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„The long Tail – der lange Schwanz“ von Chris Anderson

„Nischen hat es immer gegeben“ schreibt der Autor dieser frappierenden Internettheorie, „doch erst jetzt, da sie leichter und günstiger zu erreichen sind – Verbraucher finden Nischenprodukte, und Nischenprodukte finden ihre Abnehmer – entwickelt sich daraus plötzlich eine kulturelle und wirtschaftliche Kraft, die nicht mehr ignoriert werden kann.“ – Es ist eine Revolution.

Von Eberhart Wagenknecht
30.06.2008 Drucken Senden Kommentieren
„The long Tail – der lange Schwanz“ von Chris Anderson  
„The long Tail – der lange Schwanz“ von Chris Anderson  

M it seiner  Theorie vom langen Schwanz des Angebots, hat der US-amerikanische Journalist und Chefredakteur des Wired Magazine, Chris Anderson, Internetgeschichte geschrieben, dem Phänomen des Verkaufs im Netz eine Grundlage gegeben.

Vorbei die Zeiten, als Ladenflächen und Regalmeter das Angebot begrenzten. Heute kann jeder „Ladenhüter“ ins Netz gestellt werden, und irgendeiner findet sich immer, der ihn kauft. Allein dadurch schon, dass er überhaupt auffindbar ist. Das Interesse der Menschen in Eurasien und weltweit ist viel breiter als bisherige begrenzte Angebote es erscheinen ließen. Als es nur einen Fernsehsender gab und eine Unterhaltungssendung am Samstagabend, waren die Einschaltquoten gigantisch. Heute, mit x und aber-x Sendern entsteht bereits so etwas wie ein kleiner Schwanz – eine Kurve, die sich von der höchsten Quote auf der linken Seite einer Skala nach rechts bis zur niedrigsten nach und nach abflacht. Und bei den Millionen Musiktiteln, die in Geschäften, im Versand und vor allem im Internet angeboten werden, wird diese Kurve fast unendlich.

Allein im Jahr 2005 stieg in den USA die Zahl der neu veröffentlichten Musikalben um 36 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand: Jeder Künstler kann heute seine Musik selbst aufnehmen und veröffentlichen. Dafür hat Anderson seine Nachfragekurve entwickelt und etwa am Beispiel der Medien illustriert. Ganz links weist die Kurve stark nach oben. An ihrer Spitze stehen die Bestseller, Blockbuster und Musikhits. Dann läuft die Kurve sanft nach rechts aus. Dort finden sich die weniger nachgefragten Bücher, Filme und Songs. So entsteht „The Long Tail“. Mit Millionen von Artikeln, die nicht im täglichen Rampenlicht der Prospekte und Werbeanzeigen stehen.

Was bisher nur wenige wussten: Die vielen grauen Produktmäuse erzielen einen höheren Umsatz als die wenigen Blockbuster. Der Grund: „Heute, in einer Zeit, in der die Verbraucher vernetzt sind und nahezu alles digital ist, hat sich die Ökonomie des Vertriebs radikal verändert, da das Internet jede Branche, mit der es in Kontakt kommt, absorbiert und die Funktion von Lager, Kino und Sendeanstalt übernimmt - und das zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten.“

Gewinn mit Nischenprodukten

Chris Anderson hat herausgefunden, dass ein Anbieter im Internet durch eine große Anzahl an Nischenprodukten Gewinn machen kann. Dieser Effekt trifft insbesondere für den Musik- und Bücherverkauf zu, wo selten verkaufte Titel in einem konventionellem Verkaufsgeschäft zu hohe Kosten verursachen würden. Chris Anderson zeigt diesen Effekt anhand der Verkaufsstatistik des amerikanischen Musikdownloadportals Rhapsody, bei der eine große Anzahl wenig gefragter Produkte mehr Umsatz erzielte als wenige Bestseller. Für Nischenprodukte ist das Internet demnach ein idealer Verkaufsplatz. Es hat das Konsumverhalten radikal verändert. Die Stichworte, die es am besten verdeutlichen, lauten ebay und amazon.

Während man bis vor 20 Jahren in ländlichen Gegenden mindestens bis in die nächstgelegene Stadt fahren musste, um außer Lebensmitteln Einkäufe tätigen zu können, kommt heute der hölzerne Heurechen ebenso von amazon wie das ausgefallene Kunstbuch.

Doch ganz von selbst wird auch das vielfältigste aller Angebote nicht zum Erfolg. Die Auffindbarkeit der unzähligen Produkte des Long Tail ist einer ihrer wichtigsten Erfolgsfaktoren. Chris Anderson gibt in seinem Buch dafür eine einfache Doppellosung aus: Mache alles verfügbar und hilf dann dem potentiellen Kunden, sich bestens im Angebot zurechtzufinden.

*

Rezension zu: „The long Tail – der lange Schwanz“ von Chris Anderson, Hanser 2007, 279 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-446-40990-3.

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