Putins Geschäfte in IndienRUSSLAND

Putins Geschäfte in Indien

Putins Geschäfte in Indien

Russland hofft auf Milliardenaufträge für Waffen und Atomkraftwerke. Die beiden Länder wollen außerdem gemeinsam Flugzeuge bauen, und Indien soll einen begrenzten Zugang zum russischen satellitengestützten Navigationssystem GLONASS bekommen.

Von Ulrich Heyden

Satellit des russischen Navigationssystems Glonass  
Satellit des russischen Navigationssystems Glonass  

W ladimir Putin war im Rahmen eines zweitägigen Indien-Besuchs Gast bei einer riesigen  Militärparade in Neu-Dehli. Anlass war der „Tag der Republik“. Indien feierte die Verabschiedung der ersten postkolonialen Verfassung vor 57 Jahren. Die Parade glich streckenweise einem Karneval. Soldaten in bunten Kostümen, Elefanten mit Kindern, die Heldentaten vollbracht hatten, Furcht einflößende Raketen und supermoderne Panzer - all das zog in einer langen Kolonne am Kreml-Chef vorbei.

Der Traum von der Dreier-Achse

Putin träumt – wie vor ihm schon andere russische Politiker – von einer Achse Russland-China-Indien. So eine Achse sei logisch, erklärte der Kreml-Chef. Immerhin entfalle auf die drei Staaten und Brasilien in den nächsten Jahren der Hauptanteil des weltweiten Wirtschaftswachstums.

Der russische Präsident setzt große Hoffnungen auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Das Handelsvolumen soll von derzeit 3,8 Milliarden Dollar in den nächsten drei Jahren auf zehn Milliarden Dollar steigen.

Ganz reibungslos läuft es in der gewünschten Achse jedoch nicht. Putin und sein Amtskollege, der indische Ministerpräsident Manmohan Singh, kritisierten den Abschuss des chinesischen Satelliten durch eine ballistische chinesische Rakete. Putin erinnerte jedoch daran, „dass China nicht das erste Land ist, welches solche Tests durchführt.“ Die USA hätten mit ihren Plänen zum „Krieg der Sterne“ schon in den 80er Jahren begonnen. „Der Weltraum muss frei von Waffen sein. Man darf den Gin nicht aus der Flasche lassen, “ erklärte der Kreml-Chef.

Russland baut vier Atomkraftwerke

Im Rahmen des Putin-Besuchs wurde eine Absichtserklärung über den Bau von vier neuen Atomkraftwerken unterzeichnet. Zwei Atomkraftwerke mit 1.000 Megawatt-Reaktoren werden bereits mit russischer Hilfe im südindischen Kudankulam gebaut. Insgesamt plant  Russland in Indien den Bau von zehn neuen AKWs. Der genaue Preis für die vier neuen Reaktoren ist bisher nicht bekannt. Die Angaben schwanken zwischen sechs und zehn Milliarden Dollar.

Der indische Ministerpräsident Singh dankte Russland für die Zusammenarbeit auf dem Energiesektor und erklärte, „wir wollen eine langfristige Partnerschaft mit Russland auf diesem lebenswichtigen Gebiet.“ Russland wird mit dem Bau der AKWs jedoch erst beginnen, wenn  die  internationale Aufsichtsbehörde „Nuclear Suppliers Group“ – in ihr sind 45 Staaten zusammengeschlossen - die Beschränkungen für Indien beim Bezug von atomaren Brennstäben aufhebt. Die Chancen stehen gut, denn auch die USA und Frankreich hoffen auf Aufträge im Atom-Geschäft mit Indien. 

Indien zündete 1974 seine erste Atombombe und hat seitdem über hundert dieser Bomben gebaut. Rosatom-Chef Sergej Kirijenko erklärte jedoch in Neu-Dehli, Indien habe in Bezug auf die Nichtverbreitung von Atomwaffen eine „tadellose Reputation“.

Eine Reihe von Absichtserklärungen

Indien ist für Russland schon seit Jahren ein guter Absatzmarkt für Kampfflugzeuge, Panzer und anderes militärisches Gerät. Bis 2010 hofft Moskau an Neu-Dehli Waffen im Wert von 18 Mrd. Dollar zu verkaufen.

Im Rahmen des Putin-Besuchs wurde vereinbart, dass Indien einen begrenzten Zugang zum russischen satellitengestützten Navigationssystem GLONASS bekommt. Schon jetzt schießen indische Trägerraketen russische Satelliten für das GLONASS-System ins All. Das satellitengestützte System soll in einigen Jahren dem amerikanischen System GPS Konkurrenz machen.

Außerdem wurde zwischen dem russischen Flugzeugbauer Irkut und dem indischen Unternehmen HAL ein Protokoll über die geplante Gemeinschaftsproduktion eines Mehrzweck-Transportflugzeuges unterzeichnet. Insgesamt sollen 200 Maschinen gebaut werden. Indien will sich mit acht Milliarden Dollar an dem Projekt beteiligen.

Ein Vertrag über den gemeinsamen Bau eines Kampfflugzeuges der „fünften Generation“ – es soll ein Gegenstück zur amerikanischen F-35 sein – kam dagegen nicht zustande. Wie ein Mitglied der russischen Delegation gegenüber der Zeitung „Wremja Nowostej“ erklärte, gebe es auf der indischen Seite „bürokratische Verzögerungen“. Man rechne in drei bis fünf Monaten mit einer Vertragsunterzeichnung. Russland will seine Beteiligung an gemeinsamen Projekten mit den indischen Schulden finanzieren. Die Schulden in Höhe von einer Milliarde Dollar stammen noch aus der Zeit der Sowjetunion.

Moskau hofft außerdem auf einen Erfolg bei der Ausschreibung für 126 leichte Kampfflugzeuge. Russland bietet seinen multifunktionalen Kampfbomber MIG-35 an. Der Auftrag hätte einen Umfang von sechs Milliarden Dollar.

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