Ist das nur prinzipienloser Pragmatismus? So wie Deutschlands Haltung ein Verrat an den westlichen Werten, ein Verspielen des politischen Kapitals, eine Ermutigung für Saddam Hussein, ja, gar eine Steigerung der Kriegsgefahr, statt deren Beseitigung ist? Und Chinas Position? Blanker Opportunismus und "Ohne mich"-Isolationismus?
Nichts dergleichen: In der Konstellation Deutschland/Frankreich/Belgien, Rußland, China, die sich dem offenen Kriegskurs der USA entgegenstellen, tritt die real bereits existierende neue Weltordnung erstmals offen in Erscheinung - unbeholfen noch wie im Fall der Europäer, abwägend bei den Russen und zurückhaltend bei den Chinesen. Aber doch eindeutig! Sie ist kein "Block", keine "Achse", keine bilaterale Lagerbildung gegen die USA, sie zielt auf die Einbindung der USA in die plurale Machtkonstellation, die aus dem Zerfall der bipolaren Welt hervorgegangen ist. Wer sich in diese neue Ordnung fügt, hat die Sympathie der Staaten und Völker, die im letzten Jahrhundert nicht zu den herrschenden gehörten, jetzt aber teilhaben wollen an der Gestaltung der Welt, auf seiner Seite. Entlang dieser Linie ist die terroristische Bedrohung abzubauen. Sie ist ja letztlich nichts anderes als die irrationale Revolte gegen die Reste der alten europäischen Kolonialordnung, vor allem aber gegen deren Globalisierung durch die USA. Auch die USA können von einer pluralen Neuordnung langfristig nur gewinnen, denn als "einzige Weltmacht" sind sie absolut überfordert. Es sieht allerdings so aus, als ob die Bush-Administration nicht in der Lage ist, das zu erkennen.
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