Russische Raketen für iranische SatellitenMITTLERER OSTEN

Russische Raketen für iranische Satelliten

Russische Raketen für iranische Satelliten

Teheran will seine ersten Aufklärungssatelliten vom russischen Territorium aus in die Erdumlaufbahn schießen.

Von Ulrich Heyden

Die russische Trägerrakete Kosmos-3M  
Die russische Trägerrakete Kosmos-3M  

Rußland hilft dem Iran, seine ersten Satelliten ins All zu bringen. Andere Länder haben aus Angst vor US-Sanktionen ihre Hilfe für derartige Projekt zurückgezogen, berichtete die Moskauer Zeitung „Kommersant“.

Daß die iranischen Satelliten nun mit russischen Raketen ins All befördert werden sollen, wird das Verhältnis zwischen Moskau und Washington weiter abkühlen. Doch Rußland würde einen hohen politischen Preis für die Wiederholung der Ereignisse im Irak zahlen, heißt es in einem Kommentar der regierungsnahen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. „Blind stellen“ könne sich Rußland gegenüber den US-Sanktionen gegen den Iran nicht, sonst würde es sich mit einer untergeordneten Rolle in der Welt abfinden.

Von Plesezk ins Universum

Wie der „Kommersant“ berichtete, hat der russische Ministerpräsident Michail Fradkow eine Anordnung erlassen, welche es dem Moskauer Verteidigungsministerium erlaubt, die beiden ersten iranischen Aufklärungssatelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen. Dazu sollen die Satelliten „Mesbah“ und „Sinah-1“ auf dem nordrussischen Weltraumbahnhof Plesezk (Gebiet Archangelsk) auf Trägerraketen vom Typ Kosmos-3M montiert werden.

Wie der stellvertretende iranische Minister für Telekommunikation Hassan Shafti gegenüber der Nachrichtenagentur IRNA mitteilte, wurde „Mesbah“ im Iran hergestellt. Dabei habe man sich auf ausländische Technologie gestützt. Der Start des Satelliten, der nach iranischen Angaben zur Wetterbeobachtung und der Suche nach Bodenschätzen eingesetzt werden soll, ist für das zweite Quartal dieses Jahres geplant. Während das Projekt „Mesbah“ laut Shafti zehn Millionen Dollar kostete, gab der Minister den Preis des zweiten, kleineren Satelliten „Sinah-1“ mit 44 Millionen Dollar an. Sinah-1 wird zur Zeit in Kooperation mit China und Thailand gebaut und soll im nächsten Jahr starten.

Bereits im Januar 2003 hatten Äußerungen des iranischen Verteidigungsministers Ali Schamchani für internationales Aufsehen gesorgt. Der Minister hatte angekündigt, der Iran werde das erste islamische Land sein, welches mit eigenen Raketen in die Stratosphäre vordringe. Der Start eines eigenen Satelliten sei die Antwort auf das Verhalten der USA, welche die Islamische Republik Iran vom Persischen Golf aus bedrohten. Schon damals gingen viele Beobachter sowohl in Washington als auch in Teheran davon aus, daß der Iran das nächste militärische Ziel der USA sein werde. Das iranische Raketenprogramm und das im Bau befindliche iranische Atomkraftwerk wurden zum Hauptstreitpunkt mit den USA.

Im Schutze des Kremls

Wie das Moskauer Blatt berichtete, hatten Italien, China, die Mongolei, Pakistan und Thailand dem Mullahregime in Teheran bei der Vorbereitung der Satelliten-Starts geholfen. Im Februar 2003 unterzeichnete der Iran einen Vertrag über den Bau des „Mesbah“-Satelliten mit der italienischen Firma Carlo Gavazzi Space. Doch offensichtlich haben sich mehrere Länder wieder zurückgezogen. Nun bietet sich Rußland als Startplatz an und erhöht damit gleichzeitig seine politische Rolle im Mittleren Osten.

Der Iran arbeitet seit Mitte der 80er Jahre an eigenen Raketen. Die iranischen Shihab-Raketen, mit denen Teheran seine Satelliten eigentlich in den Weltraum schießen wollte, wurden nach chinesischem und nordkoreanischem Vorbild gebaut. Angesichts der US-amerikanischen Drohungen hat der Iran aber offensichtlich umdisponiert. Die Übereinkunft zwischen Teheran und Moskau, die Satelliten von russischem Territorium aus und mit russischen Raketen ins All zu befördern, stellt das iranische Technologie-Projekt faktisch unter den Schutz des Kremls.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Rußland im Weltraumbereich erstreckt sich nicht nur auf den Start, sondern auch auf den Bau von Satelliten. Ende letzter Woche unterzeichneten die iranische „Telecommunication Company“, das russische Weltraumunternehmen „Roskosmos“ und „Russian Aviaexport“ in Teheran ein Abkommen über den Bau und den Start des iranischen Telekommunikations-Satelliten „Zohreh“ (Venus). Der Satellit soll in einem Forschungsinstitut im sibirischen Krasnojarsk gebaut und in zweieinhalb Jahren mit einer russischen Sojus-U-Trägerrakete in den Weltraum geschossen werden. Die Kosten hierfür sind auf 132 Millionen Dollar veranschlagt. Wie der stellvertretende „Roskosmos“-Chef Georgi Polischtschuk erklärte, werden Frankreich und Deutschland sich an der Ausrüstung des „rein zivilen“ Satelliten beteiligen.

Orient Russland

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