Unentdecktes Cesme – die „Brunnenhalbinsel“ in der ÄgäisREISE

Unentdecktes Cesme – die „Brunnenhalbinsel“ in der Ägäis

Sie liegt im westlichsten Teil der Turkei, ist beruhmt fur ihre sauerstoffreiche Luft. Seit der Antike kommen Erholungsuchende wegen der schwefelreichen Thermalquellen nach Cesme. Vom modernen Massentourismus blieben ihre Strände bisher verschont

Von Barbara Gutmann

EM – Die klare Luft über der kleinen Landzunge erlaubt einen ungetrübten Blick hinüber auf das griechische Eiland Chios und seine schneebedeckten Gipfel. Nur etwa acht Seemeilen liegt Griechenland entfernt. Hier, am westlichen Ende des türkischen Festlandes, am Strand der Halbinsel Cesme, machen die Menschen bereits seit 3000 Jahren Urlaub. Ungefähr genau so lang ist es ein Geheimtip. Sogar eingefleischte Türkei-Urlauber aus dem Westen haben bislang kaum Notiz von der „Brunneninsel“ genommen, die diesen Beinamen aufgrund ihrer heißen Schwefelquellen bekommen hat.

Einst erholten sich hier Griechen, Römer, Byzantiner, Araber und Ottomanen. Heute kommen vor allem reiche türkische Geschäftsleute auf die Halbinsel und in das gleichnamige malerische Küstenstädtchen mit seinen rund 10.000 Einwohnern. Im Hafen von Cesme liegen ihre weißen Yachten, Segel- und Motorschiffe. Draußen, vor dem Strand, tummeln sich die Surfer auf den azurblauen Wellen der Ägäis.

Eines der Gebiete mit dem höchsten Sauerstoffgehalt der Welt

Das milde Heilklima an diesem Abschnitt der Ägäis zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Der Sauerstoffgehalt der Luft soll mit am höchsten auf dem gesamten Globus sein. Sauerstoffreiche Luft ist der Gesundheit der Atemwege förderlich. Die Stille über den geschützten kleinen Buchten tut der Seele und den streßgeplagten Nerven gut. Der Westpassat, der hier weht, der „Imbat“, sorgt auch bei hohen sommerlichen Temperaturen für eine frische Brise.

Die heilenden Schwefelquellen haben eine Durchschnittstemperatur von 40 Grad Celsius. Ihre Heilwirkung bei Rheuma, Stoffwechsel-, Haut- und Nervenkrankheiten wird seit altersher gerühmt.

Cesme befindet im Herzen der Ägäis und ist doch bislang ein eher abgeschiedener Winkel. Nur 80 Kilometer ostwärts liegt das umtriebige Touristenzentrum Izmir. Bis zu den berühmten Ausgrabungsstätten von Pergamon sind es 180 Kilometer, nach Ephesus 155 Kilometer. Über dem Städtchen Cesme liegt eine alte genuesische Burganlage aus dem 15. Jahrhundert. Von seinem Hafen aus fahren Fähren nach Venedig, Bari und Brindisi.

In der unmittelbaren Umgebung liegen zum Teil sehr ruhige, feinsandige Strandbuchten. Der Südosten von Cesme bietet auch Ankerplätze für Boote, in denen man laut Touristikprospekten „getrost die Nacht von Wind und Wellen geschützt“ verbringen kann.

Cesme ist durchaus touristisch erschlossen. Es gibt ein Sheraton-Hotel, Ferienwohnungen und eine sehr gute Gastronomie. Eine unter Sultan Süleyman dem Prächtigen im 16. Jahrhundert erbaute Karawanserei wurde in ein Hotel umgewandelt. Am Hafen und an der Promenade findet man kleine, originelle Fischrestaurants und Kahve (türkische Cafés). Die bisherige Zahl von 15.000 Hotelbetten ist noch recht bescheiden, verglichen mit den Tourismuszentren der Türkei. Der Atmosphäre in dem kleinen Ort bekommt das ausgezeichnet. Cesme ist immer noch mehr beschauliche Idylle als aufgeregtes Urlaubszentrum. Daran soll sich nach Ansicht des Bürgermeisters und der örtlichen Tourismusmanager auch nichts ändern.

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