Reise zu den Wurzeln der menschlichen KulturJORDANIEN

Reise zu den Wurzeln der menschlichen Kultur

Reise zu den Wurzeln der menschlichen Kultur

Das gelobte Land der Bibel liegt im heutigen Jordanien. Hier findet man die ältesten Kulturstätten der Erde. Jahr fur Jahr werden sie von Millionen von Touristen aus aller Welt besucht. Zu Beginn des Krieges der Amerikaner gegen den benachbarten Irak, gingen die Besucherzahlen dramatisch zuruck. Jetzt ziehen sie wieder an. Fur viele ist die Faszination inzwischen wieder größer als die Furcht. Trost fur alle, denen es doch noch zu gefährlich ist: Unter dem Titel „Gesichter des Orients“ werden viele der Schätze ab Herbst 2004 in Berlin und später in Bonn ausgestellt.

Von Eberhart Wagenknecht

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Die Kirche St. Georg in Madaba  

EM – In der Kirche St. Georg von Madaba im nördlichenJordanien erzählt ein wertvolles Fußbodenmosaik aus dem 6. Jahrhundertvom Leben der Fischer auf dem Jordan. Das uralte Kunstwerk zeigt die LandkarteKanaans Es sind Boote und Fische abgebildet, die davon künden, wie fruchtbardas Land einst war. Kanaan nannten die Juden das gelobte Land, in das sie nachihrem Auszug aus Ägypten gekommen waren. Heute ist das Jordantal ausgetrocknet.Der Wasserpegel des Toten Meeres, in das der Fluß mündet, sinktjährlich um 60 Zentimeter. Deshalb hat die palästinensische AutonomiebehördeIsrael, Jordanien und die Weltbank aufgefordert, den Bau eines Kanals zu finanzieren,der innerhalb von drei Jahren über 210 Kilometer hinweg das Tote mit demRoten Meer verbinden soll.

Reisende, die auf dem internationalen Flughafen Queen Alya südlich derjordanischen Hauptstadt Amman landen, sehen aus der flimmernden Hitze Jerichound Jerusalem auftauchen. Die Landschaft ist kahl, aber dennoch von eindringlicherSchönheit. Wenn sich am Morgen nach der Ankunft der Dunst vor der Sonneverzieht, schaut man über das Tote Meer hinaus auf das Westjordanland.Das Gebiet ist 1948 an Jordanien gefallen und 1967 im Sechs-Tage-Krieg vonIsrael erobert worden. Es ist ein Stück verlorenes Land, steinig, bergig,zerklüftet, tot wie das Meer davor.

Die Natur ist zurückhaltend – ihre Botschaft ist Demut

Wer öfter nach Jordanien reist, dürfte kaum umhinkönnen, demGeheimnis dieses Landes nachzuspüren. Ihm wird diese Allgegenwärtigkeitvon Geschichte bewußt werden, von Geschichte und Gelassenheit, von Zurückhaltungund sogar Demut. Die Natur selbst drückt diese Stimmung aus. Auf der Fahrthoch zum Berg Nebo, von dem aus Moses einst in das Gelobte Land blickte, sindnur wenige Grünstreifen zu sehen. Auf dem Hochplateau bei Madaba dominiertheller, glatter Stein mit sanften Kuppen und kleinen Hügeln. Hungrig streckensie sich dem warmen Nachmittagslicht entgegen, das sie in eine honiggelbe Farbetaucht, während die tiefen Senken sich bescheiden im Schatten ducken undfür schwarze Sprenkel sorgen. Eine karge Landschaft, ein steinernes Gesichtohne Schminke, von majaestätischer Schönheit.

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Das Schatzhaus des Pharaos in Petra  

Zwischen senkrecht emporragenden, riesigen Felswänden auf dem Weg nachPetra verhallen die Schritte. Das Licht ist dämmrig, denn in die tiefeingekerbte, fast bedrohlich schmale Schlucht dringt kaum ein Sonnenstrahlvor. Schier endlos windet sich die gigantische Schlucht Siq in immer neuenKurven durch die Felswand. Gemächlich schaukeln Kamele, trotten Esel aufstaubigem, steinigem Pfad durch den Hohlweg

Plötzlich blendet gleißendes Sonnenlicht die Augen. Das Ende derFelsspalte ist erreicht, und was die Blicke sehen, will man im ersten Augenblickkaum glauben. Vor einem erhebt sich unwirklich das in die rote Felswand gemeißelteKhazne Faraun, das Schatzhaus des Pharaos mit seiner auf sechs Säulenruhenden, reich verzierten Fassade.

Die Schönheit des Landes schlug den legendären Lawrence von Arabienin ihren Bann

Der englische Schriftsteller, Archäologe und Leutnant Thomas EdwardLawrence, der im Ersten Weltkrieg für den britischen Geheimdienst eineInvasionsroute von Ägypten nach Damaskus auskundschaftete und dann mitden Arabern hoch zu Kamel gegen die Türken kämpfte, war tief beeindrucktvon der Wüsten-und Felsenlandschaft in Südjordanien. In seinem Tagebuch „Die siebenSäulen der Weisheit“ nennt Lawrence, genannt „Lawrence vonArabien“, das Tal „Rum, das Strahlende“ und die Felsenstadt „Petra,die Erhabene“.

Auch heute noch öffnet sich dem Reisenden der Blick auf ein riesiges,von mächtigen Felswänden gesäumtes Tal. So etwa muß dasLeben hier in Petra ausgesehen haben, als die Nabatäer vor über 2000Jahren die Felsenstadt an der Gewürzstraße von Indien nach Somaliaerbauten. Kaum ein Felsvorsprung, in den nicht ein Tempel, ein Wohnhaus odereine Grabstätte gemeißelt wurde. Die Nabatäer wohnten mit ihrenVerstorbenen in der Stadt. Dies erklärt die Vielzahl der Gräber imOrt. Dazwischen prunkt ein riesiges Amphitheater, das dem Stein ebenfalls abgerungenwurde. Aber auch die Felsen allein wirken wie Kunstwerke mit ihren marmorierten,sich endlos wiederholenden Mustern.

Wunderwerke der Natur verzaubern das Wadi Rum weiter im Süden Jordaniens.Der Weg führt heute allerdings nicht mehr auf Kamelen, sondern im Geländewagenan Steintoren, roten Sanddünen und engen Schluchten vorüber. DieEbene davor ist steinig. Orange- und Rottöne wechseln sich ab. Ein Anblick,der schon Lawrence von Arabien in den Bann zog: „Die einzelnen Massivewaren gekrönt von hochgewölbten Gipfeln, gleich Gruppen von Domkuppeln,nicht so brennend rot wie das übrige Gestein, sondern nur leicht getöntund mehr ins Grau spielend. Damit vollendete sich der Eindruck einer byzantinischenArchitektur um diesen unvergleichlichen Ort, diesen Prozessionsweg, gewaltigerals ihn Phantasie sich vorzustellen vermochte.“

Nicht weniger faszinierend ist die Wüste um das Wadi für den Reisendenvon heute. In einer kaum einen Meter breiten Felsspalte entdecken die Augenwunderschöne naive Zeichnungen: Menschengestalten, Kamele und Giraffen,Schriftzeichen und geometrische Figuren. Es sind Zeugen der Lebensweise undder Religiosität vergangener Zeiten.

Der Süden Jordaniens lebt von der Vielfalt seiner Geschichte. Seit derSchweizer Johann Ludwig Burckhardt die Hauptstadt der Nabatäer 1812 wiederentdeckte.Petra liegt in nördlicher Richtung zwischen Aqaba und Totem Meer, umgebenvon Bergen aus rotem Sandstein, versteckt hinter einem Talkessel. Es ist einerder bekanntesten Orte Jordaniens.

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Salzformationen am Toten Meer  

Mehr als 1000 Jahre war sie verschollen geglaubt. Eine Wunderwelt, in derMenschen wie Ameisen hoch oben zwischen Steingräbern entlang krabbeln,während über den Platz vor der mächtigen Schatzkammer das Schimpfender Souvenirhändler zu hören ist. Es herrscht wieder pralles Lebenin Petra. Der Wüstenkrieg der Amerikaner im benachbarten Irak, der dieMenschen eine Weile fernhielt von den kulturgeschichtlichen Stätten, daswar in der Jahrtausende langen Geschichte nur ein Wimpernschlag.

Berlin und Bonn zeigen die Schätze Jordaniens

Das Alte Museum Berlin wird im Herbst nächsten Jahres – vom 8.Oktober 2004 bis 9. Januar 2005 – Schauplatz einer einmaligen Jordanien-Ausstellung. „Wirzeigen über 700 Exponate aus einem Zeitraum von insgesamt 10.000 Jahren“,verspricht Klaus Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung PreußischerKulturbesitz. Es wird die größte Ausstellung sein, die weltweitjemals über Jordanien gezeigt wurde, genau genommen über die gesamtekulturgeographische Region zu der das Land gehört.

Diese Region gilt als die Wiege der Menschheitskultur. Die drei großenmonotheistischen Weltreligionen – Judentum, Christentum und Islam – sinddort entstanden. Funde aus der Jungsteinzeit und Ausgrabungen erster Hochkulturenverdeutlichen die Zivilisationsprozesse der Welt. Kulturhistoriker sehen Griechenlandals die Wiege der europäisch-abendländischen Gesellschaft an undJordanien als deren Mutter.

Das Königreich Amons, dessen Existenz aus dem Alten Testament überliefertist, König Salomon, die Phönizier, Nebukadnezar und das babylonischeReich. - all dies soll in Berlin mit Exponaten veranschaulicht werden. Jordanienals Hort uralter Zeugnisse der Menschheitskultur soll zugleich eine Entdeckungsreisezu den Wurzeln der Schrift, der Mythen und des Rades sein. Die ältestenStücke stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. Die Schau mit demTitel „Gesichter des Orients“ wird den Ursprung der frühenHochkulturen dokumentieren, die bis zum heutigen Tag das Fundament fürOrient und Okzident darstellen.

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