinkel in der 17-Millionen-Stadt Schanghaigemeinsam mit dem Direktor für Entwicklungsplanung, Zhu Zhao Song, einneues Lagerzentrum für Expreßgüter eröffnet. Die DeutschePost betreibt das Logistikzentrum zwar alleine, die Gewinne fließen aberzur Hälfte an ihren chinesischen Joint-Venture-Partner, das TransportunternehmenZhong Fu. Denn ohne diesen Partner wären die Deutschen nicht in der Lage,auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Zhong Fu beschafft alle notwendigenTransportlizenzen. „Hier laufen 95 Prozent aller Geschäfte nachwie vor über Beziehungen“, erläuterte Zumwinkel gegenüberdeutschen Journalisten.

Die Deutsche Post hat die größten Anteile am chinesischen KonzernSinotrans erworben

Doch der Konkurrenzkampf in Fernost ist hart. Neben der Deutschen Post bauenauch die Konkurrenten aus den USA, United Parcel Service (UPS) und FederalExpress (FedEx) für Milliardensummen Netzwerke auf. Wie sehr umkämpftder lukrative asiatische Wachstumsmarkt ist, läßt sich an Zahlenablesen: Das US-Unternehmen UPS plant in den kommenden Jahren Investitionenvon 1,5 Milliarden Dollar in Asien. Die Deutsche Post will bis zum Jahr 2008rund 1,1 Milliarden Euro in ihr Asiengeschäft stecken. Federal Expresswiederum baut für Millionen Dollar 90 neue Transportverbindungen fürden asiatischen Markt auf.

Am wichtigsten Staatskonzern Chinas im Transportbereich, der Sinotrans, hatdie Deutsche Post bislang fünf Prozent erworben. Sie hält damit dengrößten Anteil eines Ausländers. Der Erzrivale UPS besitztan Sinotrans drei Prozent. Ob die Chinesen eine Ausweitung der im Westen begehrtenBeteiligungen zulassen, ist derzeit offen. „Wenn es die Chance gibt,werden wir eine Erhöhung intensiv prüfen“, sagt Post-LogistikvorstandFrank Appel. Schon bisher reklamieren die Deutschen in diesem Dreikampf inAsien zwischen Post, UPS und Fedex die Spitzenposition für sich. „Wirliegen im Expreßversand mit 40 Prozent gegenüber UPS mit 19 ProzentMarktanteil deutlich vorne“, freut sich DHL-Vorstand Uwe Dörken.

Derzeit sind die Routen von USA nach Asien noch wichtiger als die von Europa

Auf der Flugroute von Nordamerika nach Asien hat das einstige US-UnternehmenDHL nach Übernahme durch die Deutsche Post allerdings Marktanteile anUPS und Fedex verloren. Der für Asien zuständige DHL-Manager JohnMullen sieht aber den Abwärtstrend gestoppt. „Wir holen bereitswieder kräftig auf,“ erklärt er. Dies sei auch unerläßlich,denn die Routen von Nordamerika nach Asien und umgekehrt seien für Expreßversendernoch wichtiger als etwa jene von Europa nach Fernost. Wer in den USA mit seinemhohen Handelsvolumen nicht über große Transportmengen verfüge,könne seine Netzwerke in Asien nicht genug auslasten.

Um diese Abhängigkeiten von den US-Routen zu mildern, baut die Post-TochterDHL aber mit Hochdruck den Versand im chinesischen Inland auf. Gut 60 Stationensind bereits in Betrieb. In Kürze sollen die Hälfte und langfristigsogar 70 Prozent des Versands in China aus dem chinesischen Inland kommen.Hier ist die Deutsche Post den US-Anbietern bereits ein Stück voraus.

Die Deutsche Post hat ihr Asiengeschäft seit Jahren kontinuierlich ausgebaut

Bei den Olympischen Spielen im Jahr 2008 in Peking will die Deutsche Postoffizieller Logistikpartner der Chinesen werden. Die Aussichten stehen nachAuskunft des Konzerns sehr gut. Doch auch unabhängig davon habe die Postin den zurückliegenden Jahren kontinuierlich Milliardenbeträge imReich der Mitte investiert.

Mit ihrem Speditionsunternehmen Danzas, das die Deutsche Post vor fünfJahren kaufte, sei sie im chinesischen Gütertransportwesen als einzigeseuropäisches Unternehmen zugelassen. Danzas besitze die Lizenz zur Beförderungjedweder Güter in dem Riesenreich.

Insgesamt sei die Deutsche Post (320.000 Beschäftigte, und zu 69 Prozentnoch im Besitz des deutschen Staates) schon heute der führende ausländischeAnbieter von Logistikdienstleistungen in China.

Die Investitionsmöglichkeiten ausländischer Logistikkonzerne warenbisher stark eingeschränkt. Sie durften nur einen Minderheitenanteil vonhöchstens 49 Prozent an einem chinesischen Partnerunternehmen erwerben,damit die Kontrolle stets in dessen Händen blieb. Anfang Januar 2003 hates hier eine gravierende Veränderung gegeben. Das chinesische AußenhandelsministeriumMOFTEC erhöhte die Obergrenze für Beteiligungen auf 75 Prozent, sodaß ausländische Investoren künftig auch die Kontrollmehrheiterwerben können. Damit erfüllt Peking seine Verpflichtung gegenüberder Welthandelsorganisation WTO zur Liberalisierung seines Logistikmarktes.

Der Expreßmarkt Chinas soll zum wichtigsten asiatischen Standbein fürdie Deutsche Post werden

In den kommenden fünf Jahren wird der deutsche Postkonzern rund 1.200Transportfahrzeuge für den chinesischen Markt anschaffen, 14 neue Transportfilialenerrichten und damit 2.100 Arbeitsplätze schaffen. Der Expreßmarktder Volksrepublik China soll innerhalb von zwei Jahren zum wichtigsten asiatischenStandbein der Deutschen Post werden. Der Bonner Konzern hatte bereits im Frühjahrdurch die 52,5-Millionen-Euro-Beteiligung seines Expreßdienstes DHL andem staatlichen Paketunternehmen Sinotrans das Fundament für die Zukunftauf dem chinesischen Binnenmarkt gelegt. Mit einem neuen Fünf-Jahres-Investitionsprogrammwird diese Zusammenarbeit jetzt verstärkt.

Da die DHL seit Anfang Mai 2004 weltweit offizieller Logistik-Partner derFormel 1 ist, wird sie auch im September beim Grand-Prix-Rennen in Schanghaiihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen können. Damit steigtautomatisch die Markenbekanntheit der DHL in China weiter. Ein Autorennen derFormel 1 ist in China ein Novum. Ganz Asien wird auf dieses Ereignis blicken.Das hilft der Post-Tochter DHL, neben dem chinesischen auch weitere Zukunftsmärktein Asien zu erschließen.

China Deutschland Wirtschaft

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

  1. Weihnachten in anderen Ländern
  2. Kurden - Geschichte, Kultur und Hintergründe
  3. Schwarzkümmel - Naturheilmittel mit langer Tradition
  4. „Hitler und Tito waren Schulfreunde“
  5. Vegetarismus - Religion der Satten

Eurasien-Ticker