Tamagochis KinderJAPANISCHES SPIELZEUG

Tamagochis Kinder

Tamagochis Kinder

Eine neue Generation von elektronischen Haustieren versucht den Kindern ihr Taschengeld zu entlocken: die sogenannten Aquapets. Hierzulande sind bis jetzt drei Varianten auf dem Markt. Neue Modelle sollen bereits im Mai im Handel sein.

Von Barbara Gutmann

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Drei Aquapets-Modelle sind im Handel  

EM - Erfunden wurden sie irgendwo in Japan – doch wie so oft, wenn es um richtig viel häßliches Plastik geht, haben sie erst in den USA ihren wahren Marketing-Schub erfahren. Die Rede ist von sogenannten Aquapets. Sie sehen ein wenig aus wie aufgespannte Kondome, sind aber als Spielzeug für Kinder gedacht.

Ein Haufen farbenes Plastik, ein wenig Elektronik, ein bißchen Salzwasser und schon sind sie fertig. In einer Plastikröhre voll Wasser hüpft ein winziges Ding auf und ab, zappelt mit fadendünnen Gliedmaßen. Dabei quitscht und fiepst es, zirpt und zwitschert wie ein halberstickter Bonsai-Delphin.

Kinder, die damit spielen wollen, drücken auf die beiden links und rechts angebrachten Knöpfe. Mit dem einen werden die Aquapets gefüttert, der andere mit einem Herzchen versehene Knopf sorgt für die nötige Zuwendung.

Angeblich sind Aquapets das Spielzeug des Jahres

Angeblich ist es das Spielzeug des Jahres 2004, so behaupten jedenfalls die Händler. In Asien seien bereits mehr als zwei Millionen „Wasserhaustiere“ verkauft worden. Nun hat die japanische Firma Sega die Lizenz für den amerikanischen und europäischen Markt an den Spielwarenhersteller Wild Planet verkauft. Die Europäischen Händler haben daraufhin bei dem US-Unternehmen immense Stückzahlen geordert: 1,2 Millionen sollen es bis Ende März bereits gewesen sein.

Insgesamt gibt es neun verschiedene Varianten der Plastikhaustiere – drei davon werden in deutschen Läden angeboten. Preis pro Stück: 12,99 Euro. Im Mai sollen neue Modelle folgen. Anders als die vorherige Generation der elektronischen Haustiere, der Tamagotchis, die bei nicht genügend Zuwendung verendeten, seien die Aquapets praktisch unsterblich, solange man immer neue Batterien einsetze, versichern die Hersteller.

Kinderpsychologin rät: „Kaufen Sie ihrem Nachwuchs lieber einen Goldfisch.“

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Regal voller Aquapets  

Die US-Vertriebsfirma beschreibt ihr Produkt mit den Worten: „Es handelt sich dabei um kleine Plastik-Tierchen in einer Wasserröhre, die man mit Nahrung, Liebe und Zuneigung füttern muß. Über das Mikrofon kann man mit ihnen reden - sie können sich so aber auch untereinander verständigen. Sobald man einmal begonnen hat, sich mit dem kleinen Freund zu beschäftigen, wird er unwiderstehlich.“

Martina Abel, Psychologin und Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ sagt dazu: „Dieses scheinbar fast lebendige Tier in seiner Röhre vermittelt den Kindern das Gefühl, gebraucht zu werden. Schließlich muß es gefüttert, geliebt und umhegt werden.“ Doch natürlich könne der elektronische Ersatz für Haustiere niemals reale sinnliche Erfahrungen mit Freunden, Tieren oder Geschwistern ersetzen. „Die Enttäuschung dürfte groß sein, wenn die Kinder merken, daß so ein Computerchip ziemlich simpel und berechenbar ist.“ Ihr Rat an Eltern: „Kaufen Sie den Kindern lieber echte Haustiere. Zwei Goldfische sind auch nicht teurer, aber viel spannender.“

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