„Tibet – Reisen auf dem Dach der Welt“ von Andreas von Heßberg und Waltraud SchulzeGELESEN

„Tibet – Reisen auf dem Dach der Welt“ von Andreas von Heßberg und Waltraud Schulze

Die große Faszination Tibets geht von seinem Hochland aus, dem Schneeland, wie es auch genannt wird, mit Bergspitzen, die über 8.000 Meter aufragen. Und überall auf der Welt lernen schon Schulkinder, dass es sich hier um „das Dach der Welt“ handelt, um die höchsten Gipfel der Erde, die über allem thronen. Tibet umfasst im Süden den größten Teil des Himalaya-Gebirges. Dort erreicht es eine durchschnittliche Höhe von 4.500 Metern. Diese einmalige Grenzsituation zwischen Himmel und Erde und die sagenhafte Kultur Tibets regen Phantasie und Sehnsüchte der Menschen an und ziehen sie in ihren Bann.

Von Eberhart Wagenknecht

„Tibet – Reisen auf dem Dach der Welt“ von Andreas von Heßberg und Waltraud Schulze  
„Tibet – Reisen auf dem Dach der Welt“ von Andreas von Heßberg und Waltraud Schulze  

D ie landschaftliche Vielfalt vom Chang-Tang-Hochplateau über die Berge des Himalayas bis zu den subtropischen Tälern im Osten machen das Land zu einem reizvollen Reiseziel. Die einzigartige Kultur tut ein Übriges. Sie fasziniert seit Jahrzehnten und Jahrhunderten Menschen aus aller Welt. Der neue Trescher-Reiseführer bietet neben ausführlicher Landeskunde beeindruckend viele Tipps und Informationen, besonders für Individualreisende. Ziel der Autoren ist „die perfekte Einführung für alle Reisenden, die das Land nicht oberflächlich, sondern genau kennen lernen wollen.“

Die Tibet Initiative Deutschland schreibt in ihrem einleitenden Text über die Tibetsehnsucht: „Es ist die jahrhundertelange Suche nach einem Shangri-La, einem Ort des Friedens, der Weisheit und der tiefen Spiritualität. Verstärkt wird diese Sichtweise durch die Abgeschiedenheit Tibets, die diese Region bis vor wenigen Jahrzehnten nahezu unerreichbar gemacht hat. Eine beeindruckende, weite Landschaft und eine von Menschen weitgehend unzerstörte Natur tun ein Übriges, um solche Traumbilder zu nähren. Natürlich war Tibet schon immer ein sehr spirituelles Land. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden viele Klöster, in denen hunderttausende Mönche und Nonnen lebten. Der tibetische Buddhismus prägte die Kultur und die Religiosität des Landes, wie man es sonst nirgendwo finden kann.“

Graslandsteppe mit weitem Horizont

Auf 372 Seiten werden 200 Farbfotos ausgebreitet, 18 Übersichtskarten und dazu farbige Klappkarten. Die Autoren selbst geraten ins Schwärmen, wenn sie die Eindrücke ihrer Reiseerfahrungen wiedergeben: „ Die klare Luft, die türkisblauen Salzseen, die bizarren geologischen Erscheinungen, die sanften Hügel, der weite Horizont und die grasbedeckte Hochlandsteppe mit den Tierherden wirkten so unmittelbar auf uns, dass sich ein intensives Gefühl von Freiheit in uns regte. Wochen später und einige tausend Kilometer weiter im Osten Tibets umgab uns subtropischer Regenwald, fremdartige Vögel sangen in den Büschen, und schillernde Schmetterlinge flogen von exotischen Blumen auf. Wir waren erneut in einer für uns fremdartigen Welt“.

Tibet im Überblick und die Schilderung von Land und Leuten eröffnen den Reiseführer. Es folgen Kapitel über Geographie und Geologie (z. B. das Tarim-Becken), die Aufwerfung des Himalayas und des Chang Tangs. Klima und vorteilhafte Reisezeit werden ebenso abgehandelt wie die Pflanzen- und Tierwelt Tibets mit Vögeln, Amphibien und Reptilien.

Natürlich erfährt der an Tibet Interessierte zur Vorbereitung seiner Reise auch das Wichtigste über die Menschen Tibets, ihre Sprache, die Kleidung, das Nomadentum und über das Leben der Mönche und Nonnen.

Tibetische Medizin, Buddhismus und Trekking-Touren

In einem kurzen Abriss wird sogar auf die „Tibetische Medizin“ eingegangen, auf die auch in China verbreitete und angewandte Lehre  der „Fünf Elemente“, deren Wichtigkeit für eine richtige Ernährung auch in unseren Breiten inzwischen erkannt wurde (EM 06-2007 „Die zwölf Schüßler-Salze und die 5-Elemente-Ernährung optimal kombiniert“).

Der tibetische Buddhismus und seine Schulen, die Reinkarnationslehre und die heiligen Berge nehmen entsprechenden Raum ein. Ebenso die ersehnten Reiseziele wie Lhasa, Potala Palast, Jokhang Tempel, Barkor, Sommerpalast, Ramoche-Tempel, Palhalupuk-Tempel, das Tibet-Museum, der heilige See Nam Co und die Wanderungen rund um Lhasa.

Und dann folgen die absoluten Berg-Highlights: Der Mount Everest und die östliche und westliche Route, die Trekkingtour vom Basecamp zum Camp. Ein weiterer Höhepunkt ist der heilige Berg Kailash. Auch hier ist eine Anreise über die Nordroute oder die Südroute beschrieben. Die Brahmaputraschlucht und eine Pilgerwanderung um den Kawa Karpo sowie zum Kawa-Karpo-Gletscher runden diese Kapitel ab.

Viele Reiseziele in Tibet sind erstmals in einem deutschen Reiseführer erwähnt. Es gibt ein ausführliches Ortsverzeichnis tibetisch/chinesisch - chinesisch/tibetisch, ein Personen- und Sachregister, Kartenlegenden und Kartenregister.

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Rezension zu: „Tibet – Reisen auf dem Dach der Welt“ von Andreas von Heßberg und Waltraud Schulze,  2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage 2010, 372 Seiten, 19.95 Euro, ISBN 978-3-89794-151-9.

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Lesen Sie dazu auch EM 09-2007 „Erzählungen aus der Welt tibetischer Nomaden- und Bauernfrauen“ - „Heavy Earth, Golden Sky: Tibet Women Speak about Their Lives“, herausgegeben von Michelle Kleisath und EM 05-2006 „Nomaden ohne Weide?“.

Asien Reise Rezension

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