Subkow – Erinnerung an bleierne ZeitenRUSSLAND

Subkow – Erinnerung an bleierne Zeiten

Der neue russische Ministerpräsident Viktor Subkow ist der Älteste in der russischen Regierung. Eine Kandidatur zum Amt des Präsidenten schließt er nicht aus. Wenn Subkow Präsident wird, könnte er aus Altersgründen 2012 wieder ausscheiden und einem Nachrücker – zum Beispiel Wladimir Putin - Platz machen.

Von Ulrich Heyden

S oviel Lob für einen der möglichen Putin-Nachfolger gab es noch nie, vermerkte der Korrespondent des „Kommersant“, als der Kreml-Chef kürzlich Russlands-Experten aus aller Welt um sich versammelte. Wladimir Putin hält viel von Viktor Subkow. „Dieser Mensch hat große Lebens- und Berufserfahrung. Man kann sagen, er ist wirklich professionell, ein ausgezeichneter Verwalter.“ Der Kreml-Chef erklärte, Subkow sei einer von mindestens fünf Präsidentschaftskandidaten. Der neue Premier selbst erklärte, er könne sich vorstellen, für das Präsidentenamt zu kandidieren, wenn er als Ministerpräsident „etwas erreicht“ habe.
Putin gefällt offenbar besonders Subkows Bescheidenheit. Vor den Politologen aus dem Westen lobte der Kreml-Chef Subkows Einsatz in der Landwirtschaft, in den Jahren 1967 bis 1985. „Er ging zu den Sowchosen, welche am Ende waren – er ist jetzt bescheiden und spricht nicht davon – er machte aus ihnen die besten der Sowjetunion.“

Nach Jelzin freuten sich die Russen über einen sportlich-muskulösen Präsidenten. Subkow hat auf diesem Sektor nichts zu bieten. Der neue Premier ist unter den Mitgliedern der russischen Regierung der Älteste. Aber vielleicht hat Subkow nur die Funktion Putin in den nächsten vier Jahren als Präsident zu vertreten, um ihm dann - aus Altersgründen - wieder den Vortritt zu lassen.

 „Unprofessionalität und Korruption richten Russland zugrunde.“

Putin ist Staatsmann, hat aber doch immer etwas jugendlich-draufgängerisches. Subkow strahlt dagegen bleierne Ruhe aus, wie man sie aus der Breschnjew-Zeit kannte. Die Art wie er letzte Woche vor der Duma sein Regierungsprogramm vorstellte, erinnerte an diese Zeit. Der neue Premier las mit ruhiger, fast träger Stimme vom Blatt. Nur manchmal hob er den Kopf. Die Duma-Abgeordneten schien das nicht zu stören. 381 der 450 Abgeordneten bestätigten den von Putin Vorgeschlagenen in seinem neuen Amt als Ministerpräsident. Subkow will den Kampf gegen die Korruption zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen. „Unprofessionalität und Korruption richten Russland zugrunde.“ Subkow will die  Wirtschaft  modernisieren, den Rüstungssektor stärken, die Naturresourcen bessser nutzen und die Versorgung der Bürger mit qualitativen Leistungen auf dem Gebiet der Ausbildung und Gesundsheitsversorgung sicherstellen. Auf die Zensur der Medien könne man verzichten, weil sie „nicht nötig“ sei, erklärte er lax.

Geboren in Arbat am Ural

Russland neuer Premier, der vor wenigen Tagen seinen 66. Geburtstag feierte, wurde 1941 in Arbat, einem Ort im Ural geboren. Seine Berufslaufbahn begann 1958 als Schlosser in einem Bergbaukombinat. Dann studierte er an der Wirtschaftsfakultät eines Agrarinstituts im Gebiet Leningrad. Nach seiner Tätigkeit als Leiter verschiedener Sowchosen hatte Subkow Ende der 80er Jahre Funktionen in der Partei und der Verwaltung des Gebiet Leningrads inne. 1992 und 1993 war er Stellvertreter Putins im Komitee für Außenwirtschaftsbeziehungen der Stadtverwaltung von St. Petersburg. Damals wuchs Subkow Putin offenbar ans Herz. Der neue Premier durfte auch schon mal die Kerzen auf Putins Geburtstagstorte ausblasen.
Subkow machte Karriere, wenn auch langsam. 1993 wurde er Leiter der Steuerinspektion von St. Petersburg. Sein Stellvertreter dort war der jetzige russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow, der jetzt mit Subkows Tochter verheiratet ist.

Erfolglose Kandidatur für den Gouverneursposten des Leningrader Gebiets

1999 kandidierte Subkow erfolglos für den Posten des Gouverneurs des Gebiets Leningrad. Er erhielt nur 8,6 Prozent der Stimmen. Im Jahre 2000 leitete er die Partei „Einheit“ – einen  Vorläufer der jetzigen Kreml-nahen Partei „Einiges Russland“ - in St. Petersburg. Im März 2004 wechselte Subkow nach Moskau und wurde Leiter der Föderalen Steuerinspektion.  Auf Subkow kann man sich verlassen. Auch der stellvertretende Ministerpräsident Sergej Iwanow, der selbst als Putin-Nachfolger im Gespräch ist, lobte den neuen Premier als Mann, der „ohne Lärm und Staub“ arbeitet.

Nach Meinung der „Komsomolskaja Prawda“ eignet sich Subkow, der keinem der Kreml-Clans angehört, hervorragend als „Stabilisator“, welcher dem Kreml-Chef in der richtigen Stunde Bericht erstattet: „Es ist alles unter Kontrolle, der Flug ist normal, lassen sie den Nachfolger heraus.“

Der neue Ministerpräsident gehört übrigens – als ehemaliger Finanzaufklärer – zum kleinen Kreis derjenigen, die über die Bankkonten der hohen Beamten und Unternehmer Bescheid wissen. Dieses Wissen könnte er gegebenenfalls zur Disziplinierung Ungehorsamer einsetzen.

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