Preisregen für das Hamburger Ballett „Liliom“BOLSCHOI-THEATER

Preisregen für das Hamburger Ballett „Liliom“

Preisregen für das Hamburger Ballett „Liliom“

Gleich drei Preise heimste das Hamburger Ensemble beim Moskauer Wettbewerb „Prix Benois de la Danse“ ein. Paul McCartney ging mit seiner eingereichten Ballett-Komposition dagegen leer aus.

Von Ulrich Heyden

Helene Bouchet und Carsten Jung tanzten beim Gala-Konzert im Bolschoi-Theater.
Helene Bouchet und Carsten Jung tanzten beim Gala-Konzert im Bolschoi-Theater.
(Foto: Heyden)

So viele Ballett-Stars aus aller Welt auf einer Bühne hat das Bolschoi-Theater schon lange nicht mehr gesehen. Immer wenn sich der schwere, golddurchwirkte Vorhang zur Seite schob, tanzten auf der schlicht ausgestatteten Bühne Tänzer und Tänzerinnen der berühmtesten Compagnies aus Paris, Hamburg und New York. Anlass der Gala war die Verleihung von Preisen im Rahmen des „Prix Benois de la Danse“ einen Tag zuvor am gleichen Ort.
Der von dem russischen Choreographen Juri Grigorowitsch initiierte Preis wurde 1992 das erste Mal vergeben und gehört in Moskau zu den großen Kulturereignissen.

Das erste Mal seit vielen Jahren wurde die kleine Preis-Statuette, eine Tänzerin und ein Tänzer, die sich mit ausgebreiteten Armen gegenüber stehen, wieder auf der Haupt-Bühne des Bolschoi-Theaters vergeben.  Erst im Oktober 2011 war Russlands berühmteste Bühne nach einer sechsjährigen Pause wiedereröffnet worden.

John Neumeiers Truppe räumte ab

Das von John Neumeier geleitete „Ballett Hamburg“ räumte bei der Preisverleihung regelrecht ab. Carsten Jung und seine Partnerin Alina Cojocaru wurden für ihre Hauptrollen in dem Ballett Liliom als „bester Tänzer“ und „beste Tänzerin“ ausgezeichnet. Das Stück – im wilden Broadway-Stil – wurde im Dezember letzten Jahres uraufgeführt und spielt in den 1930er Jahren in Amerika, als die Wirtschaftskrise tobte.
   
Den Preis „bester Komponist“ bekam Michel Legran, der die Musik für Liliom schrieb. Sir Paul McCartney hatte für den Prix Benois de la Danse eine Komposition für das New York City Ballett eingereicht, kam aber nicht nach Moskau. Offenbar ahnte der Alt-Beatle schon, dass er nicht zu den Ausgezeichneten gehören würde. Als bester Choreograph wurde Lar Lubovitch aus den USA ausgezeichnet.

Auf dem Gala-Konzert im Bolschoi-Theater tanzte Carsten Jung nicht mit der ausgezeichneten Alina Cojocaru, die wegen eines Auftritts in den USA verhindert war, sondern mit Héléne Bouchet. Die Französin, erste Solistin in Neumeiers Compagnie, tanze „zurückhaltender“ als die Moldauerin Cojocaru, meinte das Blatt Moskowski Nowosti, „dafür aber technischer“. Dass John Neumaier, der das Ballett Liliom extra für Jung und Cojocaru kreiert hatte, auch in der Jury saß, hat sich nach Meinung des Blattes für die Ausgezeichneten „ausgezahlt“.

Das im Oktober 2011 nach seiner Renovierung wiedereröffnete Bolschoi-Theater.
Das im Oktober 2011 nach seiner Renovierung wiedereröffnete Bolschoi-Theater.
(Foto: Heyden)

„Spasibo bolschoje!“

„Spasibo bolschoje!“ Vielen Dank. Diese Worte sagte Hamburger Ballett-Star Carsten Jung fast akzentfrei, nachdem er die kleine Preis-Statuette überreicht bekommen hatte. Jung, der 1975 im thüringischen Gotha geboren wurde, hat in seiner Jugend Russisch gelernt und eine Ausbildung an der Palucca-Tanz-Schule in Dresden absolviert. Seit 1992 lebt er in Hamburg.
Weil sich die Jury nicht entscheiden konnte, wer der „beste Tänzer“ ist, wurde außer Jung auch noch Mathias Heymann von der Pariser Oper als „bester Tänzer“ ausgezeichnet. Ballett und Tanz zu bewerten, sei „unbeschreiblich schwer“, meinte John Neumeier gegenüber Journalisten. Denn es ist kein Sport, wo „alles klar“ sei.
 
Auf der Gala im Bolschoi-Theater dominierte der moderne Tanz. Zu sehen waren als Solisten der Chinese Wang Di aus den USA und Fernando Romero aus Sevilla mit einem Flamenco-Stück. Mit Partnern beziehungsweise  Partnerinnen traten auf der Holländer Rubinald Pronk, Uliana Lopatkina aus St. Petersburg und Marie Angés Gillot aus Paris. Alle genannten Tänzer – außer Pronk – waren in den Vorjahren schon mit dem Prix Benois de la Danse ausgezeichnet worden.

Minuspunkt: Musik vom Tonträger

Das einzige Minus der Veranstaltungen: Die Musik wurde von einem elektronischen Speicher abgespielt. Die Ansagen über die Künstler kamen irgendwo aus dem Off. Für die Zeitung Moskowski Nowosti war das nicht das einzige Minus. Die Preisverleihung hätte wesentlich „lebendiger und lustiger“ sein können, meckerte das Blatt. Aber „in unserem Vaterland meint man, dass je wichtiger das Ereignis ist, desto langweiliger soll es sein.“

Nichtsdestotrotz nutzten viele Moskauer Ballett-Fans den Besuch in ihrem geliebten Theater, um vor den mit frischem Gold verzierten Säulen und in den mit roter Seide bespannten Sälen für ein Erinnerungsfoto zu posieren.

Zum Video von der Preisverleihung: http://www.ria.ru/tv_culture/20120523/655945872.html#riatv/655802489

Und hier Tanzszene auf You Tube: http://www.youtube.com/watch?v=eOzAUU0MSTo

Kultur Russland

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