Putin bastelt an Konkurrenz-Pipelines in SüdeuropaENERGIEVERSORGUNG

Putin bastelt an Konkurrenz-Pipelines in Südeuropa

Russland will sein Monopol bei den Transportrouten für Öl und Gas nicht aufgeben. Mitte März wurde im Beisein von Putin ein Vertrag über die neue „Balkan-Ölpipeline“ via Bulgarien und Griechenland unterzeichnet. Der ungarische Premier liebäugelt unterdessen mit dem Projekt einer neuen russischen Gaspipeline und torpediert damit das Projekt der Nabucco-Gaspipeline, mit der sich die EU aus russischer Abhängigkeit befreien will.

Von Ulrich Heyden

E s gibt wohl nur wenige Metiers, bei denen sich der Kreml-Chef besser auskennt, als bei Energiepolitik und Pipelines. Erst dreht Russland der Ukraine und Weißrussland den Gashahn ab. Nun müht sich der Kreml um das Image des zuverlässigen Energielieferanten und besorgten Umweltschützers.

Im Präsidentenpalast von Athen wurde jetzt ein Vertrag über die so genannte „Balkan-Pipeline“ unterzeichnet, welche das Schwarze Meer mit der Ägäis verbinden soll. Sie soll eine Länge von 285 Kilometern haben und 700 Millionen Euro kosten. Unterzeichnet wurde der Vertrag von den Ministerpräsidenten Bulgariens und Griechenlands, sowie dem russischen Energieminister Viktor Christenko. Putin und sein griechischer Amtskollege Karolos Papoulias wohnten der feierlichen Zeremonie bei. Über die Pipeline wurde seit 1994 verhandelt.

Die „Balkan-Pipeline“ vom bulgarischen Schwarzmeer-Hafen Burgas zum griechischen Mittelmeerhafen Alexandroupolis ist u. a. dafür gedacht, den an die Grenzen ihrer Kapazität angelangten Schwarzmeerengen Bosporus und Dardanellen Entlastung zu verschaffen. Jährlich sollen bis zu 35 Millionen Tonnen Erdöl durch die neue Energieader fließen. Der Baubeginn ist für Ende dieses Jahres vorgesehen. 2011 soll die Pipeline ihren Betrieb aufnehmen.

Nicht nur für russisches Öl

Der Kreml-Chef erklärte, bei dem Projekt gehe es nicht darum, Öl aus anderen Pipelinesystemen umzuleiten, sondern darum, neue Transportkapazitäten zu schaffen. Mit dieser Bemerkung spielte der Kreml-Chef auf die von den USA politisch geförderte Baku-Ceyhan-Pipeline an, die seit 2006 Öl aus dem Kaspischen Raum unter Umgehung des russischen Pipeline-Systems zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan transportiert. Der Kreml-Chef  erklärte, die „Balkan-Pipeline“, an der Russland mit 51 Prozent beteiligt ist, biete nicht nur russischen Exporteuren neue Möglichkeiten, sondern auch „amerikanischen, kasachischen und aserbaidschanischen Gesellschaften“, die Öl in der Kaspischen Region fördern. „Die Realisierung dieses Projekts erhöht nicht nur die Stabilität auf dem Balkan, sondern auf dem weltweiten Energiemarkt“, so der russische Präsident.

Putin gibt den Ökologen

Putin versprach, man werde beim Bau der neuen Pipeline „alles Nötige“ zur Lösung der ökologischen Probleme tun und sich „im höchsten Maß verantwortungsvoll verhalten“. „Wir brauchen es nicht so zu machen wie der König der Ägäis, der sich ins Meer stürzte“, scherzte der Kreml-Chef. Nach der griechischen Sage hatte sich Aigeus – ein mythischer König von Athen – aus Gram ins Meer gestürzt, als der die Nachricht vom Tod seines Sohnes erhielt.

Russland wird sein Öl vom russischen Schwarzmeer-Hafen Noworosisk mit Tankern zum bulgarischen Schwarzmeer-Hafen Burgas transportieren. Von dort fließt das Öl durch die Pipeline bis Alexandroupolis, von wo es wiederum mit Tankern Richtung in europäische Häfen und nach Nordamerika transportiert werden soll.
           
Bulgarien und Griechenland sind mit 49 Prozent an dem Projekt beteiligt. Mehrere Ölgesellschaften, die in der Region des Kaspischen Meeres Öl fördern, haben jedoch bereits Interesse bekundet, Griechenland und Bulgarien Anteile abzukaufen. Ihr Interesse an dem neuen Pipelineprojekt bekundeten die amerikanische Chevron, die kasachische KasMunajGas und die russische TNK-BP.

Ungarn liebäugelt mit russischem Gaspipeline-Projekt

Im Kreml herrscht Hochstimmung, denn für Russland stehen die Karten in diesen Tagen gut. Der ungarische Premier Ferenc Gyurcsany liebäugelt mit einem neuen Pipeline-Projekt von Gasprom. In einem Interview mit der „Herald Tribune“ erklärte der ungarische Premier, die europäische Gas-Pipeline Nabucco mit der unter Umgehung Russlands Gas aus Zentralasien nach Europa transportiert werden soll, sei ein „lang gehegter Traum“. Aber er fügte auch hinzu: “Wir brauchen keine Träume, sondern Projekte.“ Ungarns Regierungschef ist deshalb für eine Verlängerung der Gasprom-Pipeline „BlueStream“ von der Türkei bis nach Ungarn. Hinter „Blue Stream“ stecke „starker Wille und beträchtliche organisatorische Kraft“, erklärte der Premier. Für den Energie-Kommissar Andris Piebalgs von der Europäischen Union ist das keine gute Nachricht. Denn die EU wollte sich mit ihrem Projekt der Nabucco-Gas-Pipeline aus russischer Abhängigkeit befreien. Doch die Absprachen unter den fünf beteiligten Ländern gestalten sich als äußerst schwierig. Und Putin macht inzwischen Nägel mit Köpfen.

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