Riesenrad der Superlative mitten im Akademiker-ViertelMOSKAU

Riesenrad der Superlative mitten im Akademiker-Viertel

Mit aller Macht will Moskau zum Touristen-Magnet werden. Geplant ist der Bau des welthöchsten Riesenrades mit 220 Meter Höhe.

Von Ulrich Heyden

B is zur Winter-Olympiade 2014 soll in Moskau das mit 220 Meter Höhe größte Riesenrad der Welt gebaut werden. Das sei möglich, wenn die Stadt das von der Moskauer Firma „Group 12“ vorgestellte Projekt tatkräftig unterstütze, erklärte Firmenvertreter Vitali Kusnezow gegenüber der Iswestija. Die Pläne für das Mega-Projekt „Moscow View“ gehen auf einen entsprechenden Beschluss der Stadtverwaltung aus dem Jahre 2002 zurück und sollen nun realisiert werden, berichtete der Kommersant.

Ein Rad ohne Speichen

Die architektonische Grundidee des Projektes „Moscow View“ sind zwei Kreise, einmal ein Riesenrad ohne Speichen, sowie ein kreisförmiges Gebäude am Boden, in dem Restaurants, Läden und eine Standesamt untergebracht sein sollen. Zu dem Ensemble gehört auch eine 320 Meter hohe Spindel. Die 48 Besucher-Kabinen fahren auf der Innenseite des Riesenrades auf speziellen Verankerungen in die Höhe. 

Hoffnung auf Touristen-Ströme

Die Baukosten von 300 Millionen Dollar sollen sich nach den Plänen der Stadtverwaltung schon bald auszahlen, wenn wie geplant nicht vier sondern sieben Millionen Touristen jährlich nach Moskau kommen. Dafür will die Stadt ein finanzstarkes Tourismus-Programm auflegen.

Das Projekt „Moscow View“ wurde von dem in San Franzisco beheimateten Architektenbüro Gensler entwickelt, welches auch den noch im Bau befindlichen Shanghai Tower (632 Meter) entworfen hat. Ob das Projekt angenommen wird, soll über eine Ausschreibung entschieden werden.

Kaum wurde die erste Projekt-Skizze im Internet veröffentlicht gab es allerdings schon Proteste von Denkmal-Schützern. Denn die Firma „Group 12“ will das Mega-Riesenrad am Vernadski-Prospekt bauen. Der Prospekt liegt in einem gutsituierten Wohngebiet, südlich des Stadtzentrums, nicht weit von der berühmten Lomonossow-Universität. Die Häuser in dem Wohnbezirk wurden in den 1950er Jahren für Akademiker gebaut und werden heute in der obersten Preisklasse verkauft.

Streit um Standort

Die Stadtverwaltung hat sich jedoch noch nicht entschieden wo das Riesenrad nun endgültig stehen, wie von der „Group 12“ vorgeschlagen, südlich des Stadtzentrums in Uni-Nähe, im legendären Gorki-Park direkt im Stadtzentrum oder im WWZ-Ausstellungsgelände im Norden der Stadt.

Vertreter des Moskauer Architekten-Rates, der den Bürgermeister berät, sprachen sich kategorisch gegen den Bau des Riesenrades am Vernadski-Prospekt aus. Das Riesenrad wäre eine „Katastrophe“, für den Wohnbezirk, erklärte Präsidiumsmitglied Aleksej Klimenko. Zum einen würde das Riesenrad das gewachsene Wohngebiet zerstören, zum anderen seien die Bewohner des Bezirks bei starken Winden einer realen Gefahr ausgesetzt. Überhaupt sei Moskau nicht geeignet für Mega-Riesenräder, denn im Gegensatz zu New York habe Moskau zu wenig hohe Gebäude, die man aus der Luft bestaunen könne.

Hier geht’s zur Projektskizze: www.moscowview.ru

Russland Wirtschaft

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