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Stichwort Tibet

Eine kurzer Überblick der Geschichte Tibets

Von EM Redaktion

D as tibetische Hochland umfasst im Süden den größten Teil des Himalaya-Gebirges. Es erreicht eine durchschnittliche Höhe von 4.500 Metern. Wegen der höchsten Achttausender, die hier aufragen, nennt man es auch das Dach der Welt.

Tibet war in historischen Zeiten (etwa zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert n. Chr.) ein mächtiges Königreich. 1240 ging seine Glanzzeit zu Ende, es wurde durch den mongolischen Khan Güyük erobert und in das Reich der Mongolen eingegliedert.

Der Dalai Lama  als oberster Lehrer gilt als das Oberhaupt der Tibeter, aber sein Einfluss ist historisch gesehen höchst unterschiedlich. Er wird als menschliche Manifestation einer göttlichen Wesenheit - Avalokiteshvara -  des Gelugpa-Ordens angesehen, dessen Amtsnachfolge durch Reinkarnation gewährleistet wird.

Der  Machtbereich Tibets erstreckte sich zur Zeit des 5. Dalai Lamas (1617 – 1682) bis weit nach Osttibet hinein, umfasste jedoch nie mehr den gesamten tibetisch besiedelten Raum wie zur Zeit der Yarlung-Dynastie (7. bis 9. Jahrhundert). Vor allem das Gebiet Amdo unterstand keiner der Lhasa-Regierungen unter den Dalai Lamas, auch wenn der ihm nahe stehende Gelugpa-Orden dort mächtige Klosterzentren errichtete.

Im 19. Jahrhundert beherrschen große Klöster das Land

Im frühen 18. Jahrhundert trat das benachbarte China auf den Plan. Das Reich der Mitte nahm sich das Recht, bevollmächtigte chinesische Regierungsvertreter (so genannte Amban) in der Hauptstadt Lhasa zu stationieren. Als die Tibeter im Jahr 1750 dagegen rebellierten und den chinesischen Repräsentanten töteten, marschierte China mit Truppen ein und installierte einen neuen Regierungsvertreter. Die Regierungsarbeit wurde nach wie vor von tibetischen Kräften gestaltet.

Bis zum 19. Jahrhundert entwickelte sich in Tibet ein feudales System unter den herrschenden Lamas, den buddhistischen religiösen Meistern. Der Klerus beherrschte das Land durch mächtige Klöster. Sie besaßen den größten Teil des Grundbesitzes, bestimmten das Bildungssystem, die Wirtschaft und zogen Steuern und Abgaben ein.

China bekommt die Oberhoheit über Tibet

1904, zu Beginn des „Great Game“ zwischen Russland und Großbritannien, kamen die Briten dem befürchteten Einmarsch der Russen  zuvor und entsandten ein Expeditionskorps. Es erreichte nach kurzen Kämpfen gegen die schlecht ausgestattete tibetische Armee die Hauptstadt Lhasa und nahm sie in Besitz. Tibet wurde quasi  kurzfristig ein britisches Protektorat.

1907 wurde in einem Abkommen zwischen England, China und Russland der Regierung in Peking die Oberhoheit über das Schneeland Tibet zugesprochen. 1910 schickten die Chinesen eine eigene militärische Expedition, um diesen Anspruch zu festigen. Der Dalai Lama floh nach Indien.

1911, nach der chinesischen Revolution und dem Sturz des Kaisers verließen die chinesischen Truppen Tibet. Der Dalai Lama kehrte 1912 unter dem Schutz der Engländer zurück, die fortan großen Einfluss in Tibet ausübten. 1913 zog der Dalai Lama in Lhasa ein. Drei Wochen danach erklärte er die Unabhängigkeit Tibets. Damals wurde auch die Flagge Tibets nach dem Vorbild einer Armeefahne entworfen.

China gab seinen Anspruch auf Tibet nie auf. Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und Gründung der Volksrepublik China unter Führung von Mao Zedong im Oktober 1949 stand die „Befreiung“ Tibets vom „britischen, imperialistischen Joch“ durch Chinas Volksbefreiungsarmee sofort auf der Agenda. Im Oktober 1950 erreichten Chinas Truppen die tibetische Stadt Chamdo, wo sie nur auf minimalen Widerstand durch die schlecht ausgerüstete tibetische Armee traf. Einen Monat nach der Kapitulation der Armee in Osttibet durch den Gouverneur von Kham, Ngabo Ngawang Jigme, übernahm in Lhasa im Alter von 15 Jahren, drei Jahre früher als üblich, der gegenwärtige 14. Dalai Lama die Regierung Tibets.

Im Abkommen von 1951 wird die Eingliederung nach China vereinbart

Nach Aufnahme von Verhandlungen mit China unterzeichneten Repräsentanten der tibetischen Regierung am 23. Mai 1951 ein Abkommen, in dem die Integration Tibets in das Territorium der Volksrepublik China festgelegt wurde.

Die kommunistische Partei versuchte, durch Landreformen und die Errichtung von Volkskommunen das Sesshaftwerden der Nomaden durchzusetzen. Dadurch entstanden immer wieder Unruhen. Ab 1955 kam es in den osttibetischen Regionen zu vermehrtem Widerstand, der 1958 in einem Aufstand gipfelte und blutig niedergeschlagen wurde. 1959 brach unter dem mittlerweile erwachsenen Dalai Lama in Lhasa erneut ein Aufstand aus. Als Chinas Truppen auch diese Rebellion gewaltsam beendeten, floh der Dalai Lama am 17. März 1959 nach Indien. Die Roten Garden Chinas zerstörten in der Zeit der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 mehrere tausend Klöster und andere Kulturdenkmäler. Es kam in der Folgezeit zu Guerilla-Aktivitäten, die vor allem aus dem Exil initiiert und durch die CIA finanziert wurden. Deren Unterstützung der tibetischen Guerilla wurde mit Annäherung der USA an China seit dem Nixon-Besuch in Peking 1971 eingestellt. Ab 1987 kam es insbesondere in Lhasa erneut zu Unruhen, zuletzt im März 2008.

Der überwiegende Teil der tibetischen Bevölkerung arbeitet auch heute noch in der Landwirtschaft. Bauern und Hirten machen über 80 Prozent der tibetischen Bevölkerung aus. In ökonomischer Hinsicht gibt es eine durchaus erfolgreiche chinesische Entwicklungspolitik in Tibet, die jedoch kulturelle Belange oft zu wenig und politische Mitsprache so gut wie gar nicht berücksichtigt.

Da es auch in tibetischen Steppenregionen zu einem merklichen Bevölkerungswachstum gekommen ist, gibt es dort zunehmende Probleme von Überweidung. Dies ist im ländlichen Raum inzwischen eines der Hauptprobleme. (Siehe dazu von Andreas Gruschke in EM 05-06 „Nomaden ohne Weide“).

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