Vegetarismus ist eine Ideologie des LuxusVEGETARISMUS

Die Religion der Satten

In den nächsten Jahrzehnten sollen möglichst alle Menschen dazu bekehrt werden, völlig auf das Essen von Fleisch zu verzichten. „Ja, dies ist unser Ziel“, verkündet Renato Pichler, Vize-Präsident der Europäischen Vegetarierunion (EVU) gegenüber dem Eurasischen Magazin. Die Wahrheit ist jedoch: Verzichten kann nur, wer im Überfluss lebt. Wer hungert, verzichtet nicht. Global gesehen, außerhalb der Wohlstandsinseln, spielt der Vegetarismus nach westlichem Muster folgerichtig auch keine Rolle. Denn wenn keine Tiere mehr gegessen werden, können über 60 Prozent der Welt-Agrarfläche, die aus Viehweiden besteht, nicht mehr genutzt werden. Nicht einmal Vegetarier essen schließlich Gras und können davon existieren. In vielen Gegenden dieser Welt leben Menschen von Fisch und Wild.

Von Hans Wagner

„Irrtum und Heuchelei der Pflanzenesser“ lautet nicht umsonst der Titel des Buches, das vor wenigen Tagen zum Thema Vegetarismus im Eurasischen Verlag erschienen ist. Der größte Irrtum ist es, zu glauben, Menschen könnten weltweit ihre seit Beginn der Evolution genutzten Nahrungsquellen einfach aufgeben, um Organisationen in den Speckgürteln des Westens zu gefallen, deren Beweggründe zumindest undurchsichtig sind. Und die Heuchelei besteht darin, aus den satten Zentren des Wohlstands heraus Verzicht zu predigen und vorzugeben, damit könnte die Welt gerettet werden. Heuchelei ist auch, Pflanzen, die neben den Mikroben unsere ältesten Verwandten sind, als tötenswert einzustufen, Tiere aber schützen zu wollen. Für Vegetaristen ist klar: „Tiere dürfen nicht, Pflanzen können jederzeit umgebracht und gegessen werden, so ihre schlichte Ideologie. – Das erinnert an Apartheid und Selektion an der Rampe“, heißt es in Kapitel fünf des Buches. Als ob es zwei verschiedene Leben gäbe. Leben ist unteilbar. Es kommt alles aus denselben Anfängen. Mensch, Tier, Pflanze – die Wurzel ist für alle die gleiche. Alle drei gehören zu den Eukaryoten, den Wesen mit einem echten Zellkern.

Vegetarismus aus dem Westen will eine komplett andere Welt

EM-Umfrage: Vegetarismus aus der Sicht der Verbände  
Das Eurasische Magazin hat den Vegetaristen-Verbänden sechs Fragen zu Verbreitung, Sinn und Absicht des Vegetarismus gestellt. An der Beantwortung der Fragen haben sich die drei wichtigsten Vegetaristen-Organisationen beteiligt:
  • Die Europäische Vegetarier Union (EVU), Dachorganisation für  vegetarische Vereine und Gruppen in Europa mit Sitz in Winterthur/Schweiz.
  • Der Vegetarierbund Deutschland (Vebu).
  • Die Vegane Gesellschaft Österreich (VGÖ)
Hier die Fragen und die wichtigsten Aussagen der Verbände in der Zusammenfassung:

FRAGE 1: Wieviele Vegetarier und/oder Veganer gibt es Ihren Informationen oder Einschätzungen zufolge in Deutschland, in Europa, weltweit?

Die Europäische Vegetarier Union EVU sagt:
„Konkrete statistische Zahlen dazu gibt es leider nicht.“ Insgesamt scheine der Fleischkonsum in Europa zu stagnieren. Es sei „eine Spaltung in der Gesellschaft“ zu erkennen. Umfragen zufolge gebe es die meisten Vegetarier in gebildeten Schichten, zum  Beispiel unter  Studenten und Universitätsabsolventen.

Der Deutsche Vegetarierbund Vebu erklärt:
„Wir gehen von rund sieben Millionen Vegetariern (8 bis 9 Prozent der Bevölkerung) aus, Tendenz steigend. Als Quelle nennt Vebu eine Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2011.
„Täglich kommen in Deutschland etwa 2.000 Vegetarier und 200 Veganer dazu“, schrieb Elisabeth Burrer, die Vebu-Beauftragte für Presse und Medienkontakt an das Eurasische Magazin. Das wären pro Jahr über 800.000 Deutsche, die dem Fleisch abschwören. In einer Zeitspanne, die seit der Wiedervereinigung vergangen ist, also in 23 Jahren wären das immerhin über 18 Millionen -  mehr als die gesamte ehemalige DDR (17 Millionen) Einwohner hatte.

Über Vegetarierzahlen in anderen Ländern führt Vebu aus: „In Belgien sollen sich 2 Prozent der Bevölkerung vegetarisch ernähren, in Österreich 3 Prozent, in Großbritannien 6 Prozent und in der Schweiz 9 Prozent. In den USA werden 3 Prozent angenommen. Indien führt mit 20-40 Prozent (also über 200 Millionen) Vegetarier. Indien, China, Indonesien, USA und Brasilien sind die top 5 Länder, in welchen die meisten Vegetarier leben.“

Die Vegane Gesellschaft Österreich VGÖ
erklärt zu den Zahlen: „Das ist kulturell unterschiedlich. In Ländern wie Taiwan und Indien sind es um die 40 Prozent, ein Aspekt, der in manchen asiatischen Kulturkreisen stark verankert ist. Im Durchschnitt werden es deutlich weniger sein.

FRAGE 2: Was sind nach Ihren Informationen oder Einschätzungen die hauptsächlichen Beweggründe dafür, dass Menschen sich zu einer vegetarischen oder veganen Lebensweise entschließen?


EVU meint: „
Dies hängt vom Alter ab: Bei älteren Personen ist der Gesundheitsaspekt  wichtig, bei jüngeren der Tierschutzaspekt. Immer mehr spielen aber auch die ökologischen Aspekte eine Rolle. In der Regel sind es verschiedene Aspekte, zum Entscheid  führen, vegetarisch zu leben. Je nach Person gibt es unterschiedliche Gewichtungen.

Vebu erklärt: „Die meisten Menschen entscheiden sich aus ethisch-moralischen Gründen für eine fleischfreie Ernährung. Weitere Motive sind gesundheitliche Gründe, die wachsende Umweltzerstörung, Klimawandel und die Welthungerproblematik. Mehr zu den Gründen: www.vegetarierstudie.uni-jena.de

VGÖ gibt an: Das ist pauschal nicht zu beantworten, da die Gründe sehr unterschiedlich sind. In Indien oder Taiwan eher religiös/kulturell verankert, in Europa boomt das Thema zur Zeit aus gesundheitlichen, tierethischen und umweltspezifischen Gründen.

FRAGE 3:Wie wirkt sich die Umstellung des Lebensstils auf den Einzelnen aus – auf seine Lebensqualität, auf seine Finanzen, auf seine soziale Einbindung?

EVU sagt: „Viele berichten davon, dass sie sich gesünder/fitter fühlen. Es ist auch emotional für viele eine Erleichterung, nicht mehr mitverantwortlich für Tierquälerei zu sein.
Bei den Finanzen sei das unterschiedlich. Wenn man sich von den Grundnahrungsmitteln ernähre, sei die vegetaristische Ernährung günstiger. Wenn man aber viele Fertigprodukte kaufe, die es immer mehr gebe, könne eine vegetaristische Ernährung auch fast gleich teuer sein wie eine mit Fleisch.
Zur sozialen Einbindung erklärt EVU: „Dies hängt vom Umfeld ab: Unter Studenten ist man heute ‚in‘, wenn man keine Tiere verzehrt. In einem ländlichen Restaurant, gilt es aber oft noch als sehr exotisch und man stößt auf Unverständnis.
Die Situation hat sich gegenüber früher jedoch stark verändert: Heute ist fast allen Menschen bewusst, dass der Fleischkonsum weder aus Umweltsicht noch aus Tierschutzgründen verantwortbar ist. Und da es immer mehr Vegetarier und Veganer gibt, ist das Vorurteil, dass man Fleisch benötigt um gesund zu bleiben, nicht mehr so verbreitet wie früher.“

Vebu erklärt: Eine vegetarische oder noch besser rein pflanzliche (vegane) Ernährung ist das Beste, was man für seine eigene Gesundheit, die Umwelt und das Klima, die Tiere und gegen die Welthungerproblematik tun kann.
Wer auf eine pflanzliche, ausgewogene und gesunde Ernährung Wert legt, wird auch bei frischem Obst und Gemüse (im besten Fall saisonal, regional und aus biologischem Anbau) mit entsprechenden Preisen rechnen müssen. Qualität hat wie bei allen Nahrungsmitteln ihren Preis. Trotzdem gibt es auch hier zahlreiche Möglichkeiten, günstig einzukaufen wie beispielsweise auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Bauern. Außerdem muss nicht jeden Tag Sojaschnitzel auf den Tisch kommen.
Laut dem Max-Rubner-Institut Karlsruhe geben Vegetarier pro Monat 215,- Euro aus, während Mischköstler 260,- Euro verbrauchen.
Der vegetarische Lifestyle ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und hat einen deutlichen Imagewandel durchlebt. Kein Fleisch zu essen gilt heute als modern und nachhaltig. Neben Stars und Promis sprechen sich auch Klimaforscher, Umweltschützer, Philosophen und immer mehr Ärzte für eine fleischfreie oder vegane Ernährung aus.

Die VGÖ äußert sich folgendermaßen:
Die Frage ist auch nicht pauschal zu beantworten. Auf Österreich bezogen: Viele Leute berichten, dass Fleisch schwer verdaubar ist und sie sich nach der Umstellung leichter gefühlt haben und abgenommen haben.
Wer gleichzeitig viel Bioqualität konsumiert, zahlt nach dem Umstieg mehr als Nicht-Bio-Konsumenten. Ein Kilo Fleisch kostet um die 4€. Die vegetarischen Alternativen reichen von Bio-Tofu (10€/kg) bis Sojafleisch oder Granulat (1,7€/kg). Viele Großküchen in Deutschland steigen auf Pflanzenfleisch um, die diese Kosten senken kann.

FRAGE 4: Welche Umsätze macht derzeit schon vegetarische und/oder vegane Kost prozentual an der Lebensmittelproduktion, am Handel, am Verkauf aus?

Dazu die EVU: Leider werden diese Zahlen von den  Handelsketten nicht veröffentlicht.
Wir wissen nur, dass der Anteil stetig wächst und immer mehr Firmen diesen Markt für sich entdeckt haben. Es gibt z.B. auch immer mehr Metzgereien, die auch Fleischalternativen im Angebot haben, weil die Nachfrage so groß ist.

Vebu antwortet: Das lässt sich nicht genau sagen, da unter vegetarischer und veganer Kost ja auch Obst und Gemüse zu verstehen wäre. Jedoch steigt der Umsatz an vegetarischen Fleischalternativen seit etwa 4 Jahren jährlich um 20-25 Prozent.

VGÖ gibt an: Die Supermärkte halten das streng geheim, aber die Eigenmarke „SPAR Veggie“ war angeblich die erfolgreichste Eigenmarke, die die Supermarktkette SPAR je gelauncht hat. Die Regalmeter für vegetarische und vegane Produkte verdoppeln sich so gut wie jedes Jahr und wenn man Gemüse, Getreideprodukte und Obst dazuzählt, sind Supermärkte sehr vegetarisch bestückt.

FRAGE 5: Welche Folgen hätte es, wenn alle Menschen künftig völlig ohne tierische Nahrung leben würden -  was würde das für uns Menschen und für die Tierwelt und für den Planeten insgesamt bedeuten?

Antwort der EVU: Es hätte sehr große Auswirkungen: 1. Man könnte viel mehr Nahrungsmittel produzieren, weil die Verlängerung der Nahrungskette über das Tier eine große Verschwendung an natürlichen Ressourcen ist (Landverbrauch, Energieverbrauch, Wasserverbrauch). 2. Riesige Monokulturen, für den Futtermittelanbau, für die z.B. Regenwälder abgeholzt werden, wären nicht mehr nötig. 3. Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier würde sich stark verändern. 4. Die Gesundheitskosten würden massiv sinken, da viele Zivilisationskrankheiten zurückgehen würden (Adipositas, Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes, Rheuma etc.). 5. Der Klimawandel würde massiv verlangsamt, da die Fleischproduktion mehr zum Klimawandel beiträgt als der gesamte globale Verkehr (inkl. Flugzeuge, LKWs, Schiffe etc.  6. Auch das Verschwinden der Jagd hätte einen sehr positiven Einfluss auf Mensch, Tier und die Umwelt:

Vebu erklärt: Dem Ausbeuten und Töten von Tieren würde ein Ende gesetzt, Zivilisationskrankheiten - verursacht durch den hohen Fleischkonsum - würden verschwinden, die Umwelt und das Klima wären ohne Viehwirtschaft deutlich entlastet und zur Lösung des Welthungerproblems wäre entschieden beigetragen.

VGÖ antwortet: Es gibt jetzt 20-mal so viele Nutztiere wie noch vor 100 Jahren. Die Anzahl der Tiere ist übernatürlich hochgetrieben. Eine vegane Ernährung würde 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase einsparen. Man bräuchte weniger Ackerfläche, da durch die Verfütterung sehr viel Getreide verloren geht. Würde man die landwirtschaftlichen Produkte direkt an Menschen geben, könnten rein rechnerisch 10-mal so viele Menschen ernährt werden. Natürlich ist Hunger ein Verteilungsproblem, aber mit einer veganen Ernährung hätten wir mehr Fläche und Wasser, um die gestritten werden kann.

FRAGE 6: Ist es das angestrebte Ziel Ihrer Organisation, dass möglichst bald alle Menschen fleischlos leben und wann könnte dieses Ziel erreicht sein?

Die EVU sagt: Ja dies ist unser Ziel.
Dass der Fleischkonsum in Europa von über 90 Prozent der Bevölkerung abgelehnt wird, können wir uns innerhalb der nächsten Jahrzehnte gut vorstellen.
Ob es jemals soweit kommen wird, dass weltweit nirgends mehr Tiere aufgegessen werden, ist schwer zu sagen. -Jedoch wird dies sicher nicht in den nächsten Jahrzehnten sein.

Vebu antwortet: Unser Bild von der Zukunft ist eine Gesellschaft, in der statt toter Tiere pflanzliche Alternativen auf den Teller kommen.

VGÖ erklärt: Ganz und gar nicht. Es gibt immer mehr Menschen, die sich für das Thema interessieren und unser Ziel ist es, diesen Menschen zu helfen und Informationen bereitzustellen.

*

Anmerkung: Solche Aussagen und Behauptungen, wie die hier gemachten, werden in dem Buch „Vegetarismus – Irrtum und Heuchelei der Pflanzenesser“ aufgegriffen und richtiggestellt.
 

Wenn man hinterfragt, wie eine rein vegetaristische Ernährung die Welt verändern würde, kommt man zu erstaunlichen Ergebnissen, - und die stehen so in keiner Werbeschrift der Vegetarierverbände: „Was wäre, wenn militante, orthodoxe Vegetaristen (Veganer) sich durchsetzen könnten und eines Tages der Fleischverzehr und alle tierische Nahrung verboten würden? Was würde passieren, wenn ein solcher Vegetarist sich zum Herrscher auf dem Planeten aufschwänge?“

Diese Fragen werden in dem Buch nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet. In 14 Punkten sind die augenfälligsten Konsequenzen genannt, die eine solch radikale Veränderung der Ernährungsweise zur Folge hätte – wenn also auf dem ganzen Erdball plötzlich kein Fisch, kein Fleisch, kein Geflügel mehr gegessen, keine Milch getrunken, weder Ei noch Käse verzehrt würden.

„Keine Tiere zu essen wäre im Prinzip gleichbedeutend damit, alle domestizierten Arten auf irgendeine Art und Weise abzuschaffen oder aussterben zu lassen. Denn das grüne Land müsste, soweit vielleicht noch geeignet, zu Acker umgepflügt werden, auf dem dann Futterpflanzen nur noch für Menschen angebaut werden dürften: Soja, Kohl, Bohnen, Salat.“

Kein Platz für Tiere! Sie würden in der Welt der Pflanzenesser nur stören und wären Nahrungskonkurrenten, heißt es im Kapitel mit der Überschrift „Sie fordern eine komplett andere Welt“. Wer keine Tiere essen will, der will auch nicht, dass sie leben. Die rund 26 Milliarden Exemplare an Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und Geflügel auf der Welt gibt es ja nur, weil der Mensch ihnen Ställe baut und sie füttert.

Wie sähe in einem vegetaristischen Zeitalter Urlaub auf dem Bauernhof aus? Ohne Kälbchen, ohne Ferkel, ohne Kühe auf der Weide, ohne Gänse, Enten und Hühner. Dafür mit Folienfeldern und Monokulturen aus Salat, Soja und Getreide.

Pflanzenbatterien und Schlachthäuser der Vegetaristen  

„Wenn die vielen Rinder- und Schweinerassen, die Schafe, Ziegen und Hühner verschwunden wären, die der Mensch in Jahrtausenden domestiziert und vermehrt hat, könnten die Schlachthöfe zu Gewächshäusern umgewandelt werden. Oder zu Verarbeitungsanlagen für Gemüse- und Pflanzenpasten. Das wären dann die neuen Schlachthäuser der Vegetaristen. Darin würden immer mehr Pflanzen bei lebendigem Leib zerrupft und durch den Wolf gedreht, gesotten und zermalmt werden. Statt den ‚Nutztieren‘ – allein dieser Begriff erregt Vegetaristen so sehr, dass sie ihn fast immer in ‚Gänsefüßchen‘ setzen – ginge es jetzt verstärkt den ‚Nutzpflanzen‘ an den Kragen. Nach Abschaffung der Massentierhaltung müsste der Massenpflanzenanbau für die menschliche Ernährung stark ausgeweitet werden, damit die eine Hälfte des Tellers, auf der einmal Fleisch lag, auch noch mit Gemüse und Sättigungsbeilagen gefüllt werden könnte.“

Das Schicksal, das Pflanzen erleiden müssten, wäre kein bisschen besser als das, was heute bei industrieller Tierhaltung gerade von Vegetaristen beklagt wird. Dazu heißt es im Buch: „Wenn Vegetaristen das Sagen bekämen, hätten die Pflanzen kein artgerechtes Leben mehr – noch weniger als heute. Jede Pflanze müsste eine Esspflanze werden. Pflanzen wären fortan die einzigen Opfer, da die Tiere nicht mehr der menschlichen Ernährung dienen dürften. Wie im Gemüse- und Getreideanbau üblich, sät und pflanzt man sie flächendeckend so eng wie möglich, um möglichst viele von ihnen ernten zu können. Da Pflanzen nach der vegetaristischen Lehre keine Schmerzen verspüren, wenn sie sich im Überlebenskampf gegenseitig unterdrücken, gäbe es künftig statt Legebatterien immer mehr Treibhäuser mit Pflanzenbatterien. Der Vegetarist könnte keine Rücksicht darauf nehmen, dass Pflanzen lieber in Freilandhaltung einzeln stehen oder  in Kleingruppenhaltung heranwachsen möchten. In Freiheit und bei artgerechtem Leben würden sie ja viel zu wenig Ertrag bringen. Schließlich muss die vegetaristisch lebende Bevölkerung genug Grün bekommen, um am Leben zu bleiben.“

Ausgepresst, schockgefroren, gedörrt und zerrieben

Soweit denkt der gemeine Vegetarist nicht und die Verbände, die fleischlose Kost propagieren, reden nicht davon. Für sie sind pflanzliche Lebewesen Freiwild. Unter Punkt 11 der Konsequenzen, die ein weltweiter Vegetarismus hätte, heißt es zu dieser Heuchelei: „In einer Vegetaristenwelt, in der Pflanzenkost als einzige erlaubt wäre, würde es weniger tote Tiere geben, die der Mensch isst, dafür aber viel mehr Pflanzen, die er zum Zwecke seiner Ernährung tötet. Dann wüchsen die Leichenberge aus grünen Lebewesen.
Treibhausbesitzer durchtrennen bei der Ernte die Lebensadern der Pflanzen, Transportunternehmer karren ihre Körper zur Verarbeitung. Lebenssäfte rinnen wie Bäche grünen Blutes an Schneidemessern herunter. Der Geruch sterbender, frisch aus dem Leben gerissener Leiber erfüllt die Luft. Sie werden ausgepresst, schockgefroren, gedörrt und zerrieben. Wem das übertrieben erscheint, der sollte vielleicht einmal einen verarbeitenden Betrieb besichtigen, wo Pflanzen in Konserven gestopft oder zu handlichen Gefrierpackungen verarbeitet werden, zu Pasten und Würzpulver püriert. Der Begriff ‚Nutzpflanze‘ ist auch nicht ethischer als der Begriff ‚Nutztier‘“.

Zwei Drittel der Weltagrarfläche sind Wiese

Eine Welt des Vegetarismus ist eine im Kopf erdachte Welt. Und sie ist auch nicht zu Ende gedacht. Wer glaubt, wenn keine Tiere mehr gehalten würden, würde sich das Gesicht der Erde wandeln, hat Recht. Wer sich aber ausmalt, dass es so aussehen könnte, wie in einem Magazinbeitrag geschildert, gibt sich Illusionen hin: „Wo heute Rinder weiden oder Schweinefutter angebaut wird, wäre Raum für wilde Natur.“ (Focus Nr. 14/2013). – So schön könnte die Welt sein? Und wovon würden wir leben in diesen paradiesischen Gegenden?

Wenn in den Weiten Argentiniens oder auf den Almwiesen Bayerns, wenn in den feuchten Niederungen Schleswig-Holsteins oder in den Prärien der USA keine Rinder mehr weiden würden, fehlte ein großer Teil Nahrungsmittel, die auf diesen Flächen erzeugt wurden, nämlich Fleisch aus Gras. Dabei geht es nicht nur um ein paar Hektar, sondern weit mehr als die Hälfte der Agrarfläche bliebe dann ungenutzt.

Im Kapitel sieben von „Vegetarismus – Irrtum und Heuchelei der Pflanzenesser“ heißt es Vegetaristen  „erstellen Milchmädchenrechnungen“. Darin wird ausgeführt:  „Flächen, die nicht für den Pflanzenanbau geeignet sind, bezeichnet man als ‚absolutes Grünland‘[…] Von den weltweit knapp fünf Milliarden Hektar Agrarland werden tatsächlich nur 1,4 Milliarden beackert. 3,4 Milliarden Hektar – also sogar mehr als zwei Drittel – dienen ausschließlich der Produktion für tierische Lebensmittel.“

Wilde Natur – oder die Farm der Tiere

Auf der riesigen Fläche wächst nur Gras. Dieser überwiegende Teil der Weltagrarfläche würde ohne Tiere keine Erträge bringen und damit keinen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung mehr leisten. Eine vegetaristisch lebende Bevölkerung müsste die fehlenden Nahrungsmittel anderweitig erzeugen, wollte sie nicht hungern, zum Beispiel durch möglichst intensive Landwirtschaft. Tiere veredeln die Pflanzen des absoluten Grünlandes, die auch kein Vegetarist abweiden könnte, in ihren Organismen zu hochwertigen, sehr energiereichen Lebensmitteln: zu Fleisch.

„Wenn die ungenutzten Flächen des natürlichen Grünlandes dem Wild überlassen werden, wird es sich in kurzer Zeit explosionsartig vermehren“, ist zu lesen. „Aber die Tiere dürfen in der Vegetaristenwelt natürlich nicht getötet werden, Jagd und Jäger sind Feindbilder – also müssen Zäune und Mauern errichtet werden, damit Rehe, Hasen oder Wildschweine, Elefanten, Büffel oder Antilopen dem vegetaristisch lebenden Menschen nicht das Futter wegnehmen.“

Wenn Menschen inmitten von Fischen verhungern müssten

Vollends grotesk wird es, wenn die Menschheit wirklich konsequent vegetaristisch leben und auch noch auf Fisch verzichten würde. Im Buch wird ausgeführt: „Die Fischereiindustrie würde also abgeschafft. Aus den Ozeanen dürften dann höchstens noch Algen geholt werden. Riesige Nahrungsmittelvorräte blieben ungenutzt: Zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt, bislang wurden aus den Weltmeeren rund 140 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr für die Ernährung der Menschen gewonnen. Wenn wir das Diktat orthodoxer Vegetaristen erdulden müssten und Fisch nicht mehr auf die Teller kommen dürfte, würden alle Gewässer überquellen vor prallem Leben, während die Menschen in großen Teilen der Welt weiter Hunger litten.“

Jung, Single, vegetaristisch, weiblich, psychisch krank

Auf dem Land, wo man mit Tieren lebt, ist Vegetarismus so gut wie kein Thema. Dort, wo der Kontakt zu Lebewesen seit jeher eher eng ist, werden sie auch gerne gegessen. Der typische Vegetarist ist ein Stadtmensch. Er ist jung, alleinstehend, weiblich und häufig mit psychischen Problemen belastet. Das haben Johannes Michalak von der Universität Hildesheim und seine Kollegen in einer Studie herausgefunden. Psychisch erkrankte junge Frauen werden häufiger Vegetarier als Menschen mit einer gesunden Psyche, so das Ergebnis. Sie haben deutlich öfter depressive Störungen, Ess- und Angststörungen als Menschen, die sich normal und ausgewogen ernähren. Insgesamt sollen  70 bis 80 Prozent der Vegetarier in Deutschland Frauen sein, die meisten unverheiratet und kinderlos.

Das ist kein Modell für die Welt. Fleischverzicht ist eine Erscheinung satter Wohlstandsgesellschaften der USA und Europas – eine Art neuer Religion für die, die schon alles haben – ein neuer Kitzel. Meine Wohnung, meine Reise, mein Tofu. Man gönnt sich ja sonst nichts. Warum nicht mal Fake-Meat, dazu Früchte und Gemüse aus aller Herren Länder. Pflanzliche Vielfalt auf den Tellern muss es natürlich schon sein. Litschi, Mango, Feigen, Cherimoya, Curuba, Kiwi, Avocado, Granatapfel, Nashi, Papaya oder Salak. Doch die  leckere Abwechslung ist nur durch einen überhand nehmenden Nahrungsmitteltourismus möglich, der so gar nicht zur Attitüde der Weltrettung passt.

Menschen in „Schwellenländern“ freuen sich auf Fleisch

Global gesehen ist Fleischverzicht ein Merkmal unsicherer, alternder Gesellschaften vor allem Europas und der USA. Menschen in vitalen, aufstrebenden Ländern ernähren sich gemischt und sind froh, wenn sie sich öfter mal ein Stück Fleisch leisten können als früher. In China steigt der Fleischkonsum seit 50 Jahren kontinuierlich an und hat mit rund 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr schon fast europäisches Niveau erreicht.

Und das ohne ideologische Bauchschmerzen und depressive Verstimmungen. Asiaten essen immer mehr Fleisch, während im Abendland immer öfter Fleisch-Ersatzstoffe auf den Teller kommen, sogenanntes Fake-Meat. Der Ideologie des Vegetarismus folgend wird es aus dem Sojaprodukt Tofu weiterverarbeitet mit Yamswurzelpulver, Bindemitteln, Emulgatoren aus Pflanzengummi und Algen. So wird versucht  Fleisch- oder sogar Fischprodukte nachzuahmen, um auf tierische Nahrung verzichten zu können.

Wenn Essen zur Weltanschauung wird

Wer sich derart ernährt, dünkt sich in aller Regel auch noch moralisch überlegen, weil für seine Ernährung keine Tiere getötet werden. Vegetaristen, die Essen nicht mehr nur als Mageninhalt sehen, von dem ihr Körper lebt, sondern für die die Ernährung nicht selten  der ganze Lebensinhalt ist, neigen zur Missionierung. Dort, wo sie die Verfügungsgewalt haben, zwingen sie auch andere zur fleischlosen Ernährung: ihre Haustiere, die sich nicht wehren können und ihre unmündigen Kinder. Öfters mit katastrophalen gesundheitlichen Folgen für die Kleinen.

Das Schlusskapitel des Buches trägt die Überschrift: „Sie verbreiten Irrtum und Heuchelei“. Darin heißt es: „Gute Sojapflanze, lieber Salat, brave Yamswurzel – böser Fisch, böses Fleisch. So einfach ist die Welt? Pflanzliches ist gesund, Tierisches ungesund? Es ist schon fast tragisch, zu welchen Irrtümern eine solche Einteilung der Natur in Gut und Böse führen kann. Wenn es zum Beispiel stimmt, dass Aluminium Alzheimer begünstigt, wie eine neue Studie ergibt (Welt v. 06.03.2013 und Welt v. 10.03.2013), dann sind Sojakonsumenten wirklich zu bedauern. Gerade Sojaprodukte enthalten hohe Konzentrationen von Aluminium. Unverarbeitetes Fleisch dagegen ist weitgehend frei davon.“

Ob völliger Fleischverzicht also wirklich der Gesundheit dient, wie von Vegetaristen gern behauptet oder eher das Gegenteil bewirkt, ist mehr als strittig. Immerhin vertreten namhafte Evolutionsbiologen und Paläontologen die Ansicht, dass sich erst durch hohen Fleischkonsum das auf maximale Energiezufuhr angewiesene große menschliche Gehirn habe entwickeln können.

Vegetarismus ist aber ohne Zweifel ein Trend, der von Skandalen in der Lebensmittelversorgung gespeist und der aus Furcht geboren ist. Außerdem ist er modisch und wird zum Medienhype, gemacht von jenen, die den Ton bei „in“ und „out“ vorgeben und gern bestimmen wollen, was  in eine „moderne Gesellschaft“ passt und was nicht. Nicht zu übersehen ist jedoch auch, dass hier eine Geschäftsidee verwirklicht werden soll. In einem satten Markt werden neue Wünsche geweckt, um Umsatz zu machen. Schon heute haben Discounter und fast alle großen Lebensmittelgeschäfte eigene vegetaristische Abteilungen. Sogar in großstädtischen Metzgereien sollen da und dort schon vegetaristische Produkte angeboten werden. Die Umsatzzahlen der Vegi-Märkte gehen nach oben. Also scheint die Rechnung der Fake-Industrie, die Kunstfleisch, Kunstfisch und Wurstersatz aus Wurzeln herstellt, derzeit aufzugehen. – In den Wohlstandsinseln des Westens wohlgemerkt. Aber das kann sich mit dem nächsten Spritzmittel-Skandal oder einer neuerlichen tödlichen Sprossenverseuchung auch rasch wieder ändern.

*

Vegetarismus  

Inhaltsübersicht

VEGETARISMUS - Irrtum und Heuchelei der Pflanzenesser

Die Kapitel:
Sie beißen einfach zu, verschlingen untotes Leben
Sie essen Gänseblümchen
Vegetaristen verzehren Embryonen
Sie vertilgen keimendes Leben zur Sex-Anregung
Sie teilen Leben in schützens- und tötenswert
Sie behaupten: Pflanzen spüren keinen Schmerz
Sie erstellen Milchmädchenrechnungen
Sie fordern eine komplett andere Welt
Sie wollen die Evolution zurückdrehen
Sie machen Geschäfte mit Ideologie und Fake-Meat
Sie verbreiten Irrtum und Heuchelei
Über den Autor
Quellenangaben

Eine ausführliche Rezension  zu „Vegetarismus – Irrtum und Heuchelei der Pflanzenesser“ finden Sie hier.

Das Buch ist über den Buchhandel erhältlich oder portofrei direkt beim Verlag unter http://bit.ly/YoOJsY.

Ernährung Gesundheit Religion

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