Starkes Wirtschaftswachstum und hohe ausländische InvestitionenOSTEUROPA

Starkes Wirtschaftswachstum und hohe ausländische Investitionen

Die östlichen Regionen Europas bis hin zu den GUS-Ländern haben sich 2004 positiv entwickelt. Ausländisches Kapital für weitere Investitionen steht bereit.

Von Johann von Arnsberg

Bei der Jahrestagung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) Ende Mai in Belgrad wurde eine äußerst positive Entwicklung der Wirtschaft in Osteuropa konstatiert. Die Wachstumsaussichten in der von der EBRD geförderten Region, die vom Baltikum über Zentral- und Südosteuropa und die GUS-Länder bis nach Zentralasien reicht, seien im laufenden Jahr 2005 als sehr stabil anzusehen. Im Baltikum und Osteuropa rechnet die Bank mit einem Wirtschaftswachstum von 4,7 Prozent. In Polen, Tschechien und Ungarn müßten allerdings die Risiken hoher Haushaltsdefizite beseitigt werden, mahnt die Bank gleichzeitig. Südosteuropa mit Rumänien, Bulgarien und dem westlichen Balkan könnte mit knapp fünf Prozent Wachstum rechnen.

Die ausländischen Direktinvestitionen in Südosteuropa haben dem Bericht der Bank zufolge mit 9,8 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchstwert erreicht. Dies sei vor allem der Zugkraft einer erwarteten EU-Mitgliedschaft in Rumänien, Bulgarien und Kroatien zuzuschreiben. In Albanien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien seien die Investitionen allerdings hinter den Erwartungen zurückgeblieben, in Serbien und Montenegro sogar ganz erheblich.

200 Millionen Euro Kredit für serbische Straßen

Für Serbien wird die EBRD im nächsten Jahr einen Kredit von mindestens 200 Millionen Euro für den Bau von Straßen und die Verbesserung des Bankenwesens genehmigen. Hochrangige Vertreter der Bank lobten den wirtschaftlichen Fortschritt der Region, drängten aber auch zu weiteren Schritten. In ihrem Entwicklungsbericht richtete die EBRD einen Appell an die Vertreter der einzelnen Länder. Darin hieß es: „Wachsende politische Stabilität und weitere Integration durch Handel zwischen den Balkanstaaten können helfen, die Region mittelfristig für Investoren attraktiver zu machen.“

Laut der in London ansässigen Entwicklungsbank sind die Länder Südosteuropas deutlich anfälliger für Schwankungen im Kapitalzufluß durch globale Investoren als die mittel- und osteuropäischen Staaten, die mittlerweile Mitglieder der EU sind. In diesem Jahr werde für die Balkanstaaten, deren Wirtschaft im vergangenen Jahr noch um 6,4 Prozent wuchs, das Wachstum auf 4,9 Prozent zurückgehen.

Erste ermutigende Anzeichen regionaler Kooperation

Die Fachleute der Entwicklungsbank ließen keinen Zweifel aufkommen, daß Südosteuropa alles daransetzen müsse, das Interesse ausländischer Investoren an der Region zu wecken. Nur über einen dauerhaften Kapitalzufluß könnten die stark erhöhten Leistungsbilanzdefizite finanziert werden. Vor allem in den Staaten des westlichen Balkans reichen die Kapitalzuwendungen aus staatlichen Quellen und die Überweisungen der im Ausland arbeitenden Serben, Bosnier und Mazedonier nicht aus, um die Löcher in der Handels- und Dienstleistungsbilanz zu stopfen.

Es gebe erste ermutigende Anzeichen regionaler Kooperation, so etwa in bilateralen Freihandelsabkommen oder dem gerade abgeschlossenen gemeinsamen Energiemarkt. Diese Beispiele müßten allerdings weiter vermehrt werden, damit Investoren den südosteuropäischen Markt von 55 Millionen Einwohnern als Gesamtmarkt wahrnehmen würden. In Rumänien und Bulgarien wachse das Interesse der Investoren dank des bevorstehenden EU-Beitritts und der deutlich verbesserten Wirtschaftspolitik der nationalen Regierungen derzeit am stärksten.

Hohes Wachstum im abgelaufenen Jahr

Die Staaten Mittel- und Osteuropas und einige zentralasiatische Länder haben 2004 mit durchschnittlich 6,5 Prozent das höchste Wirtschaftswachstum seit dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt, heißt es im Jahresbericht der EBRD. Auf Rekordhöhe seien im abgelaufenen Jahr auch die ausländischen Direktinvestitionen geklettert. Von diesem Kapitalzufluß, der insgesamt 34 Milliarden Dollar betragen habe, hätten allerdings vornehmlich die neuen EU-Mitglieder profitiert. Daneben seien es vor allem Rußland und die energiereichen Staaten in Zentralasien gewesen, die ausländisches Kapital angezogen hätten.

2005 wird die mittel- und osteuropäische Region den Wachstumserfolg des letzten Jahres nicht ganz wiederholen können, da sich das internationale Wirtschaftsklima, hier vor allem das Wachstum im Euro-Raum, abkühlen dürfte. Die EBRD rechnet aber immer noch mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich 5,2 Prozent. Die Bank lobt die andauernde wirtschaftliche Dynamik der Region, die durch robuste heimische Nachfrage und relativ hohes Kreditwachstum gespeist werde. Das erfreuliche Wirtschaftswachstum sei auch das Ergebnis erfolgreicher Strukturreformen, die die meisten Staaten während der vergangenen Jahre durchgeführt haben, meint der Chefökonom der EBRD, Willem Buiter.

25 Milliarden Euro in Entwicklungsprojekte Osteuropas investiert

Die EBRD war 1991 gegründet worden, um den ehemaligen kommunistischen Ländern Mittel- und Osteuropas beim Übergang zur Demokratie und Marktwirtschaft zu helfen. Bis heute hat die Bank 25 Milliarden Euro in Entwicklungsprojekte in der Region investiert und zusätzliches privates Kapital in Höhe von 78 Milliarden Euro mobilisiert.

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