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„Tagebuch der Aralsee-Expedition 1848/49“ von Aleksej Ivanovic Butakov.

Die Jahre 1848/49 sind für uns Mittel- und Westeuropäer keine Unbekannte. Während sich hier die Monarchen mit dem aufstrebendem Bürgertum, den entflammenden Freiheitsgedanken und somit den Aufständen auseinander setzten mussten, strebte das Zarenreich Russland auf, die Steppengebiete der turanischen Niederung unter sein Joch zu bannen.

Von Jan Balster
01.03.2009 Drucken Senden Kommentieren
„Tagebuch der Aralsee-Expedition 1848/49“ von Aleksej Ivanovič Butakov.  
„Tagebuch der Aralsee-Expedition 1848/49“ von Aleksej Ivanovič Butakov.  

Überall entstanden seinerzeit neue russische Militärstützpunkte. Es galt die Weiten der Steppe und die Hochebenen Zentralasiens, kartografisch, geologisch und militärstrategisch zu erfassen. Dazu gehörte auch jenes, bis dahin unzureichend bekannte, viertgrößte Binnengewässer der Erde, welches die Russen Aralskoje more, Aralmeer nennen.

Mit jener schwierigen Aufgabe wurde der damals erst 32-jährige Oberleutnant Alexej Ivanovič Butakov betraut. Seine seemännische Erfahrung, beruhend auf zwölf Seefernreisen, unter anderem nach Kamtschatka, seine soziale Kompetenz und die Führsprache des russischen Gesandten in Brasilien, Lomonossov, befähigten ihn, dieses Unternehmen zu leiten.

Butakov entdeckte Inseln, die selbst die nomadischen Kasachen noch nie betreten hatten

Seit Beginn der Reise, 25. Juli 1848, mit einer Unterbrechung während der Wintermonate, bis zum Ende, 22. September 1849, führte er Buch, welches weit über ein Schiffslogbuch hinausgeht. Darin vermerkte er nicht nur geografische Vermessungsdaten und landschaftliche Gegebenheiten, er beschrieb gleichzeitig eine reiche Tier- und Pflanzenwelt. Mehrmals kreuzte er über den Aralsee zwischen den über 100 Meter hoch gelegenen Ust-Kut-Plateau mit seiner Steilküste im Westen, den Zuflüssen Syr-dar’ja im Osten und dem Delta des Amu-dar’ja im Süden. Er entdeckte Inseln, die selbst die nomadischen Kasachen noch nie betreten hatten und betrieb geologische Untersuchungen in Ufernähe. Ebenso blieben Randnotizen zur Frischwasserversorgung der Mannschaft, was bei einer Schifffahrt ungewöhnlich erscheint, nicht im Verborgenen.

Eine Reise, die so nie wiederholt werden kann

Max-Rainer Uhrig hat dieses Tagebuch der ersten großen Aralseeexpedition erstmals ins Deutsche übersetzt. Eine einzigartige Reise, welche so nie mehr wiederholt werden kann. Aufwendig recherchierte er in Archiven in Taschkent, sammelte unzählige Werke für seine private Bibliothek. Uhrig vollzog die Reise Butakovs, soweit es ihm möglich war, auf alten Landkarten nach, korrigierte geografische Angaben des Tagebuchschreibers und versah dessen Aufzeichnungen mit einer umfangreichen Dokumentation sowie einem Literaturverzeichnis. Somit zählt das „Tagebuch der Aralsee-Expedition 1848/49“ zu den Grundlagen einer jeden Aralseeforschung. Nicht nur dafür, selbst für Umwelt-, Klima- und Sozialforscher ist dieses Werk eine Fundgrube. Es gibt zwar auf unserer Erde viele umweltbedingte Veränderungen, ob positive oder negative, ob von Menschenhand oder durch Naturkatastrophen. Jedoch nur wenige Regionen können detaillierte Vorher-, Nachher-Ergebnisse liefern wie die nüchternen Aufzeichnungen und sachlichen Betrachtungen des Oberleutnants Butakovs über den Aralsee.

*

Rezension zu „Tagebuch der Aralsee-Expedition 1848/49“ von Aleksej Ivanovič Butakov, übersetzt und herausgegeben von Max-Rainer Uhrig, Edition Buran, 2008,  16,90 Euro, ISBN: 978-3-00-025187-0.

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