Tauchsafari in der OstseePOLEN

Tauchsafari in der Ostsee

Tauchsafari in der Ostsee

Die polnische Ostsee wird von immer mehr Besuchern als Dorado fürs Wracktauchen entdeckt. 2009 gab es gut 1.50 Expedition zu versunkenen Schiffen – mehr als doppelt so viele wie noch drei Jahre zuvor. Die meisten Taucher sind vor der Halbinsel Hel und vor Jastarnia unterwegs. Bei Minusgraden ist das Wasser besonders klar. Das Meeresamt Gdynia reagiert auf den Trend und gibt immer mehr Wracks zum Tauchen frei: Insgesamt 41 versunkene Schiffe sollen vor allem ausländische Gäste an die polnische Ostseeküste locken.

Von Katarzyna Tuszynska

Tauchsafaris in der Ostsee: hier vor Leba in einem historischen Wrack.
Tauchsafaris in der Ostsee: hier vor Leba in einem historischen Wrack.
Foto Tomasz-Stachura

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ariusz Węgrzynowski aus Danzig sitzt auf der Bank eines Fischkutters. Obwohl das Thermometer nur plus vier Grad anzeigt, trägt der 50-Jährige nur einen Taucheranzug. Auf seinen Rücken hat er Sauerstoffflaschen geschnallt.

Er ist einer von zahlreichen Wracktauchern, und heute zieht es ihn wieder einmal auf den Grund der Ostsee. Die See ist ruhig – ideale Bedingungen, betont Mariusz Węgrzynowski, während er mit dem Kutter aufs offene Meer schippert. Heute hat es dem Polen das Wrack mit der Nummer K-18 angetan. Als das Schiff sank, trug es den Namen „Brise“. Die „Brise“ wurde im vergangenen Sommer in rund 20 Metern Tiefe unweit des Hafens der Halbinsel Hel auf dem Meeresboden als eine touristische Attraktion planmäßig versenkt. Allein in den ersten Tagen danach besuchten etwa 2.000 Taucher die Stelle.

Tauchsafaris erfreuen sich zunehmender Beliebtheit

Mariusz Węgrzynowski hat sich ins Tauchen verliebt, als er das erste Mal mit der ganzen Ausrüstung im Wasser war. „Einer hat mal gesagt, man fliege durch das Wasser. Da unten bin ich frei.“

Die „Brise“ ist nur eines von Dutzenden von Schiffen in der Gegend um Danzig, die zum Wracktauchen freigegeben sind. Geht es nach den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, soll dieser Teil der polnischen Ostseeküste besonders für Wracktaucher aus dem Ausland zum Dorado werden. Die Tauchsafaris erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, ihre Zahl hat sich in den vergangenen Jahren von 680 Erkundungen im Jahr 2006 auf 1.503 Expeditionen im Jahr 2009 mehr als verdoppelt. Anfang des Jahres wurden weitere sieben Schiffe zum Erkunden freigegeben. „Es sind genau 41 Wracks, in denen das Tauchen möglich ist. Eine Anmeldung beim Hafenmeister genügt, weitere Genehmigungen sind nicht notwendig“, meint Janusz Gęstwicki vom Meeresamt in Gdynia. Die gesunkenen Schiffe liegen in einer Tiefe von bis zu 50 Metern.

Tauchgang zum Wrack der „Brise“ vor Hel.
Tauchgang zum Wrack der „Brise“ vor Hel.
Foto Tomasz-Stachura

In den Wracks sind riesige Dorsche zu Hause

Wracktaucher können unter anderem einen über 100 Jahre alten Fischkutter erkunden, sagt Iwona Pomian vom Maritimen Museum in Danzig. Nicht nur die versunkenen Schiffe sind eine Attraktion, sondern auch die Natur und Fischwelt. „In den Wracks sind zum Beispiel riesige Dorsche zuhause. Einige Exemplare sind bis zu einem halben Meter lang“, erzählt Jerzy Janczukowicz, der regelmäßig taucht. Zur kalten Jahreszeit ist die Sicht auf dem Meeresgrund meist besser, je kälter das Wasser ist, desto klarer ist es auch. Im Sommer dagegen kann man erst in einer Tiefe von 30 bis 40 Metern gut sehen.

Wracks wie die „Wilhelm Gustloff“ sind tabu

Einige Wracks sind für die Taucher allerdings tabu. „Vor kurzem haben wir Deutsche und Niederländer festgenommen, die ohne Genehmigung zur ‚Wilhelm Gustloff‘ hinabgetaucht waren. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eröffnet“, sagt Tadeusz Gruchalla vom Grenzschutz in Danzig. Auf der „Gustloff“ starben mehrere tausend Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, als es 1945 von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde. Heute ist das Wrack als „Seekriegsgrab“ geschützt. „Das Gebiet wird Tag und Nacht mit Kameras und per Radar überwacht“, erklärt Gruchalla.

In der Ostsee gibt es im Gegensatz zum Mittelmeer keinen Schiffsbohrwurm, eine Muschelart, die sich mit ihrer Schale in die hölzerne Schiffsteile bohrt. So sind auf dem Boden der Ostsee sogar tausend Jahre alte Wikingerboote erhalten geblieben. Das Meeresamt in Gdingen hat sie wegen ihres historischen Werts nicht zum Tauchen freigegeben.

Auf dem Schiff - morgens vor dem Tauchgang.
Auf dem Schiff - morgens vor dem Tauchgang.
Foto Tomasz-Stachura

Fischernetze sind eine Bedrohung für Taucher

Für Mariusz Węgrzynowski hat sich die Besichtigung der „Brise“ gelohnt, allerdings hat er den Kutter nur von außen betrachtet. Denn trotz seiner 15-jährigen Erfahrung traut sich Węgrzynowski noch immer nicht, in ein Wrack hinein zu tauchen. „Man weiß nie, was einen erwartet. Man kann zum Beispiel durch aufgewirbelten Schlamm die Orientierung verlieren und findet den Weg nicht mehr hinaus“, sagt er. Auch Fischernetze seien eine Bedrohung für Taucher. „Sie lassen sich unter Wasser noch schwerer entwirren als an Land. Nervosität, Stress und Panik können dann sehr schnell zu einem Unfall führen.“ Um Fehler zu vermeiden, hat Mariusz einen Tauchkurs besucht. Allein in Danzig, Zopot und Gdingen gibt es rund zehn Tauchzentren, zig weitere befinden sich an der Halbinsel Hel und an der Ostseeküste. Die meisten von ihnen bieten auch Kurse speziell zum Wracktauchen an.

Polnische Tauchzentren an der Ostsee
Klub Rekin (Haifisch Klub)
www.rekin.org
Info:
Tel. +48 58 552 03 27; + 48 601 650 327
Preis: 230 Euro

Tryton Tauchbasis
www.cn-tryton.pl
Info:
Tel. + 48 58 340 35 10
Preis: 350 Euro

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Die Autorin ist Korrespondentin von n-ost. Das Netzwerk besteht aus über 50 Journalisten in ganz Osteuropa und berichtet regelmäßig für deutschsprachige Medien aus erster Hand zu allen Themenbereichen. Ziel von n-ost ist es, die Wahrnehmung der Länder Mittel- und Osteuropas in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu verbessern. Weitere Informationen unter www.n-ost.de.

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