Russlands ungelöste Probleme kochen hochKOMMENTAR

Russlands ungelöste Probleme kochen hoch

Von Ulrich Heyden

A n Panik verfallen die Russen nach dem Bombenanschlag auf den Schnellzug Moskau - St. Petersburg nicht. Seit dem Tschetschenien-Krieg hat man sich an Bombenanschläge von kaukasischen Terroristen gewöhnt. Aber: Russlands Bürger zweifeln immer mehr an der Arbeit der Polizei, die kaum Sicherheit bringt. Russische Polizisten mit einem Monatsgehalt von 350 Euro beschweren sich neuerdings via YouTube über Korruption, zu der sie von ihren Vorgesetzten gezwungen werden.

Der Anschlag gegen den Newski-Express zeigt: Die inneren Probleme Russlands - Stichworte: Tschetschenien, Korruption und Rechtsradikalismus - gehen auch Deutschland etwas an. Denn unsere beiden Länder sind schon jetzt eng miteinander verbunden. Ab dem 18. Dezember sollte der von der Firma Siemens gelieferte ICE „Sapsan“ („Wanderfalke“) auf der Strecke Moskau-St. Petersburg seinen Betrieb aufnehmen. Doch passen solche empfindlichen Technologie-Projekte in die russische Realität? Zweifel sind da angebracht.

Trotz Putins Versprechungen, den Nordkaukasus zu befrieden, köchelt in Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan seit Jahren ein Bürgerkrieg auf kleiner Flamme. Erst im August hatte ein Selbstmordattentäter im inguschetischen Nasran das Polizeihauptquartier der nordkaukasischen Stadt in die Luft gesprengt. Dmitri Medwedjew müsste Russlands innere Probleme viel entschiedener angehen als sein Vorgänger.

Siehe auch: Im Sicherheitsapparat gärt es.

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Ulrich Heyden arbeitet als freier Korrespondent und Buchautor in Moskau. Sein neuestes Werk, das er zusammen mit der Journalistin Ute Weinmann verfasst hat, trägt den Titel: "Opposition gegen das System Putin" und ist im Züricher Rotpunkt-Verlag erschienen. Das EM bringt in der nächsten Ausgabe eine ausführliche Rezension.

Russland

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