Turbulenzen um Parchim AirportEURASISCHER LUFTVERKEHR

Turbulenzen um Parchim Airport

Turbulenzen um Parchim Airport

Das ehrgeizige Projekt des Luftfahrt-Drehkreuzes im Mecklenburg-Vorpommerschen Parchim scheint zu funktionieren. Wenn auch vorläufig noch auf Pump. Der chinesische Investor hat Zahlungsprobleme. Grund sei die bislang ausgebliebene Genehmigung der Regierung in Peking, Geld in das deutsche Projekt stecken zu dürfen. Der Dalai-Lama-Empfang im Kanzleramt durch Angela Merkel soll zu der Verzögerung geführt haben. Der „Spiegel“, recherchiert indes, weil es Ungereimtheiten in den Biographien einiger Protagonisten geben soll. Ungeachtet dessen werden aber von allen Beteiligten weiter Durchhalteparolen ausgegeben.

Von Eberhart Wagenknecht

I n Parchim Airport starten und landen Frachtflugzeuge von und nach China. Lkws bringen die Ladung aus Fernost zu ihren europäischen Bestimmungsorten. Das neue Luftdrehkreuz in Mecklenburg ist in Betrieb. Das ist zweifelsfrei.

Genau so sicher ist: der Landkreis Parchim hat bislang kein Geld gesehen, für seinen Flugplatz, auf den er so große Hoffnungen setzt (Vgl. EM 09-07). Die Begleichung des Kaufpreises von 30 Millionen lässt auf sich warten.

Inzwischen sind Zweifel aufgetaucht an der Seriosität des Unternehmens Parchim Airport. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ recherchiert. Es scheint Unstimmigkeiten in der Biographie des chinesischen Geschäftsmannes Pang zu geben. Außerdem soll der Berater des Investors, Klaus Grützmacher, einen Professorentitel führen, der in Deutschland nicht anerkannt ist, verliehen von einer chinesischen Universität.

Fotos: Landkreis-Pressestelle Parchim

Der Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt soll schuld sein

Der chinesische Millionär Jonathan Pang Yuliang hatte den Parchimer Flughafen im Juli 2007 vom Landkreis als bisherigem Eigentümer übernommen und angekündigt, ihn zu einem internationalen Frachtdrehkreuz auszubauen. Pang ist Chef des chinesischen Logistikunternehmens LinkGlobal Logistics, das den Flughafen betreibt. Es ist das erste chinesische Unternehmen, das die Betriebserlaubnis für einen europäischen Flughafen erworben hat.

Am Montag, dem 24. September 2007, wurde die Frachtflugverbindung feierlich eröffnet. Hochrangige chinesische Gäste waren eingeflogen worden, so u. a. der Vizegouverneur der zentralchinesischen Provinz Henan (100 Millionen Einwohner). Aus beiden Ländern nahmen eine Reihe von Wirtschaftsvertretern und Politikern an der Zeremonie teil.

Und nun gibt es Zahlungsschwierigkeiten. Von Pang und seinem Berater wird geltend gemacht, die chinesische Zentralregierung im fernen Peking habe eben die Genehmigung zur 30-Millionen-Investition ihres Staatsbürgers Pang bislang nicht erteilt. „Ohne amtliche Zustimmung für den Geldtransfer würde Pang gegen die chinesischen Devisenbestimmungen verstoßen und sich strafbar machen“, verteidigt Landrat Klaus-Jürgen Iredi seinen Gläubiger Pang. Verschiedenen Berichten zufolge soll die chinesische Regierung wegen des Besuchs des Dalai Lama im Berliner Kanzleramt verstimmt sein und deshalb ihre Zustimmung zur Flughafeninvestition in Deutschland derart verzögern. Das würde bedeuten, dass letztlich der Stil, den Bundeskanzlerin Angela Merkel auf außenpolitischem Parkett an den Tag legt, das Flughafenprojekt Parchim gefährden könnte. So spielte nach Informationen des Senders NDR 1 Radio MV tatsächlich die Verstimmung Chinas nach dem Besuch des Dalai Lama in Deutschland eine entscheidende Rolle für die bislang unterbliebene Genehmigung des Investitionsvorhabens.

Millionentransfer mit immer neuen Zahlungszielen

Der Kaufvertrag über 30 Millionen Euro war bereits am 14. Mai unterzeichnet worden. Er umfasst die Betreibergesellschaft des Airports, das Flughafengelände und die angrenzenden Gewerbeflächen. Bestandteil des Kaufvertrages waren zudem Investitionsverpflichtungen von rund 70 Millionen Euro. Bis zum 15. Dezember 2007 war eine Abschlagszahlung von zwölf Millionen Euro vereinbart worden. Bislang sind die Zahlungsziele unerfüllt geblieben.

Der Landkreis Parchim hat nun Ende letzten Jahres der chinesischen Spedition LinkGlobal und deren Eigner Jonathan Pang Yuliang einen erneuten Aufschub für fällige Zahlungen zum Erwerb des mecklenburgischen Regionalflughafens eingeräumt. Als neuen Termin nannte Landrat Klaus-Jürgen Iredi Ende des Monats Januar 2008. Bis dahin müsse Pang den Betrieb des Airports sicherstellen und die fälligen Verzugszinsen begleichen.

Diese laufen seit Mitte Dezember 2007 auf, da bis zu diesem Zeitpunkt die zuvor fest zugesagte Teilrate für den Flughafenkauf in Höhe von zwölf Millionen Euro nicht auf dem Konto des Landkreises gelandet war.

Was passiert mit Parchim Airport wenn Peking weiter mauert?

Sollte bis zum 31. Januar immer noch kein Geld auf dem Konto Parchims eingegangen sein, müsse der Vertrag mit Pang und der Spedition LinkGlobal nachverhandelt werden. „Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir den Kaufvertrag bestätigen oder er wird in der vorliegenden Form hinfällig“, sagte der Landrat einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ zufolge. Dies könnte darauf hinauslaufen, dass die ursprünglich vereinbarte Summe von 30 Millionen Euro reduziert und zumindest ein Teil dieser Gelder mit den Umsätzen des Frachtverkehrs längerfristig verrechnet wird, glauben der „Welt“ zufolge nicht genannte Beobachter.

Insgesamt wird eine Art Ratenzahlung akzeptiert, die sich über Jahre erstrecken könnte. Dazu die Industrie und Handelskammer Schwerin: „Der Parchimer Kreistag hat mit seiner Entscheidung, die Entrichtung der Kaufsumme über einen Zeitraum von zwei Jahren auszuweiten, einen konstruktiven Weg beschritten", sagte der Hauptgeschäftsführer der Schweriner IHK, Klaus-Michael Rothe. Er pflichtete den politischen Entscheidungen des Kreises bei und versicherte: „Nach wie vor sieht die Schweriner IHK in der erfolgreichen Fortführung des Projektes Flughafen Parchim eine große Chance für die gesamte Region.“

Bei allen weiteren notwendigen Schritten zur Investitionsdurchführung und zur wirksamen Integration dieses chinesischen Unternehmens in die norddeutsche Wirtschaft sei die IHK tatkräftig behilflich und gebe volle Unterstützung. Insbesondere bei den Planungen für die Investitionsvorhaben und deren Förderung sowie im Außenwirtschafts- und Ursprungsrecht, sowie in zahlreichen weiteren Problemstellungen berate die IHK Schwerin den Investor.

Rothe macht den Beteiligten ausdrücklich Mut: „Jetzt ist es an uns, einen langen Atem zu beweisen und die großen Chancen dieses Projektes nicht zu zerreden", warnte er. Die Mecklenburger seien für ihre gesunde Skepsis und ihren Realismus ebenso bekannt wie für ihre Geduld. Das hätten offenbar auch die Chinesen realisiert.

Berater Grützmacher ist weiter guter Dinge

Es wird - jedenfalls vorderhand- weitergeflogen. „Die Flugbewegungen haben zugenommen“, versichert Peter Müller, der Sprecher des Kreises. Inzwischen landeten zwei bis fünf Maschinen pro Woche. Das Frachtaufkommen liege bereits bei 1.700 Tonnen. Weitere Linien seien geplant.

Auch Berater Grützmacher ist guten Mutes. Gegenüber dem EURASISCHEN MAGAZIN äußerte er sich am 15. Dezember so: „Das Projekt befindet sich derzeitig bezüglich der Frachtentwicklung in einer positiven Entwicklung. Ab Januar 2008 werden weitere zwei Airlines regelmäßig mehrmals wöchentlich den Airport Parchim von China aus bedienen. Da die Genehmigung der Regierung für LinkGlobal noch aussteht, werden derzeitig mit einem großen Logistik-Unternehmen aus Europa die Möglichkeit eines Joint Ventures mit LinkGlobal verhandelt - mit guten Aussichten.“ – Bei dem von Grützmacher genannten Logistik-Unternehmen soll es sich um die Cargo-Tochter „CargoLogic“ der zur Rethmann-Gruppe gehörenden Rehnus AG handeln. Das Unternehmen hat sich bereits in Parchim angesiedelt. Nach Unternehmensangaben gehört CargoLogic zu den führenden Luftfrachtlogistikern. 2006 hatte das Unternehmen demnach in Parchim bereits 2000 Tonnen Fracht umgeschlagen.

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Siehe auch Titelgeschichte in EM 09-07: „Das Logistik-Drehkreuzvon Parchim“, dazu ein Interview mit Klaus Grützmacher, dem deutschen Berater des chinesischen Logistikunternehmens Link Global: „Wir bieten auch Fluglinien eine Heimat, die bisher in Europa noch keine Basis haben.“ Und: Interview mit Klaus-Jürgen Iredi, Landrat des Kreises Parchim, über Chancen und Weiterentwicklung des Flughafens: „Parchim Airport wird Weltgeltung erlangen und in ganz Eurasien ein Begriff werden.“

Eurasien Wirtschaft

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